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C.J. Daugherty - „Denn Wahrheit musst du suchen“

Night School 3

ISBN: 9-783-7891-3329-9

Klappentext:

Die Spannung steigt! Band 3 der großartigen Thrillerserie und Liebesgeschichte um Allie und das Geheimnis der NIGHT SCHOOL. Nacht für Nacht quälen Allie Albträume, seitdem ihre Freundin Jo ermordet wurde. Sie weiß, dass jeder, der ihr nahesteht, das nächste Opfer werden kann. Deshalb wehrt sie Sylvains Annäherungsversuche ab und verbirgt ihren Schmerz darüber, dass Carter sich von ihr abwendet. Allies Befürchtungen bestätigen sich, als ihre Großmutter das Geheimnis um die NIGHT SCHOOL enthüllt. Ihr wird klar, dass es nur eine Lösung gibt, wenn sie überleben und ihre Freunde schützen will: Sie muss der Wahrheit auf den Grund gehen und die gefährlichen Machtkämpfe beenden.

Inhalt:

Allie ist nach dem Tod ihrer besten Freundin wieder in ihre alten Muster zurück gefallen. Sie will nicht sehen, dass man ihr helfen will und reist am Ende aus der Schule aus. - Und gerade, als sie es sich mit einem Londoner Kumpel gemütlich gemacht hat, wird sie von der Polizei aufgegriffen und wieder auf die Cimmera-Akademie zurück gebracht, wo man sie verhört, bestraft und am Ende doch wieder in der Gemeinschaft aufnimmt.

Allie fügt sich, aber nur zum Schein, wie man aus der Handlung dann noch entnehmen kann. Sie ist zwar wieder in der Schule, beteiligt sich auch so weit wieder am Unterricht, macht aber mit einer verschworenen Gemeinschaft ihrer Freunde eine Art geheime Gruppe auf. Sie wollen zum einen der Bibliothekarin helfen, die Allie zwar beschuldigt hat, das aber am Ende doch bereut hat. Und dann wollen sie auch den geheimen Spitzel von Nathaniel in der Schule ausfindig machen.

Sie kommen zwar zu einem Ergebnis, aber keines, dass sie zufrieden stellt. Denn Nathaniel hat inzwischen mehr Macht, als es sich Isabell, die Schuldirektorin, und Allies Großmutter eingestehen wollen.

Leseprobe:

… »Gute Frage«, sagte Sylvain stirnrunzelnd. »Ich werd mal mit ihr reden – weit kann sie ja nicht sein, ich hab sie eben noch draußen gesehen. Vielleicht weiß sie ja noch mehr.«

Er machte sich auf und ließ die anderen ratlos zurück.

»Irgendwas müssen wir doch unternehmen!«, rief Zoe voller Ungeduld. »Wir sollten den Lehrern Bescheid sagen.«

»Und wie willst du das anstellen?«, fragte Carter. »Dazu müssten wir ja erst mal rausfinden, wo die sind.«

Nicole sah Zoe an. »Lass uns doch kurz ’ne Runde drehen und schauen, ob wir was rausfinden können.«

»Ich werd mal mit den Wachleuten reden«, sagte Rachel und erhob sich. »Vielleicht erzählen die mir ja was – immerhin ist mein Dad ihr Chef.«

Erleichtert, endlich etwas tun zu können, brachen alle eilig auf. Carter und Allie blieben allein am Tisch zurück.

»Gut … Und was machen wir jetzt?«, fragte Allie und band einen Knoten in ihre weiße Serviette.

»Erst mal müssen wir rausfinden, was hier eigentlich los ist und wie viel die Lehrer wissen.«

»Und wie sollen wir das anstellen?«, fragte Allie.

»Ich hätte da schon eine Idee«, sagte Carter und grinste verwegen.

Am Nachmittag hatte Allie wieder ihren Posten vor Isabelles Büro bezogen und lehnte mit verschränkten Armen betont nonchalant an der Wand. Diesmal war sie freilich nicht allein. Ihr gegenüber stand Carter mit dem Rücken an Isabelles Tür und pfiff leise vor sich hin.

Ab und an begegneten sich ihre Blicke, und er hob fragend seine Augenbrauen. Doch sie schüttelte jedes Mal den Kopf.

Noch nicht.

Sie wusste aus Erfahrung, dass er nur eine Minute für das brauchte, was er im Begriff war zu tun. Doch wenn er dabei gesehen würde, hätte das verheerende Folgen gehabt. Deshalb musste sie absolut sicher sein, dass die Luft rein war.

