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Robert Hutchison - „Opus Dei – Die heilige Mafia des Papstes“

ISBN: 9-783-42626-738-7

Klappentext:

In der Amtszeit von Papst Johannes Paul II. hat sich Opus Dei mehr und mehr der Schaltstellen in der katholischen Kirche bemächtigt. Der Geheimbund aus fanatischen Kämpfern für ein erzreaktionäres Weltbild hat in über 100 Ländern einen unheilvollen Einfluß auf alle Bereiche der Gesellschaft gewonnen. Wer sind diese Leute und welche Ziele verfolgen sie? Robert Hutchison versucht ihnen auf die Spur zu kommen.

Inhalt:

In diesem Sachbuch geht es um den Opus Dei. Der Leser lernt den Gründer des Ordens kennen. Man erfährt, wie es zur Gründung des Ordens gekommen ist, was innerhalb der Organisation so los ist und war. Auch die krakenähnlichen Strukturen in Banken und Universitäten werden erwähnt. Klar, dass so etwas nicht ohne Skandale und Verdächtigungen einher geht.

Wissenwertes über den Opus Dei, der mich nun etwas anders denken lässt.

Leseprobe:

… Anwaltskosten. Finanziell war er ruiniert. Im Mai 1975 wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Doch sechs Monate später starb Franco, und Prinz Juan Carlos wurde Staatsoberhaupt. Eine der ersten Amtshandlun-gen des neuen Königs war die Begnadigung des Exportweltmeisters.

Den Prinzen Jean de Broglie traf die Strafe Gottes. Nach langen Verhandlungen erklärte er sich 1974 bereit, die eine Million Dollar zurückzuzahlen, die Sodetex den spanischen Liquidatoren zufolge der Matesa schuldete. Es wurde vereinbart, daß das Geld einschließlich Zinsen in zwei jährlichen Raten zurückerstattet werden sollte. Am 15. November 1975 wurde die erste Zahlung fällig, doch de Broglie hielt sich nicht an die Abmachung. Vierundzwanzig Tage nach dem Fälligkeitsdatum der zweiten Rate wurde Jean de Broglie in Paris auf offener Straße von einem Profikiller erschossen.

Im Mai 1977 mußte die Banque Leclerc in Genf Konkurs anmelden. Tage später stürzte der Hauptgeschäftsführer der Bank, der Franzose Charles Bouchard, unweit seines Hauses in den Genfer See und ertrank. Seiner Witwe zufolge war er ein ausgezeichneter Schwimmer und bei bester Gesundheit. Noch zwanzig Jahre später behauptet sie, ihr Mann sei ermordet worden.

Einer der Anwälte in der sogenannten Broglie-Affäre war Roland Dumas, der unter Präsident Francis Mitterrand Außenminister wurde. Dumas beauftragte die Ermittlungsbehörden im Fall de Broglie, die bis dahin verdeckt gebliebenen Verbindungen zwischen Sodetex und Matesa zu untersuchen. Dumas erhob den Vorwurf, der Bericht der französischen Polizei über den Mord an de Broglie habe die Beziehungen zwischen dem Prinzen und Matesa absichtlich vertuscht.

»Eine gründlichere Untersuchung hätte ergeben, daß Matesa ein Instrument des Opus Dei war, das seine Fühler überall in Europa ausgestreckt hat. Diese Verbindung wurde in den strafrechtlichen Ermittlungen [gegen das Matesa-Management], die in Madrid beziehungsweise Luxemburg eingeleitet wurden, nicht untersucht. Der Grund dafür liegt zweifellos in den offensichtlichen Verbindungen zwischen dem Opus Dei und den Unabhängigen Republikanern, deren Führer Freunde von Prinz de Broglie waren«, teilte Dumas einem französischen Journalisten mit.

Robert Leclerc wurde nach dem Zusammenbruch seiner Bank in Genf wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt. Vor Gericht behaupteten seine Anwälte, ein Schlaganfall hätte Leclerc der Sprechfähigkeit beraubt. Trotz seines beharrlichen Schweigens wurde er verurteilt und verbüßte eine milde Strafe in einem Gefängniskrankenhaus. Nach der Entlassung erlangte er auf wundersame Weise seine Stimme wieder; er enthüllte jedoch nie, was den Bankrott der Banque Leclerc verursacht hatte. 1993 starb er in hohem Alter.

