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Lincoln Child - „Hüter des Todes

ISBN: 9-783-80525-054-2

Klappentext:

Der Sudd - eine lebensfeindliche Welt zwischen Wasser und Land. In den undurchdringlichen Tiefen des Sumpfes vermutet der Forscher und Multimillionär Porter Stone das Grab des legendären ersten ägyptischen Pharaos Narmer.§Auf einer riesigen Forschungsplattform schart er hochkarätige Wissenschaftler um sich, darunter den Enigmalogen Jeremy Logan. Doch das Grab scheint mit allen Mitteln der uralten ägyptischen Kultur gesichert zu sein: Ein Mitarbeiter nach dem anderen kommt bei unerklärlichen Zwischenfällen ums Leben. Logan muss bald erfahren, dass die Grenze zwischen Leben und Tod durchlässig ist...

Inhalt:

Von der Notaufnahme zu einer Ausgrabung in einem Sumpfgebiet bei Ägypten. - So jedenfalls ergeht es Dr. Rush, als er seine Frau eines Tages während seiner Schicht auf der Behandlungsliege hat.

Dr. Rush hat seinen Artzberuf an den Nagel gehangen und forscht nun zum Thema Nahtoderfahrung. - Genau diese Passion sorgt dafür, dass er im Sudd landet und dort an der Ausgrabung eines Pharaonengrabes teil nimmt. - Seine Frau Jennifer, spielt mit ihren Fähigkeiten keine unwichtige Rolle, als der Geist des Pharao von ihr Besitz ergreift.

Die Forschungen sind gut vorbereitet und laufen recht gut, wenn man von einigen technischen Störungen einmal absieht. - Doch diese Störfälle passen auf unheimliche Wiese zu dem Fluch des Grabes, welches sie finden und ausheben wollen.

Leseprobe:

… «Dann kommen Sie doch bitte in die Einsatzzentrale. Es gibt hier etwas, das Sie sich ansehen sollten.»

Logan speicherte die Datei, an der er gesessen hatte – einer Zusammenfassung seiner Unterhaltung mit Hirshveldt am Abend zuvor –, dann erhob er sich und verließ sein Büro.

Er musste unterwegs zweimal nach dem Weg fragen, bevor er die Einsatzzentrale gefunden hatte. Die Besatzung schien ziemlich nervös an diesem Morgen, was nicht weiter überraschend war. Am Abend zuvor hatte ein Kommunikationstechniker namens Perlmutter einen lebensgefährlichen Stromschlag erlitten, an dem er beinahe gestorben wäre. Logan hatte sich die Geschichte aus zahlreichen Gesprächsfetzen zusammengereimt, die er während des Frühstücks gehört hatte: Wie der Mann in eine Wasserpfütze getreten war, in der ein unter Strom stehender elektrischer Draht gelegen hatte. «Es war Fontaine, sein Boss, der ihn gefunden hat», hatte Logan jemanden sagen hören. «Grässlich. Als wäre er von oben bis unten mit Ruß bedeckt, ganz schwarz von den elektrischen Verbrennungen.»

Logan war sofort eine Zeile aus dem Fluch Narmers in den Sinn gekommen. Seine Gliedmaßen werden sich in Asche verwandeln. Doch er wollte erst in Ruhe darüber nachdenken, ehe er mit jemandem darüber redete.

Im Gegensatz zur vorangegangenen Tragödie beim Stromgenerator hatte es diesmal keine Besprechung gegeben, um den Unfall zu analysieren und die Ursache festzustellen. Logan nahm an, dass bis jetzt noch niemand Zeit gefunden hatte, einen Termin zu suchen – oder das Meeting war den obersten Führungsebenen vorbehalten. Logan wusste, dass der Zustand des Technikers ernst war und dass er unter ständiger ärztlicher Beobachtung durch Ethan Rush stand.

Wie sich herausstellte, hatte Logan die Einsatzzentrale, tief im Innern von Sektion Weiß, schon einmal besucht. Es war der große Raum voller Monitore, in dem Cory Landau, das Jüngelchen mit dem Zapata-Schnurrbart, in seinem futuristischen Cockpit saß. Auf einem großen Bildschirm sah Logan das Drahtgittermodell, das den Fortschritt der Unterwassererkundung zeigte. Die kartographierte Fläche war seit Logans erstem Besuch um einiges größer geworden. Um Landau herum hatten sich Porter Stone, Christina Romero und Fenwick March gruppiert. Alle starrten auf den größten Bildschirm, auf dem etwas zu sehen war, das in Logans Augen aussah wie grüne dicke Suppe, hin und wieder von Bildrauschen überlagert.

Bei seinem Eintreten hob Stone den Blick. «Ah, Jeremy. Kommen Sie, werfen Sie einen Blick auf das hier.»

Logan gesellte sich zu den anderen. «Was gibt es denn?»

«Skelette», sagte Stone in einem beinahe ehrfurchtsvollen Flüsterton.

