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Carina Mueller - „Gefunden“

Monlit Nights Band 1

ISBN: 9-783-55130-037-9

Klappentext:

Jeden Tag im Obstladen ihres Vaters aushelfen, Matheklausuren verhauen und zu keiner Party eingeladen werden Emma könnte sich mit Leichtigkeit ein tausendmal besseres Leben ausmalen. Doch dann taucht der umwerfend gut aussehende Liam in ihrer Kleinstadt auf, ein Junge, der wirklich jede haben könnte und scheint sich ausgerechnet für sie zu interessieren. Das käme ihrem Wunschtraum schon recht nah, wäre da nicht das gewisse Etwas, das Liam nicht nur unsagbar anziehend, aber auch ein klein wenig bedrohlich machen würde. Doch Emma wäre nicht Emma, wenn sie ihm nicht die Stirn zu bieten wüsste Dies ist der erste Band der Moonlit-Nights-Trilogie. Der zweite Band erscheint am 4. September 2014 als E-Book.

Inhalt:

Emma ist eine Einzelgängerin. In der Klasse akzeptiert, aber nicht wirklich dabei. Nachmittags Aushilfe im Gemüseladen des Vaters... Bis zu dem Tag, als Liam im Laden steht und aushelfen will. Und dann geht dieser Liam auch noch in ihre Klasse. Und er sitzt neben ihr! - Entgegen aller Erwartungen kommen die beiden zusammen. - Doch Liam ist seltsam. Manche Situationen sind mit ihm wirklich seltsam.

Liam entpuppt sich als Werwolf. Doch Emma will ihren Traumtyp um nichts in der Welt wieder aufgeben.

Leseprobe:

… Die ersten vier Stunden zogen sich wie Kaugummi und ich musste über mich selbst schmunzeln. Eigentlich hasste ich Mathe und nun konnte ich den Unterricht kaum erwarten?

Immer wieder blickte ich verträumt in Liams Richtung. Ich war also verliebt. Wie schön und gleichzeitig auch beruhigend, endlich eine Erklärung für diese widersprüchlichen Gefühle in seiner Nähe zu haben.

Die Schulglocke ertönte und Mr Morrison betrat die Klasse. Er schien nicht weniger aufgeregt zu sein als ich und strahlte über das ganze Gesicht, als er Liam sah, der bereits seine Vorbereitungen an die Tafel malte.

»Sehr schön, Mr Hunter!«, lobte ihn der Lehrer und stellte sich in die hinterste Ecke des Klassezimmers.

Gebannt sah ich zu Liam hinüber, der mich aufmunternd anlächelte und eine Grimasse über die Bemerkung von Mr Morrison schnitt. Ich lächelte zurück, dann begann er mit seinem Vortrag. Konnten wir Mr Morrison nicht für immer gegen Liam eintauschen? Das würde doch bestimmt niemanden stören.

Ich hing an Liams Lippen und lauschte jedem einzelnen seiner Worte. Von der Tafel hatte ich auch schon alles abgeschrieben, was ziemlich ungewöhnlich für mich war, da ich sonst immer zu den Letzten zählte, die sich in Mathe überhaupt dazu aufrafften. Ich hatte sogar versucht, Liams geschwungene Handschrift zu imitieren, was mir aber nicht wirklich gelang.

Als es nichts mehr abzuschreiben gab, kritzelte ich wahllos auf meinem Block herum. Ich begann, mit dem Bleistift kleine Zeichnungen von Liam zu machen. Obwohl ich ziemlich gut zeichnen konnte, waren diese im Vergleich zum Original natürlich mehr als jämmerlich, doch man konnte schon erkennen, wer es sein sollte.

An Liams Seite malte ich noch jemanden … ein Mädchen mit langen Haaren. Bei dem Mädchen hatte ich eigentlich nur so drauflosgemalt, doch es war nicht schwierig zu erkennen, dass ich mich selbst skizziert hatte.

Ich bekam einen Schreck. Die Zeichnungen sahen Liam und mir wirklich ähnlich. Zu ähnlich! Schnell zerknüllte ich die verräterische Seite und quetschte sie zur Sicherheit in die hinterste Ecke meiner Schultasche. Nicht auszudenken, wie peinlich es wäre, wenn sie jemand finden würde!

Wieder machte sich meine Hand selbstständig. Diesmal schrieb sie in meiner allerschönsten Handschrift »Mrs Hunter« auf ein leeres Blatt und malte ein Wölkchen außen herum. Ich wusste nicht, wieso ich so etwas schrieb. Ich wusste nur, dass es gar nicht so schlecht aussah, und ich mich durchaus daran gewöhnen könnte.

Gedankenverloren starrte ich auf das Blatt Papier, als sich mir plötzlich eine Hand auf die Schulter legte. Erschrocken zuckte ich zusammen. Mr Morrison stand hinter mir und linste mir über die Schulter.

»Ich wusste gar nicht, dass Sie geheiratet haben, Mrs Hunter. Glückwunsch! Aber wollen Sie nicht wenigstens die letzten Minuten zur Tafel schauen und Ihrem Mann zuhören?«

Schlagartig schoss mir die Röte ins Gesicht, und ich blickte betreten zu Boden, während meine Klassenkameraden ausnahmslos anfingen zu lachen. – Alle, bis auf einen.

