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C. J. Daugherty - „Der den Zweifel sät“

Night School 2

ISBN: 9-783-8415-0322-0

Klappentext:

Allie in größter Gefahr: Nach einer atemlosen Verfolgungsjagd durch die düsteren Straßen Londons kehrt Allie zurück ins Internat. Doch hier geht es atemlos weiter, denn nun ist sie vollwertiges Mitglied der geheimnisvollen NIGHT SCHOOL. Gleichzeitig spielen ihre Gefühle für Carter und Sylvain total verrückt. Da erhält sie eines Nachts eine Nachricht von ihrem verschollen geglaubten Bruder. Und ihr wird klar, dass die NIGHT SCHOOL ein sehr dunkles Geheimnis hütet …

Inhalt:

Das neue Trimester in Chimmera hat begonnen. Doch Ellie kann sich auch in der Schule nicht mehr sicher fühlen. Nun, da sie von ihren Eltern über ihre Großmutter aufgeklärt wurde. Nun versteht sie, warum Nathaniel wohl hinter ihr her ist. Sie versteht allerdings nicht, warum sich ihr Bruder Christopher auf dessen Seite geschlagen hat.

Allie hat Stress sowohl mit ihren Freunden, als auch in der Schule. Im neuen Schuljahr ist ja auch die Night School noch dazu gekommen.

Doch der Verlust im Finale haut Allie aus der Bahn. Gleichzeitig macht es aber auch neugierig aufs nächste Band.

Leseprobe:

… »Das kann keiner«, erwiderte Sylvain leise. »Und das ist genau das Problem. Es muss jemand sein, dem wir vertrauen. Sonst würden wir es ja durchschauen. Das macht die Sache so schlimm.«

Allie legte die Arme um ihren Körper und holte tief Luft. »Wieso tun die das, Sylvain? Kannst du mir das sagen? Nathaniel und seine Leute – was wollen die so unbedingt haben?«

Sylvains Augen verdunkelten sich, und er blickte aus dem Fenster, ehe er sie wieder ansah. »Etwas, das wir ihnen nicht geben können.«

Ohne nachzudenken, packte sie ihn am Arm. »Du weißt es doch, oder? Du weißt doch, worum es wirklich geht.«

Für einen Moment vergaß er seine Zurückhaltung. Sein Blick schnellte von ihrer Hand zu ihren Augen. Die Art und Weise, wie er sie anschaute, verschlug ihr den Atem. Als striche er mit den Fingerspitzen über ihre Haut.

Sie ließ die Hand fallen und senkte die Lider. Als sie wieder aufzuschauen wagte, war der Ausdruck von was auch immer es gewesen war aus seinem Blick verschwunden. »Ja, ich weiß einiges, was du nicht weißt, Allie«, sagte er mit ausdruckslosen Augen. »Aber ich bin auch schon länger hier. Meine Familie steckt in alldem mehr drin, als du dir vorstellen kannst.«

»Ach ja?« Sie hatte genug von der Geheimniskrämerei. Von den Lügen. Und seine vagen Andeutungen brachten sie auf die Palme. »Da wär ich mir mal nicht so sicher«, blaffte sie ihn an und stolzierte davon.

Als sie am selben Abend beim Training aufkreuzte, füllte sich der Raum bereits, doch es war nicht so voll wie tags zuvor. Carter und Sylvain waren nirgends zu sehen.

Allie dehnte ihre Oberschenkelmuskeln und wartete auf den Beginn der Trainingsstunde. Sie war so in Gedanken vertieft, dass sie es kaum wahrnahm, als Zoe auftauchte.

»Ich kann’s gar nicht glauben, dass du beim Abendessen Gabe gesehen hast. Du Glückspilz!«

Allie schnaubte ungläubig. »Ich fühl mich eher nicht wie ’n Glückspilz.«

»Solltest du aber.« Zoe ließ sich neben ihr auf den Boden fallen und machte Dehnübungen. Allie bewunderte ihre Beweglichkeit, als sie mühelos den Kopf zum Knie führte und mit den Händen ihren kleinen Fuß umfing. »Alle suchen nach ihm, und du hast ihn als Erste gesehen. Irgendwie krass.« Sie wechselte auf das andere Bein und beugte geschmeidig ihren Körper. »Ein paar von den älteren Schülern sind mit Rajs Leuten draußen und durchstreifen das Gelände.«

Das war neu für Allie. Sie nahmen es also doch ernst.

Gut.

Raj trat in die Mitte des Raums. »Wir fangen mit derselben Wurf-und-Fall-Übung an wie gestern Abend. Bitte stellt euch zu euren Übungspartnern.«

Allie gefiel es, wie er mit leiser Stimme Autorität ausübte. Er brauchte nicht zu schreien, um respektiert zu werden. Und die vorangegangenen Ereignisse hatten ihn anscheinend nicht aus der Fassung gebracht. Alles lief weiter wie gewohnt.

