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Martin S. Burkhardt – „Hinter dem Tor“

ISBN: 9-783-73499-232-2

Klappentext:

Die 15-jährige Lara kommt auf ein Internat an der Nordsee. Eines Tages entdeckt sie in einem abgesperrten Flügel der Schule ein geheimnisvolles Tor. Der Raum dahinter erscheint seltsam verzerrt. Mutig wagt sie einen Schritt durch das Tor. In einem kargen Krankenhaus kommt sie wieder zu sich. Langsam begreift sie: Sie befindet sich in Alea, einer Stadt in einer anderen Dimension. Und dort warten eigenartige Wesen auf sie - gute wie böse. Das größte Abenteuer ihres Lebens nimmt seinen Anfang …

Inhalt:

Lara ihre Eltern trennen sich. Und um Lara trotzdem ein konstantes Leben bieten zu können, soll sie auf ein Internat.

Schon am Tag der Anreise kann sie Bekanntschaft mit ihrer Zimmernachbarin machen. Ein nettes Mädchen mit einer faszinierenden Tätowierung. Doch weitere Sachen sind komisch. Lara hat die Aufnahmeprüfung der Schule eigentlich nicht bestanden und wurde doch aufgenommen.

Auf einem Streifzug durch die Schule stößt Lara auf eine Art Portal. Es ist nicht sehr gut verstckt, fast so, als sollte Lara darauf stoßen. - Sie tritt hindurch und landet in Alea. Eine Stadt mit mittelalterlichen Zügen, in der die Soldaten fast die Herrscher zu sein schienen. Harmlose Waldmensch werden scheinbar grundlos verfolgt und eingesperrt und ermordet. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft wird mit ihnen experimentiert.

Lara landet in einer Art Widerstandsgruppe. Doch bei einer Versammlung wird der Raum gestürmt und Lara gerät in Gefangenschaft und kommt in ein Arbeitslager.

Lara und die Leute aus ihrem Zelt können einem Angriff entkommen und suchen Schutz bei den Waldmenschen. Doch auch der Aufstand ist noch nicht beendet. Lara trifft Leute aus dem Internat wieder und kann am Ende ein seltsames Rätsel aufdecken und nicht nur Alea helfen.

Leseprobe:

...»Wenn man im Wald aufwächst, lernt man das Verhalten der Raubtiere schnell kennen«, antwortete Altus.

Sina wirkte sehr ängstlich. »Also können wir nicht beim Lager warten, bis Hilfe aus Alea kommt«, stellte sie fest.

»Nein. Die Raubwehre werden morgen garantiert noch einmal dort vorbeischauen und wenn jemand aus Alea eintreffen sollte, dann sind es Soldaten. Und denen möchtest du wohl auch nicht gerade begegnen, oder?«

Sina schüttelte den Kopf.

»Wehras braucht ärztliche Hilfe«, gab sie zu bedenken.

»Wir werden versuchen, ein Dorf der Waldmenschen zu erreichen«, sagte Altus. »Dort kann man uns ebenfalls helfen.«

Lara empfand es als Hohn, dass sie einen fähigen Arzt in ihren Reihen hatten, der nun selbst einen Arzt gebraucht hätte. Sie standen noch mehrere Stunden im warmen Wasser des Sees. Wehras kam nach einiger Zeit zu Bewusstsein. Er betastete sich sorgfältig und lachte gequält.

»So schlimm, wie es aussiehst, ist es nicht«, sagte er und bestand darauf, auf seinen eigenen Beinen zu stehen.

Altus und Ben ließen ihn herunter und, gestützt von Sina, hielt er sich auf den Beinen. Erst als sich am Horizont zaghaft die erste Morgendämmerung ankündigte, wateten sie ans Ufer und ließen sich müde ins Gras fallen.

»Schlaft ein paar Stunden«, sagte Altus. »Ich halte die Augen offen.«

Als Lara erwachte, stand die Sonne bereits am Himmel und ein schwacher Wind wehte vom Wasser herüber.

»Bin ich froh, dass diese Biester aus dem Wald kamen«, hörte sie Wehras sagen, »sonst wären wir alle jetzt tot.«

Lara setzte sich auf. Wehras saß mit Sina und Altus auf einem Baumstamm. Es freute sie, ihn reden zu hören. Er sah zwar nach wie vor wie ein Zombie aus, denn an seinem Hals klebten Krusten von vertrocknetem Blut und tiefe Kratzer durchzogen sein Gesicht, aber er wirkte schon viel fitter als gestern und konnte auch wieder schimpfen. Inzwischen waren Ben und Talus ebenfalls aufgewacht.

