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Kathy Reichs - „Mit Haut und Haar“

ISBN: 9-783-89830-671-3

 

Klappentext:

Die Koffer sind schon gepackt, und ihr erster Urlaub seit Jahren steht endlich in Aussicht. Tempe Brennan kann es kaum erwarten, der drückenden Hitze in Charlotte und ihrer Arbeit als forensische Anthropologin für ein paar Tage zu entfliehen. Doch daraus soll nichts werden. Im Garten eines abgelegenen Farmhauses spürt ihr Hund Boyd einen Plastikbeutel auf, dessen Inhalt Tempe als Knochen von Bären identifiziert. Wer könnte Interesse am Abschlachten dieser Wildtiere haben? Der neue Freund ihrer Tochter ist Park-Ranger und verhält sich verdächtig. Hat sich Katy Hals über Kopf in einen Killer verliebt? Wer auch immer die Täter sind, sie haben offenbar auch Menschenleben auf dem Gewissen, denn Boyd findet auf dem verlassenen Grundstück eine Leiche, der Kopf und Hände abgetrennt wurden. In der Folge überschlagen sich die Ereignisse. Der Absturz einer Cessna gibt den Behörden Rätsel auf. Warum zerschellte das Flugzeug am helllichten Tag in einem Maisfeld? Und was hat es mit der Substanz auf sich, die das Cockpit des Flugzeugs und die getöteten Insassen bedeckt? Die Wissenschaftlerin trägt mehr und mehr Teile eines Grauen erregenden Puzzles zusammen und vergisst dabei fast, ihre eigene Haut zu retten.

 

Inhalt:

Tempe Brennan ist mit ihrer Tochter auf einem Picknick. Alles ist wunderbar entspannt und sie freut sich auf ihren Urlaub am Strand. - Allerdings gräbt Boyd verwesendes Fleisch aus.

Zunächst ist nicht klar, ob die Knochen nun menschlich oder tierisch sind.

Erst einmal scheinen es nur tierische Knochen zu sein, doch dann tauchen winizige menschliche Knochen dazwischen auf. Tempe hat einen neuen Fall und mit dem Urlaub wird es erst einmal nichts.

Auf der Farm werden in einem Ausenklo weitere Knochen gefunden. Ach hier menschlich und tierisch. Allerdings im Farmhaus finden sie dann noch Drogen und den Ausweis einer vermissten Frau. Tempe muss nun heraus finden, in welchem Zusammenhang tote Bären, ein Drogenschmugglerflugzeug und ein verbranntes Baby stehen.

Tempe ermittelt, sie verpasst den Flug zu ihrem Urlaub, sie verliert den Kontakt zu ihrer Tochter und hat ziemliche Angst um sie, aber sie hat Ryan. Zumindest so lang, bis der zu seiner Familie muss.

Als Tempe so ziemlich auf der Zielgeraden ist, verliert sie ihren eigenen Verfolger aus den Augen, der dann die Gunst der Stunde nutzt. Doch Tempe weiß sich zu wehren.

 

Leseprobe:

… Rinaldi brach das Schweigen.

»Ich denke, es könnte nicht schaden, Dr. Brennan in unsere Überlegungen mit einzubeziehen.«

Slidell verdrehte die Augen in Richtung seines Partners und starrte dann wieder mich an.

»Ach, zum Teufel«, seufzte er. »Mir soll’s recht sein.«

»Vor drei, vier Jahren. Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Da bekam ich eine Anfrage auf den Tisch.«

»Bezüglich einer Leiche ohne Kopf und Hände.«

Rinaldi nickte.

