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James Patterson - „Sonne Mord und Sterne“

ISBN: 3-404-14851-7

 

Klappentext:

Ein Mörderpaar hat es auf die High Society Washingtons abgesehen. Die beiden treiben ein grausames Spiel mit Leben und Tod: Am Ort ihrer Verbrechen hinterlassen sie gereimte Botschaften, in denen weitere Morde angekündigt werden. Alex Cross muss sich der Jagd nach den unheimlichen Mördern widmen, während ganz in der Nähe der Schule, die sein Sohn besucht, mehrere Kinder erschlagen aufgefunden werden ... "Patterson, einer der besten Thrillerautoren aller Zeiten, hat mit diesem Roman den Gipfel seines Schaffens erreicht!" USA Today

 

Inhalt:

James Patterson ist bei der Polizei und wird zu einem Kindermord gerufen. Das Gesicht ist grausam zugerichtet und er schwört sich, diesen Mord aufzuklären. Das allerdings wird nicht so einfach, denn man verlange seine Mitarbeit bei den Morden von Jack und Jill. Ein Mörderpärchen, was es irgendwie auf Prominente und höher gestellte Persönlichkeiten abgesehen hat. James würde lieber die Kindermorde aufklären, muss das aber nun nur noch nebenbei tun, da die Bonzen Vorrang haben.

Während dessen ärgert sich der Kindermörder darüber, dass seine Morde keine Erwähnung in Funk und Medien finden. Er hasst Jack und Jill. Er hasst sie, weil sie ihm seine Popularität wegnehmen.

Die Ermittlungen sind nervenaufreibend, zeitraubend und stellenweise langweilig. Aber als es dann gegen den Präsidenten gehen soll, kommt Bewegung in die Sache. - Es ist fast uninteressant, dass nebenbei weitere Kinder ermordet werden...

James Patterson ahnt jedoch nicht, dass der Kindermörder es längst nicht mehr nur auf Kinder abgesehen hat. Er hat sich an ihm und seinem Sohn fest gebissen. Die beiden sind sein neues Ziel.

 

Leseprobe:

… Die riesige Eingangshalle des Kennedy Centers war gerammelt voll mit hochnäsigen Arschlöchern aus Washington. Theaterpublikum, o Gott. Es waren hauptsächlich ältere Leute – Abonnementbesitzer. Auf Tischen wurden billige T-Shirts und überteuerte Programmhefte verkauft. Eine Frau mit grellrotem Schirm führte in der Pause eine Gruppe Schulkinder durch die Menge.

Bei diesem Mord musste Kevin Hawkins einen verdammt schwierigen Trick vollführen.

Er musste ganz nahe an das Opfer herankommen, körperlich nahe, ehe er den Mord beging.

Was ihm ziemliches Kopfzerbrechen bereitete, aber er hatte keine andere Wahl. Er musste direkt am Opfer sein, durfte diesen Teil seines Jobs nicht verpatzen.

Der Fotoreporter dachte darüber nach, während er sich erfolgreich unter das lärmende Theaterpublikum mischte.

Endlich entdeckte er Thomas Henry Franklin, Richter am Obersten Gerichtshof. Franklin war das jüngste Mitglied des derzeitigen Richtergremiums, ein Afroamerikaner. Er wirkte hochmütig, was zu seinem Ruf in Washington passte. Er war kein liebenswürdiger Mann. Aber das spielte keine Rolle.

Schnappschuss! Kevin Hawkins machte in Gedanken ein Foto von Thomas Henry Franklin.

Am linken Arm des Richters hatte sich eine dreiundzwanzigjährige Frau eingehängt. Schnappschuss. Schnappschuss.

Auch was Charlotte Kinsey betraf, hatte Hawkins seine Hausaufgaben gemacht. Natürlich kannte er ihren Namen. Er wusste, dass sie im zweiten Jahr Jura in Georgetown studierte. Er kannte noch weitere dunkle Geheimnisse über Charlotte Kinsey und Richter Franklin. Er hatte die beiden im Bett beobachtet. Er ließ sich noch einen Moment Zeit, Thomas Franklin und die Studentin zu betrachten, als die beiden sich im Großen Foyer unterhielten. Sie waren ebenso lebhaft vor Begeisterung wie andere Paare. Sogar noch mehr. Was für ein Riesenvergnügen das Theater doch sein konnte!

Er machte noch ein paar Gedankenfotos. Nie würde er das Bild der beiden vergessen, die sich so lebhaft unterhielten. Schnappschuss. Und noch einer. Schnappschuss.

Die beiden lachten. Spontan und natürlich. Sie schienen die Gesellschaft des anderen zu genießen. Unwillkürlich runzelte Hawkins die Stirn. Er hatte in Silver Springs zwei Nichten. Der Gedanke, dass die junge Jurastudentin mit diesem angeberischen Arschloch fortgeschrittenen Alters herumzog, störte ihn gewaltig.

