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Heidi Rehm - „Spiel der Hoffnung“

ISBN: 9-783-426-51592-1

 

Klappentext:

1927 scheint die ganze Welt von einem Taumel ergriffen. Zwischen Berlin und München, Monte Carlo und Paris herrscht ausgelassene Aufbruchstimmung. Niemand ahnt, wie nah am Abgrund man sich in Wahrheit befindet. In vollen Zügen genießt Ella ihr junges Eheglück mit dem gutsituierten Unternehmersohn Jobst. Ihre gemeinsamen Reisen führen sie nach Montreux und Paris sowie an die italienische und französische Riviera, in mondäne Casinos und Varietés. Einzig Jobsts rätselhafte Geschäftstermine, zu denen er immer mal wieder verschwindet, manchmal gleich für mehrere Tage, behagen Ella gar nicht. Doch verbirgt ihr Mann wirklich etwas vor ihr – oder entspringt ihr Misstrauen nur ihrem eigenen schlechten Gewissen, weil sie selbst mehr als ein Geheimnis hütet?

 

Inhalt:

Ella Withkamp will den Professor in München eigentlich nur kennen lernen. Seine Adresse fand sie im Nachlass ihrer Mutter. - Dass sie dann aber den Sohn eines münchener Unternehmers kennen und lieben lernt, war so nicht geplant.

Die Hochzeit ist dann auch ziemlich schnell und klein. Und trotzdem hat Ella in ihrer Schwägerin auch eine erbitterte Feindin gefunden. Viktoria will ihr mit aller Macht die Tour vermasseln und engagiert dafür sogar einen Privatdetektiv. Er soll Sachen über Ella heraus finden, die sie selber nicht weiß.

Jobst , ihr Ehemann , will von ihrer Vergangenheit nichts wissen. Er lebt seine Liebe zu ihr und verschwindet immer mal wieder zu Geschäftsreisen und Terminen. Er macht aus deren Inhalt und Zweck ein Geheimnis.

Es kommt , was kommen muss. Mitten im großen Glück , als Ellla und Jobst eine Reise nach Paris unternommen haben, tauchen Fotos aus Ella Ihrer Vergangenheit auf. Genau diese Fotos sorgen für einen großen Bruch in der Ehe und einen riesengroßen Krach im Hause der Schwiegereltern. Ellas jüdische Wurzeln werden plötzlich zum Thema und Ella ergreift dir Flucht . Sie versteckt sich im anonymen Berlin.

Ein Freund von Jobst, der schon immer ein Talent für den richtigen Augenblick hatte, taucht aber auf, holt sie aus ihrem Tun heraus und fährt mit ihr zu ihrem Jobst. Denn auch der hat es in seiner Familie nicht mehr ausgehalten und will sein Glück am Spieltisch versuchen. Doch Ella und Jobst müssen klären, wie es weiter gehen soll. Denn Ella hat inzwischen festgestellt , dass sie ein Kind erwartet.

 

Leseprobe:

… Ehe man sich versah, spielte das Tanzorchester des Sonnenbichl zum legendären Silvesterball auf. Die Damen warfen sich in gewagte Abendkleider, die Herren trugen Frack oder Smoking, um unter der riesigen Glitzerkugel an der Decke des Festsaals das Tanzbein zu schwingen. Zur Freude der Zwillinge gab es ein eigenes Fest für Inder im ausgeräumten Dachboden des Hauses. Aus den Gaubenfenstern hatten sie einen einzigartigen Blick auf das Feuerwerk, das um Mitternacht das beeindruckende Bergpanorama beleuchtete. Erschöpft aber glücklich lagen die Mädchen eine halbe Stunde später im Bett. Viktoria schaute kurz zu ihnen herein, um ihnen eine gute Nacht zu wünschen.

„Du siehst wunder-, wunderschön aus, Mama!“ Fasziniert strich Klara über die dunkelrote seide von Viktorias schulterfreiem Ballkleid. Ihre Schwiegereltern hatten den freizügigen Schnitt mit einem unmissverständlichen Stirnrunzel quittiert, während Falk leise gepfiffen hatte, als sie sich ihm damit zum ersten Mal gezeigt hatte.

