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Kierra Cass - „Die Elite“

Selection 2

ISBN: 9-783-73736-242-9

Klapptentext:

Das ganz große Glück? Von den 35 Mädchen, die um die Gunst von Prinz Maxon und die Krone von Illeá kämpfen, sind mittlerweile nur noch 6 übrig. America ist eine von ihnen, und sie ist hin- und hergerissen: Gehört ihr Herz nicht immer noch ihrer großen Liebe Aspen? Aber warum hat sich dann der charmante, gefühlvolle Prinz hineingeschlichen? America muss die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen. Doch dann kommt es zu einem schrecklichen Vorfall, der alles ändert. Auch im zweiten Band der ›Selection‹-Trilogie geht es um die ganz großen Gefühle! Kiera Cass versteht es meisterhaft, das im ersten Band vorgestellte Liebesdreieck noch ein bisschen verzwickter zu machen und die Leserinnen gemeinsam mit America hin- und her schwanken zu lassen: Maxon oder Aspen? Aspen oder Maxon? Endlich: Die Fortsetzung des weltweiten Bestsellers! Selection - Die Elite schoss bei Erscheinen in den USA direkt auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste!

Inhalt:

Lady America hat es in die Elite der Auserwählten geschafft. Der Prinz und sie lernen sich besser kennen und America zweifelt mehr und mehr an der Richtigkeit ihrer Gefühle zu Maxon.

Auch zu Aspen schienen die Gefühle wieder zu erwachen. Und damit gehen sie und Aspen ein sehr großes Risiko ein.

Das Casting schreitet voran und die Situation wird brenzliger, als auch die Rebellen immer öfter in den Palast eindringen.

Doch den größten Skandal verursacht Lady America selber. Öffentlich redet sie darüber, das Kastensystem abzuschaffen. - Hat sie sich damit selber aus dem Wettbewerb geschmissen?

Leseprobe:

…  In dieser Nacht fand ich kaum Schlaf. Die Eindrücke des Festes und die Aufregung über das, was vor mir lag, machten es mir fast unmöglich, zur Ruhe zu kommen. Ich schmiegte mich dichter an May, denn ihre Wärme tröstete mich. Wenn sie abreiste, würde ich sie unglaublich vermissen, aber mir blieb zumindest die Aussicht, dass sie bald zusammen mit mir hier im Palast leben würde.

Ich fragte mich, wer als nächstes den Kreis der Elite verlassen würde. Es wäre mir unhöflich vorgekommen, Maxon zu fragen, deshalb hatte ich es nicht getan. Doch hätte ich raten müssen, ich hätte auf Natalie getippt. Marlee und Kriss waren beim Volk sehr beliebt – viel beliebter als ich – und Celeste und Elise verfügten über Beziehungen. Mir gehörte Maxons Herz, also blieb für Natalie nicht mehr viel, worauf sie sich stützen konnte.

Sofort kam ich mir schlecht vor, weil ich eigentlich nichts gegen Natalie hatte. Wenn überhaupt, dann wünschte ich mir, Celeste würde von hier verschwinden. Vielleicht schickte Maxon sie tatsächlich nach Hause, weil er wusste, wie sehr ich sie verabscheute. Schließlich hatte er gesagt, er wolle, dass ich mich hier wohl fühlte.

Ich seufzte und dachte wieder an das, was er auf dem Fest gesagt hatte. Es war einfach unglaublich. Wie konnte ich, America Singer – eine Fünf, ein Niemand –, mich in Maxon Schreave verlieben, eine Eins, die Eins? Wie konnte das passieren, wo ich doch die letzten beiden Jahre damit zugebracht hatte, mich darauf vorzubereiten, mein Leben als Sechs zu verbringen?

Ein winziger Teil meines Herzens zog sich bei diesem Gedanken zusammen. Wie sollte ich das Aspen erklären? Wie sollte ich ihm klarmachen, dass Maxon sich für mich entschieden hatte und dass auch ich mit ihm zusammen sein wollte? Würde er mich hassen? Allein der Gedanke daran brachte mich fast zum Weinen. Was auch geschah, ich wollte Aspens Freundschaft auf keinen Fall verlieren.

Meine Zofen klopften nicht an, als sie am nächsten Morgen hereinkamen. Sie ließen mich immer so lange wie möglich schlafen, und nach dem Fest brauchte ich wirklich Ruhe. Doch statt das Ankleiden vorzubereiten, ging Mary auf direktem Wege zu May und rüttelte sie sacht an der Schulter, um sie zu wecken.

