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Richelle Mead - „Schicksalsbande“

Vampyre Acadamy 6

ISBN: 3-802-58347-7

Klappentext:

Rose Hathaway glaubte, alles würde endlich gut werden, wenn sie nur ihren Geliebten Dimitri von der Seite der Strigoi zurückholen könnte. Doch nachdem ihr dies gelungen ist, bricht ihre Welt von Neuem zusammen. Die Königin der Moroi-Vampire wurde ermordet und Rose ist die Hauptverdächtige. Nun droht ihr die Todesstrafe, wenn sie nicht beweisen kann, dass sie unschuldig ist. Dabei bräuchte ihre Freundin Lissa sie jetzt mehr denn je, denn man versucht ihr den Anspruch auf den Thron streitig zu machen. Und Dimitri, traumatisiert durch die Zurückverwandlung in einen Dhampir, will nichts mehr von Rose wissen. Kann Rose ihre Leben und ihre Liebe retten?

Inhalt:

Rose sitzt inhaftiert in ihrer Zelle und wartet auf die Verurteilung. Sie weiß, dass man Sie wohl zum Tode verurteilen wird.

Ausgerechnet ihre Freunde helfen ihr beim Ausbruch und dann befindet sie sich mit Dimitri auf der Flucht.

Doch auch die Flucht gestaltet sich anders, als man das geplant hat. Rose sieht nämlich nicht ein, dass sie untätig in ihrem Versteck sitzen soll. Sie kann in der Zeit genauso gut Lissa helfen. Irgendwo hat sie nämlich noch einen Bruder oder eine Schwester. Wenn die gefunden werden kann kann Lissa, ihre Stimme im Rat bekommen.

Es wird gekämpft, verloren und gesiegt. Am Schluss des Buches findet die gesamte Reihe einen unerwarteten Abschluss.

Leseprobe:

… Dimitri drehte sich um und sah Robert jetzt ebenfalls, aber er konnte schon nichts mehr tun. Wir hielten Sonya fest, und da sich ihre Brust offen darbot, war es die perfekte Gelegenheit für Robert. Er hatte leichtes Spiel. Hektisch fragte ich mich, was ich tun sollte. Wenn ich ihn zurückhielte, würde ich Sonya loslassen. Wenn ich ihn aber nicht zurückhielte, würde er vielleicht unsere letzte Chance zunichtemachen, herauszufinden, wer....

Zu spät. Der Pflock fuhr ihr mit einer Wucht ins Fleisch, die mich erstaunte. Lissa hatte ihre liebe Not gehabt, Dimitri zu pfählen, und ich hatte angenommen, das Gleiche würde für jemanden wie Robert auch gelten, da er älter war und so zerbrechlich wirkte. Aber nein. Trotzdem musste er beide Hände benutzen – aber der Pflock bohrte sich fest in Sonyas Brust und durchstach ihr Herz.

Sonya stieß einen schrillen Schrei aus, und auf einmal erfüllte ein blendend weißes Licht den Raum, und gleichzeitig riss mich eine unsichtbare Macht weg. Ich prallte gegen eine Wand, aber mein Gehirn registrierte den Schmerz kaum. Das kleine Haus erbebte, und mit einer Hand versuchte ich, mich irgendwo festzuhalten. Ich presste die Augen zusammen, sah aber trotzdem Sterne. Die Zeit verging nun langsamer. Mein Herzschlag stockte.

Dann – hörte alles auf. Alles. Das Licht. Das Beben. Ich atmete wie gewöhnlich. Alles war ruhig und still, als hätte ich mir nur eingebildet, was gerade eben geschehen war.

Ich blinzelte in dem Versuch, wieder klar zu sehen und die Situation einschätzen zu können. Ich gab mir alle Mühe, mich wieder aufzurappeln, und sah, dass Dimitri das Gleiche tat. Er machte den Eindruck, als hätte es auch ihn von den Füßen gerissen, aber statt gegen die Wand geschleudert zu werden, hatte er sich daran abgestützt. Robert lag flach auf dem Boden, und Victor eilte zu seiner Hilfe herbei. Sydney stand einfach nur wie versteinert da.

Und Sonya?

„Unglaublich“, flüsterte ich.

Sonya befand sich noch immer in dem Sessel, und die Art, wie sie weit zurückgelehnt dasaß, zeigte deutlich, dass sie von der gleichen Gewalt getroffen worden war wie wir anderen. Die Ketten hielten sie zwar nach wie vor fest, aber sie wehrte sich nicht mehr dagegen. Auf ihrem Schoß lag der silberne Pflock, den nur Sekunden zuvor Robert in der Hand gehalten hatte. Sonya gelang es, eine Hand gerade so weit von der Kette zu befreien, dass sie mit den Fingern über den Pflock streichen konnte. Ihre Augen weiteten sich vor Staunen – Augen, die von einem tiefen Himmelblau waren.

Robert hatte Sonya Karp ins Leben zurückgeholt. Sie war kein Strigoi mehr.

Als Lissa Dimitri gerettet hatte, hatte ich die Macht der Magie durch das Band gespürt und die ganze überwältigende Erfahrung miterlebt. Es jetzt zu beobachten, ohne das Wissen aus erster Hand, das ich von Lissa gehabt hatte, wirkte trotzdem genauso unglaublich. Victor war mit Robert beschäftigt, aber wir anderen mussten Sonya weiterhin voller Staunen anstarren. Ich suchte nach etwas – nach irgendetwas –, das auch nur den leisesten Hinweis auf ihre frühere Existenz geliefert hätte.

