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Marc Elsberg - „Zero – Sie wissen was du tust“

ISBN: 9-783-76450-4922

Klappentext:

Wer sich im Netz bewegt, für den gibt es kein Entkommen Der Tod eines Jungen führt die Journalistin Cynthia Bonsant zu der beliebten Internetplattform Freemee. Diese sammelt und analysiert Daten – und verspricht dadurch ihren Millionen Nutzern ein besseres Leben und mehr Erfolg. Nur einer warnt vor Freemee und vor der Macht, die es einigen wenigen verleihen könnte: ZERO, der meistgesuchte Online-Aktivist der Welt. Als Cynthia anfängt, genauer zu recherchieren, wird sie selbst zur Gejagten. Und in einer Welt voller Kameras, Datenbrillen und Smartphones gibt es kein Entkommen … Hochaktuell und sehr bedrohlich: Der gläserne Mensch unter Kontrolle _ Sie wissen, WER wir sind, WO wir sind - und WAS wir als Nächstes tun werden!

Inhalt:

Schüler lassen sich von Apps in ihrem Alltag beraten. Sie verändern sich zum Positiven und keiner stört sich daran.

Eine Journalistin aus alten Tagen macht Bekanntschaft mit neuer Technik. Die Datenbrille ist für ihre Tochter ein neues und willkommenes Spielzeug. Jedoch geraten sie und ihre Freunde so in eine prenzlige Situation. - Einer der Freunde findet den Tod und ein weiterer hinterfragt das System der Apps. - Kurz darauf ist er auch Tod.

Cyntia,die Journalistin, ist hin und her gerissen. Sie will den Artikel, will aber auch ihrer Tochter beistehen. Dabei ist sie durch ihre Recherche selber bereits in großer Gefahr.

Leseprobe:

… »Um Cynthia Bonsant haben Sie sich ja gerade gekümmert, wie ich gesehen habe.« Prousts weiche Stimme bildet einen überraschenden Kontrast zu seinem Äußeren. »Hoffen wir, dass es wirkt. Im Prinzip arbeiten wir ähnlich wie Freemee, vorbeugend und konstruktiv. Im Wesentlichen geht es darum, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen. Ein Beispiel: Ihre Vorstandskollegen sind Intensivnutzer von Freemee. Die Software weiß also ohnehin die meiste Zeit, wo sie mit wem sind. Auch kann sie Verhalten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit voraussagen. Wir dagegen wollen eine möglichst hohe Sicherheit gewähren. Ungewöhnliches Verhalten wie ein längeres Ablegen der Sensorgeräte meldet Freemee. In dieser Zeit übernehmen andere automatische Systeme, etwa ein zumindest in einigen Weltgegenden mittlerweile recht engmaschiges Netz privater Überwachungskameras und moderner Gesichtserkennung, GPS-Ortung von Kraftfahrzeugen, Minidrohnen und andere. Sollten selbst diese nicht greifen, sind unsere Leute da. Falls ein Vorstandsmitglied etwa Personen trifft, bei denen der Verdacht auf Geheimnisverrat besteht, oder wir eindeutige Gespräche mitbekommen, können wir eingreifen. Mit einfachen Mitteln wie vorübergehender Ablenkung, Irritation und anderem. Das gibt uns in der Folge die Möglichkeit, mit dem Kollegen oder der Kollegin noch einmal unter vier Augen zu sprechen.«

Carl ist amüsiert darüber, wie Proust sich bemüht, die Totalüberwachung in rhetorische Watte zu verpacken.

»Ähnlich machen wir es mit zu neugierigen Personen«, fährt der Sicherheitsmann fort. »Henry hat mir von den neuesten Zugängen in London erzählt. Die übernehmen wir jetzt auch.«

Carl weiß, von wem er spricht. Edward Brickle, das kleine IT-Genie.

»Mir gefällt das nicht«, erklärt er dann. »Aber ich sehe die Notwendigkeit.«

Henry und Proust wechseln einen Blick.

