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Sidney Sheldon - „Das Imperium“

ISBN: 9-783-44242-951-6

 

Klappentext:

Charmant und clever, künstlerisch begabt und knallhart - all das ist die Architektin Lara Cameron, genannt "der eiserne Schmetterling". Eine starke Frau, die in die Männerwelt der Grundstücksspekulanten, Baulöwen und Immobilienhaie eingedrungen ist. Gigantisch wie die Skyline Manhattans sind ihre Pläne. Sie will den höchsten Wolkenkratzer der Welt bauen, und er soll ihren Namen tragen... Eines Tages steht Lara vor einer Herausforderung, die sich nicht in der Routine des hektischen Tagesgeschäfts erledigen läßt, bei der sie endlich einmal Rücksicht auf ihre Gefühle nehmen muß. Sie muß sich entscheiden zwischen ihrem Imperium und den Träumen der Kindheit, zwischen dem, was Erfolg heißt, und dem, was man Liebe nennt. Dieses Gefühl hat sie in seiner ganzen Tiefe und Unbedingtheit zum erstenmal erfahren, als sie den Pianisten Philip Adler kennenlernte. Sie wendet sich von ihrem bisherigen Freund Paul Martin, einem Rechtsanwalt, ab - und dies auch, weil sie erfahren hat, daß er ein prominentes Mitglied der Mafia von New York ist. Paul schwört grausame Rache..

 

Inhalt:

Lara Cameron wird von ihrem Vater sprichwörtlich verachtet. Er hardert mit seinem Schicksal, dass ihn seiner Meinung nach sowieso nur betrügt. Er lässt das an Lara aus, die ihn wiederum aber liebt, wie man nur einen liebevollen Vater lieben kann.

Lara wächst in einer ziemlich rauen Umgebung auf. Nämlich im Fremdenheim. Hier hilft sie in der Küche und hat alles andere als kindgerechten Umgang. Das merkt der Leser spätestens dann, als sie in die Schule kommt.

Doch nichts desto trotz geht Lara in ihrer Heimatstadt ein Wagnis ein. Sie kauft ein Grundstück auf Kredit, will ein Einkaufszentrum bauen, wird vom Banker selber übers Ohr gehauen und von ihren Freunden aus dem Fremdenheim wieder aus dem Schlamassel geholt. - So macht Lara ihre ersten drei Millionen.

Doch bei denen bleibt es nicht. Sie geht in die große Stadt und fängt an, sich ein eigenes Imperium aufzubauen. Doch genau das droht sie zu verlieren, da sie nämlich mit einem Mann von der Mafia verkehrt, der ihr zwar hilft, sie ihn aber enttäuscht als sie einen anderen heiratet.

Lara ihr Imperium droht zu stürzen... Die Mafia hat ihre Finger wirklich überall drin.

 

Leseprobe:

... Im Ballsaal des Waldorf-Astoria drängten sich Musikliebhaber, die sonst die Carnegie Hall bevölkerten. Lara war mitten im Gedränge auf der Suche nach Philip. Sie erinnerte sich an ihr Telefongespräch vor einigen Tagen.

»Miss Cameron, hier ist Philip Adler.«

Ihre Kehle war plötzlich wie ausgetrocknet.

»Tut mir leid, daß ich Ihnen nicht schon früher für Ihre großzügige Spende für meine Stiftung danken konnte. Ich komme gerade aus Europa zurück und habe erst heute davon erfahren.«

»Es war mir ein Vergnügen«, sagte Lara. Sie mußte irgendwie erreichen, daß er nicht gleich wieder auflegte. »Ich … ich wüßte gern mehr über die Stiftung. Vielleicht können wir uns mal treffen, um darüber zu reden.«

Am anderen Ende entstand eine Pause. »Am Freitagabend gebe ich im Waldorf ein Benefizkonzert mit anschließendem Empfang. Das wäre eine Gelegenheit. Hätten Sie zufällig Zeit?«

Lara warf einen raschen Blick in ihren Terminkalender. An diesem Freitag sollte sie mit einem texanischen Bankier zum Abendessen ausgehen.

Sie entschied sich rasch. »Ja. Ich komme gern.«

»Wunderbar! Ich lasse Ihnen eine Einladung schicken.«

Als Lara den Hörer auflegte, strahlte sie.

 

Philip Adler war nirgends zu sehen. Nach seinem Konzert ging Lara durch den riesigen Ballsaal und fing nichts als einzelne Gesprächsfetzen auf.

