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Jennifer L. Armentrout - „Schattenglanz“

Opal Band 3

ISBN: 9-783-55158-333-8

 

Klappentext:

Katy und Daemon kommen sich endlich näher. Alles scheint perfekt zu sein, doch es ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Plötzlich steht Blake wieder vor der Tür und bittet sie um Hilfe. Katy ist sich nicht sicher, ob sie ihm trauen kann, aber um ihre Freunde zu retten, würde sie alles tun selbst ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Was sie noch nicht weiß: Blakes Plan wird die Wahrheit über die Lux endlich in greifbare Nähe rücken. Doch er wird Katy auch weiter von Daemon entfernen, als sie es für möglich hält. Dies ist der dritte Band der Obsidian-Reihe von Jennifer L. Armentrout. Band 4 und 5 sind schon in Planung.

 

Inhalt:

Kathy und Daemon sind verliebt. Sie wollen ihr Leben genießen und haben doch jede Menge Probleme. Das Verteidigungsministerium ist hinter ihnen her, sie müssen sich vor jeder Menge Feinden in Acht nehmen und dann wollen sie Beth befreien.

Der erste Versuch, bei Daedalus einzudringen, geht mächtig schief. Sie müssen den Rückzug antreten und sich auf den neuen Angriff besser vorbereiten. Dazu geht einige Zeit ins Land und Kathy muss wären dieser Zeit einiges aushalten. Ihre beste Freundin stirbt vor ihren eigenen Augen, Blake taucht wieder auf und wird zu einem recht unbeständigen Faktor. Und zum Schluss taucht auch noch der Freund ihrer Mutter wieder auf. Doch er ist ein anderer.

Und dann kommt der Tag, an dem sie wieder bei Daedalus eindringen.

 

Leseprobe:

… Als der Morgen dämmerte, rollte ich auf die Seite und rechnete damit, dass Daemon neben mir lag. Samstags arbeitete meine Mom immer bis zum späten Vormittag und Daemon hatte sich angewöhnt an dem Tag immer so lange wie möglich zu bleiben, doch das Bett neben mir war leer.

Mit der Hand strich ich das zweite Kissen glatt und rechnete damit, als ich tief Luft holte, den für ihn so typischen frischen Naturgeruch wahrzunehmen, doch es roch nur leicht nach Zitrone. Hatte ich geträumt, dass Daemon da gewesen war?

O Mann, wie blöd musste man sein.

Grimmig setzte ich mich auf und griff nach meinem Handy. Um zwei Uhr nachts hatte Daemon eine weitere Nachricht geschrieben.

Rührei mit Speck zum Frühstück. Komm rüber, wenn du wach bist.

»Um zwei Uhr?« Ich starrte auf das Telefon. War er so lange fort gewesen?

Wieder begann mein Herz zu rasen und ich ließ mich ächzend auf den Rücken fallen. Anscheinend war ich so blöd und Daemon war wirklich lange unterwegs gewesen, und zwar nicht mit mir.

Ich quälte mich aus dem Bett, duschte und zog Jeans und Pullover an. Während ich mir das Haar halb trocken föhnte und es dann irgendwie zu einem Knoten zusammendrehte, fühlte ich mich wie betäubt. Anschließend ging ich über den Rasen nach nebenan und stellte fest, dass die Haustür verschlossen war.

Ich legte die Hand auf den Griff und wartete, bis das Schloss aufsprang. Als ich die Tür aufschob, war mir plötzlich unwohl zu Mute. Es war viel zu einfach, in anderer Leute Häuser einzudringen, meins eingeschlossen.

Kopfschüttelnd drückte ich die Tür von innen wieder zu und holte tief Luft. Im Haus war es totenstill. Alle schliefen noch. Ich ging nach oben, ohne die beiden letzten Stufen zu betreten, da ich wusste, dass sie knarrten. Dawsons und Dees Türen waren geschlossen, doch aus Daemons Zimmer hörte ich leise Musik.

Ich öffnete seine Tür einen Spaltbreit und schlüpfte hinein. Sofort schaute ich in Richtung Bett und es war unmöglich, die Schmetterlinge in meinem Bauch einzufangen, auch wenn ich es gewollt hätte.

Daemon lag ausgestreckt auf dem Rücken, der eine Arm war zur Seite abgewinkelt, der andere ruhte auf seinem nackten Bauch. Die Decke war um seine schmalen Hüften verdreht. Im Schlaf wirkte sein Gesicht fast engelsgleich, die markanten Züge weicher und die Lippen entspannt. Die dichten Wimpern berührten seine Wangen.

In diesem Zustand wirkte er so viel jünger als sonst. Dennoch war er für mich noch viel mehr außer Reichweite als sonst. Er war so männlich und schön, dass es etwas einschüchternd Übersinnliches an sich hatte. Etwas, das zwischen die Seiten der Bücher, die ich las, gehörte.

Manchmal fiel es mir schwer, mich davon zu überzeugen, dass es ihn wirklich gab.