Dann aber musste er über die Ironie seines harten Urteils lächeln. Ein eiskalter Killer mit Moral – wie komisch. Wie verrückt. Wie ungemein cool.

Er sah, wie die beiden auf die große Terrasse vor der Lobby traten. Er folgte dem Paar im Abstand von mehreren Schritten. Vor ihnen breitete sich der Potomac aus. Der Fluss war schwarz wie die Nacht. Ein Vergnügungsdampfer aus Alexandria, auf dem man zu Abend essen konnte – die Dandy –, glitt vorüber.

Die durchsichtigen Vorhänge zwischen der Lobby und der Terrasse flatterten dramatisch in dem kühlen Wind, der vom Fluss her wehte. Kevin Hawkins schob sich vorsichtig näher an den Richter und seine schöne Begleiterin heran, machte weitere Gedankenfotos von den beiden.

Ihm fiel auf, dass Franklins weißes Hemd eine Nummer zu klein war und ihm den Hals einschnürte. Und die elbe Seidenkrawatte

war zu schreiend für den grauen Anzug. Charlotte Kinsey lächelte auf unwiderstehlich reizende Art. Sie hatte schöne runde Brüste. Ihr langes schwarzes Haar blähte sich in der Brise.

Kevin Hawkins ging tatsächlich auf Körperkontakt mit den beiden. So nahe kam er an Charlotte und Thomas heran. Er berührte das glänzende Haar der Jurastudentin. Er roch ihr Parfüm. Opium oder Shalimar. Schnappschuss.

Er war direkt dran. Hautnah.

Sein Gedankenauge schoss ein Foto nach dem anderen von dem Paar. Nie würde er etwas vergessen von dem, was er sah, kein einziges intimes Bild vom Schauplatz des Mordes.

Kevin Hawkins konnte sehen, hören, berühren, riechen, aber er konnte nichts fühlen, rein gar nichts.

Jetzt widersetzte er sich sämtlichen menschlichen Regungen, so schwach sie bei ihm auch waren. Kein Mitleid. Keine Schuld. Keine Scham. Und keine Gnade.

Die Jurastudentin trug eine Ledertasche über der linken Schulter. Die Tasche war einen Spalt offen. Das reichte. Was für eine sorglose junge Frau.

Der Fotoreporter war geschickt mit den Händen. Immer noch geschickt. Immer noch ruhig. Immer noch sehr schnell. Immer noch einer der Besten.

Er ließ etwas in ihre Tasche gleiten. C’est ça. Das war’s!

Treffer. Der erste in dieser Nacht.

Charlotte und Richter Franklin bemerkten weder die flüchtige Bewegung noch ihn. Dann war er blitzschnell wieder in der Menge verschwunden. Er war die Brise vom Fluss, die Nacht oder das Mondlicht.

In diesem Moment spürte Hawkins ein unglaubliches Hochgefühl. Nichts auf der Welt war damit zu vergleichen. Die Macht, einem anderen das Leben zu nehmen, zu stehlen, war mit nichts auf der Palette menschlicher Erfahrungen zu vergleichen.

Der schwierige Teil war vorüber. Das wusste er. Die Arbeit in unmittelbarer Nähe des Opfers. Jetzt folgte der schlichte Akt des Tötens.

In der Öffentlichkeit.

Und sich nicht erwischen lassen.

Plötzlich machte sein Herz einen Satz, schlug schreckliche Kapriolen. Irgendetwas ging schief. Sehr schief. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Verdammt!

Charlotte Kinsey griff in ihre Tasche.

Schnappschuss.

Sie hatte den Zettel gefunden, den er dort hinterlegt hatte – die Botschaft von Jack und Jill! Verdammt. Das ging schief. Schnappschuss.

Neugierig betrachtete sie das Blatt Papier. Fragte sich, was es bedeutete. Fragte sich, wie es in ihre Handtasche gekommen war.

Sie faltete das Blatt auseinander. Hawkins spürte ein entsetzliches Hämmern in den Schläfen. Jetzt hatte die junge Frau die Aufmerksamkeit des Richters geweckt. Auch er blickte auf das Papier.

Neiiiin. O Gott, neiiin, hätte Hawkins am liebsten gebrüllt. Er handelte jetzt rein instinkthaft. Keine Zeit mehr, lange Überlegungen anzustellen.

Schnell und sicher bewegte er sich voran.

Seine Luger baumelte unterhalb des Handgelenks. Die Waffe war wegen der Menschenmenge, in diesem Wald aus Armen und Beinen, Hosen mit Bügelfalten und weiten rauschenden Röcken, mehr oder weniger verborgen. …