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Richelle Mead - „Seelenruf“

Vampyre Acadamy 5

ISBN: 3802583469

Klappentext:

Nach ihrer langen Reise zu Dimitris Geburtsort in Sibirien ist Rose Hathaway endlich an die Vampirakademie und zu ihrer besten Freundin Lissa zurückgekehrt. Die beiden Mädchen stehen kurz davor, ihren Abschluss zu machen und können es kaum erwarten, die Akademie zu verlassen. Doch Rose trauert immer noch um den Verlust ihrer großen Liebe, und bald scheinen ihre schlimmsten Befürchtungen wahr zu werden. Dimitri hat ihr Blut gekostet und ist nun auf der Jagd nach ihr. Und dieses Mal wird er nicht eher ruhen, bis Rose sich ihm angeschlossen hat ... für immer.

Inhalt:

Rose ist an die Schule zurück gekehrt und hat doch noch ihren Abschluss gemacht. Trotzdem wird sie nicht zu Lissas Wächterin ernannt. Auch die übrigen Royals zeigen kein Interesse an Rose ihrem Können.

Rose hat außerdem ein großes Interesse daran, wie man einen Strigoi wieder in das "transformieren" kann, was er einmal war.

Rose und Lissa befreien einen verurteilten Verbrecher. Über ihn wollen sie an das Geheimnis der Rückverwandlung heran kommen.

Sie kommen an das Wissen, kehren jedoch an den königlichen Hof zurück.

Lissa wird entführt und plötzlich braucht man Rose ihre Hilfe. Doch rehabilitiert ist Rose noch nicht. Statt dessen liefert sie sich ein Wortgefecht mit der Königin, die wenig später ermordet wird. Rose ist die Hauptverdächtige.

Leseprobe:

Diese ganze Begegnung erinnerte mich an die Zeit, nachdem Lissa und ich nach St. Vladimir zurückgekehrt waren. Damals hatte man mich für das gleiche Vergehen zurechtgewiesen: verwegene Flucht und Gefährdung Lissas. Nur dass diesmal kein Dimitri da war, der mich verteidigte. Bei der Erinnerung bildete sich ein Kloß in meiner Kehle: Ich sah sein Gesicht wieder vor mir, ernst und wunderschön, diese braunen Augen, so intensiv und leidenschaftlich, während er für mich in die Bresche sprang und andere von meinem Wert überzeugte.

Aber nein. Kein Dimitri war hier. Eddie und ich waren allein und stellten uns den Konsequenzen der realen Welt.

„Sie.“ Hans zeigte mit einem Wurstfinger auf Eddie. „Sie haben vielleicht das Glück, ohne allzu große Konsequenzen davonzukommen. Sicher, Sie werden für alle Zeit einen schwarzen Fleck in Ihrer Akte haben. Und Sie haben Ihre Chancen, jemals eine Eliteposition bei der königlichen Familie zu erhalten, vollkommen vermasselt, weil die anderen Wächter Sie nicht länger unterstützen werden. Aber sicher werden Sie trotzdem irgendjemandem zugeteilt. Wahrscheinlich werden Sie allein für irgendeinen rangniederen Adligen arbeiten.“

Hochrangige Royals hatten mehr als nur einen Wächter, was ihren Schutz stets vereinfachte. Hans’ Argument war, dass Eddies Position eine niedrige sein würde – was sowohl mehr Arbeit als auch Gefahr für ihn bedeutete. Indem ich ihm einen Seitenblick zuwarf, sah ich wieder diesen harten, entschlossenen Ausdruck auf seinem Gesicht. Seine Miene schien zu sagen, dass es ihn nicht schere, selbst wenn er ganz allein eine Familie bewachen musste. Oder sogar zehn Familien. Tatsächlich wirkte er ganz so, als könnten sie ihn allein in ein Nest von Strigoi setzen – er würde es mit ihnen allen aufnehmen.