Auf Zehenspitzen ging ich zu ihm und setzte mich auf die Bettkante, ohne den Blick abwenden zu können. Ich wollte ihn nicht wecken. Deshalb saß ich dort wie eine Spannerin und beobachtete, wie sich sein Brustkorb hob und senkte. Ich fragte mich, ob ich letzte Nacht geträumt hatte oder ob er wirklich kurz da gewesen war, um nach mir zu sehen. Die Schmetterlinge regten sich wieder und konnten die Ängste der Nacht fast vergessen machen. Fast, aber nicht –

Plötzlich rollte Daemon auf die Seite, schlang einen Arm um meine Taille und zog mich zu sich herab. Er wühlte weiter, bis er sein Gesicht in der Kuhle zwischen meinem Hals und meiner Brust vergraben hatte. »Guten Morgen«, murmelte er.

Ich legte eine Hand auf seine Schulter und musste lächeln. Seine Haut glühte. »Morgen.«

Er schob ein Bein über meinen Körper und kuschelte sich an mich. »Wo bleibt das Rührei mit Speck?«

»Ich dachte, du wolltest es mir servieren.«

»Das hast du falsch verstanden. Ab in die Küche, Frau.«

»Ha, ha.« Ich drehte mich auf die Seite, um ihn anzusehen. Er hob den Kopf, küsste mich auf die Nase und vergrub sein Gesicht dann im Kopfkissen. Ich lachte.

»Es ist viel zu früh«, murmelte er.

»Es ist fast zehn Uhr.«

»Sagte ich doch, es ist zu früh.«

Ich hatte plötzlich das Gefühl, als hätte ich einen Stein im Magen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und kaute auf meiner Unterlippe.

Träge ließ er einen Arm auf meine Hüften sinken und drehte den Kopf, so dass ich sein Gesicht sehen konnte. »Du hast gestern nicht geantwortet.«

Wir kamen also tatsächlich noch mal darauf zurück. »Ich bin eingeschlafen und ich … habe angenommen, du wärst beschäftigt.«

Er hob eine Augenbraue. »Ich war nicht beschäftigt.«

»Ich bin gestern Abend noch mal bei euch gewesen, um nach dir zu sehen, und bin auch eine Weile geblieben.« Ich wickelte mir das Ende der Decke um die Finger. »Du warst lange unterwegs.«

Er öffnete ein Auge. »Du hast meine Nachricht also bekommen und hättest sehr wohl antworten können.«

Da hatte ich mich jetzt selbst reingeritten.

Daemon seufzte. »Warum hast du mich ignoriert, Kätzchen? Das kränkt mich sehr.«

»Ich bin mir sicher, dass Ash das richtige Mittel dagegen gefunden hat.« Die Worte hatten meinen Mund kaum verlassen, als ich mich auch schon am liebsten geohrfeigt hätte.

Er hatte jetzt beide Augen geöffnet und dann tat er etwas, was mich überraschte, aber auch auf die Palme brachte: Er lächelte sein breitestes Lächeln. »Du bist eifersüchtig.«

So, wie er es sagte, klang es für meine Ohren wie etwas Gutes. Ich wollte mich aufsetzen, doch er drückte mich wieder hinunter. »Ich bin nicht eifersüchtig.«

»Kätzchen …«

Ich verdrehte die Augen und dann überkam mich ein übler Verbaldurchfall. »Ich hab mir Sorgen gemacht, wegen dieses Älteren, der hier war, und wir wollten gestern Abend doch eigentlich noch reden. Du bist aber nicht gekommen und stattdessen mit Andrew, Dee und Ash ausgegangen. Mit Ash, deiner Exfreundin Ash, und wie finde ich das heraus? Durch deinen Bruder. Und wie habt ihr beim Essen gesessen? Dee und Andrew auf einer Seite und du und Ash auf der anderen? Ich wette, es war megagemütlich.«

»Kätzchen …«

»Ich bin kein Kätzchen.« Ich war jetzt in Fahrt. »Du bist gegen fünf oder so losgegangen, und wann bist du noch mal zurückgekommen? Nach zwei Uhr nachts? Was habt ihr so lange gemacht? Und wisch dir dieses blöde Lächeln aus dem Gesicht. Das ist nicht komisch.«

Daemon versuchte das Lächeln loszuwerden, aber es gelang ihm nicht. »Ich liebe es, wenn du deine Krallen ausfährst.«

»Ach, halt den Mund.« Angewidert schob ich seinen Arm fort. »Lass mich gehen. Du kannst ja Ash anrufen und sie fragen, ob sie dir Rührei mit Speck macht. Ich hau ab.«

Anstatt mich gehen zu lassen, legte er sich auf mich, die Hände links und rechts von meinen Schultern abgestützt. Und dann grinste er sein typisches, dreistes Grinsen, das mich wahnsinnig machte. »Ich will es nur einmal aus deinem Mund hören: Ich bin eifersüchtig.«

