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Kim Harrison - „Blutspiel“

ISBN: 9-783-45353-394-3

 

Klappentext:

Rachel Morgans zweiter Fall hat es in sich: Ein Serienkiller, der es besonders auf begabte Hexen abgesehen hat, treibt in Cincinnati sein Unwesen. Schnell hat Rachel einen Verdächtigen im Visier, doch der Schein trügt – hinter dem Serienkiller verbirgt sich eine Verschwörung, die weit in die Vergangenheit reicht …

 

Inhalt:

Rachel und Ivy leben in ihrer Kirche. Während Ivy im Geld nur so schwimmt, hat Rachel es schwer, genügend Geld für Miete und andere Unkosten zu verdienen. Und dann platzt auch noch der Auftrag, bei dem sie für eine Baseballteam das angeblich verschwundene Maskottchen wiederbeschaffen soll.

Rachel lässt sich aus lauter Verzweiflung wieder mit dem FIB ein. Allerdings als selbständige Beraterin. Mehr Befugnisse hat sie zwar am Ende auch nicht, aber sie kann im Prinzip zwei Fälle auf einmal lösen.

Zum Einen soll sie den Freund von Kalmacks Sekretärin finden. Diese hatte sie im ersten Band unbewusst unterstützt. Und zum anderen soll für Kalmack denjenigen finden, der die ganzen Hexen tötet, die er einstellen will.

Rachel stolpert von einem magischen Kreis in den nächsten und setzt dann auch noch das Leben und die Gesundheit ihres eigenen Freundes aufs Spiel...

 

Leseprobe:

… »Ich brauche nur fünf Minuten.« Durch die hereinströmende Sonne begann ich zu schwitzen. Hier drin roch es wie in einem Garten ‐ einem Garten, in dem ein nasser Hund auf den kühlen Fliesen liegt.

Mein Herz schlug schneller, und ich schob die kleine Leiter eine Pflanze weiter. Ich stand nun hinter dem Schreibtisch und konnte die Anspannung der Frau spüren. Sie musste wohl oder übel damit klarkommen, dass ich in ihr Revier eingedrungen war. Immerhin war ich die Wassertussi. Ich arbeitete weiter und hoffte, dass sie meine Nervosität auf die Nähe zu ihr zurückführen würde. Meine Hand lag auf der Verschlusskappe des Kanisters. Nur eine Drehung, und sie wäre ab.

»Vanessa!« Aus dem Büro schallte eine wütende Stimme. »Los jetzt«, drängte Jenks und flog hoch an die Decke zu den Überwachungskameras.

Ich drehte mich um und sah den verärgerten Mann, offensichtlich ein Werwolf, erkennbar an der schmalen Figur und der Körpergröße. Er stand in der Tür zu seinem Büro. »Es ist schon wieder passiert.« Mit gerötetem Kopf krallte er sich an der Türzarge fest. »Ich hasse diese Technik. Was ist so schlecht an gutem, altem Papier. Ich mag es.«

Auf dem Gesicht der Sekretärin erschien ein professionelles Lächeln. »Mr.

Ray, Sie haben ihn schon wieder angeschrien, nicht wahr? Ich habe Ihnen doch erklärt, dass Computer wie Frauen sind. Wenn Sie sie anschreien oder zu viel auf einmal verlangen, machen sie dicht und tun gar nichts mehr.«

Er knurrte irgendeine Antwort und verschwand in seinem Büro.

Entweder ignorierte er die indirekte Warnung seiner Sekretärin, oder er hatte sie überhaupt nicht bemerkt. Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich das kleine Treppchen direkt hinter das Aquarium stellte.

Vanessa seufzte. »Gott steh ihm bei«, murmelte sie beim Aufstehen.

»Wenn er weiter solche Sprüche bringt, wird ihm irgendwann mal jemand gehörig die Eier zerquetschen.« Sie warf mir einen aufgebrachten Blick zu und verschwand dann mit klappernden Absätzen in dem Büro. »Rühren Sie bloß nichts an«, rief sie. »Ich komme ja schon.«

Ich holte tief Luft. »Kameras?«

Jenks schnellte von der Decke herab. »Zehnminutenschleife. Leg los.«

Er flog zur Haupttür, setzte sich auf die obere Türleiste und beobachtete kopfüber den gesamten Eingangsbereich. Seine Flügel bewegten sich so schnell, dass sie vor meinen Augen verschwammen, als er mir das Okayzeichen gab.

Mein ganzer Körper war angespannt wie ein Stahlseil. Ich öffnete den Deckel des Aquariums und zog das grüne Fischnetz aus der Innentasche meines Overalls. Auf der obersten Stufe der Leiter balancierend, krempelte ich die Ärmel bis zum Ellbogen hoch und tauchte den Käscher ins Wasser. Beide Fische flitzen sofort in den hinteren Teil des Beckens.

»Rachel, die hat was drauf. Sie ist schon halb durch.« »Pass einfach nur auf die Tür auf«, zischte ich. Wie lange kann es schon dauern, einen Fisch zu fangen? 'Ich drückte einen Stein nach vorne, um das dahinter versteckte Tier zu fangen. Beide Fische schössen zur Vorderseite des Aquariums.

Plötzlich klingelte mit einem weichen Summen das Telefon. »Jenks, gehst du mal ran?« Behutsam trieb ich beide Fische mit dem Käscher in eine Ecke. »So, jetzt hab ich dich ...«

Jenks sauste von der Tür zum Telefon und landete mit den Füßen auf dem blinkenden Annahmeknopf. »Mr. Rays Büro, bitte warten Sie einen Augenblick«, fiepte er in einem hohen Falsett.

»Du hinterhältiges Schuppenvieh«, fluchte ich, als sich der zappelnde Fisch aus dem Netz befreite. »Na, komm schon. Ich versuche doch nur, dich nach Hause zu bringen, du schleimiges, schuppiges Ding«, säuselte ich mit zusammengebissenen Zähnen. »Ja ... fast ... komm schon.« Er jet

steckte zt zwischen dem Netz und dem Glas. Wenn er doch nur stillhalten würde ...

»Hey!«

Das Adrenalin schoss mir in den Kopf. Im Durchgang zu den vorderen Büros stand ein kleiner Mann mit gepflegtem Bart, der einige Akten unter dem Arm trug. »Was machen Sie denn da?«, fragte er streitlustig.

Ich blickte auf meinen Arm im Aquarium. Der Käscher war leer. Der Fisch hatte sich befreit. »Ähh, mir ist die Schere da reingefallen?« Es klan nicht g

sonderlich überzeugend.

Aus Mr. Rays Büro kam ein Aufstampfen, dann ein Stoßseufzer von Vanessa. »Mr. Ray!«

Verflucht. Das klappte wohl doch nicht auf die leichte ur.

To »Plan B, Jenks.«