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Vierginia Bergin - „Storm – Die Auserwählte“

ISBN: 9-783-737-35156-0

 

Klappentext:

Drei Monate nach dem ersten tödlichen Regen, macht Ruby eine erschreckende Entdeckung: Um ein Heilmittel gegen das tödliche Virus zu finden, werden Experimente an Kindern durchgeführt! Als Ruby herausfindet, dass auch ihre Freunde unter den gefangenen Kindern sind, startet sie eine dramatische Rettungsaktion. Dabei stellt sich heraus, dass Ruby gegen das Virus immun ist. Doch das darf niemand erfahren, denn die Wissenschaftler haben ganz andere Pläne – und Ruby muss wieder fliehen. In einer Welt, in der Geld und Profit wichtiger als Menschenleben sind, kämpft Ruby ums Überleben, doch der Ausgang ist ungewiss. Die Presse über ›Rain – Das tödliche Element‹: 'Das Ende der Welt, brillant inszeniert.' Manuela Kalbermatten, 1000 und 1 Buch 'Eine packende Lektüre für Hartgesottene.' Westfalen Blatt

 

Inhalt:

Ruby, eine Jugendliche, hat als Einzige den Regen überlebt. Normalerweise sterben die Leute einen qualvollen Tod, wenn sie mit dem Regenwasser in Berührung kommen.

Ruby trifft eines Tages auf ihre Freundin. Die war bisher in einem der Army-Camps in Sicherheit. Doch mit dem, was dort geschieht, war sie nicht mehr einverstanden. - Auf einer Party kommt die Freundin mit Regenwasser in Berührung. Man hackt ihr den Fuß ab. Ruby bringt sie in das nächste Army-Camp, um ihr das Leben zu retten.

Ruby ist rebellisch, findet heraus was sie mit Kindern machen, gerät in den Regen und wartet nun auf den Tod. Der Tritt  aber nicht ein. Statt dessen wird nun sie selber zu einem gefragten Forschungsobjekt.

Ruby kann fliehen, kennt nun aber das Geheimnis eines Gegenmittels und wird verfolgt. sie rettet ein Mädchen, das sich auch als immun erweist, findet ihren Vater und seine neue Familie und gerät doch wieder in die Fänge vom Militär. - Doch hier bekommt sie Hilfe. Von jemandem, von dem sie es nicht erwartet hat.

 

Leseprobe:

… »Nein … Augenblick, tut mir leid, aber, worüber haben Sie gerade gesprochen?«, frage ich.

»Das ist bloß Wasser«, sagt der Brüllaffe, der den Behälter unter meinen Arm gehalten hat. »Wir lassen nur Wasser über deinen Arm laufen und fangen es anschließend auf.«

»Es tut nicht weh«, knurrt die Faucherin. »Und beweist außerdem rein gar NICHTS«, fügt sie hinzu, an die beiden anderen gewandt. »Denn es ist genetisch«, stimmt sie die bekannte Melodie an, schnappt nach meinem Arm und bekommt ihn zu fassen.

»Nein, ist es nicht«, erwidert der Brüllaffe erwartungsgemäß.

»Was haben Sie über meine …«, setze ich an, aber der Countdown der Faucherin bringt mich zum Schweigen.

»Drei … zwei … eins …«

Ich zucke zusammen, als kaltes Wasser über meinen Arm rinnt. Ich weiß, welches Wasser das ist. Kann schon sein, dass es mir draußen im Regen nichts ausgemacht hat, aber ich will es trotzdem nicht in meiner Nähe haben.

»Also, ähm, was haben Sie da über Genetik und so gesagt? Und über meine Familie?«

Ich beobachte, wie das Wasser über meinen Arm rinnt und in den Behälter platscht. Tropf, tropf, tropf.

»Wir hatten einen negativen Befund«, sagt der Brüllaffe.

Sie sehen ebenso gebannt zu wie ich: Tropf, tropf, tropf.

