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Kiera Cass - „Die Kronprinzessin“

Selection Band 4

ISBN: 9-783-737-35224-6

 

Klappentext:

Die romantischste Liebesgeschichte seit es Prinzen und Prinzessinnen gibt geht in die vierte Runde – aber dieses Mal wird ALLES anders! Die Liebesgeschichte um America, Maxon und Aspen hat ihr Ende gefunden – aber die Geschichte der ›Selection‹ ist noch lange nicht vorbei! Nun ist es an Maxons Tochter Eadlyn, der Kronprinzessin, sich ihren Prinzen aus 35 jungen Männern zu erwählen. Alles könnte perfekt sein, wäre da nicht ein Problem: Eadlyn hat dem Casting nur zugestimmt, um das aufgebrachte Volk mit einer glamourösen Show zu besänftigen. Und an die große Liebe glaubt sie sowieso nicht. Aber vielleicht glaubt die Liebe ja an Eadlyn! Fortsetzung der internationalen Bestseller-Serie ›Selection‹! Für Neueinsteiger und Fans

 

Inhalt:

Die Kronprinzessin ist quasi bei ihrem Vater in Ausbildung. Sie freut sich darauf, die Macht im Land zu haben und wird von ihren Eltern aus allen Wolken gerissen, als ihr vorgeschlagen wird, einen Eheman zu casten. - Ihre Eltern haben sich auch durch ein Casting gefunden, aber das sollte auch das letzte Casting gewesen sein.

Nur Widerwillig lässt sich das junge Mädchen darauf ein und es kommt wie es kommen muss. Sie verhält sich überheblich und zeigt jedem ihren wahren Charakter. Nämlich den einer zu sehr von sich selbst überzeugten jungen Frau, die mit aller Macht alles allein regeln will.

Beim Casting stellt sich auch heraus, dass das Volk lange nicht so zufrieden ist, wie man sich das bisher gedacht hat. Die Prinzessin wird sogar mit Obst beworfen, als sie eine Parade durch die Stadt machen will. Das knackst ihr Selbstbewusstsein ganz schön an.

Dann scheint sich so langsam heraus zu kristallisieren, dass sie es wirklich versuchen will, aber als ihre Mutter einen Herzinfarkt bekommt, findet die Handlung ein jähes Ende und der Leser wird mit sehr sehr vielen unbeantworteten Fragen zurück gelassen.

 

Leseprobe:

… Tante May wuselte im Hintergrund herum und zwinkerte mir zu, während Mom Dad mit seiner Krawatte half. Ich hörte, wie einer der Jungs aufjaulte, und als ich mich umwandte, hielt Alex etwas Spitzes hoch. Er rieb sich den Po. Ich blickte mich um und entdeckte Osten in einer Ecke. Er bemühte sich verzweifelt, nicht zu laut zu lachen.

Mit all den Castingteilnehmern war es sehr voll im Studio, was meine Anspannung noch verstärkte. Daher zuckte ich zusammen, als jemand meinen Namen sagte – auch wenn es kaum mehr als ein Flüstern war.

»Bitte entschuldigen Sie, Eure Hoheit«, sagte Erik.

»Schon gut, ich bin nur ein bisschen nervös. Was kann ich für Sie tun?«

»Es tut mir leid, Sie damit belästigen zu müssen, aber ich wusste nicht, wen ich sonst fragen sollte. Wo kann ich am besten sitzen, damit ich für Henri übersetzen kann?«

Ich schüttelte den Kopf. »Wie unhöflich von mir, dass ich nicht daran gedacht habe. Ähm, hier lang, folgen Sie mir.«

Ich brachte Erik zum Inspizienten, und wir platzierten Henri in der hintersten Reihe. Für Erik wurde direkt dahinter eine kleine Bank aufgestellt, die so niedrig war, dass man ihn nicht sah, er aber gleichzeitig so nah bei Henri saß, dass dieser ihn gut hören konnte.

Ich wartete ab, bis sie Platz genommen hatten. Henri hielt den Daumen hoch, und Erik wandte sich zu mir um, um sich zu bedanken.

»Beim nächsten Mal gehe ich sofort zum Inspizienten, damit ich Sie nicht damit belästigen muss. Ich bitte noch einmal um Entschuldigung.«

»Es ist wirklich alles in Ordnung. Ich möchte, dass Sie beide sich wohl fühlen.«

Erik senkte den Kopf und lächelte schüchtern. »Um mein Wohlbefinden müssen Sie sich keine Gedanken machen, Eure Hoheit. Ich bin kein Bewerber.«

»Eadlyn! Eadlyn, wo bist du denn?«, rief Mom.

Ich ließ Erik stehen und lief nach vorne. »Hier, Mom.«

Sie hielt sich die Hand aufs Herz, als würde es zu schnell schlagen. »Ich konnte dich nirgends entdecken und dachte schon, du hättest uns versetzt«, sagte sie leise, als ich näher kam.

