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James Barclay - „Dieb der Dämmerung“

ISBN: 9-783-453-52728-7

 

Klappentext:

Sie sind die beste Söldnertruppe der Welt. Bis jetzt ... Dieser Auftrag wird sie ihr Leben kosten. Sie sind Söldner – sechs Krieger und ein Magier –, sie nennen sich »Bund des Raben« und sie sind die Besten. Als die grausamen Wytchlords das Land mit Terror und Gewalt überfallen, bedeutet das für die beste Söldnertruppe der Welt vor allem eines: Krieg ... Mit "Dieb der Dämmerung" hat James Barclay das neue Zeitalter der Abenteuer-Fantasy eingeläutet.

 

Inhalt:

"Der Rabe" ein Bund aus tapferen Kämpfern, teilweise mit Magie und teilweise mit purer Muskelkraft, hat einen Auftrag bekommen. Und das kurz nachdem sie einen ihrer Brüder verloren haben. er war nur ein Fremder, aber der Verlust wiegt doch schwer.

In einem Gasthaus, wo die Auflösung des Bundes besprochen werden soll, muss ein weiterer Kamerad qualvoll sterben.

Jetzt erst recht! Die übrigen Männer beschließen, die Talismane für den mächtigsten aller Zauber zu suchen. Sie wollen so das Böse wieder verdrängen.

Eine gefahrvolle und lange Reise beginnt für die Männer. Unterwegs treffen sie nicht zur Verbündete, müssen weitere Totenwachen abhalten, finden einen Kameraden wieder und haben dann den finalen Kampf zu bestehen.

 

Leseprobe:

… »Ihr seid amüsiert?«

»Entschuldigt, mein Lord.« Dystrans Gesicht unter dem kurzen braunen Haar färbte sich rot. »Es ist nur so, dass wir nach dem ersten, sehr erfolgreichen Testlauf umgehend die Drainage verbessern mussten.«

Styliann zog fragend die Augenbrauen hoch.

»Haltet Euch an den Bericht«, ermahnte Nyer ihn.

Dystran nickte. »Wir haben den Spruch zur Dimensionsverbindung dreimal erfolgreich getestet und unsere Dimension mit einer anderen verbunden. Nachdem wir die Berechnungen richtig durchgeführt hatten, konnten wir einen Wasserlauf zwischen beiden Dimensionen steuern, wobei aber leider eine Zauberkammer überflutet wurde.«

»Ausgezeichnet«, sagte Styliann. »Wie lange dauert es noch, bis wir einen Test unter realen Bedingungen durchführen können?«

»Das ist jederzeit möglich«, erklärte Dystran. »Die einzige offene Frage betrifft den Einsatz der Magier. Wir nehmen an, dass der Kanal umso größer wird, je mehr Magier den Spruch wirken. Allerdings ist dies auch mit Gefahren verbunden.« Er hielt inne und überlegte. »Im Übrigen sind die Dimensionen auch nicht immer präzise aufeinander ausgerichtet. So können wir zwar berechnen, wann sie es sein werden, doch wir haben keinerlei Einfluss darauf, zu welchem Zeitpunkt es möglich sein wird, den Spruch zu wirken.«

Styliann runzelte die Stirn. »Wie groß sind die Fenster, in denen die Ausrichtung stimmt?«

»Die Größe schwankt zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen. Der genaue Zeitplan steht noch nicht fest.«

Der Herr vom Berge nickte. »Das wird reichen. Dystran, Ihr müsst Eure Magier möglichst schnell auf einen großen Probelauf unter realen Bedingungen vorbereiten. Wie viele habt Ihr?«

»Dreißig«, sagte der Magier.

»Wie ist Eure Meinung, mein alter Freund?«

»Es ist die ideale Offensivwaffe für den Pass«, erklärte Nyer.

»Natürlich.« Styliann nickte. Die Tür zum Sieg war wieder geöffnet.

Später hielt Styliann eine Kommunion mit Laryon, und was er dabei hörte, wischte das Lächeln aus seinem Gesicht. Es war traurig, wenn alte Freunde Machtspiele mit ihm spielten. Es machte ihn zornig.

 

Das Fleisch zuckte auf seinen Knochen. Blut strömte in die Gesichtshaut. Der Blutstrom hielt an, bis seine Wangen vor Schmerzen brannten, und dann schwoll sein Gesicht noch weiter an. Hirad ballte unwillkürlich die Hände zu Fäusten, und seine rechte Hand machte Anstalten, den Schwertgriff zu zerquetschen. Die Augen waren geöffnet, er konnte sie nicht schließen, doch er sah nichts außer Schwärze, gesprenkelt mit grauen Punkten. Hätte er den Kopf gedreht, dann hätte er die anderen nicht erkennen können. Waren sie überhaupt noch da?