Ich traute mich nicht, ihn anzusehen, doch sein wunderschönes Lachen hätte ich unter tausenden herausgehört.

Dieser Scheiß-Morrison! Wie konnte er nur?!

Während ich gedanklich bereits dabei war, ihm meine dünnen Finger um seinen speckigen Hals zu legen, um ihm langsam, aber qualvoll die Luft abzuschnüren, spürte ich, wie Liams Blick auf mir ruhte. Ich wollte nicht zu ihm sehen. Was er jetzt nur von mir halten würde? Er hatte mich jetzt sicherlich für komplett verrückt erklärt. Erst mein unverschämtes Verhalten von gestern und nun das. Manchmal war ich aber auch einfach doof. Ein anderes, beschönigenderes Wort fiel mir dafür nicht ein. Schlicht und einfach doof.

Verlegen begann ich auf meiner Unterlippe herumzukauen, so heftig, dass sie bald anfing zu bluten. Ich konnte nicht anders, ich musste Liam ansehen. Früher oder später müsste ich mich ihm sowieso stellen. Also, warum sich nicht jetzt schon blamieren? Jetzt, wo er mich wenigstens nicht direkt darauf ansprechen konnte.

Ich schaute auf und blickte direkt in Liams Augen, die fest auf mir ruhten. Zu meiner Überraschung sah er nicht im Entferntesten entsetzt oder belustigt aus. Er hatte den Kopf leicht schief gelegt und in seinen Augen lag ein Ausdruck … nun ja, wie sollte ich es beschreiben? Der Verwunderung?

Ich lächelte ihn verlegen an und sofort lächelte er liebevoll zurück. Er schien mich also nicht für total bescheuert zu halten – nicht total … etwas vielleicht, aber nicht total. Ein riesiger Stein fiel von meinem Herzen.

»Nun gut, Mrs Hunter«, sprach Mr Morrison mich an und ich wünschte, er wäre dabei tot umgefallen, doch da sein schwerer Leib noch bebte, war das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich mein Wunsch nicht erfüllt hatte.

»Nachdem wir jetzt alles geklärt haben, bitte ich für Liam noch um ein paar Minuten Aufmerksamkeit.«

Wieder ertönte das Gelächter meiner Klassenkameraden, was meine Wangen leider nur noch röter werden ließ. Konnte es denn noch peinlicher werden? – Dämliche Frage! Ja, es konnte!

»Unser hässliches Entlein ist verknallt in unseren Liam!«, grölte Kyle durch die Klasse. Amilia und Dana brachen in geiferndes Gekicher aus. Es erinnerte mich sehr an das Lachen von Hyänen. Vermutlich waren die beiden reinkarniert. Den Verdacht hatte ich sowieso schon länger, denn das würde auch ihre Hinterlistigkeit erklären.

Ich erinnerte mich daran, wie ich als Kind den Film »König der Löwen« gesehen hatte und die Hyänen neben dem bösen Löwen (Wie hieß er doch gleich? Scar?) mit Abstand die unsympathischsten Tiere darstellten. Es würde mich nicht wundern, wenn die zwei insgeheim die Synchronsprecherinnen der Hyänen gewesen waren.

»Ei, ei, ei, was seh ich da … ein verliebtes Ehepaar«, trällerte Dana vor sich hin und wieder kicherte Amilia los.

»Hi, hi, hi«, äffte ich sie nach. »Verfluchte Hexe!«

Eigentlich hatte ich das so leise vor mich hin genuschelt, dass es noch nicht einmal Mr Morrison hörte, der direkt neben mir stand. Doch aus irgendeinem Grund hob Liam dazu passenderweise den Kopf und grinste mich ungeniert an. Hatte er das etwa gehört? Nein … unmöglich … Was dachte ich nur wieder? Selbstverständlich grinste er breit. Vermutlich war ihm soeben bewusst geworden, über welches Thema sich die Klasse unterhielt.

Ich begann zu schwitzen, so pulsierte das Blut durch meinen Körper. Meine Atmung wurde ebenfalls automatisch schneller. Ich fragte mich, ob es schon Leute gegeben hatte, die an peinlichen Momenten gestorben sind. An einem Adrenalinschock oder so etwas Ähnlichem. Jetzt wäre ich definitiv ein sicherer Kandidat dafür. Daher betete ich, dass mein Tod möglichst schnell und schmerzlos kommen würde. Doch der tödliche Schock blieb aus.

Es war Mr Morrison, der die Sticheleien unterbrach und uns zwang, ruhig zu sein und Liams Schlussworten zu folgen.

In ein paar Minuten würde es klingeln. Ich machte mich bereit. Sowie die Schulglocke ertönte, würde ich aufspringen und nach Hause laufen.

Drei … zwei … eins … Es klingelte. Ich wand mich hinter dem Tisch hervor und rannte fluchtartig zum Ausgang.

»Emma?« Es war Liam, der gerufen hatte, doch ich ignorierte ihn. Was sollte ich auch zu ihm sagen? Wie sollte ich »Mrs Hunter« erklären, ohne mich dabei völlig lächerlich zu machen? Ich wusste ja nicht einmal selbst, warum ich so doof war und diese Worte auf meinen Block geschrieben hatte. …