Ich drehte mich herum und sah Anne und Lucy, die einen Kleidersack trugen. Ein neues Kleid?

»Miss May«, flüstert Mary, »es ist Zeit, aufzustehen.«

Langsam setzte May sich im Bett auf. »Kann ich nicht ausschlafen?«

»Nein«, sagte Mary betrübt. »Heute Morgen liegen wichtige Dinge an. Sie müssen jetzt gleich ins Zimmer Ihrer Eltern gehen.«

»Wichtige Dinge?«, fragte ich neugierig. »Was ist denn los?«

Mary sah zu Anne und ich folgte ihrem Blick. Doch Anne schüttelte nur den Kopf, und damit schien die Unterhaltung beendet zu sein.

Verwirrt stand ich auf und ermunterte May, das Gleiche zu tun. Bevor sie sich auf den Weg zu Mom und Dad machte, umarmte ich sie fest.

Als sie schließlich das Zimmer verlassen hatte, startete ich einen neuen Versuch. »Jetzt ist sie weg, können Sie es mir nun erklären?«, fragte ich Anne. Wieder schüttelte sie den Kopf. Ihre Hartnäckigkeit machte mich wütend. »Würde es etwas nützen, wenn ich Ihnen befehle, es mir zu sagen?«

Anne blickte mich weiter schweigend an, und großer Ernst lag in ihren Augen. »Die Order kommt von ganz oben. Sie werden sich gedulden müssen.«

Ich stand in der Tür zum Badezimmer und beobachtete die drei mit einer Mischung aus Neugier und nervöser Anspannung. Lucys Hände zitterten, als sie einige Handvoll Rosenblätter für mein Bad hervorholte. Und Mary legte mit zusammengezogenen Augenbrauen meine Schminksachen und die Haarnadeln bereit. Zugegeben, Lucy zitterte manchmal ohne jeden Grund, und Mary verzog häufiger so das Gesicht, wenn sie sich konzentrierte. Doch eigentlich war es auch eher Anne, die mir Angst machte.

Selbst in den gefährlichsten oder heikelsten Situationen war sie immer beherrscht, doch heute wirkte sie, als trüge sie an einer schweren Last. Ihre ganze Gestalt wirkte gebeugt vor Kummer, und immer wieder blieb sie stehen und rieb sich die Stirn, als könne sie so die Sorgen vertreiben.

Als sie schließlich mein Kleid aus der Hülle zog, war ich mir sicher, dass etwas Schreckliches passiert war. Es war dezent, schlicht – und pechschwarz. Das konnte nur eins bedeuten. Ohne zu wissen, um wen ich überhaupt trauerte, fing ich an zu weinen.

»Miss?« Mary eilte mir zu Hilfe.

»Wer ist gestorben?«, fragte ich. »Wer ist gestorben?«

Beherzt wie immer richtete Anne mich auf und wischte mir die Tränen weg. »Niemand ist gestorben«, sagte sie. Aber in ihrer Stimme lag kein Trost, sondern ein Befehl. »Seien Sie dankbar, wenn all das vorbei ist. Heute ist niemand gestorben.«

Ohne weitere Erklärungen schickte sie mich ins Bad. Lucy versuchte sich die ganze Zeit zusammenzureißen, doch als sie schließlich ebenfalls in Tränen ausbrach, forderte Anne sie auf, mir ein leichtes Frühstück zu besorgen.

Nachdem ich angekleidet war, kehrte Lucy mit ein paar Croissants und Apfelstückchen zurück. Doch bereits nach einem Bissen wusste ich, dass ich heute nichts hinunter bringen würde.

Schließlich befestigte Anne noch ein Namensschild an meiner Brust. Das Silber leuchtete wunderschön auf dem Schwarz meines Kleids. Nun blieb mir nichts anderes mehr übrig, als einem unwägbaren Schicksal entgegenzutreten.

Als ich die Tür öffnete, merkte ich, wie ich erstarrte. Ich drehte mich noch einmal zu meinen Zofen um und versuchte meine Angst mit einem tiefen Atemzug zu vertreiben. »Ich fürchte mich.«

Anne legte mir die Hände auf die Schultern. »Sie sind jetzt eine Dame, Miss. Und Sie müssen sich wie eine solche verhalten.«

Ich nickte leicht, als sie mich losließ, und ging davon. Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass ich das hoch erhobenen Hauptes tat. Doch in Wahrheit, Dame hin oder her, hatte ich schreckliche Angst. …