»Ganz ruhig, Mom«, erwiderte ich und nahm ihre Hand. »Ich bin vielleicht nicht perfekt, aber ich bin kein Feigling.«

 

Im heutigen Bericht kamen hauptsächlich die Frauen zu Wort. Mom brachte uns auf den neuesten Stand, was örtliche Hilfsprogramme betraf. Sie forderte die Provinzverwaltungen auf, dem Beispiel dreier nördlicher Provinzen zu folgen, die den Obdachlosen nicht nur durch Lebensmittelspenden, sondern auch durch kostenlosen Unterricht in Wirtschaftskunde und durch Bewerbungstrainings halfen. Lady Brice sprach über ein Bohrvorhaben, das einen Großteil der zentralen Gebiete Illeás betreffen würde. Es würde dem Land insgesamt sehr zugutekommen, die sechs betroffenen Provinzen mussten jedoch zunächst darüber abstimmen.

Schließlich richteten sich aller Augen auf die Kandidaten.

Gavril trat auf die Bühne, elegant wie immer und voller Elan, wie mir schien. Es war das fünfte Casting, das Illeá erlebte, und er hatte drei davon begleitet. Wenn das Casting vorbei war, würde er einen Nachfolger für sich suchen, das war uns klar. Doch ganz offensichtlich gefiel es ihm, dass dies der krönende Abschluss seiner Dienste für die Königsfamilie sein würde.

»Meine Damen und Herren, selbstverständlich wollen wir den charmanten Teilnehmern des Castings möglichst viel Sendezeit widmen. Was halten Sie also davon, wenn wir jetzt ein paar von ihnen begrüßen?«

Gavril marschierte durch die Reihen, er suchte nach jemand Bestimmtem. Ich fragte mich, ob es ihm genauso schwerfiel wie mir, sich die Namen der Kandidaten zu merken.

»Sir Harrison«, setzte er an und blieb vor einem Kandidaten mit einem hübschen Gesicht, dunkelblonden Haaren und Grübchen stehen.

»Es ist mir ein Vergnügen«, begrüßte ihn Harrison.

»Wie gefällt es Ihnen im Palast?«

Harrison strahlte. »Es ist wundervoll hier. Ich wollte schon immer mal nach Angeles, also ist schon das allein ein echtes Highlight.«

»Mussten Sie sich bereits irgendeiner Herausforderung stellen?«, wollte Gavril wissen.

Harrison zuckte mit den Schultern. »Ich hatte befürchtet, es würde von morgens bis abends heftige Schlägereien um die Hand der Prinzessin geben«, sagte er und deutete auf mich. Ich setzte sofort ein Lächeln auf, weil mich jede Sekunde eine der Kameras in Großaufnahme zeigen würde. »Aber die anderen Jungs sind absolut großartig.«

Gavril hielt das Mikrophon dem Jungen neben Harrison unter die Nase. »Wie ist es mit Ihnen? Und könnten Sie uns bitte noch mal Ihren Namen sagen?«

»Fox. Fox Wesley«, antwortete der junge Mann. Fox’ Haut war leicht gebräunt, doch im Gegensatz zu mir sah man, dass sein Teint nicht von Natur aus dunkel war. Er musste viel Zeit an der frischen Luft verbringen. »Wenn ich ehrlich bin, und ich hoffe, ich stehe damit nicht alleine da, sind die größten Herausforderungen bisher die Mahlzeiten. Man deckt mindestens ein Dutzend Gabeln für jeden von uns.«

Ein paar Leute schmunzelten, und Gavril nickte. »Sie fragen sich wohl, wo wir das ganze Besteck überhaupt unterbringen.«

»Es ist der Wahnsinn«, murmelte der Kandidat hinter Fox.

»Ach, Sir Ivan, nicht wahr?« Gavril reckte sich, um Ivan das Mikro vors Gesicht halten zu können.

»Genau, Sir. Ich freue mich, Sie kennenzulernen.«

»Ich mich auch. Und wie kommen Sie bei den Mahlzeiten zurecht?«

Ivan machte ein übertrieben nachdenkliches Gesicht, als ob er die Frage sehr ernst nähme. »Im Moment benutze ich pro Bissen eine Gabel und staple sie dann auf dem Tisch zu einem Haufen. Bisher funktioniert es.«

Ivans alberne Antwort erheiterte die Zuschauer noch mehr. Gavril entfernte sich ein paar Schritte von den Kandidaten und wandte sich den Kameras zu.

»Ganz offensichtlich haben wir es mit einer sehr amüsanten Gruppe von Bewerbern zu tun. Nehmen wir uns also einen Augenblick Zeit und unterhalten uns mit der jungen Dame, die das Feld irgendwie auf den Einen reduzieren muss. Meine Damen und Herrn, Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Eadlyn Schreave.«

»Los, zeig’s Ihnen«, flüsterte Ahren, als ich mich von meinem Stuhl erhob. Ich überquerte die Bühne und umarmte Gavril.

