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C. J. Waller - „Predator X“

ISBN: 9-783-958-35140-0

 

Klappentext:

Als beim Fracking nach Öl ein gewaltiger unterirdischer See entdeckt wird, entsendet man ein Team von Höhlenforschern und Wissenschaftlern dorthin, um diese Welt in der Tiefe zu untersuchen. Doch kurz nachdem sie das unterirdische Gewölbe erreicht haben, verschwinden sie spurlos. Ein zweites Team unter Leitung der Höhlenforscherin Megan Stoker soll das Alpha-Team suchen. Die Nachforschungen bleiben jedoch erfolglos – stattdessen wird das Rettungsteam mit etwas völlig Unerwartetem in der Tiefe konfrontiert. Uralt … Riesig … Gefährlich … Predator X

 

Inhalt:

Team Beta wird in ein Höhlensystem geschickt, um Team Alpha zu helfen. Was zunächst nach einem routinemäßigen Einsatz aussieht, entpuppt sich dann aber doch zu einem ziemlichen Abenteuer.

Als Team Beta einen unterirdischen See überqueren will, greift ein riesenhaftes Tier sie an. Das erste Mitglied stirbt und die anderen zweifeln an ihrem Verstand, als sie es als Saurier identifizieren.

Die Überlebenden sitzen auf einer Insel fest. Sie stoßen auf einen seltsamen Turm mit einer Tür. Durch diese Tür gelangen sie in Räume, wo sie Überlebende von Team Alpha finden. Doch der scheint geistig fix und fertig zu sein.

Ein Überlebenskampf beginnt. Nur der eigentliche Feind ist nicht so ohne Weiteres auszumachen.

Am Ende wird aus der Bedrohung der Verbündete, und aus der Rettung die Bedrohung.

 

Leseprobe:

… Zurückfinden? Ist er bescheuert? Auf keinen Fall finden wir auf diese Weise zurück. Ich bekomme flüchtig mit, dass Marcus entsetzt und ungläubig den Kopf schüttelt. Brendan andererseits macht seinen Hals lang, um besser sehen zu können, und offenbart einen fast gierigen Gesichtsausdruck.

Seinetwegen mache ich mir zusehends ernstliche Sorgen.

Nachdem sie ihre Seile mit einer Auswahl komplizierter Knoten gespickt haben, versucht Fi, einen Haken in den Rand der Öffnung zu treiben. Dieser kratzt nicht einmal an der Oberfläche, geschweige denn, dass er stecken bleiben würde. Sie schaut uns alle nacheinander mit einer Miene an, die fast an eine Entschuldigung grenzt.

»Tut mir leid, ich musste es wenigstens versuchen. Sieht so aus, als müssten wir es irgendwo anders befestigen.«

Wir suchen den Raum ab, schauen uns nach irgendetwas um, dass wir als Ankerpunkt verwenden können. Nach mehreren Minuten ruft Marcus kurz »Hey Leute«, woraufhin wir uns hinter ihm aufbauen. Was er gefunden hat, schnürt mir die Kehle zu.

An der Wand ist ungefähr vier Fuß über dem Boden ein Metallring angebracht. Ich sage Metall, weil ich nicht genau bestimmen kann, aus welchem Material er besteht, aber es glänzt irgendwie metallisch. Davon abgesehen ist in keiner Weise ersichtlich, wie er genau an der Wand festgemacht wurde.

»Also das ist doch … Ein Ring? Warum?«, staunt Fi. Sie ist genauso verwirrt wie ich.

»Man muss seinen Wachhund schließlich irgendwo festbinden können«, frotzelt Marcus. Jedenfalls denke ich zunächst, dass er sich einen Scherz erlauben möchte, doch ein kurzer Blick in sein Gesicht zeigt mir, dass dem nicht so ist. Er meint es anscheinend ernst. Ich betrachte den Ring erneut. Er hängt direkt gegenüber von der Tür.

Ein Wachhund, in der Tat.

Janos zieht vorsichtig daran.

