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Evelyn Sanders - „Muss ich schon wieder verreisen?“

ISBN: 3-453-09932-X

Inhalt:

Die Ferien würde Evelyn am liebsten zu Hause verbringen oder allenfalls mit einem faulen Badeurlaub am Meer. Doch ihre Freundin Irene besteht auf einem ›Bildungsurlaub‹ und so findet sich Evelyn kurz darauf als Gruppenreisende im biblischen Land - umgeben von zweiundzwanzig Mitreisenden und einer fremden Kultur. Die Gelegenheit zur augenzwinkernden Schilderung von Touristenticks und befremdlichen Landessitten läßt sich Evelyn natürlich nicht entgehen. Kaum ist sie wieder zu Hause, fordert Tochter Stefanie sie zu einer weiteren Reise auf. Diesmal soll es auf die Malediven gehen, eigentlich ein Traumziel, wenn da nicht Stefanies Probleme mit den Männern wären ...

Inhalt:

Evelyn Sanders ist fünffache Mutter Ehefrau und Autorin. Sie macht mit ihrer Freundin eine Rundreise durch Israel. Mit einer bunt gewürfelten Gruppe bereist sie verschiedene historische und bekannte Orte. Dabei erfährt man viele delikate Einzelheiten über die Mitreisenden. Sie reagieren in vielen Situationen so typisch deutsch dass es nur noch lustig ist.

Zu Hause erwartet Frau Sanders wieder das übliche Familienchaos. Doch nicht sehr lang, denn ihre Tochter will mit ihr schon bald auf die Malediven.

Nach einer nicht sehr glücklichen ersten Nacht scheinen sich beide Frauen dann doch gut zu amüsieren.

Eine kleine Schreibe über Familie und Reisen.

Leseprobe:

… Uwe hatte gar nichts mitbekommen. Knopf im Ohr, hockte er auf seinem Sitz und wiegte sich im Takt der Musik, die aus seinem Walkman kam.

Die hochnotpeinliche Befragung durch die Polizei blieb uns erspart, denn offenbar hatte niemand Heinis verbotswidriges Tun beobachtet. Unbehelligt konnten wir weiterfahren, bis wir am Spätnachmittag unser Etappenziel erreichten: Tiberias am See Genezareth, wo wir für zwei Tage Quartier beziehen würden. Vorher hatten wir allerdings noch einige Verhaltensmaßregeln bekommen,

und die hatten ungefähr so geklungen: »Heute bei Sonnenuntergang beginnt der Sabbat, also der jüdische Sonntag, an dem besonders die strenggläubigen Juden jede manuelle Tätigkeit ablehnen. Genaugenommen dürften sie nicht einmal eine Mahlzeit zubereiten. Deshalb werden in vielen Familien die Vorbereitungen dazu schon am Vortag getroffen. Außerdem geht dem Sabbatmahl ...«

»Do gibt's sonntags bloß Ufg'wärmtes? Des könnt i moinem Monn awer net zumute. Da dätscht doch proteschtiere, gell, Hoini?«

Heini nickte ergeben, und Frau Marquardt fuhr fort: »Häufig wird das Sabbatmahl auch zusammen mit Freunden in einem Restaurant

eingenommen. Das Hotel, in dem wir übernachten werden, garantiert koschere Küche, weshalb auch anzunehmen ist, daß wir im Speisesaal jüdische Familien antreffen werden. Manche Rituale werden Ihnen seltsam erscheinen. Sehen Sie taktvoll darüber hinweg, wundern Sie sich später darüber, wenn Sie allein sind, und lassen Sie vor allem die Fotoapparate in Ihren Zimmern. Außerdem möchte ich Sie bitten, heute im Speisesaal nicht zu rauchen.«

»Müssen wir etwa auch dieses fade koschere

Zeug essen?«

»Woher wollen Sie denn wissen, daß es fad schmeckt?« fragte Menachem zurück

Claudia zuckte nur mit den Schultern. »Na ja, so ohne Salz und überhaupt..

»Ich weiß ja nicht, wer Ihnen diesen Schwachsinn eingeblasen hat«, fuhr Frau Marquardt ärgerlich dazwischen, »jedenfalls sollten Sie ihn nicht verbreiten. Sie können auch ganz beruhigt sein, wir bekommen natürlich normales Essen.«

Die nur um ihr leibliches Wohl Besorgten versanken wieder in den Dämmerschlaf, die anderen brachten noch soviel Energie auf, einen Blick auf den See zu werfen. Obwohl er mit zweihundertzwölf Metern unterm Meeresspiegel der am tiefsten gelegene See der Erde ist, sieht er auch nicht anders aus als andere Seen.

