ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Thomas A. Barron - „Im Schatten der Lichtertore“

Der Zauber von Avalon 2

ISBN: 9-783-423-71188-3

 

Klappentext:

»Ich werde den wahren Erben Merlins vernichten. Er ist gerade mal 17 Jahre alt, aber seine ungeheuren Kräfte werden sich schon bald zeigen. Ich vermute, dass er seine neuen Kräfte ebenso fürchtet wie mich! Also werde ich ihn von seinen Sorgen - und seinem Leben befreien….« Tamwyn, Merlins Enkel, folgt den Spuren seines verschollenen Vaters Krystallus und begibt sich auf eine ungewisse Reise zu den Sternen. Aller Gefahren zum Trotz will er dort oben endlich das schützende Sternbild von Merlins Zauberstab wieder zum Leuchten bringen - geradeso wie es einst auch sein Vater versuchte. Denn eine dunkle Macht, niemand Geringerer als Rhita Gawr selbst, greift erbarmungslos nach Avalon und bringt Unheil und Zerstörung über alle sieben Wurzelreiche. Siegessicher setzt er seine Schergen ein, um alle Gegner auszulöschen. Auch Tamwyns alte Verbündete, Scree, Elli und Brionna, schweben in großer Gefahr: Sie müssen sich trennen, wollen sie den zahlreichen Feinden zuvor kommen. Denn vom Gelingen der Freunde hängt es nun ab, ob Avalon endgültig in die Hände des Bösen fällt, das sich am Sternenhimmel so bedrohlich neu formiert…

 

Inhalt:

Das Licht des Sternbildes "Stab" ist verblasst. Avalon existiert noch, wird aber immernoch bedroht. Rita Gwhar will die Macht an sich reisen, die Tore zu anderen Welten öffnen und nich tnur Avalon zerstören.

Die Gruppe, welche bei der Weißen vom See war, wird getrennt. Scree muss sich von einer Verletzung erhohlen und dann dem Volk helfen, was von abtrünnigen Adlermenschen bedroht wird.

Elli und der Baumgeist bekommen in Luftwurzel Probleme mit dem Spaßmacher. Und Tamwyn kommt seinem Ziel zwar näher, aber eben doch nicht bis ganz ran.

Die Helden haben jede Menge Abenteuer zu überstehen. Sie dröseln die Prophezeiung mit dem großen Pferd auf und merken, dass alles gar nicht so einfach ist.

 

Leseprobe:

… Wenn ich nur eine Art Kompass hätte, überlegte er im Weitergehen. Keinen konventionellen, sondern einen, der im großen Baum funktionierte. Der ihm seinen Standpunkt zeigte, egal wo er sich befand. Der ihm die Position senkrecht und waagrecht angab!

Das wäre etwas Nützliches gewesen. Aber natürlich war es nicht mehr als ein Einfall. Und noch dazu ein bizarrer.

Jedenfalls konnte er im Moment nur raten, wo innerhalb des Baumstamms er sich wirklich befand. Und ob vor Jahren sein Vater durch denselben Tunnel gewandert war – auf der Suche nach demselben Ziel.

Gerade da nahm sein feines Gehör etwas aus der Ferne auf, ein unbestimmtes flüsterndes Geräusch. Es nahm ab und wieder zu und rauschte dabei wie Windstöße. Doch es schien mehr als Wind zu sein, es klang tiefer und kräftiger.

Im nächsten Abschnitt war die Wand glatt, mit schimmerndem Silber gemustert. Das erinnerte Tamwyn an die Sterne. Er fragte sich, ob dieser Ring den Augenblick kennzeichnete, an dem vor Jahrhunderten Merlin die Sterne des Zauberstabs wieder angezündet hatte, nachdem sie sich zum ersten Mal verdunkelt hatten. Und zugleich überlegte er, ob er oder ein anderer je hoffen konnte, sie ohne Merlins Hilfe wieder zum Leuchten zu bringen.

Inzwischen wurde das flüsternde Geräusch lauter. Jetzt klang es mehr wie ein rauschender Fluss, der auf seinem Weg zum Meer schäumt und drängt. Tamwyn, von Henni gefolgt, ging schneller, um den Ursprung dieser Laute zu finden.

Plötzlich blieben sie stehen.

»Uuhuu«, sagte Henni. »Ein Gemälde.«

»Eher tausend Gemälde«, verbesserte Tamwyn. »Und alle wunderschön.«

Tatsächlich war hier der ganze Tunnel einschließlich Decke und Fußboden in strahlenden Farben und mit erstaunlichen Einzelheiten bemalt. Das riesige Wandgemälde erstreckte sich Hunderte von Schritten weit! Auf der silbrigen Oberfläche waren komplizierte Szenen aus jeder Jahreszeit in jedem Wurzelland dargestellt, dazu kamen andere, die Tamwyn nicht erkennen konnte. Es gab Bäume, die umgekehrt wuchsen, Berge, die auf der Luft zu schweben schienen, Wolken mit violetten Städten, honigähnliche Flüsse und einen fremdartigen gelben Stern, der über dem Horizont aufstieg – Orte jenseits aller Beschreibung, Welten ohne Zahl.

Eine Szene bestand hauptsächlich aus Finsternis. Eine große Stadt ragte im Hintergrund, wo ein paar schwache Lichter noch leuchteten, während ringsum Nacht herrschte. Dunkle Gestalten kauerten eindeutig ängstlich in den Schatten. Könnte das, fragte sich Tamwyn, Schattenwurzel gewesen sein? Vielleicht die versunkene Stadt des Lichts, die er von Barden kannte?

