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Christoph Hardebusch - „Feuerstimmen“

ISBN: 9-783-492-70373-4

 

Klappentext:

Mit dem preisgekrönten Roman 'Die Trolle' und der Reihe um die 'Sturmwelten' schrieb sich Christoph Hardebusch an die Spitze der deutschsprachigen Fantasy. Mit 'Feuerstimmen' führt er alle Fans in eine neue Welt: Seit einer Ewigkeit lag der Schrecken in den Tiefen der Meere verborgen und war von den Menschen fast vergessen. Doch nun ist der fünfte Drache, ein allmächtiges Geschöpf der Finsternis, erwacht. Und er will etwas zu Ende bringen, das ihm vor Jahrhunderten nicht gelungen war: die Welt zu unterjochen. Im Verborgenen wächst die Macht des Drachen, und die Menschen erkennen erst spät, dass sie mehr und mehr zum Spielball der Dunkelheit werden. Während die junge Königin Elena alles versucht, um ihr Volk zu schützen, erfährt der Barde Aidan, dass er eine ganz besondere Gabe besitzt, die im Kampf gegen den Drachen die entscheidende Rolle spielen könnte - den Gesang der Magie. Der neue Roman von Bestsellerautor Christoph Hardebusch entstand beim gemeinsamen Fabulieren mit Van-Canto-Leadsänger Dennis Schunke, der mit seiner A-Cappella-Metalband die Geschichte um Aidan und Elena voller feuriger Stimmen und mystischem Gesang im Konzeptalbum 'Voices of Fire' umgesetzt hat. 'Man kann hier gar nicht sagen, ob unser Album nun die Musik zum Buch ist, oder der Roman das Buch zur Musik. Wir haben hier wirklich Hand in Hand gearbeitet. Unsere Kompositionen haben den Roman beeinflusst und umgekehrt. Wir haben eine eigene Welt erschaffen, es geht um konkurrierende Königreiche, um große Schlachten, um Drachen, Feuer und Barden. Nicht immer alles bierernst, aber es kracht an allen Ecken und Enden und ist großes Kopfkino, eigentlich wie Van Canto auch', erklärt Leadsänger Sly, der gemeinsam mit Christoph Hardebusch die Rahmenhandlung des Romans entwarf. 'Die enge Zusammenarbeit mit Van Canto hat zum einen viel Spaß gemacht, zum anderen war sie auch fordernd', fügt Autor Christoph Hardebusch hinzu. 'Beim Zusammenspiel kreativer Kräfte entsteht ein großes Ganzes, das mehr als nur die Summe seiner Teile ist. Geschichte und Musik waren von Beginn an Teil einer Einheit, haben sich gegenseitig beeinflusst und verstärkt.

 

Inhalt:

Elena, Königin eines Landes, auf den Inseln. Bisher hat sie das Amt der Königin als ein Geburtsrecht betrachtet. Doch inzwischen ist es nur noch eine Bürde. Sie empfindet es als List, tagtägliche ihren Pflichten nachzukommen. - Als dann aber die Magie ihren Dienst versagt, sie fast vom hohen Turm gestürzt wäre und dann auch noch Grenzstreitigkeiten auftreten, gerät ihre Welt vollends aus den Fugen. Sie möchte keinen Krieg führen müssen. Und schon gar nicht gegen die Nachbarländer.

Als die Streitigkeiten dann aber auch auf ihre Stadt ausgeweitet werden, sie von ihrer eigenen Leibwächterin attackiert wird, steht für sie fest, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Aydan ist mit seinem Barden-Kollegen durch die Lande unterwegs. Alles scheint wie immer, bis das kleine Fischerdorf, in dem sie sich gerade befinden, von seltsamen, blutrünstigen Monstern aus dem Meer angegriffen wird. Es gibt viele Tote und keiner kann sich das Geschehen erklären.

Zunächst fliehen nur die beiden Barden allein. Doch sie kehren zurück und bringen auch die Fischer zu einer Flucht aus ihrer Heimat.

Der Flüchtlingsdreck trifft auf die Königin Elena und ihre Leibwächterin genau dann, als sie gerade einmal wieder mit den Monstern kämpfen. - Sie ziehen gemeinsam weiter.

Die Menschen finden Aufnahme in einer Stadt. Aber auch diese Stadt liegt am Hafen und wird von den Monster heim gesucht. Sowohl für Elena und ihre Leibwächterin, als auch für die beiden Barden ist klar, dass da etwas größeres dahinter stecken muss. Sie machen sich auf den Weg, ihrem Land, den Menschen zu helfen.

Der Bardenruf weckt in Elena ungeahnte Talente, und auch die beiden Barden haben ihr Päckchen in diesem Kampf zu tragen. Es wird nicht einfach werden, aber Gesang kann eine Menge bewirken.

