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Kierra Cass - „Der Erwählte“

Selection Band 3

ISBN: 9-783-7373-6498-0

Klappentext:

35 perfekte Mädchen waren angetreten. Nun geht das Casting in die letzte Runde: Fünf Mädchen träumen von der Krone Illeás und einer Märchenhochzeit. America ist noch immer die Favoritin des Prinzen, doch auch ihre Jugendliebe Aspen umwirbt sie heftig. Sie zögert, denn sie liebt beide. Doch jetzt ist der Moment der Entscheidung gekommen: America hat ihr Herz vergeben, mit allen Konsequenzen. Komme, was wolle … Fortsetzung der romantischen ›Selection‹-Serie für Mädchen ab 14!

Inhalt:

America Singer ist unter den letzten vier Mädchen, unter denen sich der Prinz eine Frau aussucht. Sie hat sich sogar inzwischen in den Prinzen verliebt. Doch ihre Konkurrenz ist sehr hart. Denn jeder der Mädchen hat seine eigene Motivation, die Frau des Prinzen zu werden.

Doch nicht nur die anderen Mädchen machen America das Leben schwer. So sehr, wie sie mit dem Prinzen auf einer Wellenlänge ist, so sehr kann sie der König nicht leiden. Sie widerspricht, folgt nicht genau den Anweisungen und hört auf ihr Herz. Das gefällt dem König nicht. - Das Volk aber mag sie dafür.

America schlägt sich tapfer, gewinnt das Herz des Prinzen, verliert ihren Vater und scheint es am Ende dann doch zu vermasseln. Aber die Ereignisse spielen ihr zu.

Leseprobe:

… »Und für wen würden Sie sich entscheiden?«, fragte ich und verfluchte mich sofort für diese kühne Frage.

Sie lächelte freundlich. »Ganz ehrlich: Ich habe mir diese Frage nicht gestattet. Es würde mir das Herz brechen, wenn ich anfinge, eine von Ihnen wie eine Tochter zu lieben, um sie dann doch zu verlieren. Das könnte ich nicht ertragen.«

Ich senkte den Blick und wusste nicht, ob diese Worte als Trost gemeint waren oder nicht.

»Aber ich wäre bei jeder von Ihnen glücklich, Sie in meine Familie aufzunehmen.«

Ich schaute hoch und registrierte, wie die Königin uns nacheinander in die Augen sah. »Doch jetzt wartet jede Menge Arbeit auf uns.«

Stumm standen wir da und sogen ihre Weisheit in uns auf. Ich hatte mir nie die Zeit genommen, mir die Teilnehmerinnen des vorigen Castings anzusehen, hatte nie nach ihren Fotos oder sonstigen Informationen gesucht. Ich kannte eine Handvoll Namen – hauptsächlich, weil ältere Frauen sie in Gesprächen erwähnten, wenn ich auf Partys sang. Es hatte mich nie interessiert. Wir hatten ja schon eine Königin, und selbst als junges Mädchen war mir der Gedanke, Prinzessin zu werden, nicht in den Sinn gekommen. Doch jetzt fragte ich mich, wie viele der Frauen, die an der Halloween-Party teilgenommen hatten oder in den Palast kamen, um die Königin zu besuchen, zu ihren ehemaligen Konkurrentinnen gehörten und nun ihre engsten Freundinnen waren.

Celeste drehte sich als Erste um und ging zurück zum Sofa. Königin Amberlys Worte schienen keinen großen Eindruck auf sie gemacht zu haben. Aus irgendeinem Grund brachte dies das Fass in mir zum Überlaufen. Alles, was in den letzten Tagen geschehen war, stürmte auf mich ein, und ich merkte, dass ich an meine Grenzen kam.

Ich machte einen Knicks. »Bitte entschuldigen Sie mich«, murmelte ich und ging rasch zur Tür. Einen Plan hatte ich nicht. Vielleicht konnte ich mich eine Weile auf die Toilette zurückziehen oder mich in einem der zahllosen Salons verkriechen. Vielleicht sollte ich auch einfach auf mein Zimmer gehen und mir die Augen ausweinen.

