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Malala Yousafzai - „Ich bin Malala“

ISBN: 9-783-4267-8689-5

Klappentext:

Am 9. Oktober 2012 wird die junge Pakistanerin Malala Yousafzai auf ihrem Schulweg überfallen und niedergeschossen. Die Fünfzehnjährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Wie durch ein Wunder kommt Malala mit dem Leben davon. Als im Herbst 2013 ihr Buch "Ich bin Malala" erscheint, ist die Resonanz enorm: Weltweit wird über ihr Schicksal berichtet. Im Juli 2013 hält sie eine beeindruckende Rede vor den Vereinten Nationen. Barack Obama empfängt sie im Weißen Haus, und im Dezember erhält sie den Sacharow-Preis für geistige Freiheit, verliehen vom Europäischen Parlament. Malala Yousafzai lebt heute mit ihrer Familie in England, wo sie wieder zur Schule geht. »Dieses Memoir unterstreicht ihre besten Eigenschaften. Ihren Mut und ihre Entschlossenheit kann man nur bewundern. Ihr Hunger nach Bildung und Neugestaltung ist authentisch. Sie wirkt so unschuldig, und da ist diese unverwüstliche Zuversicht. Sie spricht mit einem solchen Gewicht, dass man vergisst, dass Malala erst 16 ist.« The Times »Niemand hat das Recht auf Bildung so knapp, so einprägsam und überzeugend zusammengefasst wie Malala Yousafzai, die tapferste Schülerin der Welt.« Berliner Zeitung »Der mutigste Teenager der Welt« Bild »Bewegend erzählt Malala Yousafzai ihr Schicksal.« Brigitte

Inhalt:

Jeder kennt Malala, das kleine tapfere Mädchen, welches von den Taliban erschossen werden sollte, weil sie für das Recht auf Bildung für Mädchen kämpft. - In diesem Buch erzählt sie ihre eigene Geschichte. Von dem Vorfall selber, zumindest was sie selber noch davon wusste, von ihrer Geburt und ihrer schulischen Laufbahn und sehr viel auch von ihrem Vater und davon was er durchmachen musste, bis er da stand, wo er heute steht.

Es geht um viel um die Geschichte ihres Landes und man bekommt erklärt, wie die Ereignisse eins zum anderen führt.

Als es dann zum eigentlichen Ereignis, den Schuss, kommt, wird das das Buch nur noch dramatischer und die Ereignisse haben sich förmlich überschlagen.

Malala berichtet aus ihrem Leben, von ihrem Land, von sich selber und dem, was sie alles gelernt hat, aus den Dingen die passiert sind.

Leseprobe:

Wie immer in unserer Familie riefen wir uns gegenseitig, damit wir wussten, ob auch alle unversehrt waren. »Khaista, Pisho, Bhabi, Khushal, Atal!« Dann hörten wir Sirenen, eine nach der anderen, als führen sämtliche Krankenwagen in Mingora bei uns vorbei. Es hatte einen Selbstmordanschlag in der Basketballhalle der Haji-Baba-Oberschule gegeben. Dort sollte eine Trauerveranstaltung für einen beliebten örtlichen Polizeioffizier namens Jayed Iqbal stattfinden, der andernorts bei einem Selbstmordattentat getötet worden war. Er war aus Mingora, und so hatte man seinen Leichnam zurückgebracht, damit er hier bestattet werden konnte. Nun hatten die Taliban die Trauergemeinde attackiert. Mehr als 55 Menschen starben dabei, darunter auch Jayed Iqbals kleiner Sohn und viele Menschen, die wir kannten. Von Monibas Familie waren zehn Mitglieder dort, und sie alle wurden entweder getötet oder verletzt. Moniba war am Boden zerstörte. Die ganze Stadt stand unter Schock, in jeder Moschee gab es Trauerfeiern.

»Hast du Angst?«, fragte ich meinen Vater.

»In der Nacht ist die Angst stark, Jani«, antwortete er. »Aber am Morgen, wenn das Licht kommt, kehrt auch unser Mut wieder.« Das stimmte. Wir hatten Angst, aber unsere Angst war nicht so stark wie unser Mut. Mein Vater fügte noch hinzu: »Wir müssen unser Tal von den Taliban befreien, dann muss keiner mehr Angst haben.«

In Krisenzeiten kehren Paschtunen zu ihren bewährten Ritualen zurück, und so beriefen die Dorfältesten im Swat eine Versammlung ein, die Quami Jirga. Sie sollte Fazlullah den Wind aus den Segeln nehmen. Drei Männer aus der Region – Mukhtar Khan Yousafzai, Khurshid Kakajee und Zahid Khan – gingen von Gästehaus zu Gästehaus, um die Ältesten zu überzeugen, an der Versammlung teilzunehmen. Der Älteste von ihnen war ein weißbärtiger Mann von 74 Jahren namens Abdul Khan Khaliq. Er war einer der Leibwächter gewesen, als die Königin von England das Swat-Tal besucht hatte, um sich mit unserem Wali zu treffen. Obwohl mein Vater kein Ältester und kein Khan war, wurde er zum Sprecher bestimmt, weil er keine Angst hatte zu sagen, was er dachte. Auf Paschtu formulierte er poetische Dinge, aber er beherrschte unsere Landessprache Urdu ebenso gut wie das Englische. Das bedeutete, dass er sich sowohl mit den Menschen im Swat als auch außerhalb unseres Tals zu verständigen wusste. Jeden Tag war er deshalb für den Ältestenrat des Swat unterwegs. Er sprach an Schulen oder trat in den Medien auf und forderte Fazlullah heraus: »Was treibt ihr da eigentlich?«, fragte er. »Ihr setzt unser Leben, unsere Kultur, unsere Werte aufs Spiel.«

