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Robert Mawson - „Das Lazaruskind“

ISBN: 9-783-442-44678-0

 

Klappentext:

Der sensationelle Bestseller des neben Nicholas Evans wohl erfolgreichsten britischen Autors unserer Tage. Nach einem tragischen Unfall liegt die kleine Frankie im Koma. Als ihre Familie von einer Ärztin hört, die Kinder aus diesem Schattenreich zurückgeholt hat, schöpft sie neue Hoffnung. Tatsächlich gelingt es Dr. Elizabeth Chase, eine Verbindung in jene dunkle Traumwelt aufzubauen, in die Frankie geflohen ist. Doch das Mädchen hat die Schwelle zum ewigen Schlaf überschritten. Gemeinsam mit Frankies Bruder Ben macht sich Dr. Chase auf zu einer Expedition in das dunkle Paradies am Grunde unseres Seins - dorthin, wo der Tod näher ist als das Leben …

 

Inhalt:

Ben muss seine Schwester und deren Freundin zur Schule begleiten. Er findet das peinlich. Also will er nur mal eben über die Straße, um sich eine Rolle Pfefferminz zu holen. Er glaubt, die Mädchen bekommen das nicht mit. Doch dann muss er den schrecklichen Unfall mit ansehen.

Frankie, seine Schwester, leigt im Koma und Ben ist psychisch so angegriffen, dass er weißes Haar bekommt.

Die Eltern, die getrennt leben, raufen sich durch diesen Schicksalsschlag wieder einigermaßen zusammen. Die Hoffnung, dass Frankie wieder wach wird, hält sie hoch. - Doch man tut in der Klinik nichts weiter, als Frankie zu überwachen.

In den USA gibt es eine Klinik, die sich auf Patienten wie Frankie spezialisiert hat. Dort soll Frankie hin gebracht werden. Dich die Entscheidung fällt nicht leicht und ist auch eine finanzielle Frage. Auch Bein sein Zustand macht mehr und mehr Sorgen.

In der Klinik angekommen, beginnt man zwar mit der Behandlung, aber von Geld ist keine Rede mehr. Nur nach und nach stellt sich heraus, welche Probleme das Institut gerade hat.

Gerade als die Behandlung von Frankie auf einem guten Weg ist, wir der Chefärztin die Handhabe entzogen. Unter dem Deckmantel vom Kindeswohl bringt man Bend und Frankie in große Gefahr.

Die Eltern und das Team des Instituts müssen zu drastischen Mitteln greifen.

 

Leseprobe:

… Nach und nach kehrten die Schestern zu ihren Pflichten zurück. Sie blieb noch ein paar Minuten, trank ihren Kaffee und starrte auf das Foto. Dann stand sie auf und ging langsam zum Aufzug. Auf dem Weg dorthin kam sie noch einmal am Schwesternzimmer vorbei, in dem zwei Schwestern saßen. Sie lächelten ihr zu und sagten: „Viel Glück.“

„Danke“. Sie stopfte das Foto wieder in ihre Tasche, ging zum Fahrstuhl und drückte auf den Knopf.

„Mrs. Heywood? Einen Moment bitte.“ Es war die Stationsschwester, und die Gummisohlen ihrer Schuhe quietschten, als sie ihr über den Flur entgegenkam.

„Ich wollte nur sagen“, begann sie, und ihre grauen Augen suchten Alisons Blick, „Dasß alles gute Frauen sind.“ Sie wies mit dem Kopf in den Korridor. „Sie müssen ihnen verziehen, wenn sie den Eindruck machen, als würde sie Sie nicht verstehen. Wenn jemand einen kranken Patienten ihrer Pflege entzieht, können sie daraus nur schließen, daß ihre Pflege nicht gut genug war.“

„Oh, aber das ist nicht wahr“, flehte Alison. „Ich hab doch versucht, es zu erklären, ich hoffe ehrlich, daß sie mir glauben.“