„Du bist überhaupt die allerschönste Frau der Welt!“, fügte Charlotte bewundernd hinzu und kuschelte sich an Viktorias andere Seite.

„Danke euch, meine Süßen. Ihr seid überhaupt die besten Kinder der Welt.“ Zärtlich strich Viktroia ihnen über die noch immer vor Aufregung glühenden Wangen und küsste sie zum Abschied. Als sie auf Zehenspitzen zur Tür schlich, mahnte sie: 2Schalft jetzt ganz, ganz schnell, damit ihr morgen früh ausgeruht für die Ausfahrt mit der Kutsche seid.“

Sie war schon halb aus der Tür und wollte sie gerade leisen schließen, da hörte sie Charlotte flüstern: 2Schade, dass Mama und Papa morgen früh nicht mitkommen. Die Kinderfrau vom Hotel ist eine richtige böse Hexe.“

„Aber du weißt doch, Mama und Papa müssen sich bis mittags vom vielen Tanzen und Trinken ausschlafen“, erinnerte Klara in gewohnt altklugem Ton, was ihre Schwester wohl wenig beruhigte. Fas schon ängstlich schob sie nach: „Hoffentlich küsst Papa nicht wieder zu viele fremde Frauen.“

„Wenn Tante Rike sich endlich richtig von ihm küssen lässt, schaut er bestimmt keine andere mehr an.“, stellte Klara ungerührt fest.

Viktoria erstarrte. Was wussten ausgerechnet die Mädchen, das ihr selbst entgangen war? Hatte Falk also doch wieder....

„Dabei ist Mama viel schöner“, schob Charlotte nach.

„Aber Tante Rike ist jünger und lustiger. Deshalb haben wir sie doch auch so gern.“

„Wenn du meinst“, gab Charlotte klein bei.

Im ersten Moment wollte Viktoria die Kinder zur Rede stellen. Damit aber würde sie die Sache nur schlimmer machen. Noch leiser als sonst schloss sie die Tür, prüfte ihr Aussehen in einem der vielen Wandspiegel auf dem Weg ins Erdgeschoss und kehrte hoch erhobenen Hauptes in den Festsaal zurück.

Die Stimmung war seit dem Jahreswechsel um Mitternacht noch ausgelassener geworden. Ältere Gäste wie Isolde und Werner hatten sich nach dem Feuerwerk zurückgezogen, um den Jüngeren das Feld zu überlassen. Die Mengen Champagner, mit denen das neue Jahr begrüßt worden war, zeigten ebenso Wirkung wie der viele Wein und die Cocktails, die seit dem fünfgängigen Dinner zum Jahresabschluss bereits getrunken worden waren. Mehr grölend als singend, stürmte eine Polonaise direkt an Vitoria vorbei ins Foyer. Der Kapellmeister nutzte die kurzzeitige Leere auf dem Parkett, um einen Tango zu intonieren, womit er die etwas weniger berauschten Paare auf die Tanzfläche locken verstand.

Suchend sah Viktora sich um, entdeckte Ella und Jobst natürlich eng umschlungen die langen Schritte setzend. Falk erspähte sie jedoch ebenso wenig wie Rike. Ob er sein Zeil also schon erreicht hatte? Böse hallten ihr die Sätze der unschuldigen Mädchen im Ohr. Wie hatte sie sich nur derart in Sicherheit wiegen können? Niemals war Falk zu trauen! Während er sie des Nachts zärtlich im Ehebett verwöhnte, heckte er in Gedanken bereits eine Strategie aus, wie er Rike endlich ins Bett lockte. Bei der Vorstellung, was neben den Kinder vermutlich auch der Rest der Familie schon von seinen Gelüsten nach Ellas „Cousine“ mitgekriegt hatte, wurde Viktoria übel.

Sie stützte sich an eine girlandengeschmückte Säule und schloss die Augen.