»Tja, egal was es ist und aus welchem Grund man es hier angebracht hat, seien wir froh darum. Er scheint stabil genug zu sein, also können wir ihn genauso gut auch benutzen.«

Ich schaue dabei zu, wie Janos und Fi die Seile festbinden, während der schwarze Schlamm des Zweifels in meinen Eingeweiden schwappt. Ich habe im Lauf der Zeit einige dumme Dinge angestellt, aber das hier wird als neuer Anwärter auf den ersten Rang in der Liste durchgehen. Da wir uns abseilen werden, meldet sich Janos wieder zuerst. Er besteht recht vehement darauf und argumentiert, er habe die Seile schließlich befestigt, also sollte er auch derjenige sein, der sie prüft, was mir zu hundert Prozent gelegen kommt. Denn jedes Mal, wenn ich in die Öffnung schaue, drängt sich mir unausweichlich das Gefühl auf, dass wir mit Kräften spielen, um die wir besser einen weiten Bogen machen sollten.

Nach Janos steigt Brendan hinein, weil wir ihn nicht zurückhalten können. Ihm folgt Marcus.

Dann erst komme ich.

Fi sichert mich an den Seilen und bemüht sich, mir ein ermutigendes Grinsen zu schenken.

Aber das klappt nicht.

»Du hast so etwas doch oft genug geübt«, erinnert sie mich. »Denk einfach nicht daran, wo du bist, und konzentriere dich nur auf deine Bewegungen. Zieh es durch wie jeden anderen Abstieg, okay?«

Ich nicke und hole einmal tief Luft. Sie hat recht, ich habe es schon viele Male getan, auch wenn das nicht bedeutet, dass ich es auch mögen muss. Ich lehne mich zurück und mir ist ganz schön schlecht, während ich eine kurze Bitte an jene unbekannten Götter richte, die sich Seilen und Kleinteilen aus geschmiedetem Metall annehmen (zu solchen Zeiten ist Agnostizismus dem Atheismus vorzuziehen, denn es gibt einfach Situationen im Leben, in denen man ungeachtet der Frage, wie empfindsam oder zynisch man ist, keinen besseren Einfall hat, als rasch ein Gebet aufzusagen), und wippe dann auf der Kante. Fi grinst mich noch einmal aufmunternd an, doch im Licht unserer Kopflampen wirkt es auf mich eher hämisch.

»Dir wird nichts passieren!«

»Ja, ja, schon klar.«

Ich trete über die Kante.

Mir geht ein Ruck durch den Magen, als sich mein Gewicht einpendelt. Es gibt keine Wände, an denen ich mich orientieren könnte, also führe ich das Seil durch die Winde, welche mich wiederum in einer Folge kurzer stockender Stöße hinunterlässt. Bei jedem Einzelnen habe ich das Gefühl, mein Herz würde gegen meine Brust hämmern. Der kleine Kreis von Fis Kopflicht über mir wird nun kleiner und kleiner, bis er nur noch ein winziger Punkt ist. Dann kommt es mir so vor, als würde ich im Weltraum schweben, und ihre Lampe sei nichts weiter als ein einsamer Leitstern, kalt und trostlos.

Als etwas meinen Stiefel berührt, schreie ich vor Schreck auf. Ich kann nicht anders.

»Hey, hey, wir sind es bloß«, brummt Janos, während er mir gemeinsam mit Marcus auf die Beine hilft. Ich versuche, mich selber auszuhaken, aber meine Finger versagen mir den Dienst. Letztendlich übernimmt Janos es für mich. Dann zieht er an dem nunmehr baumelnden Seil, woraufhin es seinen Aufstieg zurück zu Fi beginnt.

»Alles gut überstanden?«, fragt Janos.

Ich bejahe. »Schon, aber … wie tief ist es gewesen?«

»Etwa zwanzig Fuß.«

»Zwanzig Fuß, nicht tiefer?«

»Nein, aber ich weiß, was Sie meinen. Es fühlte sich tatsächlich nach mehr an, aber Seillängen lügen nicht.« Er strahlt, und ich ertappe mich dabei, seine Miene zu erwidern.

Wir warten noch ein paar Minuten, bis Fi sich abgeseilt hat. Brendan ist schon weggegangen, um die Wände zu untersuchen, obwohl Marcus ihn ermahnt hat, er solle sich das verdammt noch mal verkneifen, denn wir müssen zusammenbleiben. Doch er ist in seiner eigenen kleinen Welt der Wunder versunken – ich einen Moment lang ehrlich gesagt auch.