»Wo?«

»South Carolina.«

»Das ist ein großer Staat.«

»Fort Mill. Gaffney. Chester.« Rinaldi wedelte mit seiner langen, knochigen Hand. »Da unten ist nichts zentralisiert, deshalb ist es schwer, solche Sachen zurückzuverfolgen.«

Anders als in North Carolina, wo ein zentraler Medical Examiner tätig ist, praktizieren in South Carolina mehrere Leichenbeschauer unabhängig voneinander in den verschiedenen Countys. Diese Coroner werden in ihr Amt gewählt. Ein Krankenpfleger, ein Bestattungsunternehmer, ein Friedhofsbesitzer. Nur wenige haben eine medizinische Ausbildung und noch weniger eine Ahnung von forensischer Pathologie. Autopsien werden an Allgemeinärzte vor Ort delegiert.

»Den meisten Coroners in North Carolina fehlen die Mittel, um eine Leiche längere Zeit aufbewahren zu können.«

»Kann man wohl sagen«, schnaubte Slidell. »Michael Jordans Daddy lag gerade mal, was, drei Tage, bevor sie ihn abgefackelt haben?«

Slidell hatte das Feingefühl eines Vorschlaghammers. Aber er hatte Recht.

»Ich habe eine Anfrage losgeschickt«, sagte Rinaldi. »Bis heute Abend bekomme ich hoffentlich Antwort.«

»War diese kopflose Leiche in gutem Zustand?«

»Soweit ich mich erinnere, waren die Überreste skelettiert. Aber da sie keinen Bezug hatten zu Fällen, die wir damals untersuchten, habe ich nicht sonderlich drauf geachtet.«

»Schwarz oder weiß?«

Rinaldi hob und senkte die Schultern.

»Männlich oder weiblich?«

»Eindeutig«, sagte Rinaldi.

 

Als die Detectives gegangen waren, rief ich in der Universität an. Eine Kollegin würde sich die Federn am folgenden Tag anschauen können.

Danach ging ich zum Kühlraum und holte mir die Bahre mit den Tierknochen. Ich suchte alles heraus, was nach Vogel aussah, und steckte die Knochen zusammen mit Rinaldis Federtüte in einen Beutel.

Dann nahm ich mir die Überreste aus dem Klohäuschen vor und investierte einige Stunden in eine gründliche Untersuchung.

An meinem ersten Eindruck änderte sich wenig, allerdings gelang mir eine etwas präzisere Altersschätzung.

Rasse: weiß.

Alter: fünfundzwanzig bis vierzig Jahre.

Geschlecht: Eine Münze, bitte.

Als ich in mein Büro zurückkehrte, blätterte Ryan, seine Nikes auf meiner Schreibtischkante, in einer Ausgabe von Creative Loafing. Er trug dasselbe Hawaii-Hemd und dieselben Shorts wie an diesem Morgen und dazu eine Winston-Cup-Kappe. Er sah aus wie ein Agent von Hawaii Fünf-Null bei einem NASCAR-Rennen.

»Schönen Tag gehabt?«

»Latta Plantation und dann Freedom Park.«

»Wusste gar nicht, dass du so ein Geschichtsfanatiker bist.«

»Hooch kann nicht genug von dem Zeug kriegen.«

»Wo ist er?«

»Der Ruf von Pedigree war stärker als der Ruf der Wildnis.«

»Überrascht mich, dass er dich allein hat weggehen lassen.«

»Als man ihn das letzte Mal sah, inspizierte der beste Freund des Menschen gerade eine Oreo-Tüte.«

»Schokolade ist schlecht für Hunde.«

»Wir haben darüber gesprochen. Hooch meinte, er habe das im Griff.«

»Wenn Hooch sich getäuscht hat, machst du den Teppich sauber.«

»Machst du Fortschritte beim Klomann?«

»Schöne Überleitung.« Ich warf den Ordner für den Klofall auf den Schreibtisch und ließ mich in den Sessel sinken. »Bin eben fertig geworden.«

»Das hat aber eine Weile gedauert.«

»Pat und Patachon kamen heute zweimal vorbei.«

»Slidell und sein Partner?«

Ich nickte.