»Wir beginnen mit einem Angriff von links.«

Zoe trat auf Allie zu. »Lass uns das vorher durchgehen. Ich hab da gestern was nicht ganz richtig gemacht.«

»Schon gut«, schnitt Allie ihr das Wort ab. Sie hatte ihr noch nicht verziehen. »Ich hab gestern Abend noch geübt. Ich glaub, ich hab’s jetzt gecheckt.«

»Bist du sicher?«, fragte Zoe zweifelnd. »Wir können die Schritte alle noch mal von Anfang an durchgehen. Ich könnte dir zeigen …«

»Lass es uns erst mal so probieren.« Allie versuchte, möglichst neutral zu schauen. Zoe sollte nicht mitbekommen, wie sehr sie sich schon darauf freute.

»Wenn du meinst«, sagte Zoe achselzuckend. »Ist ja deine Beerdigung.«

»Fertig«, rief Raj.

Zoe trat aus Allies Sichtfeld.

»Los!«

Allie stellte sich in Position. Wie bei Sylvain am Abend zuvor spürte Allie den Angriff eher, als dass sie ihn kommen sah. Als Zoes Hände sie am Arm packten, legte Allie sie mit Leichtigkeit aufs Kreuz.

»Du meine Güte! Das war ja krass!«, keuchte Zoe, als Allie ihr aufhalf. »Wer hat dir denn dasbeigebracht?«

»Sagen wir mal so: Ich hatte eine Privatstunde.« Allie konnte ein triumphierendes Lächeln nicht unterdrücken.

»Wechsel!«, rief Raj.

Allie bereitete sich vor, wie Sylvain es ihr gezeigt hatte. Sie stellte sich aufrecht hin, ging leicht in die Knie und ließ die Arme neben dem Körper – jederzeit bereit, wie eine Sprungfeder. Sie versuchte, nicht zu großspurig zu wirken, doch nach dem Erfolg bei der ersten Übung strotzte sie vor Selbstvertrauen.

Ich weiß, dass ich es draufhabe!

»Los!«

So, wie Sylvain es ihr gezeigt hatte, packte sie die Jüngere am Arm, doch Zoe blieb fest auf den Füßen; in tiefer Hockstellung wehrte sie sämtliche Angriffe von Allie ab.

»Gut!«, sagte Raj, der aus der Nähe zugesehen hatte. »Prima gemacht, Zoe! Allie, deine Technik war perfekt, aber Zoe ist eben eine sehr geübte Kämpferin. Was hättest du in einer realen Situation als Nächstes getan?«

»Sie in den Schwitzkasten genommen«, erwiderte sie, ohne zu zögern.

»Richtig.« Er wirkte zufrieden, und sie strahlte. »Du machst große Fortschritte, Allie.«

Während der nächsten Stunde trainierten sie Selbstverteidigungstechniken, bis Allie jeder Muskel wehtat.

Am Ende der Stunde musterte Zoe sie anerkennend. »Na, vielleicht bist du ja doch nicht so ’ne Lusche.«

»Danke …«, erwiderte Allie. Sie begriff, dass sie Zoe nun auch loben musste, und fügte hinzu: »Du bist aber auch ganz schön gut.«

»Ich weiß.« Zoe schien verblüfft zu sein, dass Allie es für nötig hielt, etwas so Offensichtliches zu sagen.

Allie lächelte immer noch, als sie sich abwandte und Carter in der Tür stehen sah. Er beobachtete sie mit düsterer Miene. Sie lief zu ihm.

»Hey.«

»Selber hey«, sagte er, doch ohne die vertraute Wärme.

Sie machte eine Kopfbewegung Richtung Tür. »Seid ihr da draußen irgendwie weitergekommen?«

Schmallippig schüttelte er den Kopf.

Nach all dem, was sich abgespielt hatte, kam Allie ihr Streit läppisch vor. Sie warf Carter einen zornigen Blick zu: »Meine Güte, jetzt ist’s aber mal gut mit dem Schmollen.« Sie packte ihn an der Hand und zerrte ihn zur Tür hinaus. »Lass uns das ein für alle Mal klären.«

Sie hatte Angst, er würde sich verweigern, doch er folgte ihr nach draußen zu den terrassierten Grünflächen hinter der Schule. Ganz hinten, in einer Buchsbaumhecke versteckt, war eine alte Bank, auf die Allie sich setzte. Sie zupfte an Carters Hand, bis er neben ihr Platz nahm. Das Holz war kalt und noch etwas klamm vom vorangegangenen Regen. »Okay«, sagte sie. »Sprich dich aus.«

Carters Augen wurden schmal. »Wieso sollte ich? Du hörst mir ja doch nicht zu.« Er spie die Worte geradezu aus.

Allie wich zurück vor so viel Vehemenz. »Hey, Carter! Verdammt noch mal! Du bist doch sonst nicht so. Jetzt red mit mir!« …