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James Patterson - „Wenn die Mäuse Katzen jagen“

ISBN: 9-783-404-77332-9

 

Klappentext:

Gleich zwei psychopathische Serienkiller halten die Welt in Atem: Der geheimnisvolle "Mr. Smith", ein skrupelloser Mörder, dessen blutige Spur sich ohne erkennbares Muster durch Europa und die USA zieht. Und Gary Soneji, den Alex Cross schon im ersten Teil jagte, taucht wieder auf! Er ist seit frühester Kindheit fasziniert von "Jahrhundertverbrechen", die er durch Intelligenz und Raffinesse noch zu übertreffen versucht... Beide Killer sehen in Alex Cross den einzig adäquaten Gegner in ihrem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel. Und so beginnt sein bisher gefährlichster Fall, vor allem als Soneji schwört, ihn und seine Familie zu töten ... 4. Teil der erfolgreichen Alex Cross-Reihe

 

Inhalt:

James Patterson hat den einen Fall gerade beendet, als auch schon der nächste auf ihn zu rollt. Ein ziemlich gefährlicher Mann ist hinter ihm und vor allem auch hinter seiner Familie her. Er ist besessen davon, den großen James Patterson seine Glück zu nehmen.

Allerdings jagt die Polizei auch ihn gerade. Wegen seiner voran gegangenen bestialischen Morde. Allerdings begreifen sie seine Strategie nur langsam. Und eigentlich auch erst, als es längst zu spät ist. Doch der Täter stirbt im Feuer.

Wer nun glaubt, dass es das gewesen ist, der hat sich schwer getäuscht. Denn James Patterson wird nach einer Party in seinem eigenen Schlafzimmer überfallen und stark verletzt. - James Patterson wäre aber nicht James Patterson, wenn er aus der Not keine Tugend machen würde, um dem Täter habhaft zu werden.

 

Leseprobe:

.. »Dahinten sind noch mehr Tunnel und jede Menge Gleise«, erklärte Groza hastig. »Wir betreten ein finsteres, schmutziges Labyrinth.«

»Mag sein, aber wir gehen trotzdem hinein«, sagte ich. »Gary gefällt es hier unten. Wir werden das Beste daraus machen müssen.«

Ich riß einem Bauarbeiter seine Taschenlampe aus der Hand und zog dann meine Glock. Siebzehn Schüsse. Groza hatte eine 357er Magnum, also weitere sechs Salven. Wie viele Schüsse waren nötig, um Gary Soneji zu töten? Würde er jemals sterben?

»Er trägt eine verfluchte schußsichere Weste«, sagte Groza. »Ja, das habe ich bemerkt.« Ich entsicherte die Glock. »Er ist ein Pfadfinder – allzeit bereit.«

Ich öffnete die Tür, durch die Soneji verschwunden war, und plötzlich war es so finster wie in einem Grab. Ich hielt die Glock gerade vor mich und ging weiter. Das war tatsächlich der Keller schlechthin, seine Privathölle in Übergröße.

Sind Sie bereit zu sterben, Dr. Cross?

Es gibt keine Möglichkeit, das zu verhindern.

Ich duckte mich, schlich weiter, so gut ich konnte. Der Strahl der Taschenlampe zuckte über die Wände. Weiter vorn erkannte ich trübes Licht von eingestaubten Lampen, deshalb schaltete ich die Taschenlampe aus. Meine Lungen schmerzten. Ich konnte immer noch nicht richtig atmen, aber vielleicht wurde mein körperliches Unbehagen zum Teil auch durch Klaustrophobie und Entsetzen verursacht.

Mir gefiel es nicht in Garys Keller. So mußte er sich gefühlt haben, als er noch ein Junge gewesen war. Wollte er uns das mitteilen? Uns die Erfahrung vermitteln?

»Herrgott«, murmelte Groza in meinem Rücken.

Ich vermutete, daß er das gleiche empfand wie ich, desorientiert war und Angst hatte. Irgendwo im Tunnel heulte der Wind, und wir konnten nicht viel sehen. Im Dunkeln muß man seine Phantasie einsetzen, dachte ich, während ich weiterging. Soneji hatte dies als Junge zur Genüge gelernt. Hinter uns waren jetzt Stimmen, doch sie waren noch weit weg. Gespenstisch hallten sie von den Wänden wider. Niemand hatte es eilig, Soneji in dem finsteren, schmuddeligen Tunnel einzuholen.

Die Bremsen eines Zugs kreischten auf der anderen Seite der geschwärzten Steinwand. Hier unten, parallel zu uns, verlief die U-Bahn. Der Gestank nach Müll und Abfall wurde immer schlimmer, je weiter wir gingen. Ich wußte, daß in etlichen dieser Tunnel Stadtstreicher lebten. Bei der New Yorker Polizei gab es eine spezielle Obdachloseneinheit, die auf sie angesetzt war.