Ein großer Fehler. Erschreckend klar sah sie auf einmal vor sich, mit welchen gierigen Blicken Falk an Heiligabend die verführerisch herausgeputzte Rike verschlungen hatte. Später im Bett hatte Viktora sich auch noch gefreut, wie hungirg er über sie hergefallen war. Dabei hatte seine Lust nicht ihr, sondern Rike gegolten“ Es juckte sie in den Fingern, nach oben zu stürmen und unter einem Vorwand an Rikes Zimmertür zu klopfen, um die beiden in flagranti zu erwischen. Nein, das war zu billig. Sie musste sich in Geduld üben, um die beiden bei günstigerer Gelegenheit vor mehr Publikum bloßzustellen.

Noch einmal schweifte ihr Blick über die ganz in der Leidenschaft des Tangos versunkenen Paare, wanderte weiter zu den Einsamen, die so wie sie allein an der Seite der Tanzfläche standen und ihnen voller Sehnsucht zusahen. An einer Säule auf der gegenüberliegenden Längsseite lehnte ein eleganter, schlanker junger Mann, eine Zigarre in der einen, einen Champagnerkelch in der zweiten Hand. Besonders auffällig waren sein weißblondes, straff nach hinten frisiertes Haar wie auch die wachen hellgrauen Augen. Das funkelnde Licht der Glaskugel über dem Tanzparkett ließ die blasse Gestalt umso stärker erstrahlen. Viktoria erkannte sie gleich. Siegfried Borst!

Was tat er hier? Sie zägerte, ob sie ihn ignorieren und rasch weggehen oder ihm doch freundlich grüßen sollte. Bestimmt ban er niemandem auf die Nase, Privatdetektiv zu sein. Andererseits zählte ihr letzter Besuch in seinem Büro nicht eben zu den glanzvollsten Momenten ihres Lebens.

Die Entscheidung fiel schnell als gedacht. Als ahnte r ihren Blick, sah er plötzlich zu ihr herüber undprostete ihr zu. Viktoria nickte zurück. Die Kapelle stimmte einen langsamen Walzer an. Kaum vernahm sie die ersten verführerischen Takte, wusste sie, was sie tun musste. Borst schien es ähnlich zu gehen. Er drückte die Zigarre im nächstbesten Aschenbecher aus, stellte das Glas beiseite und kam in großen Schritten auf sie zu. „Welch wundervolle Überraschung. Darf ich bitten, gnädige Frau?“ Wohlerzogen verbeugte er sich vor ihr.

Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Rike und Falk in den Saal zurückkehrten, beide mit leicht geröteten Wangen und für die fortgeschrittene Silvesternacht eine Spur zu korrekt hergerichtet. Viktoria beschloss, Geschäft Geschäft sein zu lassen und neue Prioritäten zu setzen. Entschlossen lächelte sie Bors an und ergriff seine warme, frisch manikürte Hand. Als sie dicht an Rike und Falk vorbeitanzten, konnte sie sich einen triumphierenden Seitenblick nicht versagen. Rike grinste, Falk hob kurz die Augenbraue, tat dann aber, als hätte er sie nicht gesehen. Umso enger schmiegte Viktoria sich an Borst.

Es bleib nicht bie dem einen Walzer. Borst erwies sich als ausgezeichneter Tänzer. Viktoria meinte, regelrecht übers Parkett zu schweben, derart leichtfüßig führte er sie herum. Foxtrott und Shimmy gefilen ihr bald weniger, ein neuerlicher Tango dagegen schon wieder eher. Borsts Hand auf der nakcten Haut zwischen den Schulterblättern zu spürten, sein fein gezeichnetes Gesicht so nah vor Augen zu haben, elektrisierte sie. Je fester er sie an sich drückte, desto weniger verspürte sie den Drang, weiter Ausschau nach Rike und Falk zu halten. Borst wusste, wie man einer Frau das Gefühl  gab, die unumstrtittene Königin der Tanzfläche zu sein.

Auch auf die Unterhaltung jenseits der Tanzfläche verstand er sich bestens. Viktoria achtete nicht drauf, wie viel Champagner sie tranken. Bald hörte sie kaum mehr, was er erzählte. Sein Lachen war ansteckend. Es wieder und wieder zu hören, war der einzige Zweck ihres Beisammenseins. Selten hatte sie sich derart köstlich amüsiert wie mit dem einige Jahre jüngeren Privatdetektiv. Wie hatte ihr nur so lange entgehen können, wie gut er aussah und wie charmant er war! ...