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Kai Meyer - „Dschinnland“

Die Sturmkönige 1

ISBN: 9-783-40416-426-4

Klappentext:

Mach nicht den Fehler, mir zu vertrauen!Sabateas Geheimnis liegt in ihrem Blut - es ist Gabe und Fluch zugleich. Als sie aus der Gefangenschaft im Palast des Herrschers entkommt, führt sie ihr Weg ins Reich der Wilden Magie - und in die Arme des Gesetzlosen Tarik. Der schmuggelt kostbares Drachenhaar durch ein Land, in dem die Naturgesetze keine Gültigkeit besitzen. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise, an deren Ende die Welt eine andere sein wird.Der Auftakt der Trilogie um Die Sturmkönige - Rebellen, die auf himmelhohen Tornados reiten.

Inhalt:

Tarik will eigentlich nur das Rennen mit seinem fliegenden Teppich gewinnen, als ihm ausgerechnet sein Bruder den Sieg streitig machen will – Junis braucht das Geld für eine Reise durch die Wüste.

Junis kann er ausschalten, aber Sieger des Rennens wird er nicht, da Sabatea seine Hilfe braucht.

Sabatea wollte von Tarik nach Bagdad geflogen werden, aber Tarik lehnt ab. Statt dessen nimmt aber Junis den Auftrag an. Ohne wirklich zu wissen was da auf ihn zu kommt.

Die Dschinns nehmen die drei gefangen und verschleppen sie in ihr Menschenlager.

Die Sturmkönige wollen die Menschen befreien und die Dschinns vernichten. So können auch Sabatea und Tarik wieter reisen.

Doch in Bagdad entpuppt sich Sabatea als eine ganz andere Person, als bisher angenommen.

Leseprobe:

...Er wollte gerade wieder hinauf zum Plateau fliegen, als sie ihn wortlos anstieß und nach rechts auf einen verkrusteten Schlammhügel deutete. Irgendwann einmal war etwas Großes von hoch oben herabgestürzt, eine bizarre Kreatur des

Dschinnlandes, die sich selbst auf ihren zahl-reichen Beinen nicht mehr aus dem Morast hatte retten können. Verwinkelte Glieder umgaben den haushohen Koloss, manche angewinkelt, andere ausgestreckt. Im Todeskampf musste das Ungeheuer getobt haben, aber seine Größe und Kraft hatten es nicht retten können; zuletzt war es der Hitze und der Härte des erkalteten Schlamms zum Opfer gefallen.

Sie schwebten wieder nach oben, zurück auf die Felsen oberhalb des Tals. Diesmal lenkte Tarik den Teppich unter einen Überhang, wo sie besser vor den Blicken vorüberfliegender Dschinne geschützt waren. Der Schwefelgestank des Schlammvulkans hing in seiner Nase, als hätte er sich in die Schleimhäute geätzt.

In ihrem Versteck breitete er den Teppich flach auf dem Felsboden aus.

»Keine Wächter.« Tarik stellte die Sanduhr auf und öffnete das Nadelöhr. »Jedenfalls nicht vor dem Höhleneingang. Sie wissen, dass es Wahnsinn wäre, den Schlammsee überqueren zu wollen und dort einzudringen.«

Sabatea zog ihren Arm zurück, blieb aber sitzen. »Es muss noch andere Zugänge geben.«

Er drehte sich um, bis sie einander auf dem Teppich gegenüber saßen. Fragend blickte er sie an.

»Es heißt immerhin die Hängenden Städte,

nicht wahr?« Es war erstaunlich, wie sehr sie sich unter Kontrolle hatte. Da war nur dieSpur eines Bebens in ihrer Stimme, und selbst das unterdrückte sie schon bald darauf mit eisernem Willen. »Wie viele Roch werden dort unten gelebt haben? Einige hundert? Ein paar tausend? Es heißt, die Hängenden Städte seien ein ganzes Reich gewesen und nicht irgendein provisorisches Lager in einer Höhle.«

»Zwei Reiche, genau genommen«, ergänzte er. »Die sich zudem spinnefeind waren.«

»Sie müssen Vorkehrungen getroffen haben, für Unglücksfälle und Katastrophen. Selbst wenn sie sich sicher vor Angriffen gefühlt haben – was ist mit Erdbeben? Was, wenn ein Erdrutsch den Spalt dort unten verschüttet hätte? Es muss andere Fluchtwege aus dieser öhle gegeben haben, und wahrscheinlich mehr als nur einen. Keine Stadt hat nur ein einziges Stadttor – erst recht nicht, wenn zwei verfeindete Stämme darin leben.«

Es gab viele Geschichten über die Fehden der Rochvölker untereinander. Die Kriege zwischen den Hängenden Städten waren der Stoff von Legenden: zwei gigantische Rochhorste, die so nah beieinanderlagen, dass man einen Speer vom einen zum anderen schleudern konnte. Allein das war etwas, das sich nach menschlichen Maßstäben kaum nachvollziehen ließ. Und obgleich sich die Bewohner dieser Städte hassten und manchen Kampf miteinander ausfochten, gingen sie dennoch gemeinsam auf Menschenjagd. Viele der alten Geschichten zogen den Streit der Hängenden Städte ins Lächerliche, verharmlosten die Stammeskriege zu grotesken Wettkämpfen und Streichen. Einige aber erzählten davon, dass die Roch einen anderen Weg gefunden hatten, um ihre Schlachten auszutragen: Sie ließen die gefangenen Menschen für sich kämpfen, bewegten sie wie Figuren auf einem Spielbrett und stachelten sie auf, einander niederzumachen, um so Entscheidungen über die Streitigkeiten der Geflügelten herbeizuführen.

Das alles war lange her. Mythen aus grauer Vorzeit, als die Menschheit noch keine eigenen Reiche errichtet hatte, sondern mit Keulen bewaffnet in Rotten durch die Welt gezogen war. Doch das änderte nichts daran, dass Tariks Vater die Hängenden Städte gesehen hatte; das, was von ihnen übrig geblieben war.

Und Sabatea täuschte sich, wenn sie annahm, dass Jamal damit geprahlt hätte. Ganz im Gegenteil: Er hatte die Stimme gesenkt, wenn er davon sprach, und immer wieder nervös zum Fenster gesehen, als fürchtete er, die Geister der Roch wären ihm durchs Dschinnland bis nach Samarkand gefolgt.

Tarik blickte aus ihrem Versteck über die schroffen Gipfelkämme des Kopet-Dagh.

Durch die Rauchschwaden waren sie in der Abenddämmerung nur zu erahnen. »Wenn wir Junis retten wollen, bleibt uns keine Zeit, das ganze Gebirge nach geheimen Fluchtwegen abzusuchen. Jede einzelne Höhle könnte dort hinunterführen. Abgesehen davon, dass wir Monate damit beschäftigt wären, hausen in einigen dieser Grotten Wesen wie das da unten im Schlamm. Und wahrscheinlich noch größere.«

»Wenn du Junis helfen willst, dann kannst du unmöglich durch diesen Spalt fliegen und hoffen, dass dich niemand dabei entdeckt.«

»Warum liegt dir mit einem Mal so viel daran, Junis zu befreien?«, fragte er.

»Ich mag deinen Bruder. Aber er ist es nicht, der mich neugierig macht – das bist du.« Sie schob ihre schmale Hand unter seine, umfasste seine Finger. Ihr prüfender Blick wurde eindringlicher. »Da ist noch etwas anderes,oder? Etwas, über das du nicht sprichst.«

Er wich ihren Augen aus, aber er ahnte schon, dass sie jetzt nicht mehr nachgeben würde. …