Er konnte kein Geräusch hören außer dem Rauschen des Bluts in seinen Adern, während sein Gehirn verzweifelt bemüht war, die Eindrücke zu verarbeiten. Lief er? Er glaubte es nicht, doch er war sicher, dass er sich bewegte. Wohin, spielte keine Rolle. Er wollte nur, dass es aufhörte, bevor ihm das ganze Fleisch vom Körper gerissen wurde und sein Blut ins Leere sprudelte. Selbst dann, so dachte er, würde er sich immer noch bewegen. Er spürte ein Pulsieren, das sich in seinem Bauch ausbreitete. Es begann in der Magengrube und umfasste bald darauf seinen ganzen Körper. Ihm wurde heiß. Sehr heiß. Das Blut fühlte sich an, als koche es in seinen Adern und bringe sein Fleisch zum Schmelzen.

Licht.

Das Ende der Ewigkeit.

Ein Sturz. Harter Boden. Das Licht wurde trüb.

Hirad saß in einem offenen Bereich, und es fühlte sich an, als befinde er sich in großer Höhe. Einen besonderen Grund gab es nicht dafür, es kam ihm einfach nur so vor. Er sah sich nach links und rechts um und zählte im Kopf die anderen Mitglieder des Raben ab. Sie waren alle da, alle saßen auf dem Boden und schauten einander an. Hinter ihnen schwebte der Riss ein paar Fuß über dem Boden in der Luft. Das Ende des Seils, an das die Kiste gebunden war, hing in einem leichten Bogen herunter. Hirad verfolgte es bis zur Kiste, die neben Ilkar auf der Seite lag. Hinter dem Riss befand sich eine senkrecht abfallende Klippe.

Er stand mit wackligen Beinen auf, doch er beruhigte sich rasch und versuchte, sich in der neuen Dimension zurechtzufinden. Als das Blut wieder halbwegs normal durch seine Adern strömte und sein Atem sich normalisierte, spürte er, wie sich die Haare auf seinem ganzen Körper sträubten. Er hatte nicht gewusst, was er erwartet hatte, aber es war gewiss nicht dies gewesen. Die Luft schmeckte anders, trocken und dünn, und die ganze Atmosphäre hatte etwas Fremdes und Klebriges und schien die Haut und die Augen zu reizen.

Der Himmel über ihnen war dunkel, die Wolken brodelten am Himmel, obwohl er nur einen leichten Windhauch im Gesicht spüren konnte. Es war keine Unterbrechung inder Wolkendecke auszumachen, und doch breitete sich vom Horizont her, wo die schwarzen Wolken auf das schwarze Land trafen, ein Zwielicht aus.

In der Tat, sie standen in großer Höhe. Was vorher nur eine Ahnung gewesen war, ließ sich leicht bestätigen, wenn man ein paar Schritt weit nach rechts hinten schaute. Der Riss befand sich ganz am Rand des Plateaus, auf dem sie gelandet waren. Zu beiden Seiten fiel der Fels steil ab. Grellrote Blitze zuckten und flackerten über dem Land. Sie beleuchteten nichts, sondern verstärkten nur die undurchdringliche Finsternis. Unwillkürlich wichen alle von der Kante zurück, denn alle hatten bemerkt, wie leicht sie abstürzen konnten, wenn sie in ihre eigene Dimension zurückkehren wollten.

Dann wurde Hirad klar, was er vermisste. Geräusche. Abgesehen vom Seufzen des Windes in den Ohren konnte er überhaupt nichts hören. Keine Stimmen, keine Tiere, keine Vögel. Kein Laut von irgendeinem Lebewesen. Selbst die Blitze hinter ihnen zuckten geräuschlos. Es war ihm nicht geheuer. Als stehe er im Reich der Toten.

Hirad musterte den Bereich zu seiner Linken, bis sein Blick auf Erhebungen fiel, die Gebäude sein konnten. Er schaute direkt nach vorn über offenes Gelände – es war anscheinend fester Grund, denn man sah Erde und Pflanzen, die sich im leichten Wind wiegten – und konnte tatsächlich eine Ansammlung von baufälligen Häusern ausmachen. Gesplitterte Balken, zerkrümelte Steine und gebrochene Dachziegel lagen überall herum. Die Bauten erstreckten sich gut fünfhundert oder sechshundert Schritt weit, dann hörte die Bebauung abrupt auf, vermutlich am gegenüberliegenden Ende des Plateaus.

