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E.L. James - „Befreite Lust“

Shades of Grey – Band 3

ISBN: 978-3-641-09066-1

Klappentext:

Als die noch unerfahrene Studentin Ana Steele den attraktiven und faszinierenden Christian Grey kennenlernt, beginnt sie eine gefährliche Affäre mit ihm, die das Leben von beiden für immer verändert. Doch schon bald ist Ana von Christians dunklen Leidenschaften verunsichert und verlangt nach einer tieferen Beziehung und mehr Nähe. Zunächst scheint sich Christian tatsächlich auf Ana einzulassen, und die beiden genießen ihre Leidenschaft und die unendlichen Möglichkeiten ihrer Liebe. Aber Ana ist sich bewusst, dass es nicht einfach sein wird, mit Christian zusammenzuleben. Ana muss vor allem lernen, Christians Lebensstil zu teilen, ohne ihre Persönlichkeit und ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Und Christian muss sich von den Dämonen seiner Vergangenheit befreien. Gerade in dem Moment, als ihre Liebe alle Hindernisse zu überwinden scheint, werden Ana und Christian Opfer von Missgunst und Intrigen, und Anas schlimmste Albträume werden wahr. Ganz auf sich allein gestellt, muss sich Ana endlich Christians Vergangenheit stellen.

Inhalt:

Das Ehepaar Grey befindet sich in den Flitterwochen – Die alten Probleme bestehen noch immer, da Christian nach wie vor krankhaft Eifersüchtig ist.

Doch noch in den Flitterwochen passieren zu Hause seltsame Dinge im Grey-House. Charlie-Tango, der Hubschrauber, wird sabotiert und dann sollte Anna entführt werden. - Der Übeltäter kann gefasst werden, kommt aber auf Kaution wieder frei. Gleich arbeitet er an seinem Plan weiter, sich an der Familie Grey zu rächen. - Und das während einer handfesten Krise in der noch jungen Ehe.

Anna wird zur Heldin und am Ende gibt es jede Menge Gefühl.

Leseprobe:

… Keuchend, als wäre er einen Marathon gelaufen, wischt er sich eine schmale Blutspur vom Mundwinkel. An seiner Wange zeichnet sich bereits ein blauer Fleck ab. »Er hat sich ganz schön gewehrt, aber mir fehlt nichts, Mrs. Grey«, versichert er mir fast ein wenig selbstgefällig.

»Und Gail? Mrs. Jones?« O nein … ist mit ihr alles in Ordnung? Ist sie verletzt?

»Ich bin hier, Ana.« Sie steht in Nachthemd und Morgenmantel hinter mir, die Haare offen, das Gesicht aschfahl, die Augen groß. »Ryan hat mich geweckt und mich hier reingeschickt.« Sie deutet auf Taylors Büro. »Mir geht’s gut. Und Ihnen?«

Ich nicke. Wahrscheinlich war sie in dem Panikraum neben Taylors Büro. Wer hätte gedacht, dass wir den so schnell brauchen würden? Christian hat ihn kurz nach unserer Verlobung einrichten lassen. Jetzt bin ich dankbar für seinen Weitblick.

Das Knarren der Tür zum Vorraum lässt mich aufhorchen. Sie hängt schief in den Angeln. Was zum Teufel ist passiert?

»War er allein?«, frage ich Ryan.

»Ja, Ma’am.«

»Wie ist er reingekommen?«

»Mit dem Lieferantenaufzug, Ma’am.«

Ich sehe mir Jacks zusammengesunkene Gestalt näher an. Er trägt eine Art Uniform oder Overall.

»Und wann?«

»Vor ungefähr zehn Minuten. Ich habe ihn auf dem Überwachungsmonitor entdeckt. Er trug Handschuhe – das fand ich merkwürdig für August. Ich habe ihn erkannt und beschlossen, ihn reinzulassen, weil wir ihn hier kriegen würden. Sie waren nicht da, und Gail war in Sicherheit, also dachte ich: Jetzt oder nie.« Wieder dieser leicht selbstgefällige Tonfall. Sawyer sieht ihn missbilligend an.

