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Kathy Reichs - „Hals über Kopf“

ISBN: 9-783-442-36976-8

 

Klappentext:

Tempe Brennan ist zurück – und der Tod wartet schon! Was wie ein harmloser Exkurs auf eine idyllische Ferieninsel beginnt, endet für die forensische Anthropologin Tempe Brennan in einem Albtraum. Archäologische Grabungen im Sand von Dewees Island, South Carolina, fördern nicht nur bestattete Ureinwohner zutage, sondern auch eine Leiche, die erst vor wenigen Jahren verscharrt worden ist. Damit nicht genug. In einem Sumpfgebiet auf dem Festland werden Überreste eines vermeintlichen Selbstmörders entdeckt. Eigenartige Einkerbungen an den Halswirbeln des Toten sagen Tempe, dass eine makabre Verbindung zwischen den beiden Fällen bestehen muss.

 

Inhalt:

Eigentlich wollte Temperance Brennan nur eine Kollegin bei einer Ausgrabung vertreten. Doch was die Studenten da aus der Erde kratzen ist kein altes Skellet, sondern ein noch nicht wirklich altes Mordopfer.

Dieses Opfer und auch die weiteren, welche alle durh einen gewissen Zufall gefunden werden, weißen alle die gleichen Verletzungen am Sklellet auf. Und Temperance und ihre Kollegen tappen eine lange Zeit im Dunkeln, um was es sich handelt.

Außerdem hat Temperance mit der Eifersucht ihres Freundes Ryan zu tun. Dem passt es nämlich gar nicht, dass sie mit ihrem Noch-Mann in einem und dem dem selben Haus lebt.

Doch Ryan kann nach einer eher zufälligen Unterredung über seinen Schatten springen und ist Tempe eine große Hilfe, als ihr Noch-Mann angeschossen wird. Ein Schuss, der eigentlich ihr gallt.

Die Ursache der Verletzungen können gefudnen werden. Dabei deckt man einen großen Skandal auf und dann gibt es auch noch ein Durcheinander mit den Verhaftungen.

 

Leseprobe:

… Gullet doppelklickte auf das erste Quadrat. Ein Bild erschien.

Es zeigte ein zweigeschossiges Backsteingebäude mit einer Tür in der Mitte und Panoramafenstern links und rechts. Weder die Tür noch die Fenster wiesen irgendeine Beschriftung oder ein Logo auf. Es gab auch keine Straßenschilder oder Adresstafeln, die Aufschluss über den Standort hätten geben können. Geschlossene Jalousien versperrten den Blick ins Innere.

»Minimale Tiefenschärfe«, sagte ich. »Ziemlich grobkörnig. Muss aus einiger Entfernung mit einem Teleobjektiv aufgenommen worden sein.«

»Gutes Auge«, sagte Pete.

»Kennen Sie das Gebäude?«, fragte ich Gullet.

»Es ist nicht die Rainbow Row, das ist mal sicher. Ansonsten könnte es überall sein.«

Die nächsten Fotos zeigten dasselbe Gebäude aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Auf keinem war ein Nachbargebäude oder irgendein anderer Orientierungspunkt zu sehen.

»Gehen Sie mal auf das«, sagte ich und zeigte auf die Vorschau, die einen Mann beim Verlassen des Hauses zeigte.

Gullet klickte auf das Quadrat.

Der Mann war von durchschnittlicher Größe, aber kräftig. Er hatte dunkle Haare und trug einen Regenmantel mit geschlossenem Gürtel und einen Schal. Er schaute nicht in die Kamera, schien sich ihrer auch nicht bewusst zu sein.

Das nächste Foto zeigte einen anderen Mann, der ebenfalls aus der Tür trat. Auch er hatte dunkle Haare, war aber größer und muskulöser als der erste, wahrscheinlich auch jünger. Dieser Mann trug Jeans und eine Windjacke. Wie der erste schaute auch er nicht in die Kamera.

Auf dem nächsten Foto war eine Frau. Schwarz. Blonde Haare. Dick. Sehr dick.

Die CD enthielt insgesamt zweiundvierzig Bilder. Bis auf die ersten zeigten alle Personen, die dieses Gebäude betraten oder verließen. Ein Junge mit einem Arm in der Schlinge. Ein Mann mit Hut. Eine Frau mit einem Baby in einem Tuch vor der Brust.

»Verändern Sie mal die Ansicht«, schlug ich vor und deutete auf ein Symbol in der Befehlszeile.

Gullet klickte auf den Pfeil am rechten Rand des winzigen blauen Fensters und zögerte dann.

»Versuchen Sie mal Details«, sagte ich und gab mir Mühe, nicht zu herrisch zu klingen.

Gullet doppelklickte die letzte Option, und auf dem Schirm erschienen Datentabellen. Die letzte Tabelle lieferte Datum und Zeit der Aufnahmen der einzelnen JPG-Dateien.

»Die Fotos wurden alle am vierten März zwischen acht und sechzehn Uhr aufgenommen.« Pete stellte das Offensichtliche fest.

»Standleitung zu Rejewski?«, fragte ich leise.

Der lettische Weise ignorierte meinen Seitenhieb.

