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Sebastian Fitzek - „Das Joshua-Profil“

ISBN: 9-783-785-72545-0

 

Klappentext:

Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß ... im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist. "Das Joshua-Profil" - Sebastian Fitzeks neuer Thriller zu einem hochbrisanten Thema, das noch vor wenigen Jahren Science-Fiction war und heute bereits erschreckende Realität ist: Predictive Policing - Verbrechen vorhersehen, bevor sie geschehen!

 

Inhalt:

Max Rhode glaubt, der einzige Fehler in seinem Leben ist sein Misserfolg als Autor. Doch da wusste er noch nicht, dass Joshua hinter ihm her ist, eben weil er als Schriftsteller nach seltsamen Sachen im Internet sucht.

Seine Pflegetochter Jola ist sein Ein und Alles. Deswegen wehrt er sich auch mit Händen und Füßen gegen den Vorwurf, dass er ihr etwas schlechtes will. Doch er hat es schwer, mit seinen Behauptungen Gehör zu finden. Zu seltsam ist die Geschichte von dem sterbenden Mann, den er nicht kennt, der ihn aber unbedingt vor seinem Ableben noch einmal sehen wollte.

Als Jola dann vom Jugendamt zu ihren leiblichen Eltern zurück geführt werden soll, knallen bei Max die Sicherungen durch. Er entführt seine eigene Tochter, begeht eine Freiheitsberaubung und baut dann einen Unfall landet in einem Crackhouse und muss dann erfahren, dass seine Tochter wie vom Erdboden verschluckt ist.

Max und sein Anwalt begeben sich auf die Suche. Nur durch einen Zufall kommen sie so auf die Spur eines Clubs, der sich gegen Joshua stellt. Und Joshua ist keine Person, sondern ein Programm. Ein Programm, dass sich in Max seinem Fall geirrt hat und das nun nicht mehr verkauft werden kann. Also muss Max dazu gebracht werden, genau das zu tun, was das Programm voraus gesagt hat.
Das Programm konnte sich aber nur irren, da der Student in der Wohnung unter der Familie, ein ziemlich falsches Spiel spielt...

 

Leseprobe:

… Sie hatte noch nicht viele Anwaltskanzleien betreten und nie das Büro des Seniorpartners einer großen Sozietät von innen gesehen, aber sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es auf dem Planeten einen zweiten Juristen gab, der seinen Arbeitsraum ähnlich eingerichtet hatte wie Toffi.

Die Oberfläche seines Schreibtisches war eine in Glas gefasste Comic-Zeichnung eines explodierenden Gerichtsgebäudes, die auf zwei tiefergelegten Einkaufswagen montiert war.

Der Tisch war eigentlich gut platziert, jeder Besucher hätte beim Eintreten einen ehrfurchtgebietenden Blick Richtung Reichstag und Brandenburger Tor genießen können, wäre dieser nicht zu einem Teil von einem übergroßen, schief in das Fenster ragenden Gemälde verdeckt worden, das mehrere hochrangige Politiker nebeneinander auf der Toilette hockend zeigte.

»Wasser? Kaffee?«

»Wie wär’s mit einem Gin Tonic?« Kim ging die Wand zum Nachbarbüro ab, wobei ihre Absätze auf dem Parkett klackerten. Statt der üblichen Angeberurkunden und Diplome hatte Toffi ein Dutzend Ablehnungsschreiben rahmen lassen. Absagen seiner Bewerbungen bei namhaften Kanzleien, die ihn dazu motiviert hatten, sich mit einer eigenen Sozietät selbstständig zu machen. Einige der Anwälte, die ihn damals abgelehnt hatten, arbeiteten jetzt für ihn. Wenn das Gerücht stimmte, waren sie die Einzigen, die auch samstags im Anzug kommen mussten.

»Also, was hast du herausgefunden?«, fragte Kim, nachdem Toffi ihr erklärt hatte, dass es in seinem Büro keinen Alkohol gebe.

Sie ging zur Sitzecke. Sie bestand aus einer Kino-Klappsitzreihe, der zwei Flugzeugsitze (einmal Business-, einmal Economy-Klasse) gegenüberstanden.

»Was ist deine angeblich heiße Spur, Toffi?«

Sie setzte sich auf den ledernen Business-Class-Sessel und strich ihren Rock glatt, während Toffi stehen blieb und ihr ein Glas Leitungswasser in die Hand drückte.

»Kennst du die 80-Prozent-Regel?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Viele halten es für ein Klischee, aber du kannst jeden Ermittler fragen: In achtzig Prozent aller Gewaltdelikte findet sich der Täter im nahen Angehörigenkreis.«

Sie hob die Augenbrauen. »Aber du hast doch vorhin gesagt, du glaubst nicht, dass Max Jola entführt hat, sondern, dass er dazu gezwungen wurde, so durchzudrehen.«

»Ja, und dabei bleibe ich auch.«

Sie nippte an ihrem Glas. »Dann verstehe ich nicht, was du mir damit sagen willst.«

»Ganz einfach: Ich rede nicht von Max. Ich rede von dir!«

»Du denkst …?« Kim zeigte auf sich selbst und lachte kieksend.