Handschuhe? Ich werfe einen Blick auf Jack. Ja, er trägt tatsächlich braune Lederhandschuhe.

»Was nun?«

»Wir müssen ihn fesseln«, antwortet Ryan.

»Fesseln?«, wiederhole ich.

»Bevor er zu sich kommt.«

»Was brauchen Sie?«, fragt Mrs. Jones, die sich halbwegs gefangen zu haben scheint.

»Einen Strick oder ein Seil«, antwortet Ryan.

Plastikkabelbinder. Ich werde rot, als ich mich an die vergangene Nacht erinnere, reibe mir die Handgelenke und werfe hastig einen Blick darauf. Nein, keine Striemen. Gut.

»Ich hätte da etwas. Plastikkabelbinder. Würden sich die eignen?«

Alle Augen richten sich auf mich.

»Ja, Ma’am. Perfekt«, antwortet Sawyer ernst.

Obwohl ich am liebsten im Erdboden versinken würde, mache ich mich auf den Weg ins Schlafzimmer. Manchmal muss man eben mutig sein. Vielleicht hilft mir der Alkohol dabei.

Als ich zurückkehre, begutachtet Mrs. Jones gerade das Chaos im Vorraum. Miss Prescott hat sich zu den anderen Sicherheitsleuten gesellt. Ich gebe die Kabelbinder Sawyer, der Hyde die Hände hinter dem Rücken fesselt. Mrs. Jones holt einen Erste-Hilfe-Kasten aus der Küche und führt Ryan zum Eingang des großen Raums, um die Wunde über seinem Auge zu versorgen. Als sie sie mit Desinfektionsmittel betupft, zuckt er zusammen. Da bemerke ich die Glock mit dem Schalldämpfer auf dem Boden. Ach du Scheiße! Jack war bewaffnet? Schlagartig wird mir übel.

»Nicht anfassen, Mrs. Grey«, sagt Prescott, als ich mich bücke, um sie aufzuheben.

Sawyer kommt mit Latexhandschuhen aus Taylors Büro. »Darum kümmere ich mich, Mrs. Grey«, sagt er.

»Gehört sie ihm?«, erkundige ich mich.

»Ja, Ma’am«, antwortet Ryan, der wieder unter Mrs. Jones’ Händen zusammenzuckt.

Himmel, Ryan hat in Christians und meiner Wohnung einen Bewaffneten niedergekämpft. Ich erschaudere. Sawyer hebt vorsichtig die Glock auf.

»Ist das eine gute Idee?«, frage ich.

»Mr. Grey würde es erwarten, Ma’am.« Sawyer lässt die Waffe in einen wiederverschließbaren Plastikbeutel gleiten und tastet Jack ab. In einer seiner Taschen findet er eine Rolle Isolierband. Sawyer schiebt die Rolle verlegen in Hydes Tasche zurück.

Isolierband? Als mir aufgeht, was das bedeutet, wird mir erneut übel. Nicht, Ana, nicht drüber nachdenken!

»Sollen wir die Polizei rufen?«, frage ich mit leiser Stimme, bemüht, meine Angst zu verbergen. Ich möchte Hyde aus der Wohnung haben, lieber früher als später.

Ryan und Sawyer sehen einander an.

»Ich finde, wir sollten sie rufen«, sage ich mit Nachdruck.

»Ich habe gerade versucht, Taylor am Handy zu erreichen, aber er geht nicht ran. Vielleicht schläft er.« Sawyer wirft einen Blick auf seine Uhr. »An der Ostküste ist es Viertel vor zwei morgens.«

O nein.

»Haben Sie Christian angerufen?«, flüstere ich.

