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Arno Strobel - „Die Flut“

ISBN: 9-783-596-19835-1

 

Klappentext:

Grausame Morde geschehen auf der Nordseeinsel Amrum. Paare werden entführt und nachts am Strand umgebracht. Besonders brutal: Der Mörder lässt den Mann dabei zusehen, wie seine Frau in der Flut ertrinkt. Er hat den perfekten Plan. Sie werden ihn nicht kriegen. Er weiß, wie er sie täuschen muss. Sie haben keine Ahnung. Dafür hat er gesorgt. Und er ist noch längst nicht fertig …

 

Inhalt:

Auf Amrum passieren grausame Morde. Der Mörder braucht dazu Pärchen. Die Frau vergräbt er im Sand und wartet dann auf die Flut. Während der Mann bei diesem Szenario gefesselt in ihrer Nähe ist. Er kann mit ihr reden, ihr jedoch nicht helfen.

Aus Kiel kommen Ermittler, um den Fall schnellstmöglich aufzuklären. Doch der Chefermittler bringt eine nicht so lupenreine Vergangenheit mit nach Amrum. Und er scheint genau den selben Fehler wie damals wieder zu begegnen.

Ein Tourist wird verdächtig, der sich mit drei weiteren Leuten in ein Ferienhaus eingemietet wird. Die Art des Kommissars entzweit die Gruppe. Es kommt zu Streitigkeiten, Unsicherheiten und Zweifeln.

Während ermittelt wird, passieren weitere Morde und ein Beinahe-Mord. Und der Täter ist am Ende ein ganz anderer, als ich es mir beim Lesen so gedacht habe.

 

Leseprobe:

… »Ich habe gehört, Sie waren Lehrer und sind vorzeitig pensioniert worden. Was war der Grund dafür?«

»Steht das in irgendeinem Zusammenhang mit Ihren Ermittlungen?«

»Wie wäre es, wenn Sie einfach meine Frage beantworten?«

Feldmann sah Jochen an. »Muss ich das beantworten?«

»Nein, aber es würde vieles erleichtern, wenn Sie es tun.«

»Das gehört zu meiner Privatsphäre. Ich werde diese Frage nicht beantworten.«

Mit einem klatschenden Geräusch landeten Harmsens Handflächen auf seinen Oberschenkeln. »Dann brechen wir mal wieder auf und nutzen unsere Zeit, um uns mit Leuten zu unterhalten, die uns vielleicht weiterhelfen können. Oder wollen.«

Man konnte den Kampf förmlich an seinem Gesichtsausdruck ablesen, der in Feldmanns Innerem tobte. Schließlich nickte er resignierend.

»Also gut. Sie wollten wissen, ob ich in der Nacht etwas gesehen habe. Ich war nachts noch mal draußen. Ich schlafe nicht so gut. Ich glaube, da habe ich jemanden am Nachbarhaus gesehen.«

Harmsen zog eine Braue hoch. »Sie glauben es?«

»Ja, es war stockdunkel. Es war eine Bewegung, die ich wahrgenommen habe, aber ich bin ziemlich sicher, da war jemand.«

»Wann war das?«

Zum Zeichen, dass er nachdachte, blickte Feldmann an die Decke. »Das muss so gegen zwei gewesen sein.«

»Konnten Sie erkennen, wer es war?«

»Nein, ich sagte doch schon, es war stockdunkel. Ich habe eine Bewegung bemerkt und dann etwas, das wie eine Gestalt ausgesehen hat, die ums Haus gegangen ist.«

»Groß? Klein? Dick? Dünn? Irgendwas muss Ihnen doch aufgefallen sein.«

»Nein, ist es nicht. Ich konnte so wenig erkennen, dass es genauso gut ein Bär gewesen sein könnte, wenn es hier welche gäbe.«

Harmsen erhob sich. »Na gut. Immerhin haben Sie ja doch etwas bemerkt, das uns vielleicht weiterhelfen könnte.«

»Wir danken Ihnen für Ihre Hilfe«, fügte Jochen hinzu.

Nachdem sie sich vor der Tür von Feldmann verabschiedet hatten, schlug Harmsen den direkten Weg zum Nachbarhaus ein.