Die Stationsschwester verzog die Mundwinkel zu einem winzigen Lächeln. „Vielleicht, das hoffe ich auch. Es ist weiß Gott schwer genug, in Zeiten wie diesen die Moral hochzuhalten“ Ihre Augen flackerten. „ich weiß nicht, ob ich das, was Sie tun, billigen kann. Aber diese Entscheidung steht mir auch gar nicht zu. Trotzdem wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen Glück und ich hoffe, Sie finden, wonach Sie suchen.“ Sie machte unvermittelt einen Schritt nach vorn und kniff Alison in die Wange. „Gott segne Sie.“ Dann wandte sie sich rasch ab und quietschte den Flur hinunter.

 

***

 

Das Telefon klingelte erneut. Jack riß den Hörer von der Gabel. „Heywood.“

„Gateskill hier. Myriad Air Services.“

Jack lehnte sich zurück. Das war ja verdammt schnell gegangen. Doch dann wurde ihm klar, daß es auch absolut vorhersebahr war. David Gateskill war ein Meister im Zuschlagen-bevor-dir-jemand-zuvorkommt.

„Ich habe einen kurzen Blick auf Ihr Angebot geworfen“, fuhr Gateskill abschätzig fort. „Es birgt eine Menge Probleme.“

„Das dachte ich mir schon“, erwiderte Jack tonlos.

„Ich muß mir die Zahlen erst noch einmal ganz genau ansehen, bevor ich es ernsthaft in Erwägung ziehe.“

Mein Gott, das Schwein genoß die Situation regelrecht, dachte Jack wütend. „Zweifelsohne.“

„Sie müssen auf jeden Fall revidiert werden“, fuhr Gateskill wichtigtuerisch fort. „Und zwar beträchtlich nach unten, wenn es überhaupt klappen soll, obwohl ich mir selbst in diesem Fall nicht ganz sicher bin.“

„Warum umalles in de rWelt machen Sie sich dann überhaupt die Mühe, mich anzurufen?“ platzte es aus Jack heraus.

„Ich habe gehört, Sie brauchen eine G4.“

„Wie bitte?“

„Eine Gulfstream. Für einen gecharterten Krankentransport in die Staaten. Peter Baker von London Air Charter hat den ganzen Vormittag danach herumtelefoniert. Erst später habe ich begriffen, Daß sie für Hewood-Knight war.“

„Ja“, seufzte Jack und griff nach seinem Notizblock. Er hatte den Preis vor einer stunde bekommen. Astronomisch hoch, fast neuntausend Pfund.“

„Ziemlich kostspielig, nehme ich an.“

„Hm-hm.“

„Nehmen Sie unsere.“

Jack erstarrte. „Verzeihung?“

„Nehmen Sie sie.“ Es entstand eine Pause. „Sie ist für Ihre Tochter, nicht war?“

„Ja, nun, in der Tat, wir schicken sie in ein Spezial... Woher wußten Sie davon?“

Gateskill gluckste. „Du liebe Güte, Jack, das hier ist ein Flughafen. Gerüchte machen hier schnell die Runde als Gurkensandwiches auf der Gartenparty der Königin.“

Jack war überrascht. „Nun, das ist wohl wahr, aber wieviel? Die Kosten werden-

„Nehmen Sie sie. Und machen Sie sich keine Sorgen um die Kosten, das tut der verdammte kuwaitische Besizter auch nie. Sie müssen nur schnell zuschlagen, wenn Sie sie haben wollen. Die Maschine ist jetzt in Rom und fliegt am Wochenende für drei Wochen in den Mittleren Osten. Es müßte also morgen sein. Ich erzähl den Besitzern, daß wir das Flugzeug zur obligatorischen Generalinspektion nach eintausend Flugstunden zum Hersteller geflogen haben, die wäre ohnehin bald fällig. Wir machen hier einen Zwischenstopp und setzen Sie, ohne daß irgendwer das groß mitkriegen muß, in Norfolk ab, bevor wir nach Savannah weiterfliegen.

