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E.L. James - „Gefährliche Liebe“

Shades of Grey – Band 2

ISBN: 978-3-641-09065-4

Klappentext:

Verunsichert durch die gefährlichen Leidenschaften und dunklen Geheimnisse ihres Liebhabers Christian Grey, bricht Ana Steele ihre Beziehung ab und versucht wieder ein ruhiges Leben zu führen. Aber Anas Verlangen nach Christian ist ungebrochen, und als Christian vorschlägt, sich wenigstens noch ein einziges Mal mit ihr zu treffen, willigt Ana sofort ein…

Inhalt:

Christian und Anastasia kommen wieder zusammen. Doch die Beziehung ist eine andere als zuvor. Nicht mehr die BDSM-Geschichte steht im Vordergrund, sonder wirkliche, echte Zuneigung.

Anastasia kann durch ihr einfühlende Art immer mehr in die verkorkste Gefühlswelt von Christian vordringen und ihm so aus seinem Käfig helfen.

Aber auch Widersacher treten auf den Plan. Eine Ex-Sub von Christian bringt Anna aus dem Konzept. Und dann ist da noch seine ehemalige Dom, die die zwei einfach nicht in Ruhe lassen kann.

Zum Schluss, als das Happy End in trockenen Tüchern scheint, taucht ein neuer Widersacher auf, der den beiden nicht freundlich gesonnen scheint.

Leseprobe:

… Christian beugt sich zu mir herüber, ein falsches Lächeln auf den Lippen, küsst meine Wange und rückt näher an mich heran, um mir mit kühler, beherrschter Stimme etwas ins Ohr zu flüstern. »Ich weiß nicht, ob ich mich bewundernd vor dir niederwerfen oder dich versohlen soll, bis dir Hören und Sehen vergeht.«

Was mir im Augenblick lieber wäre, weiß ich. Ich blinzle ihn durch die Maske hindurch an. »Option zwei, bitte«, sage ich leise, als der Applaus verebbt.

Er hält kurz die Luft an, sein Mund steht offen. Gott, diese schönen Lippen – ich möchte sie auf meiner Haut spüren, jetzt sofort.

»Du leidest, stimmt’s? Mal sehen, was wir dagegen tun können«, raunt er mir zu, während seine Finger über mein Gesicht gleiten.

Seine Berührung hallt tief in meinem Innern wider, wo der Druck wieder stärker geworden ist. Am liebsten würde ich ihn auf der Stelle vernaschen, aber stattdessen lehnen wir uns zurück, um die Versteigerung des nächsten Postens mitzuverfolgen.

Ich kann kaum noch still sitzen. Christian legt einen Arm um meine Schultern, und sein Daumen streicht rhythmisch über meinen Rücken, so dass ich eine Gänsehaut bekomme. Seine freie Hand umfasst meine, hebt sie an seinen Mund und legt sie anschließend auf seinen Schoß.

Ganz langsam, so dass ich erst spät merke, was er vorhat, schiebt er meine Hand sein Bein hinauf und in seinen Schritt. Mir stockt der Atem, und mein Blick huscht panisch über unsere Tischnachbarn, doch deren Augen sind auf das Podium gerichtet. Nicht zum ersten Mal heute Abend danke ich Gott für die Maske.

Ich beginne, sein Glied zu massieren. Christian lässt seine Hand auf meiner ruhen, verbirgt damit meine frechen Finger, während der Daumen seiner anderen Hand sanft über meinen Nacken gleitet. Sein Atem geht ein wenig schneller. Das ist die einzige Reaktion, die ich feststellen kann. Meine Lust steigert sich ins Unerträgliche.

Die Woche am Lake Adriana in Montana ist der letzte Posten, der versteigert wird. Natürlich haben Mr. und Dr. Grey ein Haus in Montana. Dass die Gebote ziemlich schnell in die Höhe schießen, bekomme ich kaum noch mit, denn unter meinen Fingern fühle ich, wie Christians Penis steif wird. Dass ich diese Macht über ihn habe!

»Verkauft, für einhundertzehntausend Dollar!«, verkündet der Conférencier triumphierend.

Donnernder Applaus. Ich stimme widerwillig mit Christian ein. Unser kleines Vergnügen ist ruiniert.

Er wendet sich mir mit zuckenden Mundwinkeln zu. »Bereit?«, formt er mit den Lippen, während die anderen weiterjubeln.

»Ja«, raune ich meinerseits.

»Ana!«, ruft Mia. »Es ist so weit!«

Was? Nein. Nicht schon wieder! »Was ist so weit?«

»Die Versteigerung des ersten Tanzes. Komm!« Sie steht auf und streckt mir die Hand hin.

Ich sehe Christian an und weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Am Ende gewinnt das Lachen. Ich kichere wie ein Schulmädchen, als dieses Energiebündel namens Mia Grey zum zweiten Mal unsere Pläne durchkreuzt.

Der Anflug eines Lächelns tritt auf Christians Lippen. »Der erste Tanz gehört mir, ja? Und zwar nicht auf der Tanzfläche«, flüstert er mir ins Ohr.

Die Vorfreude entflammt meine Begierde. O ja! Meine innere Göttin springt einen perfekten dreifachen Rittberger.

»Darauf freue ich mich schon.« Ich drücke ihm einen keuschen Kuss auf den Mund, was unsere Tischnachbarn erstaunt. Natürlich, denn sie haben Christian noch nie in Begleitung gesehen.

Er wirkt … glücklich.

»Komm, Ana«, drängt Mia mich.