»Nein, Ma’am.«

»Sie wollten die Anweisungen von Taylor?«

Sawyer wirkt verlegen. »Ja, Ma’am.«

Hyde ist in unsere Wohnung eingedrungen, die Polizei soll ihn abholen. Als ich die besorgten Blicke der anderen sehe, wird mir klar, dass ich nicht voll im Bilde bin. Ich muss Christian anrufen. Doch da ich weiß, dass er wütend auf mich ist – echt wütend –, zögere ich. Es wird ihn fast um den Verstand bringen, dass er nicht da ist und erst morgen Abend zurück sein kann. Ich habe ihn heute Abend schon genug gestresst. Vielleicht sollte ich ihn doch nicht anrufen. Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Was, wenn ich hier gewesen wäre? Ich werde blass. Gott sei Dank war ich im Zig Zag. Möglicherweise werde ich nicht so viel Ärger kriegen wie befürchtet.

»Ist er okay?«, frage ich und deute auf Jack.

»Der Kopf wird ihm wehtun, wenn er aufwacht. Sonst fehlt ihm nichts«, antwortet Ryan. »Trotzdem sollten wir den Notarzt rufen.«

Ich hole meinen BlackBerry aus der Handtasche und wähle, bevor ich zu lange über Christians Reaktion nachdenken kann, seine Nummer. Es meldet sich die Mailbox. Er hat in seiner Wut das Handy ausgeschaltet. Keine Ahnung, was ich draufsprechen soll. Ich gehe ein Stück von den anderen weg.

»Hi. Ich bin’s. Bitte sei nicht böse. In der Wohnung ist etwas passiert, aber wir haben alles im Griff, also mach dir keine Sorgen. Es hat keine Verletzten gegeben. Ruf mich an.« Ich drücke auf den roten Knopf.

»Holen Sie die Polizei«, weise ich Sawyer an.

Er nickt, zückt sein Handy und wählt die Nummer.

Officer Skinner spricht am Esstisch mit Ryan, Officer Walker hält sich mit Sawyer in Taylors Büro auf. Ich weiß nicht, wo Prescott steckt, vielleicht ebenfalls in Taylors Büro. Detective Clark stellt mir auf dem Sofa im großen Raum mit lauter Stimme Fragen. Er ist groß gewachsen, dunkel und wäre gar nicht unattraktiv, wenn er nicht so finster dreinblicken würde. Vermutlich ist er verstimmt, weil er meinetwegen aus dem Tiefschlaf gerissen wurde und sich aus dem schönen warmen Bett quälen musste.

»Er war also Ihr Chef?«, fragt Clark.

»Ja.«

Ich bin hundemüde und würde am liebsten schlafen. Von Christian nach wie vor keine Nachricht. Wenigstens haben die Sanitäter Hyde inzwischen abgeholt. Mrs. Jones reicht Detective Clark und mir Tee.

»Danke.« Clark wendet sich mir zu. »Wo ist Mr. Grey?«

»Geschäftlich in New York. Er kommt morgen Abend zurück – ich meine heute Abend.« Es ist nach Mitternacht.

»Hyde ist uns kein Unbekannter«, teilt Detective Clark mir mit. »Ich muss Sie bitten, auf dem Revier eine Aussage zu machen. Aber das hat Zeit. Es ist spät, und vor dem Haus warten Reporter. Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich mich umsehe?«

»Aber nein«, antworte ich, erleichtert darüber, dass seine Fragen ein Ende haben, jedoch alles andere als erfreut über die Presseleute draußen. Zum Glück werde ich mich mit denen erst morgen auseinandersetzen müssen. Ich nehme mir vor, Mom und Ray anzurufen für den Fall, dass sie etwas von der Sache gehört haben und sich Sorgen machen.

»Mrs. Grey, darf ich Ihnen raten, ins Bett zu gehen?«, fragt Mrs. Jones.

Als ich in ihre freundlichen Augen blicke, schnürt sich mir die Kehle zu. Sie streckt die Hand aus und massiert mir die Schulter.

»Jetzt kann uns nichts mehr passieren«, versichert sie mir. »Morgen Früh sieht die Welt schon ganz anders aus. Und am Abend ist Mr. Grey wieder da.«

Ich halte die Tränen zurück. Christian wird mehr als wütend sein.

»Kann ich noch etwas für Sie tun, bevor Sie ins Bett gehen?«, erkundigt sich Mrs. Jones.

Plötzlich merke ich, wie hungrig ich bin. »Ich würde gern etwas essen.« …