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F. Paul Wilson - „Das Höllenwrack“

ISBN: 9-783-44236-674-3

Klappentext:

Der neue Mystery-Thriller von F. Paul Wilson: fesselnd bis zur letzten Seite und mit einem hinreißenden Schuss »Pulp Fiction«.

Inhalt:

Eigentlich könnte die Welt für Jack in Ordnung sein. Er hat eine Freundin, die ein Kind von ihm erwartet und mit seinem Vater will ers ich auch aussprechen. Doch am Flughafen wird dieser ermordet. - Jack muss Kontakt zu seinem Bruder aufnehmen, der dann kommt um alles für die Beerdigung zu regeln. Doch Jack bekommt mit, dass auch sein Bruder Probleme hat. Er muss sogar fliehen. Jack soll ihm helfen, Geld von einem Konto zu holen.

An das Geld kommen die Männer aber nicht mehr ran. Statt dessen will sein Bruder einen alten Schatz heben. Den finden sie auch. Aber er ist nicht wirklich harmlos und Jack droht seine Familie zu verlieren. - Doch Jack nimmt das „Verderben“ auf sich. Von nun an beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Jack will um jeden Preis noch seinen Vater rächen, bevor er verschwindet.

Leseprobe:

… Joey hatte jetzt den Ball und würde ihn spielen. Wenn die Waffenhändler bereit wären zu reden, dann nur mit jemandem, der zur Organisation gehörte. Und das tat Joey.

Und das bedeutete, dass Jack für einige Zeit so etwas wie das fünfte Rad am Wagen wäre. Das gefiel ihm gar nicht. Er zog es vor, die Dinge auf seine eigene Art und Weise zu erledigen. Sein Gewerbe war etwas für Einzelgänger. Er arbeitete niemals mit jemandem zusammen und wusste nicht mal, ob er überhaupt dazu fähig wäre. Und Joey … nun, so gut kannte er Joey gar nicht.

Aber welche Wahl hatte er?

Gia hatte erklärt, sie käme in den vier oder fünf Tagen, die er unterwegs wäre, ganz gut allein zurecht. Und er wusste, dass sie Recht hatte.

Es würde außerdem mindestens vier oder fünf Tage dauern, bis Joey etwas erfahren und in die Wege leiten könnte.

Und Dad hätte sich gewiss gewünscht, dass er seinem Bruder half.

Jack seufzte. Vielleicht wurde es wirklich Zeit, dass er Tom anrief.

CADIZ, SPANIEN

6. MÄRZ 1598

Bruder Francisco Mendes, Angehöriger der Societas Jesu, schlängelte sich zwischen Stoffballen, Fässern mit Proviant und Wasser und Schnaps, den umhereilenden Scharen von Arbeitern, Passagieren und Tieren hindurch, bis er die Sombra fand.

Er blieb auf dem Fallreep stehen und betrachtete sie eingehend. Eine dreimastige nao mit schwarzem Rumpf und dem typischen erhöhten Vordersteven und Vorderdeck. Francisco wusste alles über das Schiff: dreihundertfünfzig Tonnen mit fünfundzwanzig Metern Kiellänge und acht Metern Breite. Es ähnelte in vielem der Galeone, die er in der ersten Armada gesteuert hatte, war jedoch wesentlich sparsamer bewaffnet.

Während er in Gedanken ein Bittgebet sprach, dass seine List Erfolg haben möge, stieg er das Fallreep hinauf.

Nachdem er das Deck betreten hatte, sah er sich nach einem vertrauten Gesicht um. Er entdeckte einen älteren Mann in den Vierzigern – etwa zehn Jahre älter als er selbst – mit Stoppelbart. Er kam leicht humpelnd auf ihn zu. Francisco erschrak, als er Eusebio Dominguez erkannte. Mit seinem Bart sah er völlig anders aus.

Sie hatten sich vor einer Woche kennen gelernt. Eusebio war vom Vatikan geschickt worden und sollte ihr Verbindungsmann in der Mannschaft sein. Francisco wusste nicht mehr über ihn, als dass er in seinen jungen Jahren zur See gefahren war. Was seinen augenblicklichen Stand betraf, so hätte er in Franciscos Augen ebenso gut ein Kardinal wie auch ein Kaminfeger sein können.

Francisco war froh, dass ihm nicht die Rolle eines Matrosen zugewiesen worden war. Er war zu schwächlich, um sie überzeugend ausfüllen zu können. Seine ordentliche schwarze Kleidung, seine rasierten Wangen und die langen schwarzen Haare passten eher zu seiner Rolle als Navigator.

Wie vereinbart verriet Eusebio durch keine Geste, dass er ihn erkannte. Stattdessen lächelte er spöttisch und schlug einen überheblichen Ton an, während er Franciscos Aufzug betrachtete, der in Valencia zurzeit in Mode war.

»Was wollen Sie?«

»Ihren Kapitän sprechen.«

»Tatsächlich? Und wen soll ich ihm melden?«

»Ihren Navigator.«

Der spöttische Ausdruck verwandelte sich ein Grinsen. »Dann sind Sie auf dem falschen Schiff, Señor. Sergio Vazquez ist unser Navigator.« Er zuckte die Achseln. »Schön, er war krank …«

»Señor Vazquez ist während der vergangenen Nacht in Campano im Schlaf gestorben. Ich wurde vom Eigentümer des Schiffs hierher geschickt, um seine Stelle einzunehmen.«

Nun verschwand auch das Grinsen. »Vazquez … tot?«

Zwei Matrosen in der Nähe unterbrachen ihre Arbeit, blickten auf und wiederholten Eusebios Frage.

Francisco tat so, als verlöre er allmählich die Geduld. »Wo ist der Kapitän?«

»Er ist an Land gegangen und wird in Kürze zurückkehren. Sie können vor seiner Kabine warten.«

Er folgte Eusebio die Treppe zum Achterkas tell hinauf.

»Dort«, sagte Eusebio und deutete auf einen Punkt vor der Tür zu den Offiziersquartieren. Dann hob er drohend den Finger. »Nicht drinnen.«

»Na gut.«

»Sobald er zurück ist, melde ich ihm, dass Sie hier sind.«

Francisco nickte und stellte seine Habseligkeiten auf dem Deck ab: einen Leinensack mit Kleidern und persönlichen Dingen, eine Mahagonikiste, die sein Astrolabium enthielt – das er nicht brauchen würde, bis sie die Küste nicht mehr sehen konnten – und seinen in Wachstuch eingewickelten Portolano.

Er ließ den Blick über das Hauptdeck schweifen, auf dem trotz der frühen Stunde geschäftiges Treiben herrschte. Drei Masten, im Augenblick noch leer, aber schon bald mit Rahund Besansegel bestückt. Aber was sich unter Deck befand, interessierte ihn viel mehr: ein Geheimnis, das zwischen der restlichen Fracht verborgen sein mochte, die für die Neue Welt bestimmt war.

Es war dieses Geheimnis, das ihn hierher geführt hatte. …