Die Kammer, in der wir uns befinden (es ist kein Raum und ich kann sie mir auch nicht als Raum vorstellen, denn wäre sie einer, hätte jemand darin gelebt, und dieser Gedankengang führt unweigerlich in den Wahnsinn, Freunde der Sonne), sieht eigentlich genauso aus wie jene über uns, kreisrund mit Wänden, die von wirren Piktogrammen übersät sind, aber es gibt einen Unterschied. Hier wurde ein Bogentor ins Mineral gefräst.

Und durch dieses Bogentor gelangt man auf einen Korridor.

Wir stellen uns vor diesen Eingang und die Kegel unserer Kopflampen huschen auf dem Flur herum, wobei ich mich unwillkürlich an einen besonders ätzenden Rave aus den Neunzigern erinnert fühle. Die Wände sind geriffelt und reichen weit über unsere Köpfe hinweg wie die Rippen einer gigantischen Schlange. Der Boden fällt leicht ab, und mich nehmen die gleichen Bedenken wie zuvor in Beschlag.

»Es ist der einzige Weg«, sagt Brendan.

»Ich weiß nicht …«, erwidere ich. Alle meine Instinkte schreien mich jetzt geradezu an: Geh nicht dort hinunter! Ich kann es nicht wirklich erklären. Himmel, vielleicht leide ich schlagartig unter einer schwerwiegenden Form von Klaustrophobie, aber ich stehe kurz davor, mich wieder an jenem Seil nach oben zu hangeln und mein Glück lieber mit dem Wasserungeheuer zu versuchen – was eine ganze Menge heißen will, weil ich noch nie im Leben aus eigenen Stücken und ohne Hilfe an einem Seil hinaufgeklettert bin.

Janos unterbricht meinen kopflosen Gedankengang und sagt: »Uns bleibt nichts anderes übrig, und jetzt mal im Ernst, sind Sie denn nicht im Geringsten neugierig?«

Nein. Nein, Janos, bin ich nicht. Dafür sehe ich aber, dass Brendan es ist, und sogar Fi späht neugierig in die Dunkelheit vor uns. Der Einzige unter uns, der offensichtlich meine Vorbehalte teilt, ist Marcus, was ich ehrlich gesagt etwas besorgniserregend finde. Ich meine, zweimal an einem Tag? Das hat es noch nicht gegeben, aber im Sinne des Gemeinschaftsgeistes, und aufgrund der Tatsache, dass ich keine Lust habe, allein mit Marcus im Dunkeln zu sitzen, einigen wir uns darauf, dass wir diese Chance nicht ausschlagen dürfen, sondern zumindest einen kurzen Blick wagen müssen.

Niemand von uns spricht, während wir hineinschleichen. Hier unten fühlt sich die Luft staubig und moderig an und wird von einem markanten Geruch begleitet, bei dem mir fast die Zähne wehtun. Ich erkenne ihn wieder … sozusagen, aber er ist nicht so stark, dass ich mir in irgendeiner Weise sicher sein könnte – außerdem gehe ich nicht davon aus, dass es hier allzu viele überreife Bananen gibt.

Obwohl es stockdunkel ist, fällt uns allen auf, dass wir eine andere Richtung einschlagen. Wir bewegen uns nicht mehr geradeaus, vielmehr beschreibt der Pfad einen Bogen, und es dauert nicht lange, bis mir klar wird, dass er sich spiralförmig immer tiefer in die Erde schraubt. Wir sind ungefähr eine halbe Stunde unterwegs, als sich die Dunkelheit plötzlich auflöst und sich ein blau getränktes Licht herauskristallisiert. Damit einher geht der gerade beschriebene Geruch, der nun noch intensiver ist und auch nicht mehr an faulende Bananen erinnert. Jetzt stinkt es eher nach verdorbenem Fleisch. Das bringt uns alle zum Stehenbleiben, selbst Brendan, dessen Geilheit auf diesen Ort schon unangenehm wird.

»Ist hier etwas gestorben?«, fragt Fi naserümpfend.

Achselzucken von uns allen, denn was könnten wir sonst tun?

Mit jedem weiteren Schritt wird es heller, bis wir sogar unsere Lampen ausschalten können. Das stellt eine kleine Erleichterung dar; wenngleich wir dank unserer kinetischen Anzüge nicht auf Batterien angewiesen sind, besteht insgeheim doch stets die Gefahr, dass eine Birne kaputtgehen könnte, und dank Mr. Monster im Wasser haben wir keinen Ersatz mehr. Allerdings ist auch diese Erleichterung mit Bedenken vermischt.

Woher rührt die Helligkeit? …