»Ist da was?« murmelte Groza mit Angst und Unsicherheit in der Stimme. »Sehen Sie was?«

»Nichts«, flüsterte ich.

Ich wollte nicht mehr Lärm als nötig machen. Ich holte abermals schmerzhaft tief Luft und hörte auf der anderen Seite der Wand das Pfeifen eines Zugschaffners.

In einigen Teilen des Tunnels herrschte trübes Licht. Müll übersäte den Boden, weggeworfene Fastfood-Verpackungen, zerfetzte, verschmutzte Kleidung. Ich hatte bereits zwei riesige Ratten gesehen, die an meinen Füßen vorbeihuschten.

Dann hörte ich direkt hinter mir einen Schrei. Mein Hals und mein Rücken versteiften sich vor Schreck. Es war Groza! Er ging zu Boden. Ich hatte keine Ahnung, womit er getroffen

worden war. Er gab keinen weiteren Ton von sich und rührte sich nicht mehr.

Ich fuhr herum, konnte zunächst niemanden sehen. Die Finsternis schien sich sogar noch zu verdichten.

Doch dann erhaschte ich einen Blick auf Sonejis Gesicht: ein Auge, eine Mundhälfte im dunklen Profil. Er schlug mich, bevor ich auch nur die Glock heben konnte. Soneji stieß einen brutalen Urschrei hervor, unverständliche Wörter. Er schlug mich mit gewaltiger Wucht, ein Fausthieb gegen die linke Schläfe. Er erinnerte mich daran, wie unglaublich stark Soneji war und daß er den Verstand verloren hatte. In meinen Ohren rauschte es, und mir drehte sich alles im Kopf, meine Beine waren wacklig. Fast hätte er mich schon mit dem ersten Hieb bewußtlos geschlagen. Vielleicht hätte er es sogar gekonnt, aber er wollte mich bestrafen, wollte seine Rache, es mir langsam heimzahlen. Er schrie wieder, dieses Mal war er nur Zentimeter von meinem Gesicht entfernt.

Schlag zurück, befahl ich mir. Schlag jetzt zurück, du bekommst keine zweite Chance mehr!

Sonejis Kraft war so immens wie bei unserer letzten Begegnung, vor allem in einem Nahkampf wie diesem hier. Er hatte mich im Schwitzkasten, und ich konnte seinen Atem riechen. Er versuchte, mich mit seinen Armen zu erwürgen. Weiße Lichter flackerten und hüpften vor meinen Augen, ich war noch auf den Beinen, aber fast bewußtlos. Er schrie wieder. Ich stieß mit dem Kopf zu. Das überraschte ihn, sein Griff lockerte sich sekundenlang, und ich konnte mich lösen. Ich landete den härtesten Boxhieb meines Lebens und hörte sein Kinn knacken. Doch er ging nicht zu Boden! Was war nötig, um ihm weh zu tun?

Er ging erneut auf mich los, und ich versetzte ihm einen Schlag auf die linke Wange. Ich spürte, wie Knochen unter meiner Faust barsten. Er schrie, stöhnte dann auf, aber er stürzte auch diesmal nicht, hörte nicht auf, mich zu attackieren.

»Du kannst mir nichts tun«, knurrte er keuchend. »Du wirst sterben. Du kannst es auf keinen Fall verhindern. Du kannst es jetzt nicht mehr verhindern!« Gary Soneji ging wieder auf mich los. Ich hob die Glock. Tu ihm weh, bring ihn jetzt um, sofort!

Ich schoß. Und obwohl es schnell ging, kam es mir wie eine Zeitlupe vor. Mir war, als könne ich spüren, wie der Schuß in Sonejis Körper eindrang. Er durchbohrte seinen Unterkiefer, mußte ihm die Zunge und Zähne weggerissen haben. Was von Soneji übrig war, griff erneut nach mir, versuchte, mich festzuhalten, sich in mein Gesicht und meine Kehle zu krallen. Ich stieß ihn weg. Tu ihm weh, bring ihn um!

Er wankte mehrere Schritte rückwärts in den finsteren Tunnel. Ich weiß nicht, woher er die Kraft nahm. Ich war zu erschöpft, um ihn zu verfolgen, aber mir war klar, daß es nicht mehr nötig war.

Endlich fiel er zu Boden wie ein schweres Gewicht. Als er aufschlug, explodierte die Bombe in seiner Tasche. Gary Soneji ging in Flammen auf. Der Tunnel hinter ihm war dreißig Meter weit erleuchtet. Soneji schrie sekundenlang, dann verbrannte er schweigend – eine menschliche Fackel in seinem Keller. Er war direkt zur Hölle gefahren.

Es war endlich vorbei. …