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Mario Giordano - „Apocalypsis I“

ISBN: 9-783-404-16653-4

 

Klappentext:

Auf der Via della Conciliazione reagiert das Chaos. Auf den Straßen liegen Leichen und Trümmerteile. Augenzeugen berichten von einem gleißenden Lichtblitz, der die Kuppel des Petersdoms zerfetzte. Über die Hintergründe dieses verheerenden Anschlags lässt sich zur Stunde nichts sagen, auch nicht über das Schicksal der hundertsiebzehn Kardinäle, die sich zum Konklave versammelt hatten. Klar ist im Augenblick nur eines: Der Vatikan existiert nicht mehr.

 

Inhalt:

Peter Adam ist in Rom. Der Papst ist zurück getreten und ein neues Konklave steht an. Aber Peter hatte eine Vision, in der der Vatikan in einer riesigen Explosion erschüttert wird, es gibt viele Tote... Am Ende wird Peter verfolgt, weil man denkt, dass Peter die Explosion verursacht hat.

Peter muss fliehen, will gleichzeitig Ermittlungen anstellen und stellt am Ende fest, dass er einen Zwillingsbruder hat. Dieser Zwillingsbruder gehört einer Art Sekte an, die ein ergebener Feind der Kirche ist. Sie wollen diese um jeden Preis in ihrer jetzigen Form vernichten.

Peter deckt weiterhin die nicht ganz koscheren Machenschaften im Vatikan auf, er verliebt sich in eine Nonne, schläft mit ihr und muss feststellen, dass diese Nonne die Tochter des zurück getretenen Papstes ist...

Und am Ende ist er wirklich für die Explosion verantwortlich.

 

Leseprobe:

… „Das ist der Versuch einer Übersetzung.“

Das Gemüt und die Vernunft, welches ganz und gar sich selbst begrefit, ist frei von aller Leiblichkeit, frei von Irrung, unsichtbar von den Leidenschaften des Leibes, selbst in sich selbst besehend: alles umfassend und alles unterhaltend, von welchem gleichsam als Strahlen sind das Gute, die Wahrheit, das ursprüngliche Licht, der Ursprung der Seelen.

Peter stöhnte. „Was für ein gequirlter Blödsinn!“

„Wie gesagt, ich konnte nicht alle Texte entschlüsseln. Das Wort Licht kommt jedenfalls sehr oft vor.“

Peter musste wieder an Loretta denken. Wie sie ihn angesehen hatte in ihren letzten Augenblicken, so voller Angst. An die Ziffern, die sie mit ihrem eigenen Blut auf den Boden geschmiert hatte. Aber auch Don Luigi schien ratlos, was die Ziffern bedeuten mochten.

„306 oder 3 mal6. Sehr rätselhaft. Es könnte entweder wirklich eine Hinweis auf die Zahl 666 sein, die Zahl der Hure Babylon aus der Offenbarung des Johannes. Aber dann steht sich die Frage, warum sie nicht gleich drei Sechsen hinterlassen hat. Ich würde vermuten, dass sie 306 meinte. Als Zahl.“

„Wofür sollte diese Zahl stehen?“

„Nun, vielleicht ist es ein Erkennungszeichen. Die Quersumme von 306 ergibt neun. Na, klingtlt`s bei Ihnen, Peter?“

„Kein Stück.“

„Die Neun war die Zahl und das geheime Erkennungszeichen der Templer.“

„Moment mal!“, rief Peter. „Was zum Teufel haben denn jetzt die Templer damit zu tun? Hab ich was verpasst?“

Don Luigi hob mahnend den Finger. „Abwarten. Was waren noch die letzten Worte Ihrer Kollegin Loretta?“

Peter wusste es noch genau. Er konnte sogar noch Lorettas Stimme dabei hören.“

„Prophetia de summnis pontificibus. Und: >Die Liste, sie existiert< Und: >Apocalypse<.“

„Genau!“, reif Don Luigi triumphierend. „Die Liste!“

„Welche Liste, verdammt?“

„Die Liste des Malachias. Oder auch Prphetia de summnis pntificibus – die Prophezeiung des Malachias. Schon mal davon gehört?“

Eine rhetorische frage. Natürlich hatte Peter von der Prophezeiung des Malachias gehört. Schlagartig erkannt er, dass der Pater recht hatte.