Man kann sogar darin baden, denn es gibt richtige Strandabschnitte mit Liegestühlen undSonnenschirmen.

»Dös Auge Gottes«, flüsterte die Huber-Mariaehrfürchtig, wurde jedoch sofort vom Sepp verbessert: »Hast's net blickt, gell? Allahs Auge heißt man doch den See bei d' Moslemische.«

Das könne nicht stimmen, beharrte Maria, immerhin sei Jesus zu Fuß über das Wasser gegangen, und da müsse ja Gottes Auge über ihn gewacht haben. Der Disput war noch immer nicht beendet, als wir unser Hotel erreicht hatten, einen riesigen Kasten am Ende einer steilen Straße, Blick über den See garantiert.

Nach Klärung der wichtigen Frage, wer in welchem Bett schläft, und nach dem ersten Schluck Karmel-Wein (Zahnputzbecher aus Plastik vermindern erheblich den Genuß!) entwickelte Irene rege Geschäftigkeit. Sie kramte das Bügeleisen aus dem Koffer und zwei Seidenblusen, stöpselte die Nachttischlampe aus und suchte nach einem Gegenstand, der sich als Bügelbrett eignen könnte. Es gab keinen.

»Am besten wäre der Schreibtisch, aber da ist keine Steckdose, und von hier ist die Strippe zu kurz. Kannst du mir mal verraten, weshalb die Hersteller solcher nützlichen Geräte immer am falschen Ende sparen? Anderthalb Meter Schnur ist doch ein Witz!«

»Das merkst du aber erst, wenn du das Ding

benutzen willst. Und zu diesem Zeitpunkt befindest du dich meist fern der Heimat, kannst deinen Ärger also nicht an der richtigen Stelle loswerden, und wenn du wieder zu Hause bist, ist der Kassenzettel weg oder die Garantiezeit sowieso schon abgelaufen.«

Irene knurrte etwas Unverständliches und sah mich hilfesuchend an. »Hast du eine Idee?«

Ein Streifzug durchs Bad brachte die Erleuchtung. Die beiden Duschtücher, vom häufigen Waschen ohnehin brettsteif, ergaben zusammengefaltet eine ganz brauchbare Unterlage, sofern man sie auf dem Boden ausbreitete.

»Auf den Knien habe ich noch nie geplättet«, stöhnte Irene nach fünf Minuten Hin- und Hergerutsche. »Kannste mal den Kragen festhalten?«

»Augenblick noch!« Es machte klick, und dann hatte ich ein einmaliges Foto im Kasten: Irene im Unterrock, wie sie halbliegend über den Fußboden robbt und eine Falte nach der

anderen in die rote Bluse bügelt.

Noch eine letzte Zigarette - während der nächsten Stunde würden wir abstinent bleiben müssen -, sodann gemessenen Schrittes die Treppe hinunter. Wir hatten uns vorgenommen, dem feierlichen Anlaß gemäß und in Erwartung der doch überwiegend jüdischen Gäste den Speisesaal mit einem freundlichen

›Schalom‹ zu betreten, doch diese Überlegung hätten wir uns sparen können, denn uns hätte sowieso kein Mensch verstanden. Statt andächtiger Stille empfing uns ein ohrenbetäubender Lärm.

Der Speisesaal hatte die Ausmaße einer mittelgroßen Bahnhofswirtschaft und war möbliert wie ein bayrischer Biergarten. Aneinandergeschobene Tische, bedeckt mit Essensresten, zogen sich längs durch den ganzen Raum, davor vollbesetzte Stühle, dazwischen herumtobende Kinder aller Altersstufen, die den Geräuschpegel noch um etliche Dezibel anhoben.

»Hier sind wir falsch.« Erschrocken wollte Irene die Tür wieder schließen. »Vielleicht ist das so 'ne Art Tagung.«

»Quatsch! Da hinten sitzen doch unsere Hansln.« Am Kopfende des Saales war quer zu den übrigen Tischen eine kleine Tafel aufgebaut mit Blickrichtung zu dem ganzen Getümmel, und dahinter machten wir die etwasverstörten Mienen unserer Mitreisenden aus.

Dicht an die Wand gedrückt, schoben wir uns durch die Menge bis zu unseren Plätzen. »Jetzt weiß ich endlich, was ich unter dem Begriff Judenschule zu verstehen habe«, murmelte Irene entgeistert. »Der ist ja noch richtig aktuell.« …