Da war aber nichts. Ihre Haut zeigte die für Moroi typische Blässe, aber sie war trotzdem von der Wärme des Lebens erfüllt und hatte einen winzigen Hauch von Farbe – aber nicht so wie die Strigoi, die vollkommen ohne Pigmentierung waren. Ihre Augen waren blutdurchschossen, doch das lag daran, dass sich die Tränen so rasch formten. Kein roter Ring umgab mehr ihre Iris. Und der Ausdruck in diesen Augen.... da gab es weder Grausamkeit noch Bosheit. Es waren nicht die Augen einer Person, die gerade gedroht hatte, uns alle zu töten. Ihre Augen waren eher voll von Schock, Furcht und Verwirrung. Ich konnte den Blick nicht von ihr losreißen.

Ein Wunder. Noch so ein Wunder. Nachdem ich gesehen hatte, wie Lissa Dimitri zurückgeholt hatte, hatte ein geheimer Teil von mir geglaubt, dass ich etwas Derartiges nie wieder miterleben würde. So funktionierten Wunder eben. Ein einziges Mal in einem ganzen Leben. Es hatte viel Gerede darüber gegeben, Geist einzusetzen, um überall Strigoi zu retten, Gerede, das allerdings wieder verebbt war, als andere Dramen – zum Beispiel die Ermordung einer Königin – diese Überlegungen bei Hofe verdrängt hatten. Auch die Knappheit an Geistbenutzern hatte die Idee unbeliebt gemacht, und außerdem wussten alle um die Schwierigkeiten, die damit verbunden waren, dass ein Moroi einen Strigoi pfählen sollte. Wenn ausgebildete Wächter im Kampf gegen Strigoi starben, wie konnte ein Moroi dann einen Strigoi pfählen? Also, hier war die Antwort: Es musste ein gefesselter Strigoi sein. Einem Moroi konnte es mit beiden Händen gelingen, einen Strigoi zu pfählen, vor allem mit Unterstützung seitens der Wächter. Angesichts dieser Möglichkeiten schwirrte mir der Kopf. Roberts Magie war zwar stark, aber er war alt und gebrechlich. Doch wenn er es trotzdem getan hatte, konnten es dann ebenso gut alle Geistbenutzer tun? Bei ihm hatte es beinahe einfach gewirkt. Konnte Adrian es tun? Konnte Lissa es wieder tun?

Ein Wunder. Sonya Karp war ein lebendes, atmendes Wunder.

Und plötzlich schrie sie.

Es begann als ein leises Geheul und schwoll dann rasch zu größerer Lautstärke an. Das Geräusch riss mich sofort aus meinen Gedanken, aber ich wusste nicht genau, wie ich reagieren sollte, im Gegensatz zu Dimitri. Sein Pflock entfiel ihm, und er eilte an Sonyas Seite und versuchte, sie von den Ketten zu befreien. Bei seiner Berührung zuckte sie zurück, aber ihren Bemühungen lag nicht mehr die übernatürliche Stärke eines untoten Ungeheuers auf der Suche nach Rache zugrunde. Es waren eher die Bewegungen einer Person, die verzweifelt schien und schreckliche Angst haben musste.

Ich hatte diese Ketten ziemlich gut befestigt, aber Dimitri hatte sie binnen weniger Sekunden gelöst. Sobald Sonya frei war, setzte er sich in den Sessel und zog sie an sich. Sie bettete das Gesicht an seine Brust und schluchzte. Ich schluckte. Auch Dimitri hatte geweint, als er zurückverwandelt worden war. Ein seltsames Bild von neugeborenen Säuglingen blitzte in mir auf. War Weinen die natürliche Reaktion eines jeden Wesens, das geboren – oder in diesem Fall wiedergeboren – wurde?

Eine plötzliche Bewegung erregte meine Aufmerksamkeit. Sydneys Augen waren groß geworden, und sie ging tatsächlich zu Dimitri hin – um ihn an seinem Tun zu hindern. „Was machen Sie da?“, rief sie. „Sie dürfen sie doch nicht loslassen!“

Dimitri beachtete Sydney gar nicht, und ich zog sie zurück. „Schon in Ordnung, es ist schon in Ordnung“, sagte ich. Sydney war der stabilste Faktor in dieser ganzen Operation. Ich durfte nicht zulassen, dass sie durchdrehte. „Sie ist keine Strigoi mehr. Sieh hin! Schau sie dir an! Sie ist jetzt eine Moroi.“

Sydney schüttelte langsam den Kopf. „Das ist unmöglich. Ich habe sie gerade noch gesehen.“

„Dasselbe ist mit Dimitri auch schon geschehen. Genau dasselbe. Du hältst ihn doch nicht für einen Strigoi, oder? Du vertraust ihm.“ Ich ließ sie los, und sie blieb, wo sie war, zeigte jedoch nach wie vor Argwohn.

Als ich einen Blick auf die beiden Brüder da unten warf, wurde mir klar, dass ihre Situation vielleicht ernster war, als ich zunächst gedacht hatte. Robert war zwar kein Strigoi, sah aber ebenso bleich wie einer aus. Sein Blick war leer, Speichel floss ihm aus dem halb geöffneten Mund. Ich kam zu einer anderen Einschätzung meiner Überlegung, dass Roberts Vorgehensweise die Wiederherstellung eines Strigoi als einfache Sache erscheinen ließ. Er hatte den Pflock wie ein Profi gehandhabt, doch es gab offensichtlich einige Nebenwirkungen. Victor versuchte, seinen Bruder zu stützen, und murmelte besänftigende, ermutigende Worte. …