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C. J. Daugherty - „Du darfst keinem trauen“

Nicht School 1

ISBN: 978-3-86274-213-4

Klappentext:

Wenn nichts ist, wie es scheint, wem kannst du dann vertrauen? Das spurlose Verschwinden ihres Bruders hat Allie aus dem Gleichgewicht gebracht. Sie rebelliert und ihre Eltern schicken sie auf das Internat Cimmeria, wo nicht einmal Handys erlaubt sind. Schon bald findet sie Zugang zu einer Clique und wird von zwei Jungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, umworben. Auf Cimmeria häufen sich eigenartige Vorfälle, und als ein Mord geschieht, gerät Allie selbst unter Verdacht. Auf der Suche nach dem wahren Mörder stößt sie zufällig auf eine mysteriöse Verbindung ihrer Mutter zur Schule und gerät selbst in Lebensgefahr. Kann sie überhaupt noch irgendjemandem trauen? Dieser erste Band aus der Reihe Night School ist atemlos, packend und geheimnisvoll, Thriller und Liebesgeschichte, hochspannend und unwiderstehlich.

Inhalt:

Allie hat Probleme. Ständig übertritt sie Grenzen. So lang, bis sie von der Schule fliegt und von ihren Eltern auf ein Internat geschickt wird. Dort darf sie weder Handy noch Computer benutzen, passt sich deshalb dem Alltag an und lernt.

Doch seltsame Ereignisse bringen sie zum Nachdenken. Die Schulregeln sind mehr als seltsam. Auch sie selber hat keine Ahnung, was sie auf der Schule soll. Sie ist weder reich, noch haben ihre Eltern Einfluss und sie gehört auch nicht zum Schuladel. - Wirklich nicht?

Allie wird gemobbt, wird missverstanden und kämpft unbewusst doch um den Erhalt der Schule.

Leseprobe:

… Allie wand sich. »Es beschäftigt mich gar nicht … Ich hab nur so gedacht … Woher willst du eigentlich so sicher wissen, dass Sylvain mich fragen wird?«

Jo zwirbelte eine Haarsträhne zu einem schimmernden Kringel und steckte ihn fest. »Das hat mir ein kleines Vögelchen verraten. Ein sehr gut unterrichtetes Vögelchen.«

»Dann soll er mal langsam zu Potte kommen«, brummte Allie und beobachtete, wie ihre Frisur Gestalt annahm und immer stylisher wurde. »Alle anderen haben schon einen Tanzpartner.«

»So.« Jo trat einen Schritt zurück und lächelte sie im Spiegel an, offenkundig sehr mit sich zufrieden. »Sylvain kann froh sein, wenn er dich abkriegt.«

Allies Haar, normalerweise etwas widerspenstig, sah nun glatt und glänzend aus und war mit einem weißen Seidenband lose zu einem Dutt verknotet. Ein paar lockige Strähnen rahmten ihr ovales Gesicht ein und lenkten die Aufmerksamkeit auf ihre grauen Augen.

»Wahnsinn«, hauchte Allie und betrachtete sich erstaunt im Spiegel.

»Das wird deine Ballfrisur sein«, sagte Jo und fügte bescheiden hinzu: »Falls sie dir gefällt.«

Allie umarmte sie. »Ich find sie großartig! Wo hast du denn das alles gelernt?«

»Mädchenschule«, erwiderte Jo leichthin und hob die verstreuten Schuhe vom Boden auf. »Auf die du jetzt auch gehst, soweit ich weiß.«

Daraufhin schwieg Allie so lange, dass Jo, mit dem Verstauen der Schuhe beschäftigt, ihre Arbeit unterbrach und sie besorgt ansah. »Alles klar? Das sollte gar nichts heißen.«

Allie lächelte sie an. »Alles okay, keine Sorge. Ich hatte nur gerade so einen komischen Gedanken.«

»Was denn?«, fragte Jo und sortierte nun wieder ihre Schuhe.

»Dass ich – obwohl Carter sich so arschig benimmt, Sylvain mich nicht fragt und der Unterricht sauschwer ist – trotzdem irgendwie … glücklich bin.«

»Weil du ’ne Meise hast«, sagte Jo lachend.

»Nein, im Ernst. Ich bin echt glücklich. Zum ersten Mal seit Langem. Weißt du, ich dachte, ich würde es hier total furchtbar finden. Ich war fest entschlossen. Und mein altes Ich hätte es völlig bescheuert gefunden, über Kleider und Bälle und Schuhe nachzudenken und mir die Haare frisieren zu lassen und mir einen Kopf zu machen, wie ich aussehe. Aber ich find’s gar nicht bescheuert. Irgendwie … gefällt’s mir.«

Jo kniete vor dem Kleiderschrank und sah zu ihr auf. »Und, ist doch gut so, oder?«

»Ja«, sagte Allie nachdenklich. »Ich glaub schon.«

Eine gute Stunde später trug Allie die Kleider zurück in ihr Zimmer und verstaute sie im Kleiderschrank. Die Haare band sie wieder zu einem Pferdeschwanz, das Seidenband legte sie behutsam in die oberste Schublade ihres Schreibtischs. Sie sah auf die Uhr und raste los – nur noch zwanzig Minuten, bis der Speisesaal für den Mittag zumachte.

»Hey, Allie.« Sie drehte sich um und sah Jules, die in die gleiche Richtung lief.