„Malachias war ein irischer Bischof aus dem 12. Jahrhundert“, referierte er. „Später heilig gesprochen. Von ihm stammt eine Liste von hunterzwölf kleinen Prophezeiungen über Päpste, angefangen bei Cölestin II. bis in die Gegenwart.“

„Genau. Über diese Liste wurde über viele Jahrhunderte viel spekuliert. Der vorletzte Paps auf der Liste ist Johannes Paul III. Über ihn schreibt Maachias: De manu mercurii, aus Merkurs Hand. Was das bedeutet, ist rätselhaft. Malachias zufolge wird nach Johannes Paul III. nur  noch ein Papst folgen. Dieser letzte Papst wird ein Römer sein und sich den Namen Petrus geben. Mit ihm wird die Kirche, Rom und die ganze Welt untergehen. Das ist übrigens der Grund, warum kein Papst sich je den Namen Petrus gegeben hat. Man hielt das für ein schlechtes Omen.

Don Luigi trank einen Schluck Tee und biss herzhaft in ein Pamino. Peter sah, dass er noch lange nicht fertig war, und unterdrückte den Impuls, den Pater zu drängen.

„Die ganze Welt kennt diese Liste“, nuschelte Don Luigi mit vollem Mund. „Einige Quellen haben sie als Fälschung aus dem 16. Jahrhundert diffamiert, obwohl die Übereinstimmungen zwischen Prophezeiungen und Päpsten frappierend sind. Aber diese Liste ist ohnehin nur die Kurzform. Es gab angeblich noch eine andere. Ich bin im Geheimarchiv auf einen Hinweis gestoßen. Offenbar hatte Malchias zeitlebens Visionen, die ihn schreckliche quälten und die er sorgfältig aufschrieb. Er vertraute sich damit einem guten Freund an, dem Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux.“

„Dem Bernhard von Clairvaux?“

„Ebenjenem. Dem geistigen Vater und Förderer des Templerordens, dem Hetzer für den zweiten Kreuzzug. Bernhard von Clairvaux hat die moralischen Grundwerte der Templer definiert und sie mit seinem Einfluss beim französischen König großgemacht. Ecco – da haben wir doch einen Zusammenhang zu den Templern! Malachias oder Mael Maedoc Ua Morgair, wie er wirklich hieß, war gerade auf dem Weg von Irland nach Rom, als er bei einem Zwischenstopp in der Abtei von Clairvaux urplötzlich verstarb. Bernhard von Clairvaux hat später die Lebensgeschichte von Malachias aufgeschrieben, damit dieser heilig gesprochen werden konnte. Er muss also von den Prophezeiungen seines Freundes gewusst haben. Er bestätigt sogar dessen seherische Fähigkeiten. Allerdings erwähnt Bernhard die Liste mit keinem Wort. Schon seltam, was?“

„Was schließen Sie daraus?“

„Schwer zu sagen. Womöglich enthielt die vollständige Prophezeiung eine Gefahr für die Kirche und musste verschwinden. Mitsamt dem Propheten.“

„Sie meinen, Bernhard von Clairvaux hat seinen Freund Malachias ermordet?“

Don Luigi zuckt mit den Achseln. „War eine raue Zeit, damals. Jedenfalls hat Bernhard von Clairvaux unmittelbar nach dem Tod seines Freundes alles darangesetzt, die Templer zu gründen und den französischen König von der Notwendigkeit eines zweiten Kreuzzuges zu überzeugen. Was haben Bernahrds Tempreitter dort im Heiligen Land gesucht? Etwas, das im Zusammen hang mit der wahren Prophezeiung steht?“

Peter dachte an Lorettas Worte. „Dann hat Lorette womöglich einen Hinweis darauf gefunden, dass das vollständige Original der Prophezeiung noch irgendwo existiert.“

„Das denke ich auch. Es ist nicht viel – aber meine Instinkte sagen mir, dass wir eine Spur haben.