»Wir ergreifen diese Maßnahmen nur so lange, wie es nötig ist«, sagt Henry.

Jetzt erkennt Carl, was an den Untersetzern falsch war. Mit zwei knappen Handbewegungen richtet er sie rechtkant zum quadratischen Tisch aus. Dann steht er auf und verabschiedet sich mit einem Nicken in Henrys und auch Joaquims Richtung.

Nach ihrem U-Bahn-Wechsel beantwortet Cyn Freemees Fragen weiter, wenn auch mit großen Lücken. Den Rest kann sie ja ein anderes Mal ausfüllen. Sie ist gerade fertig damit, als die Brille sie erneut zum Umsteigen auffordert. Während sie durch den Verbindungstunnel der U-Bahn geht, bedankt sich Freemee in der Brille. Sie ist eben am nächsten Bahnsteig angekommen, als es heißt:

»Und jetzt: Verbessere deine Werte! Dank unserer praktischen DatenaboApp kannst du jetzt selbst die Daten bekommen, die bis jetzt nur andere über dich sammeln. Die Daten sind völlig sicher und gehören nur dir, solange du sie nicht zur Verwertung freigibst.«

Eine Liste erscheint mit sämtlichen infrage kommenden Unternehmen. Kaum mehr überrascht nimmt Cyn zur Kenntnis, dass Freemee ihre Bank kennt, ihre Kundenkarten, sozialen Netzwerkkonten, Mobilfunk- und Internetprovider, mobilen Geräte. Oberhalb der Liste thront eine fette Schlagzeile:

Damit du weißt, was Unternehmen über dich wissen! Und mehr!

Neben jedem Firmen- und Funktionsnamen laden leuchtende OK- und Info-Buttons Cyn zum Tippen ein.

Cyn hadert.

Damit du weißt, was Unternehmen über dich wissen! Und mehr!

Cyn steigt in den nächsten Zug. Noch einmal studiert sie die Liste. Nun gut, bei den Daten, die über ihr Facebook-Konto generiert werden, macht sie sich weniger Sorgen. Viel ist da nicht, sie ist nur selten eingeloggt.

OK.

Ähnlich geht es ihr bei den verschiedenen Handydaten. Und den Kundenkarten. Es sind ja ihre Daten. Warum sollen nur die anderen sie besitzen?

OK. OK. OK. …

Die Bank. Na ja. Die dann vielleicht doch nicht.

»Dein Kreditscore liegt im unteren Durchschnitt«, leuchtet ein Text vor ihren Augen auf, als hätte Freemee schon wieder ihre Gedanken gelesen. »Optimierung deines Geldmanagements kann ihn verbessern. Freemees MoneyManager-ActApps helfen dir dabei. Und du musst die Daten nicht veröffentlichen.«

Creepiness-Effekt. Hatte Jeff es nicht so genannt?

Aber irgendwie findet Cyn es nicht mehr wirklich gruselig. Sie wundert sich über gar nichts mehr.

Die Brille kündigt ihre Aussteigestation an. Ihr Zeigefinger schwebt kurz über dem Button, dann tippt sie:

OK.

»Danke, Cynthia. Wir kümmern uns umgehend um die Einholung der Daten. Von einigen der Unternehmen wirst du in den kommenden Stunden Formulare erhalten. Mit ihnen kannst du ab sofort laufend deine Daten anfordern und bestätigst dies mit deiner Unterschrift. Sobald die Formulare unterschrieben zurückgesendet sind, werden deine Daten in dein Freemee-Konto geladen.«

Cyn kann nicht glauben, was sie getan hat. Für den restlichen Fußweg nach Hause steckt sie ihr Smartphone ein. Die Sonne ist schon verschwunden, Schatten legen sich über die Straße. Eine warme Brise streicht über Cyns Gesicht und durch ihr Haar. Was für ein seltsamer Tag!