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Kai Meyer - „Wunschkrieg“

Die Sturmkönige 2

ISBN: 9-783-83871-734-0

Klappentext:

Tarik und die mysteriöse Sabatea haben Bagdad erreicht " und wurden getrennt. Während Sabatea in den Gemächern des Kalifenpalastes gefangen gehalten wird, muss Tarik in den düsteren Gassen des Diebesviertels untertauchen. Dort stößt auf die Spur des Dritten Wunsches, einer geheimnisumwitterten Macht, der sich die Dschinne in ihrem Krieg gegen die Menschheit bedienen wollen.

Inhalt:

Sabatea fügt sich in ihr Dasein bei Hofe in Bagdad. Nachdem ihr eigener Fluchtversuch und die Befreiung durch Tarik schief gelaufen sind.

Junis trifft seine verloren geglaubte Liebe bei den Sturmkönigen wieder. Sie versucht mit allen Mitteln, ihn wieder los zu werden. Hat damit jedoch so viel Erfolg, wie er von ihr Informationen zu bekommen.

Der Sultan selber lässt Sabatea frei, nachdem er ihr alles über seine Schwäche erzählt hat. Doch auf ihrer Flucht trifft sie auf Diebe, die sie wieder ausliefern wollen. Tarik boxt sie da raus, nur um doch wieder mit ihr in den Palast zu gehen, weil er den Magier treffen will.

Leseprobe:

… Jemand war bei ihr im Zimmer. Sie spürte seine Anwesenheit, bevor sie seine Silhouette vor den wehenden Seidenvorhängen erkannte. Mitten im Raum war ein fliegender Teppich gelandet, lag ausgebreitet zwischen ihr und der offenen Tür zum Balkon. Eine Gestalt stand darauf, breitbeinig, ein Krummschwert in der Hand. »Tarik?«

»Nicht bewegen«, raunte eine Stimme.

»Wer «

»Still, wenn du leben willst!«

Der Mann drehte den Kopf, sah aber nicht zu ihr herüber. Sein Blick suchte das dunkle Schlafgemach ab, nach Wächtern, fürchtete sie – bis ihre Augen sich an das schwache Sternenlicht von draußen gewöhnten und sie erkannte, dass der Mann wie ein Falkengardist gekleidet war: Er trug einen Halbschalenhelm, am Rand mit rotem Stoff überzogen und geschmückt mit einer langen Feder. Sein Kettenhemd schimmerte silbrig, seine roten Hosenbeine steckten in hohen Stiefeln. An seiner Seite hing eine Sichelaxt mit langem Schaft, die er in diesem Augenblick mit links aus der Lederschlaufe zog. Nun hielt er in jeder Hand eine Waffe, und Sabatea begriff allmählich, dass diese Drohung nicht ihr galt.

»Es muss hier drinnen sein«, flüsterte er.

»Was muss hier sein?«

Sein Atem raste, als wäre er die Fassade heraufgeklettert und nicht mit dem Teppich über die Balustrade hereingeschwebt. »Kali-Assassinen«, sagte er leise. »Sie haben den Palast angegriffen, mindestens vier. Zwei haben wir draußen abgefangen, und zwei sind «

Er wurde von wildem Kreischen unterbrochen, das aus dem Nebenzimmer drang, nur wenig gedämpft von der Zwischenwand und gefolgt von einem entsetzlichen Getöse, dann den Schreien mehrerer Männer und Frauen. Stahl schlitzte durch Fleisch, gefolgt von einer Kette glucksender Laute wie von einem Kind, das Affengelächter imitiert. Sabatea lief es eiskalt den Rücken hinunter.

Der Gardist, dessen Gesicht noch immer im Dunkeln lag, wirbelte zum Eingang herum.

»Wenn ich draußen bin, dann schieb etwas von innen gegen die Tür. Die Kiste da vorn.«

Sie nickte und sprang auf. Der Saum des kostbaren Nachtgewandes schwebte an ihren Beinen herab. Ihre Fußsohlen berührten den Marmorboden. Er kam ihr kälter vor als vorhin.

Ganz kurz sah sie im Schatten das Gesicht des Soldaten. Er war noch jung, sein Bart kaum mehr als ein dunkler Flaum an Kinn und Wangen. Aber in seinen Zügen lag Verbissenheit. Falls er sich vor den unmenschlichen Lauten aus dem Nebenzimmer fürchtete, so zeigte er es nicht.

»Pass auf dich auf«, gab sie ihm mit auf den Weg und wusste selbst nicht recht, warum. Er tippte die Klinge zum Dank an seinen Helm, dann war er fort, durch den hellen Spalt verschwunden. Sie drückte die Tür hinter ihm zu – auf ihrer Seite gab es keinen Riegel – und schob die Kiste davor. Aufhalten würde sie damit niemanden, denn die Kiste war leer; Sabatea besaß nichts, das sie hätte hineinlegen können.

Sie wich zur Mitte des Raumes zurück, wo noch immer der ausgebreitete Teppich des Gardisten lag. Ihr nackter Fuß berührte Feuchtigkeit. Blut war ins Knüpfwerk gesickert, zu viel davon, als dass es von dem Soldaten hätte stammen können. Er musste da draußen einen Gefährten verloren haben. Die Geräusche hatten sich jetzt aus dem Nebenzimmer auf den Flur verlagert. Noch mehr Stimmen und immer wieder dieses schnarrende Affenlachen. Klingen klirrten aufeinander, und erneut schrie ein Mensch. Sie erkannte nicht, ob es der Soldat aus ihrem Zimmer war. …