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Thomas Barron - „Die ewige Flamme“

Der Zauber von Avalon 3

ISBN: 9-783-423-71266-8

 

Klappentext:

Der Höhepunkt und das Finale der fantastischen Avalon-TrilogieWährend sich in den sieben Wurzelreichen das Unheil zusammenbraut und sich Feinde und Freunde Avalons auf beiden Seiten formieren, steigt Tamwyn, Merlins Enkel, in dem magischen Baum immer höher auf zu den Sternen, um diese erneut zum Leuchten zu bringen. Die Zeit drängt, denn Avalon droht von Rhita Gawr und seinen Schattenkriegern vernichtet zu werden.

 

Inhalt:

Avalon steht ein großer Kampf bevor. Ellie irrt durch Lehmwurzel und sucht verzweifelt nach einem Tor, um ihren Gefährten helfen zu können.

Scree sucht in ganz Avalon Helfer zusammen, um sich gegen Rita Gwhar wehren zu können. Und Tamwynn versucht noch immer auf den Spuren von Merlin zu wandeln, um das Rätsel um die Rettung Avalons zu lösen. Er findet den Hoolah wieder und auch Flederwish, sein kleiner Freund, taucht wieder auf. Doch Flederwish ist ein andere, als es bisher den Anschein hatte und zeigt genau im richtigen Moment seine wahre Gestalt.

 

Leseprobe:

… Bevor der Angreifer sich rühren konnte, sprang Tamwyn ihm auf die Brust und setzte sich auf die Rippen, um sicher zu sein, dass es zu keiner Flucht kam. Tamwyn packte auch beide Handgelenke des anderen und drückte sie auf den Boden. Jetzt konnte der so Gefesselte nur noch die übergroßen Handrücken auf den Boden schlagen.

Und lachen.

»Hihii, ichiii, huuhuuhuu ahaha«, ertönte das raue Gelächter. »Ich habe dich wirklich überrascht, Tollpatsch.«

»Henni, du alter Sack voll Bärenköttel!« Tamwyn betrachtete das freche Grinsen des Hoolahs und das vertraute rote Stirnband (das noch viel zerfetzter war als beim letzten Treffen). »Ich hätte dich schon ein Dutzend Mal getötet, aber …«, seine Stimme wurde sanfter, während sich ein Lächeln über sein Gesicht breitete, »… ich freue mich so, dich zu sehen.«

Hennis Grinsen verschwand, er kniff besorgt die Augen zusammen und schaute durch die dünnen Nebelfetzen zu Tamwyn hinauf. »Geht es dir gut, Tollpatsch? Du klingst beinah …«

»Idiotisch, ich weiß. Aber es ist wahr. Ich bin wirklich froh, dein albernes, gemeines, hässliches Gesicht zu sehen, selbst wenn du weniger Verstand hast als ein kopfloser Troll.«

Das Grinsen des Hoolahs kam plötzlich zurück, wie eine glühende Kohle in Flammen aufgeht. Und innerhalb seiner runden Augenbrauen strahlten zwei weitere Feuer. »Das ist besser! Uuhuu, iichii, du hast mir auch gefehlt.«

»Was ist mit deinem Stirnband passiert?«, fragte Tamwyn spöttisch. Er beugte sich näher, damit dem Hoolah der wütende Blick nicht entgehen konnte, mit dem er ihn jetzt wieder ansah. »Hast du es zerrissen, als du uns beide in die Spiralkaskaden geschleudert hast? Oder später beim Wasserfall, der uns fast totgeschlagen hat?«

Als wäre das eine ganz normale Frage, zeigte Henni keine Spur von Reue. Während er da auf dem Boden lag, zuckte er nur die Achseln. »Nein, nein. Es hat sich verfangen.«

»Verfangen? Worin?«

»In den Zähnen dieses drachengesichtigen Keilers, den ich dort auf den Klippen traf. Komisch, es hat ihm nicht gefallen, wie ich ihn am Schwanz zog.«

Trotz seines Zorns musste Tamwyn grinsen. »Immer noch der alte Henni, nicht wahr? Du bist noch nie einem tödlichen Hinterhalt begegnet, der dir nicht gefallen hat.«

