ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Craig Show Gardner - „Ein Magier im Monsterland

Ebenzum 2

ISBN: 9-783-4042-0131-0

Klappentext:

–  - konnte ich leider nicht finden, darf mir zugesendet werden :-) -

Inhalt:

Der Magier Ebenzum und sein Lehrling Wundvor sind noch immer auf der Reise nach Vushta, wo sie auf Heilung für den Meister hoffen. Dabei wächst die Reisegesellschaft aber weiter an. Ein Schuhbert stößt zu ihnen. Der ist der Meinung, dass er mit seiner Magie eine große Hilfe für die Reisenden ist. - Das führt zu nicht gerade wenigen Reinfällen und Nervattacken.

Dann gerät die Reisegesellschaft in die Fänge einer Horde mythologischer Wesen. Sie wollen die Hilfe eines Magiers, wenden sich damit aber an den Lehrling und drohen diesem dann damit ihn zu verspeisen.

Die Reisegesellschaft kann sich auch hier absetzen, aber ein Zauber hindert sie daran endlich auf ein Schiff zu kommen, welches sie übersetzen soll.

Es bleibt spannend. Noch immer ist nicht klar, ob sie das Ziel ihrer Reise jemals erreichen werden.

Leseprobe:

… War das der lebendige Stoff einer Unterrichtsstunde, die mein Meister mir zu erteilen versäumt hatte? Vermutlich wußte jeder Zauberlehrling, der diesen Namen auch nur halbwegs verdiente, was ein Hippogreif war. Von Zeit zu Zeit, genauer gesagt in Situationen wie dieser, wünschte ich mir, daß meine zauberische Lehre schon etwas weiter fortgeschritten sei.

»Du bist also der einzige Hippogreif?« ant wortete ich in dem Bemühen, möglichst höflich zu erscheinen, obwohl es schwierig ist, Interesse zu heucheln, wenn der eigene Meister sich gerade totniest. »Weshalb«, fügte ich hinzu, »ist der Job nicht sehr gefragt?«

Der Hippogreif sah mich schon mit größerem  Ernst in den Augen an. »Im Gegenteil. Da ich der erste bin, kann ich mir selbst die Arbeitsanforderungen festlegen.« Stolz blickte er auf seine Hufe hinunter. »Ich bin einfach einzigartig, ein Produkt einer wahren Liebe zwischen den Gattungen.«

»Liebe zwischen den Gattungen?« fragte ich  nach. Sobald die peinlichen Worte über meine Lippen geschlüpft waren, fiel es mir siedend heiß auf, daß die Angelegenheit wohl zu delikat für eine öffentliche Erörterung sein mochte. »Natürlich.« Der Hippogreif spreizte stolz seine Schwingen. Nun gut, meine Frage schien ihn nicht gerade in Verlegenheit zu bringen. Und doch hätte ich mich wesentlich sicherer gefühlt, wenn ich gewußt hätte, wann und wie sich bei einem Hippogreifen ein Lächeln äußern würde. »Du hast meinen Vater schon kennengelernt. Meine Mutter war ein Pferd. Alles in allem eine erfolgversprechende Kombination, will ich meinen.«

»Du meinst«, fuhr ich, kurzfristig von dem  bloßen Gedanken erschreckt, fort, »daß du – äh – romantische Zwischenspiele mit jeder Tiergattung haben kannst, die dein Interesse erweckt hat?«

»Sicher. Vögel und Fische nicht ausgenommen!« Die Vorstellung raubte mir kurzfristig die Sprache. Ich war zwar sehr eng mit den Problemen vertraut, die sich aus dem romantischen Umgang mit Frauen ergaben, aber romantische Zwischenspiele mit dem weiblichen Teil aller existierenden Arten erschien mir zunächst als eine schlicht überwältigende Idee. Ein Zauberlehrling muß für jede Art von Konkurrenz gerüstet sein, doch immer noch überstieg eine Liebesaffäre mit einer alten Ziege mein Vorstellungsvermögen.

»Du wirkst ein wenig überrascht«, bemerkte  der Hippogreif klug. »Glaub mir, es ist eine wahrhaft befreiende Erfahrung.« Seine Stimme senkte sich zu einem vertraulichen Flüstern. »Ich muß dir etwas anvertrauen: Seit geraumer Zeit habe ich ein Auge auf dieses süße kleine Ozelot geworfen. Wow!« Der Hippogreif leckte sich den Schnabel.

»Ah, da sind wir!« Der Hippogreif ließ sich  auf seine Hinterläufe nieder und lud sein Bündel vor etwas ab, das man mit viel Wohlwollen eine Bruchbude nennen konnte. Die Verkleidung der einst ohne Zweifel stabilen Wände waren überall in sich zusammengefallen, als bemühe die Hütte sich verzweifelt, ihren ursprünglichen Zustand eines Bauholzstapels wieder zu erreichen. Auf der einen Seite befand sich eine Öffnung, die vermutlich einmal ein Fenster gewesen war, ganz zu schweigen von einer Reihe weiterer Löcher, die jedoch erst nach Abschluß der planmäßigen Bauarbeiten hinzugekommen zu sein schienen.

»Unsere beste Unterkunft«, sagte der  Hippogreif. »Hier kann dein Freund sich ausruhen, denn es ist weit genug von den lauten Umtrieben der anderen entfernt. Euer einziger Nachbar ist dieses Einhorn, das wir drüben hinter den Bäumen eingepfercht haben. Ein penetranter Langweiler, dieses Einhorn, nichts als Jungfrauen im Kopf! Wer hat hier schon mal was von Jungfrauen gehört?« Ich stimmte ihm hastig zu.

»Oh, übrigens«, fügte er noch hinzu, »bitte  denkt nicht an Flucht! Unter uns gibt es eine Menge Wesen, die Menschen sehr schnell aufspüren können, und sie sind in bezug auf ihre Transportmethoden nicht alle so sanft wie unser guter Rok! Gute Nacht.« Er wandte sich ab und galoppierte davon.

Mein Meister holte tief Luft und nieste zur  Abwechslung einmal nicht. Statt dessen stöhnte er. Ich betrachtete die Wolken, die sich am Nachmittagshimmel sammelten, und entschloß mich dazu, ihn in das Innere der Hütte zu bringen, das immerhin mehr Schutz als der nackte Himmel zu bieten schien.

Ein Stück ausgefranstes Seil hing vor der Tür.  Ich betete, daß der verschlissene Hanf so lange halten würde, bis ich die Tür aufgezogen hätte. Es krachte, und ich schleuderte die Tür, die nun nicht mehr von den Angeln gehalten wurde, beiseite, um meinen Meister hereinzuschleppen. Der Fußboden bestand aus Lehm. Ich legte meinen Meister in der Mitte der Hütte ab, möglichst weit entfernt von den Wänden in ihren verboten schrägen Winkeln. …