 

Leseprobe:

… »Wer ist das?«, erkundigte sich Brin und wies mit einem Nicken auf die beiden Neuankömmlinge.

»Reisende«, erläuterte Revus mit einem Hauch Sarkasmus in der Stimme, aber Aidan führte aus: »Sie haben uns geholfen. Ohne sie hätten wir den Morgen nicht erlebt.«

»Dann gebührt ihnen unser aller Dank.« Brin senkte das Haupt, was Elena mit einem feinen Lächeln zur Kenntnis nahm.

Als sie zum Hauptzug der Flüchtlinge aufschlossen, kamen Fragen auf, wurden Namen gerufen.

Brin zeigte die Küste entlang. »Wir haben es überstanden, aber noch sind wir nicht in Sicherheit«, stellte er fest, ohne auf die Rufe einzugehen. »Wir ziehen weiter, so schnell wir können.«

Es dauerte einen Moment, bis die frisch Verwundeten auf den Wagen Platz genommen hatten und alle so weit verteilt waren, dass es weitergehen konnte. Aber dann setzte sich die Kolonne wieder in Bewegung. Aidan und Revus liefen ein Stück Richtung Meer abseits, behielten das Wasser im Auge wie einen Feind.

Die beiden Neuankömmlinge hatten sich gemeinsam mit Brin an die Spitze gesetzt. Die Kleinere des Duos, deren blondes Haar im Wind wehte, ging voraus, während die Größere ihr folgte und immer zwischen ihr und den Flüchtlingen blieb, Hände auf den Klingen und stets die Aufmerksamkeit auf die Menschen um sich gerichtet.

»Ein seltsames Paar«, stellte Revus fest und Aidan nickte.

»Aber das sagen Leute auch über uns.«

Sein Freund grinste, aber nur kurz. Sie beobachteten die beiden Frauen eine Zeit lang, bis Kaleonas finsterer Blick auf sie fiel.

»Was denkst du, woher sie kommen? Hast du solche Kleidung schon einmal gesehen?«

Aidan versuchte sich an die vielen Moden zu erinnern, die ihm auf seinen Reisen begegnet waren, an Kostüme und Uniformen, Rüstungen und Kleider, aber nichts kam seinen Erinnerungen gleich. Alles an ihnen war filigran verziert, jeder Knopf, jede Brosche, jeder Saum. Es war von einer Kunstfertigkeit und zeugte von einem Reichtum, den er überwältigend fand. Und er hatte schon mit Königen gespeist und vor Fürsten gesungen. Die reichste Händlerin der Welt hatte ihn in ihren privaten Gemächern empfangen – zugegeben, dabei war weitaus weniger Kleidung im Spiel gewesen. Er hatte wundervolle Stoffe gesehen, beeindruckende Rüstungen, großartige Handwerkskunst; aber dennoch erschien ihm ihr Anblick einzigartig.

»Kann ich nicht behaupten«, murmelte er. »Dieser Stil … erinnert mich an gar nichts.«

»Vielleicht aus dem Süden«, vermutete Revus. »Jenseits der Großen Ödnis. Das würde erklären, warum sie nicht einmal wissen, wo sie hier sind, und die Gegend nicht kennen.«

Nachdenklich nickte Aidan, blieb aber voller Zweifel. Er hatte mit Händlern gesprochen, die in die großen Städte des weiten Südens gefahren waren, nach Ban Rakst und Ban Danir, die Leuchtenden Zwillinge mit ihren Gewürzmärkten, und sogar noch weiter, bis ins geheimnisvolle Tishanin, wo es angeblich Bestien mit menschlichen Antlitzen und tausend weitere Wunder gab. Nichts von ihren Erzählungen erinnerte ihn an das Aussehen der beiden Frauen.

»Sie wirkt ein wenig hochnäsig«, fasste er seinen Eindruck in Worte. »Und die andere, diese Kaleona … ich würde wetten, dass sie ihr Geschworenes Schwert oder so was ist.«

»Ich glaube nicht, dass sie uns mag.«

Revus nickte in die Richtung und wieder handelte sich Aidan einen abweisenden Blick ein.

»Oder sie mag einfach niemanden.«

»Oder sie hat von uns gehört. Das würde ihre Abneigung auch erklären.«

Sie lachten leise.

»Wie dem auch sei, erst einmal müssen wir Gorint erreichen. Wenn wir das geschafft haben und diese Menschen in Sicherheit sind, können wir vielleicht das Mysterium der Fremden lüften.«

»Das wäre nicht das Einzige, was ich lüften möchte«, entgegnete Revus, hob einen Arm und schnüffelte an seiner Achsel.