Trotz der Matesa-Schlappe knüpfte das Opus Dei weiter an seinem Finanznetz außerhalb Spaniens. Durch die Matesa-Affäre hat man eine wichtige Lektion gelernt. Die Theologen des Opus Dei sehen die Welt durch die getönte Brille christlicher Fundamentalisten. Sie glauben, daß Christus gekreuzigt wurde und auferstanden ist, um die Welt von der Herrschaft des Bösen zu befreien, damit sie nach Gottes Plan neu erschaffen werden kann; und für das Opus Dei umfaßt Gottes Plan die ganze Menschheit.

Die Mitglieder des Opus Dei sind zwar felsenfest davon überzeugt, daß Gott zu Moses und auch zu Escriva de Balaguer gesprochen hat – doch sie sind ebenso überzeugt davon, daß die universelle Sprache die des Geldes ist. Es ist das Ziel des Opus Dei, ein irdisches Reich zum Ruhme Gottes zu schaffen. Die Strategen des Werkes waren sich im klaren darüber, daß dies ein gigantisches Kapital erforderte - mehr als es eine Kirche, ein Königshaus oder ein Bankimperium je angehäuft hatte. Und die Strategen des Opus Dei sind keine Dummköpfe, die sich in einer Welt des Weihrauchs und der Heiligenbilder einschließen. Der Vater und seine Apostel hatten einige der klügsten Köpfe Spaniens für das Werk gewonnen. In den sechziger Jahren verfuhr man in ganz Europa und in ferneren 157 Ländern nach derselben Methode, zumal das Werk damals bereits in fast dreißig Ländern vertreten war.

Zum ersten Mal überlegte sich eine Handvoll engagierter Menschen, die meisten von ihnen Spanier, wie sich das Finanzestablishment und die Geld- und Währungsordnung dazu einspannen ließen, die Frohe Botschaft zu verbreiten. Sie bildeten eine heilige Verschwörung. Das Opus Dei hat kein finanzielles Apostolat? Das Werk untergräbt seine Glaubwürdigkeit durch die Behauptung, es lebe von der Göttlichen Vorsehung - so als fiele ein monetäres Manna vom Himmel. Ein Professor der Universität von Madrid machte mich in diesem Zusammenhang auf einen Sachverhalt aufmerksam, den ich als »Gesetz der finanziellen Hegemonie« bezeichne.

»Die Führung des Opus Dei weiß sehr wohl, daß Geld die Welt regiert und daß die religiöse Hegemonie in einem Land oder auf einem Kontinent davon abhängt, daß man eine finanzielle Hegemonie erlangt«, bestätigte Javier Sainz Moreno.

Teilt man diese Auffassung, so läßt sich einiges von dem, was sich in den folgenden fünfundzwanzig Jahren an der ökonomischen und finanziellen

Front abspielte - vom Untergang der Matesa bis zur erzwungenen Auflösung einer Unterorganisation des Werkes, der Fundacion General Mediterranea -, mit diesem »Gesetz« erklären. Man muß das »Gesetz« nur auf das Hauptapostolat des Werkes beziehen, das laut Cronica darin besteht, »einen Befehl Christi zu befolgen, der uns auffordert: >Geht hinaus in alle Welt und predigt die Botschaft jeder Kreatur<... das wunderbare Aussäen der Heiligkeit in alle Gegenden der Welt«.

Die korporativen Ziele des Opus Dei bestanden Professor Sainz Moreno zufolge darin, erstens die Finanzen des Vatikans zu beherrschen, um den Vatikan selbst zu beherrschen, und zweitens, das größtmögliche Maß an finanzieller Hegemonie zu erreichen. Damit aber Gottes Werk jener Erfolg beschieden war, der Escrivas Statthaltern vorschwebte, mußte eine Möglichkeit geschaffen werden, vagabundierendes Kapital abzuschöpfen und einzusetzen....