»Es ist immer schön, Sie zu sehen, Eure Hoheit«, sagte er, und ich nahm ihm gegenüber auf dem Sessel im Zentrum der Bühne Platz.

»Mir geht es ebenso, Gavril.«

»Also, eine Woche des allerersten weiblich geführten Castings liegt hinter uns. Wie läuft es, Ihrer Meinung nach?«

Ich schenkte ihm mein gewinnendstes Lächeln. »Es läuft gut, finde ich. Da ich ja auch noch zu arbeiten habe, sind wir allerdings in recht gemächlichem Tempo eingestiegen.«

Gavril warf einen Blick über die Schulter. »Wenn ich mir die stark geschrumpfte Gruppe der Teilnehmer so ansehe, würde ich das nicht als gemächlich bezeichnen.«

Ich klimperte mit den Wimpern und lächelte. »Es stimmt, ungefähr ein Drittel der Herren, die wir eingeladen hatten, sind ausgeschieden. Ich musste auf mein Gefühl vertrauen, und basierend auf unserem ersten Kennenlernen und den Informationen, die mir vorliegen, bin ich über meine Entscheidungen sehr zufrieden.«

Gavril neigte den Kopf. »Das klingt, als wären Sie im Moment doch mehr mit dem Kopf als mit dem Herzen dabei.«

Ich versuchte, nicht rot zu werden. Keine Ahnung, ob mir das gelang, aber ich würde mir ganz bestimmt nicht ins Gesicht fassen, um es nachzuprüfen.

»Würden Sie mir empfehlen, dass ich mich in fünfunddreißig Männer auf einmal verliebe?«

Er hob die Augenbrauen. »Na ja, wenn Sie es so betrachten …«

»Eben. Ich habe nur ein Herz, und auf das gebe ich gut acht.«

Ich hörte ein paar Seufzer im Studio und hatte den Eindruck, dass man mir diesen Satz durchaus abnahm. Wie viele solcher Formulierungen würde ich mir in den folgenden Monaten noch einfallen lassen müssen, um die Bevölkerung zu unterhalten und gleichzeitig vom Wesentlichen abzulenken? Doch dann wurde mir klar, dass ich die Worte ganz spontan gesagt hatte. Ich empfand es tatsächlich so, und es war mir eben herausgerutscht.

»Wie es scheint, hat Ihr Herz aber zumindest einmal schon die Führung übernommen«, sagte Gavril wissend. »Als Beweis habe ich da ein Bild.«

Ein riesiges Foto von Kile und mir wurde eingeblendet, und die Zuschauer im Studio johlten und klatschten.

»Könnte er vielleicht für einen Moment zu uns auf die Bühne kommen? Wo ist Sir Kile?«

Kile sprang von seinem Platz auf und setzte sich auf den Sessel neben mir.

»Tja, das ist wirklich eine sehr ungewöhnliche Situation für mich«, fing Gavril an. »Weil ich Sie beide schon Ihr Leben lang kenne.«

Kile lachte. »Darüber habe ich neulich auch nachgedacht. Meine Mutter hat mir erzählt, ich sei als Kleinkind mal auf die Bühne gekrabbelt und Sie hätten mich für die Abschlussmoderation des Berichts auf den Arm genommen.«

Gavrils Augen weiteten sich vor Staunen. »Das stimmt! Das hatte ich ja völlig vergessen!«

Ich schaute zu Kile. Er schmunzelte. Die Sache war mir neu und musste vor meiner Geburt passiert sein.

»Wenn man nun diese Fotos anschaut«, ergriff Gavril wieder das Wort, »dann macht es den Eindruck, als könnte sich eine Sandkastenfreundschaft vielleicht in etwas anderes verwandeln?«

Kile blickte mich an, aber ich schüttelte den Kopf. Ich würde ganz bestimmt nicht als Erste etwas sagen.

Schließlich gab er nach. »Ehrlich gesagt bezweifle ich, ob einer von uns beiden jemals über den anderen in dieser Weise nachgedacht hat. Bis wir dazu gezwungen wurden.«

Unsere beiden Familien lachten herzlich.

»Obwohl«, warf ich ein, »wenn sich Kile bereits vor Jahren einen vernünftigen Haarschnitt zugelegt hätte, wäre es mir vielleicht in den Sinn gekommen.«

Gavril schüttelte den Kopf über uns. »Nun, wir alle brennen natürlich darauf zu erfahren, wie Sie diesen Kuss empfunden haben?«

Ich hatte es ja kommen sehen, trotzdem war ich zutiefst beschämt. Dass mein Privatleben so an die Öffentlichkeit gezerrt wurde, war noch viel schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte.

Gnädigerweise beantwortete Kile die Frage. »Ich denke, ich spreche für uns beide, wenn ich Ihnen sage, dass es uns überrascht hat. Und obwohl es etwas Besonderes war, messen wir beide der Sache nicht allzu viel Bedeutung bei, glaube ich. Ich habe viel Zeit mit den anderen Herren verbracht, und viele von ihnen würden einen wunderbaren Prinz abgeben.«...