Mein Vater meinte zu mir: »Ich werde mich jeder Vereinigung anschließen, die für den Frieden eintritt. Wenn man einen Streit schlichten oder einen Konflikt lösen will, ist es das Wichtigste, die Wahrheit zu sagen. Wenn man Kopfschmerzen hat und geht zum Arzt und sagt, man hätte Bauchweh, wie kann er da helfen? Du musst die Wahrheit sagen. Die Wahrheit besiegt die Angst.«

Wenn er sich mit Mitaktivisten traf, vor allem mit seinen alten Freunden Ahmad Shah, Mohammad Farooq und Zahid Khan, begleitete ich ihn häufig. Ahmad Shah betrieb ebenfalls eine Schule, in der Mohammad Farooq arbeitete. Manchmal trafen sie sich auf dem sehr grünen Schulhof von Ahmad Shah. Zahid Khan wiederum besaß ein Hotel und damit ein großes Gästehaus, in dem die Menschen sich versammeln konnten. Wenn sie sich bei uns trafen, brachte ich ihnen Tee und hörte zu, was sie sagten. »Malala ist nicht nur das Kind Ziauddins«, sagten sie dann immer. »Sie ist unser aller Tochter.«

Immer wieder reisten sie nach Peshawar und Islamabad, wo sie Interviews im Radio gaben, vor allem bei Voice of America (VOA, dem staatlichen Auslandssender der USA) und der BBC. Sie wechselten sich ab, so dass immer einer von ihnen Zeit hatte. Sie machten den Menschen klar, dass das, was im Swat passierte, nichts mit dem Islam zu tun hatte. Mein Vater meinte, die Taliban könnten sich im Swat nur halten mit der Unterstützung der Armee und der Behörden. Der Staat sollte eigentlich die Rechte seiner Bürger schützen, doch wenn der Staat nicht mehr vom Nicht-Staat zu unterscheiden ist und man sich nicht mehr darauf verlassen kann, dass der Staat uns vor dem Nicht-Staat schützt, dann ist die Situation wirklich schwierig.

Militär und Geheimdienst sind bei uns sehr mächtig. Die meisten Menschen waren deshalb dagegen, dass solche Dinge öffentlich diskutiert wurden. Doch mein Vater und der Großteil seiner Freunde hatten keine Furcht. »Was ihr tut, richtet sich gegen unser Volk und gegen Pakistan«, sagte er. »Hört auf, die Taliban zu fördern. Sie sind unmenschlich. Es heißt, wir müssten das Swat-Tal für Pakistan opfern, doch nichts und niemand sollte für den Staat geopfert werden. Der Staat ist wie eine Mutter, die ihre Kinder nie verlässt.«

Er fand es schrecklich, dass niemand den Mund aufmachte. Eines Tages las er mir eine Passage aus einem Buch vor, das er immer bei sich hatte. Es war von einem Mann namens Martin Niemöller, der in Nazi-Deutschland gelebt hatte. Da hieß es:

»Zuerst kamen sie und holten die Kommunisten.

Ich sagte nichts, weil ich kein Kommunist war.

Dann kamen sie und holten die Sozialisten.

Ich sagte nichts, weil ich kein Sozialist war.

Dann holten sie die Gewerkschaftler, und ich sagte nichts,

weil ich kein Gewerkschaftler war.

Dann holten sie die Juden.

Und ich sagte nichts, weil ich kein Jude war.

Dann holten sie die Katholiken.

Und ich sagte nichts, weil ich kein Katholik war.

Schließlich kamen sie und holten mich.

Doch es war niemand mehr da,

der für mich hätte eintreten können.«

Ich wusste, dass der deutsche Theologe und Widerstandskämpfer recht hatte. Wenn die Menschen sich nicht wehrten, würde sich nichts ändern.

In der Schule organisierte mein Vater einen Friedensmarsch und ermutigte uns, offen zu protestieren gegen das, was hier ablief. Moniba drückte am besten aus, was wir dachten: »Wir Paschtunen sind religiöse Menschen. Nur wegen der Taliban denkt jetzt die ganze Welt, wir seien Terroristen. Das stimmt nicht. Wir sind friedliebende Leute. Unsere Berge, unsere Bäume, unsere Blumen – alles in diesem Tal spricht vom Frieden.«

Ein paar von uns Mädchen gaben Interviews aufATV Khyber, dem einzigen privaten Fernsehkanal, der in Paschtu sendete. …