Suchend reckte sie den Hals. Treppenhaus und Flur waren menschenleer.

»Jetzt.«

Mit flinker Zuversicht machte er sich ans Werk. Er beugte sich über das Schloss zu Isabelles Tür und führte eine silbrig glänzende Nadel ein.

Allie hatte sich neben ihn gestellt, um die Sicht auf ihn zu verdecken, und stand Schmiere.

»Alles klar?«, fragte er flüsternd, ohne aufzuschauen. Bewundernd verfolgte sie, wie seine Hände – selbst unter Druck – ruhig blieben und den Draht ins Schloss fummelten.

»M-hm.«

Es war so ruhig, dass das Geräusch der aufschnappenden Tür im Flur wie ein Höllenlärm wirkte.

»Das Schloss gehört auch mal ausgetauscht«, murmelte Carter und stieß die Tür auf. »Lässt sich zu einfach knacken.«

Sie schlüpften ins Zimmer und machten die Tür hinter sich zu.

In dem fensterlosen Raum war es ziemlich dunkel, und man hörte kaum Geräusche aus dem Gebäude. Die Stille machte Allie nervös. Sie konnte kaum Carters Umrisse erkennen, doch sie hörte seinen gleichmäßigen Atem.

Sie streifte ihren Blazer ab und deckte damit den Spalt unter der Tür ab.

Carter tastete sich vorsichtig an den Möbeln entlang zur Schreibtischlampe. Er schaltete sie an, und der Raum erwachte zum Leben.

Carter deutete auf Isabelles Schreibtisch.

»Lass uns hier anfangen«, sagte er.

Wie üblich war der imposante Mahagoni-Schreibtisch der Rektorin mit Papierstapeln unterschiedlicher Höhe bedeckt. Hastig blätterten sie sie durch, um irgendwelche Hinweise auf Eloise oder Nathaniel zu finden. Irgendetwas, das erklären konnte, was hier gerade ablief.

Da sie nicht wussten, wann die Rektorin wieder zurückkommen würde – geschweige denn, wo sie überhaupt war –, mussten sie sich beeilen. Wenn man sie hier erwischte, war Schluss mit lustig – und zwar für sie beide.

Zehn Minuten durchsuchten sie schweigend die Unterlagen. Hauptsächlich waren es korrigierte Englischaufsätze, Rechnungen, Kontoauszüge – der übliche Bürokram einer Internatsleiterin. Jedenfalls nichts Brauchbares.

Allie hatte gerade eine Mappe mit Strom- und Heizungsabrechnungen geöffnet, als Carter leise rief: »Hier!«

Sie schaute auf. Er hielt ein Blatt Papier in der Hand, auf das jemand handschriftliche Notizen gekritzelt hatte.

»Was ist das?«, fragte sie und trat neben ihn. Carter senkte das Blatt, damit sie besser sehen konnte.

»Die Anschuldigungen gegen Eloise.«

Auf dem Zettel stand, durchnummeriert, eine Reihe von Anklagepunkten, die sich überwiegend auf Eloises Angaben bezogen, zu den fraglichen Zeitpunkten, an denen Nathaniels Spion aktiv gewesen war, meist allein gewesen zu sein.

»Jetzt schau dir das mal an«, flüsterte Allie und deutete auf das Blatt. »Da wird mit keinem Wort darauf eingegangen, dass sie gar keine Zeit hatte, in die Kapelle zu gehen, um die Kerzen anzuzünden, bevor wir kamen.«

»Das ist Zelaznys Handschrift«, sagte Carter tonlos.

Allie sah ihn zweifelnd an. »Glaubst du echt …?«

Er zuckte die Achseln. »Wenn er sie beschuldigt«, sagte er schmallippig, »dann frage ich mich schon, was er davon hat. Der echte Spion weiß ja, dass sie es nicht ist.«

Bei seinen Worten fröstelte es Allie abermals. »Fällt mir irgendwie schon schwer, das zu glauben. Zelazny ist doch so ein Hundertprozentiger.«

Carter sah von dem Blatt auf, die dunklen Augen unergründlich im goldenen Schein der Schreibtischlampe.

»Ich trau hier keinem mehr.«

Weil Allie nicht wusste, was sie darauf erwidern sollte, wandte sie sich wieder den Papieren auf dem Schreibtisch zu.

Ihr Geschichtslehrer war ein griesgrämiger Pedant und Regelfanatiker – geschenkt. Aber unter allen Lehrern war er ihr immer als Fels in der Brandung erschienen, unverrückbar und unbeirrbar in seiner Loyalität zur Schule. …