»He, runter damit, sonst wird mir schlecht.« Aidan wedelte angeekelt mit der Hand vor dem Gesicht herum. »Aber ja, ein Bad wäre gut. Vielleicht finden wir in irgendwelchen Taschen noch ein paar Münzen für neue Kleidung.«

»Und Ale«, fügte Revus mit Schmatzgeräuschen hinzu.

»Aber ohne Seetang!«

»Einverstanden!«

Sie stapften weiter, sparten aber ihren Atem jetzt für den Weg. Das Meer war grau, mit hohen Wellen, die sich weiß am Strand brachen. Aber nichts kroch aus ihnen hervor und lange bevor die Sonne unterging, tauchten die Mauern von Gorint vor ihnen auf.

Es war keine große Stadt. Es war keine prächtige Stadt. Auf ihren Wanderungen hatten sie Städte bereist, in deren Mauern Gorint zehn- oder zwanzigmal Platz gefunden hätte. Städte, deren Paläste goldene Kuppeln trugen und deren weiße Türme bis in den Himmel zu ragen schienen. Aber der Anblick der dunklen Stadtmauern ließ Aidans Herz dennoch höher schlagen, und die Flüchtlinge brachen in Jubel und Dankesrufe aus.

Revus schlug ihm auf die Schulter.

»Ein Bad und ein Ale!«

Unbewusst beschleunigten alle ihre Schritte und die beiden Freunde liefen voraus zu der Spitze der Kolonne, gesellten sich zu Brin, Elena und Kaleona.

»Und, was haltet Ihr davon?«

Aidan wies auf Gorint, das sich nah am Meer an einen kleinen Hügel zu klammern schien. Am Wasser erhob sich eine Festung über die Stadtmauer, vermutlich dort, wo die Einfahrt in den Hafen lag. Auch sie war aus dunkelgrauem Stein gemauert, wirkte klobig und untersetzt; kein Turm krönte sie.

»Es ist … eine Stadt«, erwiderte Elena betont emotionslos, aber ihre Miene sprach Bände. Der Anblick beeindruckte sie nicht, was Aidan durchaus verstehen konnte, sondern schien sie eher zu enttäuschen. Mit einem Mal fühlte er das Verlangen, Gorint zu verteidigen, obwohl er selbst nicht gerade angetan war.

»Feste Mauern, Soldaten, Sicherheit. Tavernen, warmes Essen, ein Dach über dem Kopf.«

»Ist es das, wonach man in diesen Landen strebt?«, erkundigte sich Elena mit einer Höflichkeit, die Aidan wütend machte.

»Nein«, entgegnete er hitzig. »Es ist das, wonach jene streben, die alles verloren haben.« Er wies auf den abgerissenen Haufen Flüchtlinge, der ihnen folgte.

Elena nickte.

»Wer herrscht über diesen Ort?«, erkundigte sich Kaleona.

»Äh …« Aidan zögerte, blickte dann Hilfe suchend zu Brin.

»Ein Baron.«

»Ein Baron? Wie ist sein Name?«

Schweigen antwortete der Frage. Aidan sah Elena und Kaleona einen vielsagenden Blick wechseln.

»Ich bin sicher, wie auch immer der Name ist, man wird uns mit offenen Armen empfangen«, erklärte er trotzig. Worte, die er schon kurze Zeit später bereuen sollte, als sich ihm vor dem Tor zwei Soldaten in alten Brustpanzern und langen Speeren gegenüberstellten und erst den Flüchtlingstrupp und dann ihn misstrauisch beäugten.

»Was ist denn das für eine Prozession?«, fragte die Kleinere der beiden, eine junge Frau mit rotem Haar, schiefer Nase und einem breiten Mund.

»Ein Betteltrupp?«, vermutete ihr Kompagnon, deutlich älter, schlecht rasiert, mit grauem Haar und ebensolchen Stoppeln. Er schniefte, zog die Nase hoch und hustete ausgiebig.

»Keine Bettler«, erklärte Aidan freundlich und setzte sein gewinnendstes Lächeln auf, was aber keine direkte Wirkung zeigte. »Wir sind gekommen, um Gorint zu warnen.«

»Wovor? Davor, dass bald Bettler unsere Straßen unsicher machen?«

Aidans Lächeln gefror. »Keine Bettler«, wiederholte er und sah den Graubart an. »Wir mussten fliehen.«

»Eh, ich kenne die«, mischte sich die Soldatin wieder ein. »Die kommen aus diesem Kaff, dieses Fischerkaff im Süden.«

»Genau. Das Dorf …« Aidan sprach das Wort extra betont aus. »… wurde angegriffen.«

»Angegriffen.« …