Ich ergreife ihre ausgestreckte Hand und folge ihr auf das Podium, wo sich zehn junge Frauen versammelt haben. Mit Unbehagen stelle ich fest, dass Lily mit von der Partie ist.

»Meine Herren, der Höhepunkt des Abends!«, übertönt der Conférencier das Stimmengewirr. »Der Moment, auf den Sie alle gewartet haben! Diese zwölf hübschen Damen haben sich bereiterklärt, ihren ersten Tanz an den höchsten Bieter versteigern zu lassen!«

O nein! Ich werde tiefrot. Das hatte ich nicht geahnt. Wie demütigend!

»Es ist für einen guten Zweck«, flüstert Mia mir zu, die mein Unbehagen spürt. »Außerdem gewinnt sowieso Christian.« Sie verdreht die Augen. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich von irgendjemandem überbieten lässt. Er hat dich den ganzen Abend über nicht aus den Augen gelassen.«

Okay, ich werde mich auf den guten Zweck konzentrieren und darauf, dass Christian gewinnt. Schließlich ist er nicht gerade arm.

Doch das bedeutet, dass er schon wieder Geld für dich ausgibt!, faucht mein Unterbewusstsein. Aber ich will mit keinem anderen tanzen, und außerdem ist es ja für eine gute Sache. Wie die vierundzwanzigtausend Dollar? Die Augen meiner inneren Göttin verengen sich.

Scheiße. Er scheint mir mein impulsives Gebot verziehen zu haben. Warum hadere ich dann mit mir selbst?

»Meine Herren, treten Sie näher und werfen Sie einen Blick auf die Ladys, die Ihnen beim ersten Tanz gehören könnten. Zwölf willige Damen von schöner Gestalt.«

Jesus! Ich komme mir vor wie auf dem Viehmarkt. Voller Entsetzen beobachte ich, wie mindestens zwanzig Männer, darunter auch Christian, sich auf den Weg zum Podium machen. Sobald die Bieter versammelt sind, hebt der Conférencier an.

»Meine Damen und Herren, ganz in der Tradition des klassischen Maskenballs bewahren die Masken das Geheimnis der Identität, und wir bleiben bei den Vornamen. Als Erste hätten wir hier die hübsche Jada.«

Jada kichert wie ein Schulmädchen. Vielleicht bin ich gar nicht so fehl am Platz. Sie ist von Kopf bis Fuß in marineblauen Taft gekleidet und trägt eine dazu passende Maske. Zwei junge Männer treten mit erwartungsvollen Gesichtern vor. Glückliche Jada.

»Jada spricht fließend Japanisch, ist als Kampfpilotin ausgebildet und olympische Turnerin … hm.« Der Conférencier zwinkert. »Meine Herren, Ihre Gebote?«

Jada starrt den Conférencier mit offenem Mund an. Offenbar hat er sich das alles ausgedacht. Sie schenkt den beiden Kontrahenten ein verlegenes Lächeln.

»Eintausend Dollar!«, ruft der eine.

Schnell schaukeln sich die Gebote auf fünftausend Dollar hoch.

»Zum Ersten, zum Zweiten … zum Dritten!«, verkündet der Conférencier mit lauter Stimme. »An den Herrn mit der Maske.« Da alle Männer eine Maske tragen, erntet er schallendes Gelächter, Beifall und Jubel.

Jada strahlt den Gewinner an und verlässt hastig das Podium.

»Siehst du? Das macht Spaß!«, wispert Mia mir zu. »Ich hoffe bloß, dass Christian dich ersteigert … Wir wollen schließlich keine Schlägerei.«

»Schlägerei?«, wiederhole ich entsetzt.

»Ja. Früher war er sehr aufbrausend.«

Christian ein Schläger? Der kultivierte, stilsichere Christian, der Chormusik aus der Tudorzeit liebt? Das kann ich mir nicht vorstellen. Der Conférencier reißt mich mit seiner nächsten Präsentation aus meinen Überlegungen – eine junge Frau mit rotem Kleid und langen, pechschwarzen Haaren.

»Meine Herren, darf ich Ihnen die wunderbare Mariah vorstellen? Sie ist eine erfahrene Matadorin sowie eine ausgezeichnete Stabhochspringerin und spielt Cello auf Konzertniveau … Na, wie gefällt Ihnen das, meine Herren? Was bieten Sie mir für einen Tanz mit der reizenden Mariah?«

Mariah bedenkt den Conférencier mit einem finsteren Blick, und ein Maskierter mit blonden Haaren und Bart ruft ziemlich laut: »Dreitausend Dollar!«

Es folgt ein Gegengebot. Am Ende wird Mariah für viertausend Dollar ersteigert.

Christian lässt mich nicht aus den Augen. Schläger Trevelyan-Grey – wer hätte das gedacht?

»Wie lange ist das her?«, frage ich Mia.

Sie sieht mich verständnislos an.

»Christians Prügeleien?«

»Als Teenager hat er meine Eltern fast in den Wahnsinn getrieben, wenn er mit aufgeplatzter Lippe und blauem Auge nach Hause gekommen ist. Er ist von zwei Schulen geflogen und hat seine Gegner übel zugerichtet.«

Ich starre sie mit offenem Mund an.

»Hat er dir das nicht erzählt?« Sie seufzt. »Bei meinen Freunden hat er einen ziemlich schlechten Ruf. Ein paar Jahre lang war er die Persona non grata. Aber das hat aufgehört, als er fünfzehn oder sechzehn war.« Sie zuckt mit den Achseln. …