»… daraufhin sagt der Tenor ganz ruhig: ›Dr. Klemperer, mir bleiben nur noch zwei hohe Cs. Wollen Sie die jetzt hören – oder heute abend in der Vorstellung?‹ …«

»… oh, ich gebe zu, daß seine Stabführung gut ist. Sie ist dynamisch und ausdrucksvoll – aber die tempi! Du lieber Himmel, seine tempi! …«

»… du spinnst wohl? Strawinsky ist viel zu konstruiert. Seine Musik könnte von einem Roboter stammen. Er hält seine Gefühle viel zu sehr zurück. Aber Bartók öffnet alle Schleusen und überflutet uns mit Gefühlen …«

»… ich halt’s einfach nicht aus, sie spielen zu hören. Ihr Chopin ist ein Gemenge aus gequältem Rubato, mißverstandenen Strukturen und rosaroter Gefühlssauce …«

Lara, die von diesen Fachsimpeleien nichts verstand, begann sich zu langweilen. Aber dann sah sie plötzlich Philip, der von Verehrerinnen umschwärmt wurde, und drängte sich zu ihm vor. Eine attraktive junge Frau himmelte ihn an: »Bei Ihrer Interpretation der B-Moll-Sonate habe ich das Gefühl gehabt, Rachmaninow lächle Ihnen zu. Diese Ausdruckskraft … wundervoll!«

Philip erkannte Lara. »Ah! Bitte entschuldigen Sie mich«, sagte er hastig.

Er bahnte sich einen Weg zu ihr und ergriff ihre Hand. Von der bloßen Berührung bekam sie eine Gänsehaut. »Hallo. Ich freue mich, daß Sie kommen konnten, Miss Cameron.«

»Danke.« Lara sah sich um. »Die Veranstaltung scheint ein voller Erfolg zu sein.«

Er nickte. »Ja. Sie sind wohl auch eine Anhängerin klassischer Musik?«

Lara dachte an die Musik, mit der sie aufgewachsen war – »Annie Laurie«, »Comin’ through the Rye«, »The Hills of Home« …

»O ja!« sagte Laura. »Mein Vater hat mich mit klassischer Musik aufgezogen.«

»Ich möchte Ihnen nochmals für Ihre Spende danken. Damit haben Sie uns sehr geholfen.«

»Ihre Stiftung klingt so interessant. Ich würde gern mehr darüber hören. Sollten Sie …«

»Philip, Darling! Mir fehlen die Worte! Himmlisch, einfach himmlisch!« Schon war er wieder von Verehrerinnen umringt. Lara verschaffte sich noch einmal Gehör. »Sollten Sie sich nächste Woche einen Abend freimachen können …«

Philip schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, aber ich fliege morgen nach Rom.«

»Oh«, sagte Lara enttäuscht.

»Aber in drei Wochen bin ich wieder da. Vielleicht können wir uns dann …«

»Wunderbar!« strahlte Lara.

»… einen Abend lang über Musik unterhalten.«

Sie nickte lächelnd. »Gern. Ich freue mich schon darauf.«

Im nächsten Augenblick wurden sie von zwei Männern mittleren Alters unterbrochen. Der eine trug eine Pferdeschwanzfrisur; der andere hatte einen Silberring im rechten Ohr.

»Philip! Du mußt eine Streitfrage schlichten. Was ist deiner Auffassung nach hilfreicher, wenn du Liszt spielst – ein Flügel mit schwerem Anschlag, der einen volleren Ton erzeugt, oder ein Instrument mit leichtem Anschlag, der farbigere Phrasierung zuläßt?«

Lara hatte keine Ahnung, wovon die beiden redeten. Aus ihrer Frage entwickelte sich eine Diskussion über neutrale Sonorität, Klangfarben und Transparenz. Als Lara sah, wie lebhaft Philip mitdiskutierte, dachte sie: Dies ist seine Welt. Ich muß irgendwie Zugang dazu bekommen.

 

Am Montagmorgen erschien Lara in der Manhattan School of Music. Der Empfangsdame erklärte sie: »Ich möchte bitte einen Ihrer Professoren sprechen.«

»Welchen denn?«

»Irgendeinen.«

»Augenblick, bitte.« Sie verschwand nach nebenan.

Einige Minuten später kam ein kleiner grauhaariger Mann auf Lara zu.

»Guten Morgen. Ich bin Leonard Myers. Was kann ich für Sie tun?«

»Ich interessiere mich für klassische Musik.«

»Ah, Sie möchten sich hier einschreiben. Welches Instrument spielen Sie denn?«

»Keines. Ich möchte nur möglichst viel über klassische Musik erfahren.«

»Da sind Sie hier am falschen Ort, fürchte ich. Dies ist keine Schule für Anfänger.«

»Ich zahle Ihnen fünftausend Dollar für zwei Wochen Privatunterricht.«

 

Professor Myers blinzelte. »Augenblick, Miss … entschuldigen

Sie, aber ich habe Ihren Namen nicht verstanden.«

»Cameron, Lara Cameron.«

»Sie wollen fünftausend Dollar dafür zahlen, daß ich zwei Wochen lang mit Ihnen über klassische Musik diskutiere?« Er brachte die Worte nur mühsam heraus.

»Richtig. Ich kann das Geld auch der Schule spenden, wenn Ihnen das lieber ist.«

»Nein, nein, das ist nicht nötig!« versicherte der Professor hastig. »Eine private Vereinbarung genügt völlig.«

»Gut, einverstanden.«

»Wann … äh … möchten Sie anfangen?«

»Sofort.«

»Ich habe gerade Unterricht, aber wenn Sie mir fünf Minuten Zeit lassen …« …