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Helmut Schmidt - „Was ich noch sagen wollte“

ISBN: 9-783-40667-612-3

 

Klappentext:

In den Umfragen nach den beliebtesten Deutschen belegte Helmut Schmidt (1918 – 2015) jahrelang eine Spitzenposition. Für viele war er das Vorbild eines Politikers schlechthin. Wer aber waren Helmut Schmidts eigene Vorbilder? Welche Begegnungen haben ihn geprägt, an welchen Menschen hat er sich orientiert? Was ich noch sagen wollte ist Schmidts persönlichstes Buch – und das politische Vermächtnis eines großen Deutschen.

 

Inhalt:

Helmut Schmidt redet in diesem Buch über seine Vorbilder. Er redet über seine Kindheit und Jugend, über die Ängste, die auch er im Nationalsozialismus ausgestanden hat. Er redet über seinen verstorbenen Sohn, über das Leben mit seiner Frau Loki und über ihren Tod. Und dann redet er über seine Vorbilder. Vorbilder von denen er einmal etwas gelesen hat, Vorbilder, die er wirklich getroffen und mit denen er geredet hat. Und sogar über Kollegen, die ihn auf seiner Laufbahn begleitet haben. - Ich war begeistert.

 

Leseprobe:

… Vergleicht man die beiden Modelle etwas genauer, stellen sich Zweifel ein, welches System bei der Auswahl und Bestimmung der Nachfolger vorzuziehen ist, das chinesische oder das amerikanische. In den Präsidentschaftswahlkämpfen der USA hat derjenige Kandidat die größten Chancen, der das meiste Geld für seinen Wahlkampf mobilisieren kann. Unter Demokratiegesichtspunkten ist hier ein dieses Fragezeichen angebracht. Ein Apparat wie derjenige der Kommunistischen Partei Chinas wiederum tendiert zu Verkrustungen und hat mit dem Problem der Korruption zu kämpfen. Westliche Politiker wollen bei der nächsten Wahl wiedergewählt werden und gehen unpopulären Entscheidungen deshalb aus dem Weg. Im konfuzianischen System gild der Grundsatz, das Volk leidlich milde zu behandeln und es nicht auszubeuten, aber der Mehrheitswille des Volkes steht in im Fokus des politischen Handelns.

Das westliche Modell schließt eine Reihe von Ideen ein, die durchaus geeignet sind, universelle Wirkung zu entfalten: die Idee der Freiheit, die Idee des Rechtsstaats, die Idee des Individuums, die Idee der Menschenwürde. Diese Ideale verdanken wir im Wesentlichen der Aufklärung. Sie wurden durchgesetzt gegen die jahrhundertelange Bevormundung durch die Kirche. Man kann Aufklärung als Sieg der Vernunft über die Lehrsätze der Religion auffassen. Aber in China hat bisher keine Kirche die Macht innegehabt. Deswegen werden die Chinesen ihren eigenen Weg gehen. Die Anhänger des Konfuzianismus bedürfen jedenfalls nicht der Belehrung durch uns Deutsche, die wir den richtigen Gebrauch der Vernunft gerade erst gelernt haben.

Heute wird Deng Ciaopang von den Chinesen als Vater der Modernisierung gesehen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Generalsekretär Xi Jinping ihn insgeheim noch übertreffen möchte – das kann gut sein für China, auch wenn sein Weg nicht ungefährlich ist. Es sei gut möglich, sagte ich vor einigen Jahren in einem Interview, dass man Denk Xiaoping eies Tages nicht nur als den erfolgreichsten kommunistischen Führer ansehen werde, sondern als einen der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts überhaupt. Er hat durch seine unerschütterlich pragmatische Durchsetzungskraft ein Fünftel der Menschheit in die Welt integriert und den Chinesen zu nachhaltigem Wohlstand verholfen. Für mich zählt dieser Mann zu den großen Vorbildern, denen begegnet zu sein für mich zu den wichtigsten Ereignissen meines Lebens zählt.