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Piers Anthony - „Chamäleon-Zauber“

Xanth 1

ISBN: 3-404-20156-6

Klappentext:

In einer fernen Dimension, jenseits von Zeit und Raum,liegt das magische Land Xanth. Zauberer und Elfen,Drachen und Zentauren, Kobolde und Einhörner leben in diesem wundersamen Reich der Phantasie. Und jedes Wesen besitzt einen eigenen Zauberspruch, mit dem es sich immer dann retten kann, wenn das Leben zu gefährlich oder zu langweilig wird.

In dieser von Magie erfüllten Welt scheint der junge Bink das einzige Geschöpf ohne jede Zauberkraft zu sein, was ihm sein Leben im märchenhaften Xanth nicht gerade leichter macht. Doch der gute Magier Humfrey nimmt sich des Jungen an, der über ein einzigartiges Talent verfügt - er ist immun gegen Zauberei. Kein Wunder, dass sich auch der böse Magier Trent für Bink interessiert, denn der Junge könnte zum Schicksal von ganz Xanth werden…

Inhalt:

Bink hat im Norddorf nichts zu lachen. Er schein vollkommen ohne magische begabung zu sein und das lassen ihn die anderen Jungs sehr deutlich spüren.

Um das drohende Exil noch verhinder zu können, reist er zum guten Zauberer. Doch dessen Erkenntnis bringt Bink nichts. Der König schickt ihn uns Exil, wo Bink sofort in die Gefangenschaft von Trent gerät.

Doch Trent ist nicht der böse Zauberer, für den ihn alle halten. Bei der Flucht aus dem Exil und der folgenden reise durch Xanth werden die beiden so etwas wie Freunde.

Leseprobe:

… Bink war sich nun selbst überlassen. Er ging im Raum umher und vermied es sorgfältig, nichts dabei anzufassen. Er kam an einen Spiegel. »Spieglein, Spieglein an der Wand«, sagte er scherzhaft, »wer ist die Schönste im ganzen Land?«

Der Spiegel bewölkte sich, dann wurde er wieder klar. Eine große, fette, warzenübersäte Kröte blickte ihn an. Bink zuckte zusammen.

Dann begriff er, was geschehen war: Das hier war ein magischer Spiegel. Er hatte ihm die Schönste von allen gezeigt – von allen Kröten.

»Ich meine, die schönste Menschenfrau«, erklärte er.

Nun blickte Sabrina ihn an. Zuerst hatte Bink ja gescherzt, doch er hätte eigentlich begreifen müssen, daß der Spiegel ihn ernst nehmen würde. War Sabrina wirklich das schönste aller Mädchen? Objektiv gesehen, war das unwahrscheinlich. Der Spiegel zeigte sie, weil sie in seinen voreingenommenen Augen dieSchönste war. Ein anderer Mann …

Das Bild verwandelte sich. Nun blickte Wynne ihn an. Ja, auch sie war schön, wenn auch viel zu dumm, als daß sie sich gelohnt hätte. Aber manche Männer würden wahrscheinlich auch das mögen. Andererseits…

Jetzt sah er die Magierin Iris in ihrer verführerischsten Illusion. »Na, wird auch langsam Zeit, daß du dich für mich entscheidest, Bink«, sagte sie. »Ich kann dich immer noch…«

»Nein!« rief Bink, und das Spiegelbild verschwand.

Er beruhigte sich etwas und sah dann den Spiegel erneut an. »Kannst du auch informative Fragen beantworten?« Natürlich konnte er es, sonst würde er nicht hier hängen.

Der Spiegel bewölkte sich und wurde wieder klar. Nun erschien ein Bild des Cherubs, was Ja bedeutete.

»Warum haben wir solche Schwierigkeiten dabei, mein Talent zu bestimmen?«

Diesmal erschien ein Fuß im Spiegel, eine Pfote – ja, eine Affenpfote.

Bink starrte sie eine Weile an und versuchte herauszubekommen, was sie bedeutete, doch das wollte ihm nicht gelingen. Der Spiegel war wahrscheinlich verwirrt und gab ein Bild wider, das nichts mit der Frage zu tun hatte.

»Was habe ich für ein Talent?« fragte er schließlich.

Der Spiegel zerbrach.

»Was machst du da?« fragte Humfrey hinter ihm.

Bink zuckte schuldbewußt zusammen. »Ich…

ich hab’ wohl

Ihren Spiegel zerbrochen«, sagte er. »Ich hab’

nur…«

»Du hast nur dumme, direkte Fragen an ein Instrument gerichtet, für das Feinfühligkeit erforderlich ist«, sagte Humfrey zornig. »Hast du wirklich geglaubt, daß der Spiegel dir offenbaren könnte, wovor Beauregard sich gedrückt hat?«

»Es tut mir leid«, sagte er lahm.

»Du machst mehr Ärger, als du jemals wert sein wirst. Aber eine Herausforderung bist du auch. Also machen wir weiter.« Wieder machte er seine Gesten und summte seine Formeln, um den Wahrheitszauber erneut aufzubauen.

»Was ist dein…«

Ein Klirren. Das Glas war aus dem Rahmen gefallen. »Dich habe ich nicht gefragt!« schrie Humfrey den Spiegel an. Er drehte sich wieder zu Bink um. »Was…«

Ein Zittern. Das Schloß wankte. »Ein Erdbeben!« rief der Magier. »Es kommt alles auf einmal!«

Er schritt durch den Raum und lugte durch eine Scharte. »Nein, das war nur der unsichtbare Riese, der vorbeigezogen ist.«

Wieder wandte Humfrey sich an Bink. Diesmal blickte er ihn durchdringend an.

»Das ist kein Zufall. Irgend etwas hindert dich

– und auch sonst alles und jeden – daran, diese Antwort zu geben. Irgendeine sehr mächtige,    nicht identifizierte Magie. Ich habe gedacht, daß es nur drei lebende Leute dieses Ranges gäbe, aber offenbar ist da noch ein vierter.«

»Drei?«

»Humfrey, Iris, Trent. Aber keiner von denen besitzt eine Magie diesen Typs.«

»Trent! Der Böse Magier?«

»Du wirst ihn vielleicht böse nennen. Ich habe ihn nie so erlebt.

In gewisser Weise waren wir sogar Freunde.

Auf unserem Niveau gibt es eine Art Kameradschaft…«

»Aber er ist doch vor zwanzig Jahren ins Exil geschickt worden!«

Humfrey blickte Bink schief an. »Für dich sind Exil und Tod wohl das gleiche, wie? Er lebt in Mundania. Meine Informationen erstrecken sich nicht bis über den Schild hinaus, aber ich bin sicher, daß er noch lebt. Er ist ein außergewöhnlicher Mann. Aber jetzt besitzt er natürlich keine Magie mehr.«

»Oh.« Gefühlsmäßig waren Exil und Tod für Bink tatsächlich das gleiche gewesen. Das hier war eine gute Erinnerung: Hinter dem Schild gab es auch Leben. Er wollte zwar immer noch nicht dorthin, aber es machte die Aussicht darauf etwas weniger schlimm.

»Auch wenn es mich mächtig wurmt, aber ich wage es nicht, noch weiter nachzuhaken. Ich bin nicht ausreichend gegen Einmischungsmagie geschützt.«

»Aber warum sollte jemand versuchen, mich daran zu hindern zu erfahren, was ich für ein Talent habe?« fragte Bink verwirrt. …