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David Safier - „Mieses Karma Hoch 2“

ISBN: 9-783-463-40623-7

 

Klappentext:

Die Wiedergeburt von 'Mieses Karma' Die Gelegenheitsschauspielerin Daisy Becker trinkt, raucht und bestiehlt auch schon mal ihre WG-Genossen. Mit Mitte zwanzig hat sie noch immer keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben eigentlich anfangen will. Noch viel weniger weiß sie, was das Wort „Liebe“ eigentlich bedeutet. Und sie wird es in diesem Leben auch nicht mehr erfahren, gerät sie doch in einen tödlichen Autounfall mit dem arroganten Hollywoodstar Marc Barton. Daisy und Marc werden als Ameisen wiedergeboren und erfahren von Buddha, dass sie in ihrem Leben zu viel mieses Karma angesammelt haben. Allerdings haben die beiden nur wenig Lust, fortan als Ameisensoldaten in den Krieg zu ziehen. Außerdem wollen sie um jeden Preis verhindern, dass Daisys bester Freund, von dem sie erst jetzt erkennt, was sie für ihn empfindet, und Marcs Ehefrau ein Paar werden. Was also tun? Gutes Karma sammeln, um die Reinkarnationsleiter über die Stufen Goldfisch-Storch-Schnecke hochzuklettern und wieder zu Menschen zu werden! Doch das ist nicht so einfach, wenn man sich nicht ausstehen kann und sich gegenseitig die Schuld an dem Unfalltod gibt. Und noch viel schwerer wird es, wenn man sich trotz allem ineinander verliebt. Für alle Fans des Millionensellers 'Mieses Karma': noch mehr Humor und Wahrheit von David Safier.

 

Inhalt:

Daysi Becker braucht Geld. Als Schauspielerin ist sie nicht besonders erfolgreich, allerdings kann sie sich nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Da kommt die kleine Rolle im neuen James Bond gerade recht. Sie hofft auf einen Karrierekick und macht sich auf den Weg.

Am Set trifft sie auf den hochgradig arroganten Hauptdarsteller, der ihre Rolle mal eben aus dem Buch raus geschrieben hat. Daisy tötet aus Versehen sein Hund, lässt sich in der WG von ihrem Mitbewohner Jannis trösten und macht sich dann sturzbesoffen auf den Weg zu diesem arroganten Pinsel, um ihm mal gehörig die Meinung zu sagen.

Sowohl der Typ, Marc, als auch Daisy sterben bei einem Autounfall. Sie werden als Ameisen wiedergeboren und müssen nun gutes Karma sammeln, wenn sie die Reinkarnationsleiter wieder nach oben wollen. Doch das gestaltet sich nicht gerade als einfach, denn die beiden können sich absolut nicht ausstehen und stehen sich dadurch immer wieder selber im Weg.

Es folgt ein langer, von Rückschlägen gespickter, Weg. Beide verändern sich, beide sehen die Fehler aus vergangenen Leben ein und beide klettern immer schön parallel die Leiter nach oben.

 

Leseprobe:

… «Ich pass auf dich auf» ein Mann, fünf Worte. Dankbar lächelte ich ihn an. Er lächelte nicht zurück. Er mochte mich immer noch nicht, gab mir offensichtlich weiterhin die Schuld an seinem Tod und daran, dass wir nicht mehr zu Brad Pitts Villa gelangen konnten. Ich fragte mich, ob ich ihn auf seine Kokainsucht ansprechen sollte, beantwortete mir diese Frage aber selbst mit: Lass es lieber bleiben, Daisy, sonst erlebst du noch Die Attacke des Killer-Goldfischs.

Stattdessen erfreute ich mich an der Sonne, deren Strahlen auf der Wasseroberfläche glitzerten und meine Schuppen wohlig wärmten. Unter mir leuchteten große weiße Steine, und die grünen Algen wogten geschmeidig im funkelnden Wasser hin und her. Sie sahen so elegant und erhaben aus, dass ich mich fragte, ob es sich bei ihnen um Ballerinas handelte, die als Wasserpflanzen wiedergeboren worden waren.

«Sind die Algen nicht wundervoll?», fragte ich Barton.

«Geht so», erwiderte er abfällig.

«Aber die leuchtenden Steine …»

«Sind verdammte Steine», würgte er mich ab. Er besaß anscheinend keinen Sinn für die Schönheit der Natur.

«Ich schätze mal, wir sind in der Ostsee», versuchte ich es wieder.

«Aha», antwortete er. Höchstwahrscheinlich hatte er noch nie von der Ostsee gehört. Er war ja Amerikaner, und die interessierten sich für Geographie genauso sehr wie für die Souveränität anderer Nationen.

«Also die Ostsee liegt …»

«… weit weg von Nicole.»