„Ja, aber das ist.... das ist unglaublich großzügig.“ Es war auch unglaublich riskant. Wenn die Besitzer je davon erfuhren, würden sie Myriads Vertrag ohne Zögern zerreißen. „Vielen Dan, David, das ist wirklich sehr nett von Ihnen.“

„Jack, wir kennen doch beide das Geschäft. Fressen oder gefressen werden. Wenn ich einen Mitbewerber ausstechen, einen Vertrag durch die Hintertür ergattern oder die Konkurrenz sonstwie austricksen kann, werde ich nie zögern, genau das zu tun. Aber ich möchte gern glauben, daß selbst ich davor zurückschrecken würde, aus dem familiären Unglück eines anderen Profit zu schlagen. Das Flugzeug wird morgen abend um sechs startklar vor Ihrem Büro stehen. Versuchen Sie, abflugbereit zu sein, das Timing ist ziemlich eng.“

„ja, okay. Gut, David, danke. Vielen  herzlichen Dank.“

„Ist mir ein Vergnügen, Jack, und viel Glück mit Ihrer Tochter.“

 

***

 

Jack platzte in die Küche, wo Alison und Ben zu Abend aßen. „Wie schnell können wir abflugbereit sein?“ fragte er atemlos und ließ seinen Aktenkoffer und einen großen Pappkarton auf den Boden fallen.

„Was ist denn das?“ fragte Alison von der Kühlschranktür her.

„Kram aus dem Büro. Wie schnell?“

„Nun ja, ich weiß nicht. Frankie ist bereit, und das Krankenhaus weiß Bescheid; ich war heute dort und habe den ganzen Papierkram erledigt. Aber ich habe noch nicht angefangen zu packen und das Haus-

„Pässe?“ Er fischte sich einen Keks vom Tisch und hielt ihn zwischen den Zähnen fest, während er sein Jacket auszog.

„Alles okay, die sind noch vom letzten Jahr gültig, aber_“

„Gut. Wir fliegen morgen.“

„Was?“ Alison starrte ihn fassungslos an. „Morgen?“ Ben blickte auf, Messer und Gabel noch in der Hand. „Aber, mein Gott...“ Sie begann sich mit wachsender Panik umzusehen. Janet kam, eine leere Teetasse in der Hand, in die küche. „Aber das wird nie-“ Plötztlich hielt Alison inne und starrte ihn an.

„Warum? Was ist passiert?“

„Morgen abend um sechs wartet am Flughafen eine Gulfstream, die uns direkt nach Virginia fliegen wird.“

„Uns?“

„Ich komme mit.“ Jetzt starrte ihn alle an.

„Aber was ist mit der Firma?“

„Ich habe sie heute nachmittag an Myriad verkauft. An David Gateskill. Er stellt uns auch die Gulfstream zur Verfügung. Umsonst.“

„Was? Gateskill?“

„Ja, das hab eich auch gedacht. Irre, was?“

„Aber, Jack, die Firma, deine Firma.“ Sie ließ sich vollkommen perplex auf den Stuhl neben Ben sinken. „Du hast Heywood-Knight verkauft. Einfach so. Bist du sicher?“

Er sah sie an. „Es ist okay. Ich fühle mich gut damit. Sogar sehr gut.“ Sie starrte ihn mit offenem Mund an, die Augen vor ungläubigem Entsetzen weit aufgerissen, ihre Wangen mit einemmal blaß. Er ging um den Tisch herum und hockte sich zwischen die beiden. „Alison, ich möchte es tun“, fuhr er leise fort und legte seinen Arm behutsam um ihre Schultern, während er Bend zuzwinkerte. „Aber ich möchte, daß wir es zusammen tun, wir alle zusammen. Und der Verkauf der Firma war die einzige Möglichkeit. Es war außerdem die einzige Möglichkeit, das Geld aufzubringen.“

„In diesem Punkt würde auch ich gern aushelfen“, sagte Janet und goß sich eine weitere Tasse Tee ein. „Wenn ihr mich laßt.“ ...