»Dann wollen wir doch mal hören, wer von den Herrschaften nachts da draußen herumgelaufen ist.«

»Wer sagt Ihnen denn, dass es einer von denen war? Falls überhaupt jemand dort war.«

»Mein Gefühl.«

Den Begriff Gefühl von Harmsen zu hören, das klang seltsam. Falsch.

Sie mussten einen kleinen Bogen machen, um zumEingang zu gelangen. Als sie auf die Tür zugingen, stieß Harmsen Jochen an und deutete auf die freie Fläche zwischen dem Haus und einer kleinen Scheune. Dort hing eine dunkle Jacke an einem zwischen den Gebäuden gespannten Seil und baumelte im Wind. Deutlich konnte man die große Kapuze erkennen.

»Hatte der Freund des Opfers nicht ausgesagt, dass der Täter eine dunkle Jacke mit Kapuze getragen hat? So eine wie die dort drüben?«

Jochen nickte. »Ja, und so eine, wie wahrscheinlich die Hälfte aller Männer auf dieser Insel sie tragen. Sie auch, zum Beispiel.«

Harmsen warf ihm einen Blick zu, den man fast schon als feindselig bezeichnen konnte, und stapfte kommentarlos zur Tür.

Auch hier mussten sie relativ lang warten, bis geöffnet wurde. Im Gegensatz zu ihrem Nachbarn war Martina Wagener allerdings wenig erfreut, sie zu sehen.

»Sie?«, sagte sie und zog die Tür hinter sich ein Stück zu, so dass Jochen und Harmsen nicht an ihr vorbei ins Innere sehen konnten. »So früh am Morgen? Bringen Sie endlich Michaels Brieftasche zurück?«

»Nein, so schnell geht das nicht. Wir haben noch ein paar Fragen.«

»Welche Fragen denn?«

Harmsen schnaufte. »Solche, die wir nicht vor der Haustür stellen.«

»Dürfen wir bitte reinkommen?«, fragte Jochen, als die Frau keine Anstalten machte, auf Harmsens Anspielung zu reagieren. »Es dauert auch nicht lang.«

Mit sichtlichem Widerwillen trat Martina Wagener zur Seite und öffnete die Tür. »Bitte schön. Sind alle in der Küche. Wir sind noch nicht lang mit dem Frühstück fertig. Eigentlich haben wir nämlich Urlaub, wissen Sie.«

Die Gesichter der restlichen Bewohner spiegelten in etwa das Gleiche wieder, was Jochen schon bei Martina Wagener gesehen hatte.

»Guten Morgen«, sagte Harmsen und setzte damit einen neuen persönlichen Höhepunkt in Sachen Benehmen. »Ich mache es kurz. Wir kommen gerade von Ihrem Nachbarn, Herrn Feldmann. Der erzählte uns, dass er in der Tatnacht gegen zwei Uhr jemanden hier vor Ihrem Haus gesehen hat. War jemand von Ihnen um diese Zeit draußen?«

Die vier sahen sich fragend an. Martina Wagener zuckte mit den Schultern. »Also ich ganz bestimmt nicht. Ich habe in der Nacht geschlafen wie ein Stein.«

Auch die anderen erklärten, an diesem Abend recht früh im Bett und danach nicht mehr draußen gewesen zu sein.

»Ja.« Harmsen nickte grimmig. »Und jeder von Ihnen kann sicher bezeugen, dass sein Partner die ganze Nacht über neben ihm im Bett gelegen hat, nicht wahr?«

»Wenn mich nicht alles täuscht, haben wir das gestern schon getan«, sagte Andreas und ließ keinen Zweifel daran, dass ihm Harmsen gehörig auf die Nerven ging.

»Ja, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass manchen Leuten beim zweiten Nachfragen doch noch etwas einfällt, woran sie beim ersten Mal nicht gedacht haben.«

»Wie sie hören, ist das bei uns nicht der Fall«, bemerkte Julia Schönborn, die sich bis zu diesem Moment ebenso wie ihr Lebensgefährte zurückgehalten hatte.

»Also gut. Dann muss ein Fremder in der Tatnacht um Ihr Haus geschlichen sein. Vielleicht sogar der Mörder. Ich an Ihrer Stelle würde zusehen, dass nachts alles gut abgeschlossen ist. Ach, und noch eine Frage: Wem von Ihnen gehört die Jacke, die draußen an der Leine baumelt?«

»Die gehört mir, warum?« …