„Und Sie.“ Beim Klang von Hans’ scharfer Stimme wandte ich ihm wieder den Blick zu. „Sie werden sich glücklich schätzen können, überhaupt jemals einen Job zu bekommen.“

Wie immer sprach ich, ohne nachzudenken. Ich hätte dies schweigend über mich ergehen lassen sollen, so wie Eddie es tat. „Natürlich werde ich einen Job bekommen. Tasha Ozera hat sich für mich entschieden. Und Sie haben einen zu großen Mangel an Wächtern, um mich einfach so herumsitzen zu lassen.“

In Hans’ Augen glänzte eine bittere Erheiterung. „Ja, wir haben tatsächlich einen gewissen Mangel an Wächtern, aber es gibt alle möglichen Arbeiten, die getan werden müssen – nicht nur Personenschutz. Irgendjemand muss auch in unseren Büros sitzen. Jemand sollte die Vordertore bewachen.“

Ich erstarrte. Ein Schreibtischjob. Hans drohte mir tatsächlich mit einem Schreibtischjob. All meine schrecklichen Fantasien hatten darum gekreist, dass ich einen x-beliebigen Moroi bewachen würde, jemanden, den ich nicht kannte und den ich wahrscheinlich hassen würde. Aber in jedem dieser Szenarios befand ich mich draußen in der Welt. Ich war in Bewegung. Ich würde kämpfen und jemanden verteidigen.

Aber dies? Hans hatte recht. Es wurden für die administrativen Jobs bei Hof immer Wächter gebraucht. Nun gut, sie hatten nur eine Handvoll hier – wir waren zu wertvoll –, aber irgendjemand musste es nun mal tun. Die Möglichkeit, dass einer von diesen Jemanden ich sein könnte, war einfach zu schrecklich, um sie aufzunehmen. Den ganzen Tag Stunden und Stunden herumzusitzen … wie die Wachen in Tarasov. Das Wächterleben beinhaltete alle möglichen unrühmlichen – aber notwendigen – Aufgaben.

In diesem Augenblick wurde mir erst richtig bewusst, dass ich mich ja draußen in der realen Welt befand. Die Furcht traf mich wie ein Faustschlag. Ich hatte den Titel einer Wächterin angenommen, als ich meinen Abschluss bekam, aber hatte ich auch wirklich verstanden, was er bedeutete? Oder spielte ich nur die Wächterin, genoss die Höhepunkte und ignorierte die Konsequenzen? Ich hatte die Schule hinter mir. Für diese Geschichte würde es kein Nachsitzen geben. Dies hier war real. Hierbei ging es um Leben und Tod.

Mein Gesicht musste meine Gefühle verraten haben. Hans quittierte meine Reaktion mit einem kleinen, grausamen Lächeln. „Das ist schon richtig. Wir haben die verschiedensten Möglichkeiten, Unruhestifter zu zähmen. Zu Ihrem Glück wurde über Ihr Schicksal noch nicht abschließend entschieden. Und in der Zwischenzeit gibt es hiereine ganze Menge Arbeit, die getan werden muss und bei der Sie sich beide nützlich machen können.“

Diese Arbeit entpuppte sich im Laufe der nächsten Tage als eine üble, körperliche Schufterei. Ehrlich, es unterschied sich nicht allzu sehr von Nachsitzen, und ich war mir ziemlich sicher, dass diese Aufgaben nur deshalb geschaffen wurden, um Tunichtguten wie uns eine schreckliche Beschäftigung zu geben. Wir arbeiteten zwölf Stunden am Tag, einen großen Teil davon im Freien, wo wir Steine und Erde schleppten, um einen neuen, hübschen Innenhof für einige der Stadthäuser der Royals anzulegen. Manchmal wies man uns auch Putzarbeiten zu, wir mussten Böden schrubben. Ich wusste, dass sie für diese Arbeiten normalerweise Moroi angestellt hatten, die im Augenblick aber wahrscheinlich Urlaub machen durften.

Trotzdem, es war besser als die anderen Aufträge, die Hans uns zuwies: das Sortieren und Ablegen von Bergen von Papieren. Dies regte mich zu einer neuen Wertschätzung für die digitale Verarbeitung von Informationen an … und weckte neuerliche Sorgen in mir, was die Zukunft betraf. Wieder und wieder dachte ich über dieses erste Gespräch mit Hans nach. Die Drohung, dass dies mein Leben sein könnte. Dass ich niemals eine Wächterin sein würde – nicht im wahren Sinne –, weder für Lissa noch für irgendeinen anderen Moroi. Während meiner ganzen Ausbildung hatten wir immer ein Mantra gehabt: Sie kommen zuerst. ...