»Einen negativen Befund von was …?«, frage ich. In der Schule hat mich Biologie immer total genervt, und ich habe echt keine Ahnung davon, doch anscheinend – tropf, tropf, tropf – sind trotz allem irgendwelche Informationen hängengeblieben. Wie können sie beispielsweise über die Gene meiner Mutter Bescheid wissen? Woher wissen sie …

»Von DNA-Proben«, grummelt der Grummler.

Tropf, tropf, tropf.

»Und wie sind Sie an die Proben gekommen?«, frage ich.

»Von mir aus kann’s losgehen«, grummelt der Grummler.

»In Ordnung«, sagt der Brüllaffe, und der Grummler zieht das Wasser aus der Schüssel in eine Spritze auf.

Nein. NICHT in Ordnung. Ich packe sein Handgelenk. Mir wird mit einem Mal bewusst, wie viel Angst diese Leute vor mir haben. Bisher war ich für sie nur ein Problem, das sie lösen mussten … und plötzlich bin ich ein sehr beängstigendes, reales Problem. Ein interaktives Problem.

»Wie sind Sie an die D-N-A gekommen?«, frage ich langsam und betone jeden einzelnen Buchstaben, damit sie denken, dass ich genau weiß, wovon sie reden, obwohl ich keinen blassen Schimmer habe. Immerhin weiß ich, dass die DNA dieses Zeugs ist, das sich in jedem Lebewesen befindet; die DNA macht jeden zu dem, was er ist: Dich zu dir und mich zu mir.

Der Brüllaffe zieht seine Hand vorsichtig aus dem Plastikkäfig. Sehr langsam und sehr ängstlich.

»Wie?«, frage ich den Grummler. Er ist derjenige, den ich zu fassen gekriegt habe, er hält die aufgezogene Spritze in der Hand.

»Frag sie doch«, grummelt er und meint damit die Faucherin, deren Hände ebenfalls verstohlen den Rückzug antreten.

Der Brüllaffe muss auf irgendeinen Notfallknopf gedrückt haben, denn plötzlich stürmt ein Haufen Leute herein, darunter auch die Frau, die mich immer so viel fragt. Auch jetzt hat sie den unvermeidlichen Notizblock in der Hand.

»Ruby, was ist denn eigentlich hier los?«, fragte sie sehr ruhig, aber in diesem leicht genervten, klassischen Elterntonfall. Ihre Stimme bringt mich für einen Augenblick aus dem Konzept, denn mit ihr habe ich viel mehr geredet als mit den anderen. Was hatten wir uns bisher schon groß zu sagen, ich und die Leute mit den Nadeln und Wattebäuschchen?

»Ich … ich hab bloß eine Frage gestellt, mehr nicht.«

»Ruby, wenn du Professor Beardsall jetzt loslässt, beantworten wir dir deine Fragen gern.«

Klingt supervernünftig, oder? Ich komme mir schon richtig grausam vor, aber wisst ihr was? »Also, ich lasse Professor …«

Vor lauter Stress spuckt mein Gehirn den Namen einfach nicht aus. Aber vielleicht liegt es nicht am Stress, sondern daran, dass ich immer nur wie ein Papagei wiederholt habe, dass ich mich nicht an Namen erinnern kann, und jetzt ist dieser Teil meines Verstandes tatsächlich dauerhaft geschädigt.

»Beardsall«, grummelt der Grummler. »Ich heiße Beardsall.«

»Er ist unser bester Mikrobiologe …«, sagt Dr. Dauerfrage.

»Pffft!«, schnaubt die Faucherin vernehmlich.

»… und er ist sehr, sehr wichtig für uns, Ruby, genau wie du.«

»Und genau wie diese Probe«, grummelt Professor Beardsall.

Das setzt mich wieder auf die richtige Spur. »Ich will bloß wissen«, sage ich zu ihm gewandt, »woher Sie die anderenProben haben? Wie sind Sie an die D-N-A gekommen?«

»Weißt du, Ruby«, sagt Dr. Dauerfrage und kommt näher an mein Plastikgefängnis – wodurch sie mir ärgerlicherweise die Sicht versperrt. Ich kann nicht mehr sehen, was die anderen aushecken – denn irgendwas hecken sie aus; soeben kriecht jemand an der Rückseite meines Plastikkäfigs entlang. »Du hast uns schon so viel geholfen, und das ist einfach toll. Du darfst nicht vergessen, dass du sehr vielen Leuten dadurch hilfst, Leuten wie deiner Mutter …«

Oh, lass das.