»Ich habe es doch schon gesagt, du Arschgesicht. Ich bin eifersüchtig. Wie könnte ich es nicht sein?«

Er neigte den Kopf zur Seite. »Ach, ich weiß nicht. Vielleicht, weil ich Ash nie gewollt habe, dafür aber dich, und zwar vom ersten Moment an, als ich dich gesehen habe. Und bevor du jetzt wieder damit anfängst, ich weiß, dass meine Art, es dir zu zeigen, am Anfang ziemlich blöd war, aber du weißt genau, dass ich dich wollte. Nur dich. Eifersüchtig zu sein ist total hirnrissig.«

»Ach ja?« Ich kämpfte mit Wuttränen. »Ihr wart zusammen.«

»Waren zusammen.«

»Sie will dich wahrscheinlich noch immer.«

»Ich will sie nicht, also ist es egal.«

Mir aber nicht. »Sie sieht aus wie ein Model.«

»Aber du siehst schöner aus.«

»Hör auf Süßholz zu raspeln.«

»Tu ich doch gar nicht«, behauptete er.

Ich starrte über seine Schulter hinweg ins Leere und kaute auf meiner Lippe. »Weißt du, zuerst habe ich geglaubt, ich hätte das gestern Abend verdient. Jetzt weiß ich, wie du dich gefühlt hast, als ich mit Blake essen gegangen bin. Als hätte das Schicksal es so gewollt, aber es ist nicht dasselbe. Damals waren wir beide nicht zusammen und Blake und ich hatten keine gemeinsame Vergangenheit.«

Er holte tief Luft. »Du hast Recht, es ist wirklich nicht dasselbe. Das war nämlich gar kein Date mit Ash. Andrew ist vorbeigekommen und wir haben über Ethan geredet. Dann hatte er Hunger und deshalb haben wir entschieden etwas zu essen. Dee hat sich angeschlossen und Ash war dabei, weil sie, du weißt schon, Andrews Schwester ist.«

Ich zuckte mit einer Schulter. Okay, das klang glaubhaft.

»Und wir sind auch nicht essen gegangen. Wir haben Pizza bestellt, sind zu Andrew gefahren und haben über Sonntag gesprochen. Ash hat panische Angst, auch noch Andrew zu verlieren. Und Dee will Blake noch immer umbringen. Stundenlang habe ich mit ihnen darüber geredet. Das war keine Party, zu der du nicht eingeladen warst.«

Aber ich war überhaupt nicht eingeladen, hätte ich gern gesagt, auch wenn mir klar war, wie dumm es war. »Warum hast du mir nicht wenigstens Bescheid gesagt? Wenn ich es gewusst hätte, wäre meine Fantasie nicht mit mir durchgegangen.«

Einen Moment lang sah er mich an und setzte sich dann neben mir auf. »Ich hatte vor, danach noch bei dir vorbeizukommen, aber es ist zu spät geworden.«

Ich hatte letzte Nacht also geträumt. Blödheit offiziell bestätigt.

»Es war gedankenlos von mir.«

»Sieht so aus«, murmelte ich.

Daemon rieb sich übers Herz. »Ehrlich gesagt hätte ich nie damit gerechnet, dass dich das so aufregt. Ich hätte gedacht, du wüsstest es besser.«

Ich lag noch immer flach auf dem Rücken, zu matt, um mich zu rühren. »Was weiß ich besser?«

»Na ja, dass Ash nackt durch mein Zimmer tanzen könnte, und ich würde ihr trotzdem einen Korb geben. Dass du dir keine Sorgen zu machen brauchst.«

»Danke für das Bild, das sich jetzt für immer in meinen Kopf eingebrannt hat.«

Er schüttelte den Kopf und stieß ein trockenes Lachen aus. »Diese Unsicherheit macht mich wahnsinnig, Kat.«

Empört richtete ich mich ebenfalls auf und blieb auf den Knien sitzen. »Wie bitte? Bist du der Einzige von uns, der sich Unsicherheiten leisten darf?«

»Was?« Er grinste. »Was für Unsicherheiten?«

»Gute Frage, als was würdest du den kleinen Zwischenfall gestern mit Blake auf dem Gang denn sonst bezeichnen? Und die dumme Frage, ob ich Blake helfen wolle?«

Er presste die Lippen aufeinander.

»Ha! Genau. Bei dir ist es noch viel lächerlicher, unsicher zu sein. Lass dir eins gesagt sein.« Je zorniger ich wurde, desto mehr regte sich die Quelle in mir. Ich spürte sie bereits auf der Haut. »Ich hasse Blake. Er hat mich benutzt und war bereit mich Daedalus auszuliefern. Er hat Adam getötet. Nur im äußersten Notfall kann ich ihn überhaupt noch neben mir ertragen. Wie kannst du auch nur ein Fünkchen Eifersucht verspüren?«

Daemon ließ den Kiefer knacken. »Er will dich.«

»Nein, will er nicht.«