»Nicht nur ich habe dich im Verdacht. Ich schätze, es wird nicht lange dauern, dann weiß auch die Polizei, was meine Leute herausgefunden haben.«

»Und das wäre?«

»Dass du gestern nicht von Newark losgeflogen bist. Dass du in gar keinem Flieger warst. Ich habe deinen Dienstplan überprüft.«

»Und?« Sie schluckte unbewusst den zähen Speichel herunter, der sich in ihrem Mund gesammelt hatte.

»Und nach der 80-Prozent-Regel macht dich das verdächtig, Schnuckel.«

»Blödsinn.«

Er nickte, als habe er mit dieser Antwort gerechnet. »Schau mich mal an, bitte. Hast du dich jemals gefragt, weshalb meine Freundin wie ein Victoria-Secret-Model aussieht, obwohl ich optisch eher eine Mischung aus dem Glöckner und Tyrion Lennister bin?«

»Geld?«

»Hm, hm.« Toffi tippte sich an die Stirn. »Köpfchen, mein Hase. Menschenkenntnis oder Empathie. Nenn es, wie du willst, aber ich kann emotionale Gedanken lesen. Ich spüre, wie andere Menschen ticken. Das hilft mir im Gerichtssaal ebenso wie im Bett mit einer schönen Frau. Und es hilft mir zu erkennen, wenn mir eine angeblich zu Tode erschrockene Mutter Furcht und Verzweiflung vorheuchelt, so wie du vorhin im Krankenhaus am Bett deines Mannes.«

Kim rollte mit den Augen. Ein anderer Mann, die gleichen Vorwürfe.

»Ich habe nicht geheult, also bin ich verdächtig?«

Toffi lächelte spöttisch. »Nein, du hast die Wut und Verzweiflung nur gespielt. Das hat mich irritiert. Ebenso wie die Tatsache, dass du ständig auf dein Handy geschaut hast und nach einem langen Telefonat, für das du aus dem Zimmer gegangen bist, nach Hause fahren wolltest. Jede andere Mutter hätte die Beamten nach ihrer Strategie gelöchert und mich gebeten, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um nach Jola zu suchen.«

»Ich bin aber nicht wie jede andere Mutter.«

»Das will ich damit sagen.«

Verdammt, was bildet der sich ein?

Kim nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas, das sie dem Gnom am liebsten an den Kopf geworfen hätte. »Du hältst dich also für einen Frauenversteher, ja? Dann sag ich dir mal was, Professor Selbstüberschätzung: Ich habe keine Angst um Jola. Ja, das stimmt. Und ich fühle mich schlecht dabei. Wie eine Mutter, die ihr Neugeborenes nach der Geburt nicht im Arm halten will, weiß ich, dass es falsch ist, aber ich kann nicht gegen meine Natur an.«

Während sie sprach, schwappte das Wasser aus dem Glas auf ihr Kostüm.

»Ich wollte nie ein Kind, Toffi. Das war Max’ Idee. Ich hab weder seinen Gluckeninstinkt noch sein Helfersyndrom. Er war die treibende Kraft dahinter, Jola in Pflege zu nehmen.«

»Du wolltest lieber unabhängig bleiben.« Toffi nickte.

»Wieder falsch. Ich wollte keine Angst haben. Weißt du, was Kinder bedeuten? Sorgen. Tausende, Millionen an Sorgen. Dass sie im Schlaf ersticken, beim Schwimmen ertrinken, von einem Betrunkenen überfahren oder in der U-Bahn abgestochen werden. Ich wollte mich niemals sorgen. Niemals in der Notaufnahme warten, bis ein Arzt kommt, der mit den Schultern zuckt. Niemals zu dem See gerufen werden, dessen Eisdecke nachgegeben hat. Und nie, nie, nie wollte ich auf einen Anruf der Polizei warten, ob mein Kind, das in den Fängen eines Perversen ist, endlich gefunden wurde. Verstehst du das?«

Toffis Miene blieb reglos.

»VERSTEHST DU?«, brüllte Kim mit Tränen in den Augen.

»Wo warst du gestern Abend?«, fragte er ungerührt.

»Ach leck mich doch.«

»Wo?«

Sie stand auf. »Du willst hören, dass ich mit einem anderen Mann gevögelt habe? Schön, ja, ich gebe auch das zu. Ich habe eine Affäre. Das ist kein Geheimnis, frag unseren Paartherapeuten. Und ja, auch das ist ein Grund, weshalb ich mich über die Jahre von Jola entfremdet habe. Lange Zeit war sie das Einzige, was mich an den Loser gekettet hat.«

»Und jetzt ist es der fehlende Ehevertrag, nicht wahr? Wer zahlt schon gerne Unterhalt«, unkte Toffi mit gespielt bedauernder Miene.

Kim lächelte angewidert.

Dieses selbstgerechte Arschloch.

»Sonst noch was?«

»Ja.«

Toffi ging zu seinem Schreibtisch und nahm einen Stift in die Hand. »Die Adresse und seinen Namen.«

»Von wem?« …