»Huuhuuhiichicha-ha-ha«, lachte der Hoolah. »Da hast du recht.« Er wand sich ein wenig unter Tamwyns Gewicht. »Sag mal, iihii, ichii. Würde es dir was ausmachen, von mir runterzugehen? Du zerquetschst mir die alten Rippen.«

Aber Tamwyn hatte nichts gehört. Seine Gedanken waren jetzt bei ihrem dritten Gefährten, der wirklich in den Spiralkaskaden umgekommen war. Mit finsterem Gesicht sagte er leise: »Ich wollte, wir hätten Flederwisch nicht verloren.«

Etwas Kleines, Grünes sprang plötzlich aus den Falten von Hennis sackförmiger Tunika. Es fegte durch den dichten Nebel und zog eine leuchtende grüne Spur hinter sich her, während es durch den Dunst schwenkte.

»Uuii, uuii, Mannemann«, quietschte das fliegende Ding, während es an Tamwyns Ohr vorbeizischte. »Ich dadachte, du würdest dich nienie an mimich erinnern! Oh jaja, ja ja ja.«

»Flederwisch!« Tamwyn sprang auf vor Entzücken.

»He, Tollpatsch!«, neckte ihn Henni, der jetzt auch aufstand. »Du hast wieder mal die Chance verpasst, mich umzubringen.«

Tamwyn schaute ihn scharf an. »Keine Sorge. Ich finde bald genug noch eine Gelegenheit.« Er wandte sich wieder an das Geschöpf, das um seinen Kopf surrte. »Und du, du kleiner grüner Wicht! Wie hast du mich nur gefunden?«

Flederwisch schlug einen Salto im Nebel und flog eine ungleichmäßige Schleife, dann rutschte er auf Tamwyns Unterarm zu einem Halt. »Leicht, Mannemann. Wir sind einfach hinauf und auf und auf und aufgestiegen, weilmein hervorraragendes Gehirn sich erinnert, wohinin du gehen wolltest.«

Der junge Mann schüttelte erstaunt den Kopf. »Du hast wirklich ein hervorraragendes Gehirn.«

Flederwischs winziges Gesicht runzelte sich zu etwas, das fast ein Lächeln war. »Die Reise war sehr schwer, jaja. Aber am schwersten war es absolulut, diesen irren-wirren Hoolah davon abzuhalten, uns beide umzubringingen, jaja.«

»Das verstehe ich, mein Freund.«

Henni, der vergnügt auf Nebelfetzen klatschte, reagierte nicht.

Tamwyn schaute auf den mageren kleinen Kerl hinunter, der mit seinem mausähnlichen Gesicht, den trichterförmigen Ohren und den ledrigen Flügeln so sehr einer Fledermaus glich. Aber da war dieses seltsame Licht, das ihn umgab und leuchtende grüne Strahlen in den Dunst schickte. Was für eine Art Geschöpf war Flederwisch überhaupt? Tamwyn war einer Antwort auf diese Frage seit ihrer ersten Begegnung nicht näher gekommen.

Plötzlich frischte der Wind stark auf und zerteilte den Nebel auf dem Gipfel. Der Dunst wich zur Seite wie Reihen welliger Vorhänge. Zugleich wurde die Luft rund um die Gefährten heller und funkelte mit neuer Strahlkraft.

Tamwyn schaute in den schimmernden Nebel und war nicht sicher, ob das plötzliche Licht von den Sternen droben oder von etwas ganz anderem kam. Ein neuer Windstoß rauschte vorbei und hellte den Nebel noch mehr auf. Ein dritter Stoß blies so kräftig über sie, dass Flederwischs zusammengeknülltekleine Flügel sich von allein spannten und an Tamwyns Unterarm schlugen.

Mit ängstlichem Quietschen sprang Flederwisch in die nächste Tunikatasche seines Freunds. Gerade da riss der Nebel ganz auf und legte alle Sterne von Avalon frei. Hunderte und Aberhunderte von ihnen schienen auf Merlins Gipfel herab, sie strahlten so hell, dass Tamwyn und Henni sich abwenden mussten.

Plötzlich fiel ein Schatten auf sie. Tamwyn schaute hoch, er wollte die Ursache dieser Veränderung sehen. Ein erneuter Windstoß blies ihm so heftig ins Gesicht, dass ihm die Augen tränten. Doch er erkannte trotzdem, was den Wind und den Schatten ausgelöst hatte.