Logan betrachtete den Bildschirm mit zunehmendem Interesse. «Wo genau ist das?», wollte er wissen.

«Planquadrat H fünf», murmelte Stone. «Fünfzehn Meter unter der Wasseroberfläche.»

Logan sah zu Christina Romero, die auf den Bildschirm starrte und geistesabwesend mit ihrem Füllfederhalter spielte. «Und wie weit ist es vom ersten Skelett entfernt?»

«Ungefähr zwanzig Meter. Genau in der Richtung, die ich vorgeschlagen hatte.» Sie warf einen Seitenblick zu March und grinste selbstgefällig.

«Hier ist noch eins», kam eine quäkende Stimme über Lautsprecher. Logan erkannte, dass es einer der Taucher war, tief unten im schlammigen Bett des Sudd. Auf dem Monitor tauchte unvermittelt die Gestalt eines Tauchers in einem schwarzen Trockenanzug in der grünen Suppe auf. Er hielt einen Knochen in der Hand.

Stone beugte sich über ein Mikrophon. «Wie viele sind das bis jetzt?»

«Neun», antwortete die Stimme am anderen Ende.

Stone drehte sich zu Christina um. «Ethan hat mir erzählt, was Sie während der Untersuchung des ersten Skeletts gesagt haben. Dass Sie gewusst hätten, dass es sich um Selbstmord handelte, und dass Sie auch gewusst hätten, wo wir die nächste Ansammlung von Skeletten finden. Hätten Sie die Güte, uns zu verraten, woher Sie das wussten?»

Wenn Christina Romero sich vorgenommen hatte, bescheiden zu bleiben, so vertrieb die Bitte Stones jede Hemmung. «Sicher», sagte sie und schob sich eine Haarsträhne aus der Stirn. «Zuerst hatten wir nur ein Skelett, und jetzt haben wir mehrere – wenn ich raten müsste, würde ich sagen zwölf. Als Nächstes werden wir einen riesigen Berg von Knochen finden. Der Grund liegt darin, wie Narmer begraben und wie seine Grabstätte verborgen wurde. Vergessen Sie nicht, es war vor der Epoche der Pyramidenbauer – die frühesten Pharaonen wurden in Schachtgräbern und Mastabas beigesetzt. Wir müssen davon ausgehen, dass Narmers Grab, ganz gleich, wie es sonst noch aussehen mag, eine Art Vorläufer der späteren Gräber ist, doch im Gegensatz zu all den vielen Pharaonen nach ihm wollte Narmer nicht, dass auch nur der Ort bekannt war, wo es lag. Am Bau der Grabstätte mussten Hunderte von Arbeitern beschäftigt sein, außerdem Mitglieder von Narmers Leibwache. Sobald die Arbeit getan war, wurden alle Arbeiter ohne jede Ausnahme umgebracht. Ihre Leichen wurden an der Peripherie des Grabes zurückgelassen. Später, nachdem Narmer selbst in sein Grab gelegt worden war, wurden die Priester und die niederen Wachen, die der Zeremonie beigewohnt hatten, von Narmers Leibwache ebenfalls getötet, in angemessenem Abstand vom Grab. Und als Letztes entfernte sich der Leibwächter noch ein Stück weiter vom Grab und tötete sich selbst. All das, um die Unberührtheit der sterblichen Überreste des Pharaos zu gewährleisten. Eine Armee von Toten, die bis in alle Ewigkeit Wache um das Grab herum halten sollte. Nur eine einzige Person, der Schreiber des Pharaos, verließ den Ort wieder, zusammen mit allen Geheimnissen. Sobald er sie auf dem Ostrakon festgehalten hatte, instruierte er seine Leibwachen, ihn ebenfalls zu töten.»

Stone nickte. «Deswegen die abnehmende Zahl von Skeletten, je weiter wir vom eigentlichen Grab entfernt sind.»

Er blickte von Christina Romero auf den Bildschirm. «Und die Richtung, in der unsere Taucher nach Ihren Instruktionen suchen sollten, war exakt nördlich gelegen.»

«Das ist richtig.»

«Weil der Eingang zu den antiken Königsgräbern in den Pyramiden und anderen Begräbnisstätten immer exakt nach Süden gerichtet war?», unterbrach Logan.

Stone lächelte. «Sehr gut, Jeremy. Ich bin zum gleichen Schluss gekommen.» Er sah Christina an. «Und die große Ansammlung von Skeletten, die Bauarbeiter – befinden sich in exakt nördlicher Richtung von dieser Stelle?»

«Ich denke schon», antwortete Christina Romero. «Dreißig Meter schätzungsweise.»

«Und der Eingang zum Grab … noch einmal dreißig Meter nördlich davon?»

Christina antwortete nicht. Es war nicht nötig. Stone wandte sich zur Tür. «Ich muss zu Valentino. Wir werden drei Teams von Tauchern direkt an der vermuteten Stelle einsetzen.» …