Mehr musste er über die geographische Lage dieses Meeres offenbar nicht wissen.

«Ich hab nicht den blassesten Schimmer», schimpfte Barton, «was wir jetzt machen sollen.»

Ich wollte mir den ersten Anflug von guter Laune, den ich in meinem Goldfischleben hatte, nicht zerstören lassen. Jedenfalls nicht sofort. Dafür funkelten die Sonnenstrahlen zu schön im Wasser. Und die Algen tanzten zu bezaubernd. Dafür hatte ich zu viel Mist erlebt.

«Ich weiß es aber.»

«Ah ja?», fragte Barton erstaunt. «Und was?»

«Wir fühlen uns wie Fische im Wasser!»

Ich begann zu schwimmen. Meine Flossen schmerzten nicht mehr, und mit jedem Schlag durchströmte meinen Körper mehr Energie. Durch das herrlich klare Wasser zu gleiten, fühlte sich so natürlich an, als ob es meine Bestimmung wäre. Höchstwahrscheinlich war es das sogar, denn Goldfische waren gewiss nicht von der Natur dafür vorgesehen, in Aquarien oder Kloaken zu schwimmen. Das Wasser war mein Zuhause, jedenfalls das meines Goldfischkörpers.

Ich sauste steil nach oben, um gleich darauf umso schneller wieder in die Tiefe zu stürzen. Ich drehte einen Looping nach dem anderen. Hätte ich Beine gehabt, hätte ich im Wasser auch noch Flickflacks gemacht. So lebendig hatte ich mich als Mensch nur auf der Tanzfläche nach dem vierten Caipirinha gefühlt. Wenn man es genau nimmt, ging es mir jetzt sogar besser als damals. Der Rausch der Tiefe war viel intensiver als der des Alkohols.

Ich tanzte mit den Schlingen der Algen, wurde Teil ihres Balletts und lachte. Ja, ich lachte! So frei fühlte ich mich. Vielleicht hatte ich mit dem Tod doch das große Los gezogen. All meine lächerlichen Sorgen als Mensch – Miete, Jobs, mangelnden Erfolg – hinter mir gelassen und meine alte Welt durch unendliche Freiheit ersetzt.

«Bist du bald mal fertig mit dem Quatsch?», stänkerte Barton.

«Das ist kein Quatsch, das ist unser neues Leben.»

In diesem kurzen rauschhaften Moment konnte ich mir tatsächlich vorstellen, ein glückliches, erfülltes Leben als Goldfisch zu führen.

Barton verzog abfällig das Maul.

«Komm, mach mit! Das macht Spaß!», schwamm ich auf ihn zu und berührte seine Flosse. Er zog sie hastig weg.

«Also entweder machst du mit», grinste ich, «oder ich sauge mich wieder an deinem Hintern fest.»

«Du bist anstrengend», stöhnte er.

«Du bist der erste Fisch, der das zu mir sagt.»

Ich drehte einen Looping um ihn herum und wollte mich gerade an seinem Hintern festsaugen, da seufzte er: «Schon gut, schon gut.»

Fröhlich sauste ich los. Barton schwamm mir hinterher. Erst langsam. Widerwillig. Doch dann wurde auch er etwas schneller.

«Das … fühlt sich gut an», staunte er.

«Nicht wahr?», lachte ich.

«Viel besser als jedes Laufband.»

Er nahm Tempo auf, schloss zu mir auf, und wir sausten um eine Alge herum, hoch und nieder, immer schneller, als ob wir uns in einem Kettenkarussell befänden. Jetzt hatte auch Barton Spaß. Das erste Mal in seinem Fischleben.

Nach unserer Kettenkarussellfahrt um die Alge blieb ich im Wasser stehen und betrachtete, wie Barton lächelnd auf seinem Rücken trieb, als würde er sich nach vielen Jahren endlich mal erlauben, etwas zu genießen. Bei diesem Anblick spürte ich ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch. Eines, das ich erst einmal gar nicht richtig einordnen konnte … waren das etwa Schmetter…?

Quatsch! Das war höchstens Plankton. Ja, genau das war es, Plankton im Bauch!

Ich drückte das Gefühl schnell wieder weg und wollte noch eine Runde alleine um die Alge sausen, um mich abzulenken, da hörten wir eine donnernde Stimme: «Verzeihen Sie.»

Erschrocken drehte ich mich um. Ein Hecht schwamm langsam auf uns zu. Er besaß einen dunkelgrünen Rücken, einen weißen Bauch und war geschätzt zwanzigmal größer als wir. So ein Seeungeheuer hatte ich außerhalb von Filmen wie Godzilla noch nie gesehen.

«Ich störe ja nur ungern …», sagte der Hecht.

«Aber?», fragte ich zögerlich.

«Ich habe Hunger.» …