»Urteilst du nicht ein wenig streng über den Kerl?«

»Slidell könnte wahrscheinlich nicht mal Eiswürfel ohne Anleitung machen.«

»Ist er wirklich so dumm?«

Ich dachte darüber nach.

Richtig dumm war Slidell nicht. Nicht so, wie ein Farn dumm ist. Oder ein Waldfrosch. Slidell war einfach nur Slidell.

»Wahrscheinlich nicht. Aber er schlägt alle Rekorde in den Kategorien ungehobelt und lästig.«

»Was wollten sie?«

Ich erzählte ihm von Jason Jack Wyatt und der Handy-Verbindung zu Darryl Tyree.

»Der Freund der Dame mit dem toten Baby?«

Ich nickte.

»Kurioser und noch kurioser.«

»Hier ist noch ein Knaller. Rinaldi erinnert sich an eine Anfrage bezüglich einer kopf- und handlosen Leiche vor ein paar Jahren. Er und Slidell gehen der Sache nach.«

»Passen die Merkmale zu deinem Kerl aus dem Klo?«

»Rinaldis Erinnerung ist ein bisschen unscharf.«

»Ist deine Leiche überhaupt ein Kerl?«

»Ich glaube schon.«

Ryan hob skeptisch die Augenbrauen.

»Es gibt kein einziges Schädelmerkmal, das das Geschlecht eindeutig bestimmt. Ich habe alle möglichen Maße durch das Fordisc 2.0 Programm gejagt.«

»Lass mich raten. Der Schädel liegt genau im Überlappungsbereich.«

Ich nickte. »Allerdings eher auf der männlichen als auf der weiblichen Seite.«

»Dasselbe bei den Maßen der Handknochen?«

»Ja.«

»Was sagt dein Bauch?«

»Männlich.«

»Eine junge, erwachsene, weiße Person, die wahrscheinlich auf die Herrentoilette ging. Das ist doch ein Anfang.«

»Mit sehr schlechten Zähnen.«

»Ach ja?«

»Viel Karies. Zumindest an den Zähnen, die wir gefunden haben.«

»Fehlen welche?«

»Ja.«

»Scheißjob.«

»Woher habe ich gewusst, dass du das sagen würdest?«

»Hinweise auf Zahnbehandlungen?«

Ich schüttelte den Kopf. »Das Opfer war kein Freund regelmäßiger Kontrollen.«

»Sonst was?«

»Vielleicht eine leichte Knochendemineralisierung.«

»Ich finde, Sie haben wirklich einen ausgezeichneten Start hingelegt, Dr. Brennan.«

»Rinaldi hatte Federn dabei.«

»Steht ihm das denn?«

»Sie tauchten unter dem Koks im Keller auf.«

»Was für Federn?«

»Das soll ich herausfinden.«

»Kennst du irgendwelche Vögelspezialisten?«

»Ich kenne dich, Cowboy.«

Ryan formte mit der Hand eine Pistole und zielte auf mich.

»Bereit für ’nen neuen Ausflug morgen?«

»Iiaahh.«

Er schwang ein imaginäres Lasso.

Wir gingen eben an Mrs. Flowers’ Tisch vorbei, als das Telefon klingelte. Sie nahm ab und winkte mir dann.

Ich wartete, während sie antwortete und dann den Anrufer in die Warteschleife schaltete.

»Es ist Detective Slidell.«

Ich spürte einen Seufzer in meiner Brust aufsteigen, verkniff mir aber die melodramatische Geste.

Mrs. Flowers lächelte mich an und dann Ryan. Als er zurückgrinste, erblühten rosa Flecken auf ihren Wangen.

»Er klingt wie die Katze, die den Kanarienvogel verschluckt hat.«

»Kein schönes Bild.« Ryan zwinkerte.

Mrs. Flowers kicherte, und ihre Wangen wurden himbeerrot.

»Wollen Sie den Anruf entgegennehmen?«

So wie ich Ebola wollte.

Ich griff nach dem Hörer. …