Die meisten gemalten Darstellungen waren mit Geschöpfen übervölkert. Manche davon kannte Tamwyn gut, zum Beispiel Nebel- und Moosfeen, Gobsken, Zwerge, Elfen, Adlervolk, Menschen und Leuchtfliegen. Selbst das Einhorn mit den saphirblauen Augen war gemalt worden, es beugte den anmutigen Hals, um aus einem sternenbeleuchteten Teich zu trinken.

Und dann gab es einige Geschöpfe, die Tamwyn nie zuvor gesehen hatte – darunter eine besonders auffallende Erscheinung, die einem geflügelten Menschen glich und ganz von orangen Flammen umgeben war. Einige dieser Wesen waren über das Wandbild verteilt. Immer befanden sie sich in dramatischen, auch heroischen Umständen: Sie retteten andere Geschöpfe, arbeiteten an schönen Gebäuden oder schwebten hoch über der Welt.

In einer kontrastreich gemalten Szene war die linke Hälfte des Himmels sehr hell, die rechte dagegen tief verschattet. Eine Gruppe flammender Geschöpfe war beim Flug nach links dargestellt – von der Nacht in den Tag. Oder vielleicht . . . aus der Finsternis ins Licht.

Tamwyn betrachtete die Szene lange. Könnten diese Leute zu den Sternen fliegen? Und wenn ja, bedeutete es, dass einige sterbliche Geschöpfe tatsächlich erfolgreich diese Reise gemacht hatten? Oder zeigte das Bild nicht, was sie getan hatten, sondern wonach sie sich, wie Tamwyn, sehnten?

Er trat näher heran und untersuchte die Geschöpfe – ihre Flügel, ihre orangen Flammen. Wer waren sie?

Ayanowyn. Dieses Wort kam ihm plötzlich in den Sinn, woher, konnte er nicht erklären. Und dann verstand er auf ebenso mysteriöse Weise, was damit gemeint war. Feuerengel.

Er klopfte sich mit der Handwurzel auf den Schädel. Feuerengel? Sei nicht absurd! Erstens sagte hier niemand etwas, wie konnte er also irgendwelche Wörter hören? Und zweitens konnte kein Geschöpf, so bizarr es auch sein mochte, mit solchen verzehrenden Flammen leben. Selbst die Salamander, die er und Scree so oft in Feuerwurzel gejagt hatten und die so gern in Feuerschloten badeten, mussten sich regelmäßig abkühlen, sonst wären sie gebraten worden.

Er bemerkte eine weitere gemalte Gestalt, bei der er den Atem anhielt. Denn sie hatte er schon viele Male zuvor in seinen Träumen gesehen. Es war ein großer, robuster Mann mit einer wilden grauen Mähne, die ihm über die Schultern hing. Und in der Hand hielt er eine brennende Fackel.

Krystallus! Der Maler dieses Wandbilds, wer er auch sein mochte, hatte von ihm gehört. Oder ihn vielleicht sogar gekannt.

Tamwyn ging langsam im Kreis und klopfte nachdenklich auf den Griff seines Stabs, während er die Bilderreihen studierte. Plötzlich verstand er alles. Dieses Wandgemälde war eigentlich eine Geschichte, genau wie die Ringe des großen Baums. Die Geschichte von Avalon! Doch statt aus der Perspektive des Baums von der Welt zu erzählen, schilderte dieses Wandgemälde die Ereignisse aus der Sicht des Malers.

Wer war der Maler? Vor wie langer Zeit hatte er gelebt? Und welchem Volk angehört? Wo im riesigen Avalon war er zu Hause? Stammte von ihm nicht nur das Wandgemälde, sondern auch der Tunnel?

Tamwyn schüttelte den Kopf. Es gab keine Antworten auf diese Fragen. Zumindest keine, die er finden konnte.

Gerade da bemerkte er eine weitere Szene, die an die Decke gemalt war. Zuerst hielt er sie für eine große senkrechte Säule, die in kräftigem Braun mit gelegentlichen grünen Streifen dargestellt war. Aber als er ganz oben etwas sah, das wie der Ansatz von Ästen wirkte, und daneben Sterne, die durch Nebel leuchteten, wusste er, was das wirklich war. Der Stamm des Baums!

Mit angehaltenem Atem entdeckte er noch etwas. Auf einer Seite des Stamms, nahe der Spitze, war eine Art Höcker, der sich nach außen wölbte wie ein Knoten. In seiner Mitte befand sich eine tiefe, schalenförmige Einbuchtung, die den Ästen darüber zugewandt war. Sie war vollkommen rund und erinnerte ihn an die Krater, die er in Feuerwurzel gesehen hatte, nur war diese lebhaft grün gefärbt. Plötzlich fiel ihm ein, wie sein Vater Merlins Astloch beschrieben hatte: Von dort konnte man die Äste des großen Baums sehen, die zu den Sternen führen.

Tamwyn nickte verwundert. Merlins Astloch.

Dann bemerkte er etwas Sonderbares. Ein dünnes silbernes Band fiel aus dem Astloch hinunter zum unteren Teil des Stamms. Es war mit leichten, fast durchsichtigen Strichen gemalt und zeigte nicht eindeutig, ob es tatsächlich etwas war, das sich tief innerhalb des Stamms, weit unter der Rinde befand. Jedenfalls sank es steil herab wie eine fast senkrechte Treppe.

Könnte das eine Treppe zum Astloch sein? Und wenn ja, wie finde ich sie?

Tamwyn runzelte die Stirn. Noch mehr Fragen!

Wieder drang ihm dieses besondere Geräusch ins Bewusstsein, das von weiter unten im Tunnel kam. Jetzt flüsterte es, jetzt rauschte es, jetzt klopfte es wie eine ferne Trommel. Beim Bart des Zauberers, was ist das?

Er wandte sich dem Geräusch zu und war entschlossen, wenigstens auf diese Frage eine Antwort zu finden. …