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Thomas Thiemeyer - „Valhalla“

ISBN: 978-3-426-42412-4

Klappentext:

2015. Spitzbergen – der nördlichste Siedlungspunkt der Menschheit. Eine Welt aus Eis und Schnee, überschattet von vier Monaten Polarnacht. Dort plant Archäologin Hannah Peters, geheimnisvolle Strukturen unter dem arktischen Eis zu untersuchen: Das Abschmelzen der Gletscher hat mutmaßlich Fundamente eines mythischen Nordreiches zutage gefördert. Doch Hannah ist nicht die Erste, die diese Ruinen erkundet …

1944. Im annektierten Norwegen, fernab jeder Siedlung, reift ein Projekt, das grauenvoller ist als alles, was Menschen je ersonnen haben. Eine biologische Zeitbombe, verborgen unter dem ewigen Eis. Ihr Codename: Valhalla.

Inhalt:

Aus einem Projekt der Nazis, wird ein Problem der Gegenwart. Und das alles nur, weil die Gletscher in der Arktis mehr und mehr abtauen...

Unter den Eismassen der Arktis, wird ein seltsames, steinernes Labyrinth entdeckt. Sofort macht sich ein Forscherteam auf, um die seltsame Stadt zu erkunden und eventuell ein Alter festzulegen. - Allerdings bricht im Team eine seltsame Krankheit aus, als sie ein Tor geöffnet haben. Fast das komplette Team stirbt noch an Ort und Stelle Qualvoll.

Einzige Überlebende ist Hannah Peters. Eine Archäologin, die schwanger ist, davon nichts wusste und deren Baby ihr das Leben gerettet hat. - Hannah Peters ist nun in Zugzwang. Wenn sie das Leben ihres Kindes retten will, MUSS sie an das ursprüngliche Virus kommen. - Es beginnt eine gefahrvolle Hetzjagd zwischen Nationen und Wetterlagen.

Leseprobe:

… Der Schlitten trug ihn beständig durch die Nacht, immer weiter auf das Felsplateau im Zentrum der Insel zu. Der Schnee gab leise knirschende Geräusche von sich. Es war kaum etwas zu hören, außer dem Hecheln der Hunde und dem Gleiten der Kufen. Die Luft roch nach Schnee. Bald schon würden neue Niederschläge fallen und die Spuren verdecken, wenn es denn welche gab. Arkadij zweifelte mittlerweile an seiner Entscheidung. Weder hatte er das Geräusch noch einmal gehört, noch war ihm irgendetwas in den Lichtkegel seiner Lampe geraten, was die seltsamen Laute erklären konnte.

Das Navigieren war schwierig. Für die Richtung musste er seine Erinnerung bemühen, und die konnte ihm bestenfalls einen groben Anhaltspunkt liefern. Als er im Haus gewesen war, hatte er das Geräusch in östlicher Richtung vermutet; nun war er sich nicht mehr sicher. Wenn es tatsächlich ein Tier gewesen war, bestand die Wahrscheinlichkeit, dass es ihn längst gesehen hatte und über alle Berge verschwunden war. Blieb der Geruchssinn seiner Hunde. Die Tiere waren merklich nervös und wechselten von Zeit zu Zeit die Richtung. Das taten sie nur, wenn sie Witterung aufgenommen hatten. Normalerweise ließ er ihnen so ein Verhalten nicht durchgehen, doch heute war er froh, sie dabeizuhaben. Wenn in dieser menschenleeren Wildnis wirklich etwas war, so würden sie es finden.

Der Schlitten war ein paar hundert Meter weiter den Hang hinaufgeglitten, als Arkadij vor sich im Schein der Lampe etwas sah. Ein knapper Befehl, und die Hunde hielten an. Jaulend, den Schwanz zwischen die Hinterbeine geklemmt, suchten sie seine Nähe.

»Platz«, sagte er zu seinem Leitrüden und deutete auf den Boden. »Hinsetzen, und zwar sofort. Du passt auf, dass die anderen keine Mätzchen machen, in Ordnung? Ich werde mir das mal ansehen.«

Der Rüde stieß ein klägliches Jaulen aus, folgte aber seiner Anweisung. Arkadij spürte die Nervosität der Tiere. Er nahm sein Gewehr von der Schulter, lud eine Patrone in den Lauf und löste die Sicherung.

Er war noch nicht weit gekommen, als er anhielt.

»Was zum Geier …«

Vor ihm war Blut im Schnee. Nicht nur ein paar Tropfen, ein einziger großer Fleck. Fellbüschel lagen herum, massenweise; an einigen hingen noch blutige Hautfetzen. Er beugte sich vor, hob einen von ihnen auf und hielt ihn ins Licht. Fell, Geruch – eindeutig ein Eisbär. Das Blut war frisch, beinahe noch warm. Der Schnee in der Kampfzone war dermaßen aufgewühlt, dass keine Spuren zu erkennen waren. Ein Kampf unter Rivalen? Arkadij ging weiter und fand ein abgerissenes Ohr. Er runzelte die Stirn. Gewiss, Eisbärenmännchen fochten teilweise mit harten Bandagen um ihre Weibchen, aber erstens war dies nicht die Jahreszeit, und zweitens kämpften sie nicht auf derart grausame Art. Die Tiere wussten immer, wann Schluss war. Das hier sah aus, als wäre einer der beiden regelrecht zerfetzt worden.

Arkadij leuchtete in die Dunkelheit. Die Blutspur führte von der Kampfzone weg in Richtung Felswand. Das Plateau erhob sich an dieser Stelle etwa zwanzig Meter über Meeresniveau, so dass es aussah, als wäre es vor Urzeiten von einer mächtigen Kraft aus den Tiefen der Erde emporgedrückt worden.

Arkadij entschied sich, allein weiterzugehen. Seine Hunde waren dermaßen nervös, dass er ihnen keinen Gefallen getan hätte, wenn er sie mitnahm.

Um die Hände fürs Gewehr freizuhaben, fixierte er die Lampe mit dem Gurt an seiner Stirn und richtete den Lichtkegel in die Dunkelheit.

Trotz einsetzenden Schneefalls war die Spur gut zu sehen. Das Tier hatte sich blutend und humpelnd in die Nähe der Felsen geschleppt. Vermutlich, um dort Schutz zu suchen. Vielleicht auch, um zu sterben. Der Blutverlust jedenfalls war extrem.

Arkadijs Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Immer wieder kreisten seine Gedanken um den seltsamen Laut, den er in der Hütte gehört hatte. Es fiel ihm immer noch schwer, zu glauben, dass das ein Ursus maritimus gewesen sein sollte. Andererseits: was sonst? Eisbären waren nun mal die größten Landraubtiere der Erde. Um ein solches Tier dermaßen zuzurichten, bedurfte es eines zweiten, noch größeren Bären. Möglich, dass er sich immer noch hier herumtrieb.

Arkadijs Blick fiel auf seine Waffe. Die Repetierbüchse kam ihm mit einem Mal ziemlich klein und unzureichend vor. Einen wütenden und verletzten Bären würde er damit kaum aufhalten. Vielleicht sollte er doch lieber umdrehen und die Suche abbrechen. In der Ferne schimmerten die Lichter seiner Hütte. Wie warm und heimelig sie aussahen. Einen Moment lang rang er mit sich, doch dann überwog die Neugier. Er musste einfach herausfinden, was hier vorgefallen war. …