Na, toll. Die hat mir gerade noch gefehlt.

»Ach hi, Jules.«

Wie immer saß Jules’ gerade geschnittene blonde Frisur perfekt, und sie hatte ihre niedlichen rosa Birkenstock-Sandalen an. Wieso darf die eigentlich ihre eigenen Schuhe tragen?, dachte Allie. Irgendwie unfair.

»Ich hab mich gerade gefragt, ob du auch zum Ball gehst«, sagte Jules. »Solltest du unbedingt. Ich weiß, du bist neu hier, aber dieses Erlebnis sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Man muss auch gar keinen Tanzpartner haben.«

Der letzte Satz ging Allie ein bisschen gegen den Strich. »Ich hatte eigentlich vor, hinzugehen«, sagte sie.

»Ach, das ist ja toll. Wer weiß, ob du nächsten Sommer noch hier bist – und da wär’s ja ’ne Schande, den Ball zu verpassen.«

Allie runzelte die Stirn. »Wieso sollte ich nächsten Sommer nicht mehr hier sein?«

Jules sah verdattert drein. »Oh, gar nichts. Es ist nur so, dass, na ja … im Sommer sind normalerweise nur die Top-Schüler da. Und wenn ich’s richtig verstanden habe, bist du ja … aus anderen Gründen hier.«

Allie fühlte sich, als hätte man ihr eins übergebraten. »Was soll das heißen? Was für Gründe?«

»Ach, das weißt du gar nicht?« Jules schien sich immer weniger wohl in ihrer Haut zu fühlen. »Isabelle hat das eigens für dieses Trimester eingerichtet. Danach wirst du vermutlich zu den anderen … äh, normalen Schülern kommen.«

Allie drückte die Schultern durch und ging einen Schritt auf sie zu.

»Was willst du damit sagen, Jules? Dass ich nicht hierhergehöre?«

»Oh, nein, natürlich nicht!« Jules machte hastig einen Schritt zurück. »Ich hoffe, ich hab dich jetzt nicht bel…«

»Beleidigt? Doch, Jules, du hast mich sehr wohl beleidigt.« Allie wandte sich ab und rannte den Gang entlang und die Treppe hinunter. Ihre Fäuste waren so fest geballt, dass die Fingernägel kleine Halbmonde in ihren Handflächen hinterließen.

Am Fuß der Treppe angekommen, schlitterte sie um die Ecke und wäre beinahe mit Sylvain zusammengestoßen, der sie spielend auffing.

»Gehst du eigentlich auch mal normal?«, fragte er lachend und hielt sie fest.

»Nur wenn es gerade passt«, sagte Allie. Es klang schroffer, als sie beabsichtigt hatte. Sie holte tief Luft und versuchte, sich zu beruhigen.

»Was ist denn los?« Besorgt betrachtete Sylvain ihr Gesicht. »Alles okay?«

Sie zuckte die Achseln. »Ich bin gerade Jules über den Weg gelaufen. Sie … Ach, es lohnt sich gar nicht, sich aufzuregen wegen dieser blöden Kuh!«

Sylvain wirkte amüsiert. »Ja, ja, sie kann schon manchmal etwas … schwierig sein. Aber das würde ich nicht so ernst nehmen. Sie meint es gut.«

Er hatte eine Art, mit den Augen zu lächeln, die unwiderstehlich war – sie musste einfach zurücklächeln. »Du hast recht. Ich sollte das nicht so an mich ranlassen.«

»Ehrlich gesagt, habe ich gehofft, dass ich dir über den Weg laufe.« Sylvain lehnte sich an die Wand, nahm Allies Hand und zog sie an sich heran, damit sie sich ungestört unterhalten konnten.

Er ist so cool. Wie macht er das?

»Ich wollte dich fragen, ob du schon einen Tanzpartner für den Ball hast.«

Allie fühlte, wie ihre Wangen rot wurden und ihr Herz wie wild zu schlagen begann. Ruhig bleiben und nichts anmerken lassen.

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, noch nicht.«

Er sah ihr immer noch in die Augen. »Ich hatte gehofft, du würdest vielleicht mit mir auf den Ball gehen.«

Mit dir auf den Ball gehen? Ich möchte dich heiraten und Kinder haben, ein Haus kaufen, in Frankreich leben …

»Fänd ich schön«, sagte sie ruhig.

»Großartig. Ich kann’s gar nicht erwarten.« Er lächelte sie mit seinem sexy Schlafzimmerblick an.

Einen Moment lang standen sie so da, als fiele es ihnen schwer, sich voneinander loszureißen, dann nahm Sylvain ihre Hand, küsste sie sanft und ließ sie los. »Geh mal lieber mittagessen, bevor die zumachen.«

Allie nickte. »Bis später.«

»À bientôt.«

Auf einer Wolke der Glückseligkeit schwebte Allie zum Speisesaal und hätte beinahe übersehen, dass Jo ihr von ihrem angestammten Platz aus zuwinkte. Als Allie zu ihr an den Tisch kam, knabberte sie gerade an einem Blattsalat.

»Bis zum Ball gibt’s nur noch Salat für mich, sonst pass ich nicht in das Kleid rein – was ist denn passiert?« Jo ging derart umstandslos von der Feststellung zur Frage über und Allie war derart trunken vor Romantik, dass sie Jo einen Augenblick lang bloß anstarrte. …