Unglücklicherweise schien sich alles gegen mich verschworen zu haben, denn draußen vor dem Damensalon lief Maxon auf und ab. Er schien über einem Rätsel zu brüten. Bevor ich mich irgendwo verstecken konnte, hatte er mich entdeckt.

Von allem, wonach mir jetzt der Sinn stand, war dies das Letzte auf der Liste.

»Ich hatte überlegt, ob ich dich zu mir bitten sollte«, sagte er.

»Wie kann ich dir helfen?«, antwortete ich kurz angebunden.

Maxon musste offenbar seinen ganzen Mut zusammennehmen, um etwas zu fragen, was ihm anscheinend keine Ruhe ließ. »Es gibt also ein Mädchen, das mich wie wahnsinnig liebt?«

Ich verschränkte die Arme vor der Brust. So wie die letzten Tage gelaufen waren, hätte ich diesen Sinneswandel kommen sehen müssen. »Ja.«

»Nicht zwei Mädchen?«

Ich schaute ihn an und war fast wütend darüber, dass er es noch mal von mir hören wollte. Weißt du denn nicht schon längst, was ich für dich empfinde, hätte ich ihn am liebsten angeschrien. Denkst du denn gar nicht mehr an die Nacht im Schutzraum?

Doch ehrlich gesagt hätte ich selbst gerade ein wenig Bestätigung gebrauchen können. Was war geschehen, was mich so verunsichert hatte?

Der König. Er hatte die Vorzüge der anderen Mädchen aufgezählt und mich beleidigt. Dazu kamen die ganzen Fehlschläge mit Maxon in dieser Woche. Einzig und allein das Casting hatte uns zusammengebracht. Doch obwohl ich nun schon viele Wochen hier war, schien es nichts zu geben, dessen ich mir wirklich sicher sein konnte.

»Du hast gesagt, du vertraust mir nicht mehr«, warf ich Maxon vor. »Und vor kurzem hast du es darauf angelegt, mich zu demütigen. Gestern in der Bibliothek hast du dann gesagt, ich sei quasi eine wandelnde Peinlichkeit. Und Augusts Vorschlag, mich zu heiraten, hat einen Wutanfall bei dir ausgelöst. Also bitte entschuldige, wenn ich mir unserer Beziehung gerade nicht besonders sicher bin.«

»Du vergisst, dass ich keinerlei Erfahrungen in diesen Dingen habe, America«, sagte er heftig, aber ohne Zorn. »Du hast jemanden, mit dem du mich vergleichen kannst. Ich weiß nicht einmal, wie eine normale Beziehung aussieht, und ich habe nur einen einzigen Versuch. Du hattest wenigstens zwei. Also mache ich Fehler.«

»Fehler stören mich nicht«, feuerte ich zurück. »Was mich stört, ist die ständige Unsicherheit. Die meiste Zeit über weiß ich nicht, wie wir zueinander stehen.«

Er schwieg einen Augenblick, und ich merkte, dass wir an einem entscheidenden Punkt angelangt waren. Wir konnten nicht länger so weitermachen. Selbst wenn wir am Ende doch noch zusammenkämen, würden uns diese Momente der Unsicherheit stets verfolgen.

»Es ist immer das Gleiche mit uns«, flüsterte ich, erschöpft von diesem Spielchen. »Wir kommen uns nah, dann geschieht etwas, und alles ist wieder vorbei. Und du scheinst nicht in der Lage zu sein, eine Entscheidung zu treffen. Wenn du mich so sehr willst, wie du es immer behauptet hast, warum ist das Casting dann noch nicht vorbei?«

Obwohl ich ihn soeben beschuldigt hatte, dass ich ihm nichts bedeutete, verwandelte sich seine Frustration in Traurigkeit. »Weil ich die Hälfte der Zeit über sicher war, dass du einen anderen liebst, und die andere Hälfte gezweifelt habe, ob du mich überhaupt lieben könntest«, erwiderte er, woraufhin ich mich augenblicklich furchtbar fühlte. …