Dahinter schwebte ein weiterer Riss im Raum. Als seine Augen sich an das Licht gewöhnt hatten, konnte er ringsum in der Ferne ungleichmäßige Felssäulen sehen, die sich oben erweiterten und ovale und runde Plattformen wie die ihre trugen. Offensichtlich befanden sie sich auf einer ähnlichen Erhebung. Diese Einsicht verunsicherte ihn einen Augenblick lang. Er glaubte, auf den anderen Plattformen weitere Gebäude zu erkennen, von denen einige beeindruckend waren wie Paläste. Doch es gab kein künstliches Licht, und nichts rührte sich in der leichten Brise.

»Ein netter Ort«, murmelte Talan. Seine Stimme klang unnatürlich laut in der Stille.

Hirad zuckte zusammen. »Bei den Göttern der Erde, was ist dies hier nur für ein Land?« Der Barbar wünschte inbrünstig, der Unbekannte wäre noch bei ihnen. Dessen Gegenwart hätte ihn gewiss ein wenig beruhigt.

»Ich verstehe das nicht«, erklärte Denser. »Wie sind sie hier heraufgekommen? Und wie kommen sie von dieser Plattform zu den anderen, und wie konnten sie die Häuser hier oben bauen …« Er ließ den Satz unvollendet und deutete auf das verfallene Dorf auf ihrer Plattform, falls es überhaupt ein Dorf war.

»Und wer waren sie eigentlich?«

»Das unterstellt, dass sie alle fort sind«, sagte Talan.

»Auf diese Idee seid ihr doch auch gekommen oder?«, fragte Hirad. »Ich persönlich würde meinen, dass wir möglichst schnell zurückspringen sollten. Ich bekomme hier eine Gänsehaut.« Sein Herz schlug wieder schneller.

»Aber ist es nicht faszinierend?«, wandte Denser ein. »Dies ist eine andere Dimension. Stellt euch nur vor, was das bedeutet.«

»Oh, ja«, sagte Hirad. »Sie ist völlig anders als unsere, ich fühle mich hier nicht gut, und ich bekomme den Eindruck, dass wir nicht hier sein sollten.«

»Es ist anders, aber in vieler Hinsicht ist es doch ganz ähnlich wie bei uns«, sagte Ilkar. Er bückte sich und hob eine Handvoll Erde auf. »Seht nur. Erde, Gras, Gebäude … Luft.«

»Aber keine Geräusche. Glaubt ihr, sie sind alle tot, wer auch immer sie waren?« Denser bewegte sich in Richtung der Siedlung, und Hirad folgte widerstrebend mit den anderen Mitgliedern des Raben. Er nagte an der Unterlippe. Nicht einmal das Schwert, das er kampfbereit in der Hand hielt, konnte ihn beruhigen. Die düstere Atmosphäre war beinahe als körperlicher Druck zu spüren, obwohl die Luft so dünn war, und das Fehlen von Geräuschen veranlasste ihn mehrmals, mit dem Zeigefinger der linken Hand in den Ohren zu bohren und nach dem Grund zu forschen, aus dem er, abgesehen vom Tappen ihrer Füße und ihrem Atem, nichts hören konnte.

»Wonach suchen wir hier eigentlich, Denser?«, wollte Richmond vom Dunklen Magier wissen, als sie über die trockene Erde liefen, die unter den Füßen knirschte und zerkrümelte.

»Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung. Wir brauchen Informationen, nicht ein Stückchen hiervon und ein Stückchen davon, wenn du verstehst, was ich meine.«

»Etwas wie ein Pergament vielleicht?«, hakte Richmond nach.

Denser zuckte mit den Achseln. »Kann sein. Oder ein weiteres Amulett. Vielleicht eine Art geschnitztes Schmuckstück. Was es auch ist, es sollte in diesem Müll hier ziemlich auffallen. Und ich bin sicher, dass es als Objekt aus Balaia zu erkennen ist.« Er deutete auf die Gebäude. Obwohl weitgehend zusammengebrochen, konnte man deutlich sehen, dass ihre Bauart nicht viel mit dem gemein hatte, was irgendein Volk in Balaia bauen mochte. Viele hatten Öffnungen, bei denen es sich vermutlich um Türen handelte, doch sie waren oval und schlossen nicht ebenerdig mit dem Boden ab. Die Gebäude, die teilweise noch überdacht waren, hatten im höchsten Punkt der kuppelförmigen Dächer ähnliche ovale Öffnungen. …