Gullet kehrte zur Bildvorschau zurück und öffnete das erste Bild noch einmal. »Also war Cruikshank am vierten März noch am Leben.« Monoton. »Und er überwachte dieses Haus.«

»Oder jemand anders tat es und gab dann Cruikshank die CD.«

»Letztendlich ist das unwichtig. Der Mann hat Selbstmord begangen.« Gullet schaute mich über die Schulter hinweg fragend an. »Es war doch ein Selbstmord, oder, Ma’am?«

»Die Todesart könnte –« Ich suchte nach dem richtigen Wort. »– kompliziert sein.«

Gullet drehte sich nun ganz zu mir um. Pete stützte eine Hand auf den Aktenschrank. Plötzlich stand ich im Mittelpunkt des Interesses.

Ich beschrieb die Verletzung an Cruikshanks sechstem Halswirbel, und Gullet hörte mir zu, ohne mich zu unterbrechen. Dann erklärte ich, dass das Skelett, das Emma und ich in dem flachen Grab auf Dewees gefunden hatten, dieselbe Verletzung aufwies.

»Beide waren weiße Männer in den Vierzigern«, stellte Gullet unbeeindruckt und ohne sonderliches Interesse fest.

Ich nickte.

»Könnte ein Zufall sein.«

»Könnte.« Ein Zufall so groß wie die Serengeti.

Gullet drehte sich wieder zum Computer um. »Wenn Cruikshank nicht durch eigene Hand gestorben ist, dann stellt sich die Frage, wer ihm geholfen hat. Und warum. Und welche Bedeutung das Haus auf diesen Fotos hat.«

»Könnte sein, dass das Haus nebensächlich ist«, bemerkte ich. »Vielleicht galt sein Hauptinteresse ja einer der Personen.«

»Nur eine CD ist beschriftet«, sagte Pete. »Mit Helene Flynns Namen.«

»Wir sollten mal in die anderen reinschauen«, schlug ich vor.

Was wir auch taten. Alle waren leer.

»Sie haben sämtliche Kartons durchsucht?«, fragte Gullet.

»Bis auf einen.«

Wir gingen in das Besprechungszimmer zurück. Der letzte Karton hatte ursprünglich Gläser mit Hellman’s Mayonnaise enthalten. Pete und Gullet sahen zu, wie ich ihn öffnete.

Bücher. Gerahmte Fotos. Ein Album. Eine Trophäe. Andenken an den Polizeidienst.

Keine CDs.

»Gehen wir einmal ein paar Schritte zurück«, sagte Gullet, als ich den Karton wieder verschloss. »Kann sein, dass Cruikshank dieses Gebäude überwachte, kann sein, dass es jemand anders war. Wenn es jemand anders war, wer? Und warum? Und welches Interesse hatte Cruikshank an diesen Fotos?«

»Und wie ist er zu ihnen gekommen?«, fragte Pete.

Ich überlegte einen Augenblick.

»Es gibt mehrere Möglichkeiten.« Ich zählte sie an den Fingern ab. »Eins: Er hat sie selber geschossen. Zwei: Er hat die CD von irgendjemand erhalten. Drei: Er hat eine Kamera-Smartcard oder einen Foto-Chip bekommen. Vier: Er hat die Bilder auf elektronischem Weg erhalten.«

»Heißt, wir wissen rein gar nichts.«

»Doch, etwas sehr Wichtiges wissen wir.«

Beide Männer schauten mich an.

»Um von einer Kamera oder Smartcard oder einer Web-Site downzuloaden? Um eine E-Mail zu erhalten? Um Dateien auf CDs zu kopieren? Um Bilder auf einer CD anzuschauen?«

Pete und Gullet sprachen jetzt gleichzeitig.

»Cruikshank hatte einen Computer.«

»Ich würde sagen, es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit. Vielleicht sogar eine Digitalkamera.«

Gullet kniff verärgert die Augen zusammen. Vielleicht. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein.

»Zeit, dem guten Hausbesitzer Parrot einen weiteren Besuch abzustatten.«

Ich deutete zu Cruikshanks Akten und Karton Nummer acht. »Dürfen wir das da unterdessen mitnehmen?«

Gullet steckte sich die Daumen in den Gürtel und schob die Unterlippe vor. Sekunden vergingen, und ich wusste nicht so recht, ob er meine Bitte ignorierte oder darüber nachdachte. Dann zog er die Hose hoch und atmete lang aus.

»Um ehrlich zu sein, mir fehlt im Augenblick ein Deputy. Miz Rousseau vertraut ihnen so sehr, dass sie Sie in alles einweiht, da schätze ich, es kann nicht schaden, wenn Sie in diesen Kartons ein wenig stöbern. Lassen Sie vorher Inventarlisten erstellen und bestätigen Sie den Erhalt der Kartons. Und denken Sie an die Sicherheit.« Gullet ließ die Liste seiner Ermahnungen unvollständig. Warum auch das Offensichtliche erwähnen?

Wir fuhren eben nach Mount Pleasant hinein, als mein Handy klingelte. Pete saß am Steuer.

Ich zog den Apparat aus meiner Handtasche. Das Display zeigte eine örtliche Nummer, die ich nicht kannte. Erst wollte ich das Klingeln ignorieren, doch dann überlegte ich es mir anders. Was, wenn der Anruf Emma betraf?

Ich hätte meinem Instinkt folgen sollen. …