Flügel.

Ein riesiges geflügeltes Pferd stieg vom Himmel herab. Es kündigte seine Ankunft mit einem durchdringenden Wiehern an und schlug kräftig mit den Flügeln, deren silbrigweiße Federn aus Sternenlicht gemacht zu sein schienen. Dann landete die großartige Stute mitten im Steinring und zerteilte dabei die letzten Nebelfetzen.

Sie richtete die tiefbraunen Augen auf Tamwyn. Scheinbar endlos schauten sie einander an, der junge Mann und die alterslose Stute. Sie sah, Tamwyn spürte es, direkt in seine Seele, wie ein heller Lichtstrahl tief in einen dunklen Teich dringt. Und er wusste, dass sie entschied, ob er es wirklich wert war, eine Reise zu den Sternen zu machen.

Schließlich schwenkte sie anmutig den Schweif und sprach direkt in seine Gedanken. »Bist du der«, fragte sie mit hallender Stimme, »den man dunkle Flamme nennt?«

Als sie das erste Wort seines Namens sagte, zuckte er zusammen. Doch er brachte ein zögerndes Nicken zustande.

Sie sträubte die mächtigen weißen Schwingen und faltete sie eng an den Rücken. »Ich bin Ahearna, die Sternenstürmerin. Du musst wissen, dass ich viel in dir spüre, dunkle Flamme.«

Sie wieherte und warf den Kopf zurück. »Ich empfinde das Mitgefühl deiner Mutter und den Mut deines Vaters; die Freude am freien Laufen, ein segensreiches Vermächtnis deiner Großmutter, und das Verlangen, weise zu sein, ein Geschenk deines Großvaters. Und ich spüre noch manches andere.«

Tamwyn richtete sich auf, die Fackelstange berührte seinen Rücken. Konnte es wahr sein? Sagte die Stute ihm, dass er es tatsächlich wert war – um Palimysts Spruch zu gebrauchen –, eine Reise zu den Sternen zu machen? Und war sie das große Pferd aus dem Rätsel? Das ihn hinauf zum Zeitenfluss tragen könnte und weiter zu den verdunkelten Sternen des Zauberstabs?

Ahearna fuhr fort, ihn prüfend zu betrachten, ihre Augen verengten sich leicht. »Doch ich muss dir sagen, dass du es nicht wert bist.« Sie hob ihr Vorderbein und stampfte ins feuchte Gras. »Nein, du bist es definitiv nicht wert.«

Tamwyn taumelte, fast wäre er gestolpert. »Aber Avalon! Die Sterne! Rhita Gawr …«

Sie unterbrach ihn mit einem kurzen Wiehern. »Still, Grünschnabel!« Sie stellte die Ohren und deutete damit direkt auf ihn. »Ich wollte gerade sagen, dass dein Großvater Merlin es ebenfalls nicht wert war. Dennoch habe ich entschieden, ihn zu den Sternen zu tragen.«

Er stand steif da.

So elegant wie ein Nebelstreif durch die Luft gleitet, trat Ahearna näher. Jetzt war ihr Kopf so nah, dass Tamwyn die Wärme ihres Atems an seinem Gesicht spürte. »Also«, erklärte sie, »werde ich dich tragen.«

»Danke«, flüsterte er glücklich.

Statt ihm zu antworten, stellte sie ein Ohr in die Richtung von Henni, der auf der Seite stand. Plötzlich weiteten sich die Augen des Hoolahs in den runden Augenbrauen. Er trat so schnell ein paar Schritte zurück, dass er über einen der abgerundeten Steine stolperte und zu Boden fiel.

Tamwyn unterdrückte das Lachen und fragte: »Was hast du ihm gerade getan?«

Die geflügelte Stute schnaubte belustigt. »Ich habe ihm nur direkt in den Kopf gesagt, wenn er auch nur daran denkt, mich am Schwanz zu ziehen, werde ich ihn bis ins nächste Astreich kicken.«

»Du durchschaust ihn gründlich.«

»Genau wie ich dich durchschaue, dunkle Flamme.«

Tamwyn schluckte, es drängte ihn, etwas zu fragen – und auch das Thema zu wechseln. »Bist du das große Pferd in der Höh?« …