ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Christopher Moore - „Flossen weg!“

ISBN: 3-442-54208-1

Klappentext:

Der Meeresbiologe Nate Quinn ist verliebt – in die majestätischen Buckelwale, die seit Millionen von Jahren das Meer mit ihren geheimnisvollen Gesängen bevölkern. Doch warum, um alles in der Welt, singen Buckelwale? Dieser Frage geht Nate Quinn seit Jahren zusammen mit seinem Team nach, doch ihrem Geheimnis ist er noch keinen Schritt näher gekommen. Eines Tages aber, als Nate wieder einmal mitten im Meer auf seinem Boot den Beobachtungsposten be-zieht, traut er seinen Augen nicht: Nur wenige Schwimmzüge von ihm entfernt, taucht die riesige Schwanzflosse eines Buckelwals auf – und auf dieser Flosse ist groß und deutlich lesbar geschrieben: Flossen weg! Nate glaubt zunächst, einen Sonnenstich erlitten zu haben, aber als derselbe Buckelwal bei ihm ein Pastrami-Sandwich bestellt, scheint er gar den Verstand verloren zu haben. Erst als Nate der Bitte tatsächlich nachkommen möchte, ist die Auflösung des Rätsels, warum Wale singen, in greifbarer Nähe – zumindest für ihn, denn der Wal führt ihn an den wohl entlegensten Ort der Welt: 623 Fuß unter dem Meeresspiegel, irgendwo vor der Küste Chiles, liegt die verborgene Unterwasserstadt Gooville …

Inhalt:

Walforscher nehmen die Gesänge von Walen auf. Sie vermessen die Tiere und machen Fotos ihrer Schwanzflossen zur Identifikation. Doch auf einer Flosse steht plötzlich: „Flossen weg!“ - Der Forscher glaubt an Halluzinationen.

Wenig später wird er von einem Wal verschluckt, überlebt das und muss feststellen, dass der Wahl eine Art U-Boot ist. Doch mit dem U-Boot nicht genug. Alles Leben konzentriert sich im Goo. Eine Art organische Höhle im Meer, in dem lang verschollene Menschen und Walbengel leben.

Der Forscher muss viele seiner Ansichten überdenken.

Leseprobe:

… »Ich denke nicht, dass du extra runterkommen musst, Elizabeth. Clay schafft das schon.«

»Na, wenn du es sagst. Aber du musst mir versprechen, dass du heute rausfährst.«

»Versprochen.«

»Und du nimmst ein scharfes Pastrami-Sandwich auf dunklem Brot für diesen großen Bullen mit.«

»Ich will es versuchen, Elizabeth. Ich muss jetzt los. Clay braucht mich für irgendwas.«

»Mit Schweizer Käse und scharfem Senf!«, sagte die Komische Alte, als Nate die Verbindung unterbrach.

Clay bedankte sich bei dem Polizisten, der Nate im Gehen zunickte. Selbst das Pärchen aus Minnesota war weitergezogen, und nur noch Clay und Nate standen auf dem Pier. »Wo sind denn unsere Kinder?«, fragte Nate und

krümmte sich bei der bloßen Vorstellung: er und Clay, das Pärchen in den besten Jahren, das die Verantwortung trug, traurig und langweilig, während die Kids einfach wegliefen und spielten und Abenteuer erlebten.

»Ich habe Amy gebeten, Kona zu suchen. Die könnten sonstwo sein.«

»Clay, ich muss dich was fragen, bevor sie wiederkommen.«

»Schieß los.«

»Hast du irgendeine von Amys Empfehlungen geprüft, bevor du sie eingestellt hast? Ich meine, hast du jemanden angerufen? In Woods Hole? Oder in dieser anderen Schule … welche war das noch?«

»Cornell. Nein. Sie war schlau, sie war süß, sie schien zu wissen, wovon sie redet, und sie wollte ohne Bezahlung arbeiten. Ihre Vertrauenswürdigkeit machte auf dem Papier einen guten Eindruck. Ein geschenkter Gaul, Nate.«

»Jon Thomas Fuller sagt, er hat es nachgeprüft und in Woods Hole hätte noch nie jemand von ihr gehört.«

»Fuller ist ein Schwein. Hör mal, es ist mir eigentlich egal, ob sie die Highschool abgeschlossen hat. Die Kleine hat sich bewährt. Die hat Mumm.«

»Trotzdem, vielleicht sollte ich Tyack anrufen.