»Jetzt, wo wir alle wach sind, würde ich wirklich gerne zurück zum Lager gehen. Vielleicht gibt es Überlebende, die unsere Hilfe brauchen«, sagte Sina.

Altus, Sina, Talus und Lara machten sich daraufhin auf den Weg. Wehras und Ben blieben am Ufer und warteten. Kaum betraten sie den dichten Wald, war die Sonne schlagartig verschwunden. Nur ein fahles Licht fiel auf den Boden. Obwohl sie von der Schneise, die die Arbeiter schlugen, keine 200 Meter entfernt waren, hätte sich Lara hoffnungslos verlaufen. Bereits nach kurzer Zeit konnte sie nicht mehr erkennen, in welcher Richtung sich das Lager befand oder wo der See war. Die Bäume standen so dicht, dass sie nur wenige Meter weit sehen konnte. Erleichtert bemerkte sie, dass Altus sich bestens zurechtfand. Er unterhielt sich mit Talus und schaute nur gelegentlich auf, um eine andere Richtung einzuschlagen. Nach einer Weile endete der Wald abrupt. Die Luft roch nach frischem Holz und die Sonne konnte ungehindert auf den Boden scheinen. Lara trat aus dem grünen Dickicht heraus und bemerkte erst jetzt, dass sie am Ende der Schneise mit den Baumstümpfen standen. Sie folgten den Stümpfen zurück zum Lager und schon bald erreichten sie das Ende des regulären Weges. Gleich müssten sie das Lager einsehen können – oder das, was davon übrig war.

Altus blieb stehen und drehte sich zu ihnen um. »Wartet hier. Ich sehe nach, ob keine Gefahr besteht.«

Gebückt schlich er am Rand der Bäume auf den Weg, wo er einen Augenblick verharrte, ehe er die anderen zu sich winkte.

Von dem Lager war nicht mehr viel übrig. Die Zelte der Gefangenen waren vollständig zerstört. Vereinzelt lagen Planen herum. Die Holzhütten der Soldaten sahen aus, als ob ein vernichtender Wirbelsturm gewütet hätte. Die Dächer waren teilweise abgedeckt, Türen waren herausgerissen worden. Zwei Hütten waren komplett zerstört. Überall lagen Waffen der Soldaten, Werkzeuge und andere Gegenstände verstreut herum.

Lara versuchte zunächst, möglichst nicht so sehr auf Einzelheiten zu achten, da sie befürchtete, tote und entstellte Gefangene oder Soldaten zu entdecken. Wie sich aber herausstellte, war das Lager menschenleer. »Haben die Raubwehre alle mitgenommen?«, fragte sie.

»Oh ja, sie sind gründlich«, stellte Altus bitter fest. »Jeder Mensch bedeutet ein Festschmaus für diese Kreaturen und wer nicht sofort gegessen wird, kommt in deren Speisekammer.«

Lara lief es bei diesem Gedanken kalt den Rücken herunter.

»Wir sollten so schnell wie möglich verschwinden«, sagte Talus.

Altus nickte. »Wenn wir uns durch den Wald kämpfen wollen, brauchen wir Nahrung. Ich schlage vor, wir durchsuchen das Lager nach Essbarem.« Er hob einen ledernen Beutel auf. »Und nehmt die Trinkbeutel der Soldaten mit. Wasser werden wir dringend brauchen.«

Sie verteilten sich, achteten jedoch darauf, stets in Sichtweite zu bleiben. Lara fand in einer der zerstörten Hütten einen Korb voller Brotrinden. Außerdem sammelte sie mehrere Trinkflaschen ein. Sina präsentierte stolz eine Kiste, die sie in einer anderen Hütte gefunden hatte. Sie war gefüllt mit getrocknetem Fleisch, Käse und einem Körnermix, der Lara an Müsli erinnerte. Zufrieden kehrten sie erst zum Ufer und dann zu den anderen zurück.

»Wir sollten aufbrechen. Lasst uns vorher alle Trinkbeutel im See auffüllen.«

»Und du weißt, wohin wir gehen müssen?«, fragte Wehras. …