»Und deinem Stiefvater …«

Sie muss schnell auf ihrem Notizblock nachgucken, wie er heißt. Dafür hasse ich sie.

»Simon«, sage ich, bevor sie den Namen vorlesen kann.

»Oder Henry, deinem Bruder.«

»HALB-Bruder«, sage ich.

Geliebter Baby-Biest-Bruder, verzeih mir. Das war immer total bedeutungslos für mich, mein Lieber. Absolut bedeutungslos. Ich ertrage es einfach nicht, dass diese Tussi sich aufführt, als wüsste sie Dinge, von denen sie überhaupt keine Ahnung hat. Sie kennt nur Aufzeichnungen auf Papier. Ich kannte einen kleinen Jungen.

»Ihr habt sie angefasst?«

»Wir brauchten die Proben.«

»Habt ihr sie geschnitten? Habt ihr in Henry … hineingeschnitten?«

»Wir haben Gewebeproben entnommen.«

Ich verliere die Beherrschung. Yiii-haaa trifft es nicht mal annähernd. Ich verliere komplett die Beherrschung und gehe auf Dr. Dauerfrage los, Dr. Bei-Deinem-Anblick-Wird-Mir-So-Schlecht-Dass-Ich-Stundenlang-Kotzen-Könnte. So nenne ich sie von jetzt an. Mir ist bis in mein Innerstes kotzübel, Dr. BDAWMSSDISKK.

Das Problem ist nur, dass ich auf niemanden losgehen kann, oder? Da ist nämlich eine Plastikwand im Weg. So ungefähr eine Million Hände tauchen in meinen Gummihandschuhbereich ein, packen mich, packen Nadeln, packen … oh, da schreit jemand auf. Es ist der grummelnde Professor.

»Stich! Stich! Stich!«, brüllt er, zieht die Hand aus meinem Plastikkäfig, und die Spritze, die in seiner Hand gesteckt hat, fällt auf mein Bett.

»Stichverletzung!«, rufen alle durcheinander – aber niemand kommt ihm zu Hilfe. Niemand traut sich auch nur in seine Nähe.

Der Professor hört auf zu schreien; er reißt sich den Helm seines Anti-Ruby-Bioschutzanzuges herunter. Er weicht vor den anderen in eine Ecke zurück. Er weint und umklammert sein Handgelenk, den Gummihandschuh hochgestreckt.

»Jemand muss Thurley holen«, kommandiert der Brüllaffe.

»Der ist im OP«, schreit jemand zurück.

Aber das ist kein normales, verärgertes Geschrei. Sie schreien vor Stress. Das weiß ich genau, weil ich selbst laut werde, wenn ich unter Stress stehe.

»Thurley kann mir auch nicht mehr helfen«, sagt der weinende Professor, trotzdem stürzt jemand los, um den Chirurgen zu holen.

»Wir brauchen den Rest der Probe«, sagt der Professor, und dann kann er gar nicht mehr damit aufhören, diesen Satz zu wiederholen, und seine Stimme wird immer lauter. Das Stressgebrüll eines weinenden Mannes.

Mir fällt auf, dass die Faucherin überhaupt nichts sagt. Das fällt mir echt auf. Gerade ist was Entsetzliches passiert, und alles ging so schnell, aber habe ich etwa nicht gesehen – habe ich das tatsächlich gesehen? –, wie die Faucherin diesem Typ die Spritze in die Hand gejagt hat? Ich bin es jedenfalls nicht gewesen, da bin ich mir hundertprozentig sicher. Ich war’s bestimmt nicht.

Dr. BDAWMSSDISKK steuert wieder auf meinen Käfig zu.

»Ruby, kannst du uns bitte die Spritze geben?«

»Ich bin nicht dran schuld!«, brabbele ich und lege die Spritze in einen der Schiebebehälter, mit denen alles aus meinen Plastikkäfig hinaus- oder in ihn hineinbefördert wird. …