Für alle Fälle.«

»Wenn es sein muss. Ruf ihn heute Nachmittag an, wenn du wieder da bist.«

»Ich bin mir sicher, dass Fuller mich nur mal treten wollte. Er hat uns ein Schiff angeboten, so eins wie er es hat, wenn wir sein Delphin-Park-Projekt unterstützen.«

»Und du hast abgelehnt?«

»Selbstverständlich.«

»Aber das sind großartige Schiffe. Unsere Armada wurde auf die Hälfte reduziert. Unsere nautischen Ressourcen sind um fünfzig Prozent geschrumpft. Unser Defizit, was Boote angeht, liegt bei Null Komma fünf.«

»Was gibt’s?«, sagte Amy. Sie war den Anleger heruntergekommen und schien ihre Melancholie abgelegt zu haben.

»Clay gibt sich gerade wissenschaftlich. Fuller hat uns ein Zwanzig-Meter-Forschungsschiff angeboten, inklusive Budget, wenn wir sein Delfin-Projekt unterstützen.«

»Muss ich dafür mit ihm schlafen?«

»Das haben wir noch nicht ins Spiel gebracht«, erwiderte Clay, »aber ich wette, wir könnten noch eine Sonaranlage rausschlagen, wenn du dir etwas Mühe gibst.«

»Verdammt, Nate, nimm an!«, sagte Amy.

»Es wäre der Ausverkauf meiner Glaubwürdigkeit«, sagte Quinn und war entsetzt darüber, dass seine Kollegen solche Huren waren.

»Wir würden auf die dunkle Seite wechseln.«

Amy zuckte mit den Achseln. »Das sind schicke Schiffe.« Ihr Mundwinkel zuckte, als versuchte sie, nicht zu grinsen, und Nate merkte, dass sie ihn wahrscheinlich nur auf den Arm nahm.

»Ja«, sagte Clay. »Echt schick.« Auch Clay nahm ihn auf den Arm.

Nate schüttelte den Kopf, sah aus, als könnte er es gar nicht fassen, aber eigentlich versuchte er nur, die Erinnerung an seinen Traum abzuschütteln, in dem er ein großes Kajütboot durch die Straßen von Seattle gesteuert hatte, mit Amy als Bikini-Galionsfigur. »Wenn du okay bist, Clay, sollten wir rausfahren, bevor Wind aufkommt.«

»Fahr nur«, sagte Clay. »Ich kümmere mich um den Polizeibericht für die Versicherung.«

Zu Amy sagte er: »Hast du Kona gefunden?«

»Er ist da hinten bei diesem Tako-Typen.«

»Was macht er?«

»Es sah aus, als würde er ein Saxophon zusammenschrauben. Ich bin nicht näher rangegangen.«

Quinn schlenderte ein Stück über den Anleger und beobachtete Kona, während dieser mit Tako Man sprach. »Nein, das ist sein Bong.

Man kann es zum Transport auseinander bauen.«

»Was ist ein Bong?«

»Wirklich niedlich, Amy. Hilf mir, die Gerätschaften an Bord zu bringen.«

Plötzlich fing Kona an zu schreien und rannte ihnen über den Anleger entgegen. »Bwanas!

Ich hab das Boot gefunden!«

Clay richtete sich auf. »Wo?«

»Da hinten. Tako Man sagt, es liegt da hinten.

Er ist heute früh da drüben getaucht.«

Kona deutete auf einen Fleck von trübem, jadegrünem Wasser in der Mitte des Hafens. Jadegrün wegen der Abwässer von den Wohn-

booten, den Ködern, der Vogelscheiße, dem Erbrochenen und den Fischinnereien, die im Wasser gelandet waren, bevor die Aasfresser sie sich hatten holen können. Das alles rief eine ständige Algenblüte hervor.

»Mein Boot«, sagte Clay mit verlorenem Blick aufs Wasser. …