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Kiera Cass - „Die Krone“

Selection 5

ISBN: 9-783-737-35421-9

 

Klappentext:

Die große Liebe, das große Finale - ein Muss für alle ›Selection‹-Fans! Viermal schon hat uns Kiera Cass in das Königreich Illeá mitgenommen, auf die Suche nach der einen große Liebe. Nun heißt es Abschied nehmen. Als das Casting begann, war Eadlyn wild entschlossen, sich nicht zu verlieben und keinen der Bewerber an sich heranzulassen. Doch heimlich mogelten sich fünf davon doch in ihr Herz: Henri, der charmante Thronfolger, und sein Übersetzer Erik. Der aufmerksame und rücksichtsvolle Hale. Der selbstsichere und attraktive Ean. Und natürlich Kile, Eadlyns Lieblingsfeind aus Sandkastenzeiten, der sie ärgerlicherweise immer wieder aus der Reserve lockt. Am Ende des Castings wird Eadlyn trotz all ihrer Vorsätze ihr Herz verloren haben.

 

Inhalt:

Prinzessin Edylin hat es nicht leicht. Ihre Mutter erholt sich von einem Herzinfarkt. Ihr Vater will die Zeit an der Seite seiner Frau verbringen und überträgt seiner Tochter kurzerhand die Regentschaft.

Edylin versucht sich tapfer zu schlagen. Aber sie weiß auch, dass das Volk ihr nicht gerade freundlich gesinnt ist. Und dann sind da auch noch die Herren vom Casting, die sie auch nicht ewig hin halten kann. Für einen von ihnen muss sie sich entscheiden. Und als wenn das noch nicht genug Stress wäre, meldet sich auch ihr frisch verheirateter Zwillingsbruder nicht mehr.

Edylin hat mit dem Spagat, den sie meistern muss, alle Hände voll zu tun. Trotzdem schafft sie es, auch das Casting weiter am Laufen zu halten. Es kristallisiert sich langsam heraus, wer von den Herren ihr Favorit ist. Allerdings ist dieser Herr kein Kandidat im eigentlichen Sinn. - Die Prinzessin wird zur Königin und sieht sich dann mit einem weiteren Verehrer konfrontiert. Ein Mann, den sie bisher noch nicht auf dem Schirm hatte. Der greift sie nicht direkt an, startet aber verschiedene Aktionen, mit denen er ganz schön für Wirbel sorgt.

Die junge Königin ist unter Zugzwang. Doch eine längst überfällige Unterredung mit ihrem Vater und seiner Wahrheit, lässt sie auch diese Situation meistern.

 

Leseprobe:

… »Moment, wie zieht man mit diesen beiden Typen noch mal?«, fragte Hale und streckte dann die Hand aus, um sich zwei Petit Fours auf seinen Teller zu legen.

»Läufer bewegen sich diagonal übers Schachbrett. Wenn ich Sie wäre, würde ich das allerdings lieber lassen, aber es ist Ihr Bier.«

Er lachte. »Okay. Und was ist mit den beiden Türmen?«

»Die können sich sowohl horizontal als auch vertikal über eine beliebige Anzahl von Feldern bewegen. Vorwärts und rückwärts.«

Hale schob seinen Turm übers Brett und schlug noch einen meiner Bauern. »Ganz ehrlich: Ich hätte Sie nie für eine Schachspielerin gehalten.«

»Bin ich eigentlich auch nicht. Aber Ahren war früher geradezu besessen davon. Monatelang musste ich jeden Tag mit ihm spielen. Doch dann wurde es ihm ernst mit Camille, und er verbrachte seine Zeit lieber mit Briefeschreiben als mit Schach.«

Ich zog mit dem Läufer und schlug Hales Springer.

»Oje, das habe ich nicht kommen sehen«, jammerte Hale zwischen zwei Bissen. »Ich wollte Sie die ganze Zeit schon nach Ahren fragen, aber ich war mir nicht sicher, ob Ihnen das recht ist.«

Ich zuckte mit den Schultern, denn eigentlich war mir nicht danach, mich auf ein solches Gespräch einzulassen. Doch dann rief ich mir in Erinnerung, dass ich – wenn ich jemals glücklich sein wollte – jemanden hinter meine Schutzmauern lassen musste.

»Ich vermisse ihn«, gestand ich Hale seufzend. »Es ist, als wäre ich von Geburt an mit einem besten Freund ausgestattet gewesen, und auf einmal ist der nicht mehr da. Es gibt andere, die mir nahestehen – zum Beispiel meine Hofdame Neena. Ich hatte nicht mal gemerkt, wie eng wir schon miteinander waren. Das fiel mir erst auf, als Ahren weg war. Aber es macht mir Angst. Was, wenn sie mir irgendwann so vertraut wird wie Ahren, ich mit allen Sorgen zu ihr komme, und dann passiert irgendetwas, und auch sie verlässt mich?«

Hale nickte beim Zuhören, und ich sah, dass er ein Lächeln unterdrückte.

»Das ist nicht lustig!«, beschwerte ich mich und warf einen seiner geschlagenen Bauern nach ihm.

Er lachte laut auf und wich dem Bauern aus. »Nein, ich schmunzle doch nicht deswegen. Es ist nur … Als wir uns beim letzten Mal so unterhalten haben, sind Sie davongelaufen. Sie tragen doch nicht etwa Turnschuhe unter dem Kleid, oder?«

»Bestimmt nicht. Das würde doch gar nicht zusammenpassen«, neckte ich ihn. »Nein, jetzt mal ernsthaft: Ich hätte Ihnen damals schon vertrauen sollen, und ich vertraue Ihnen jetzt. Tut mir leid, wenn das bei mir nicht so schnell geht. Mich anderen Menschen zu öffnen ist nicht gerade eine Stärke von mir.«

»Nur die Ruhe. Ich bin ein ziemlich geduldiger Mensch.«

Ich konnte ihm nicht länger in die Augen sehen, deshalb konzentrierte ich mich auf das Schachbrett und sah zu, wie seine Hand über den Figuren schwebte.

»Was Ihre Freundschaft mit Neena betrifft«, fuhr Hale fort, »selbst wenn sie den Palast verlassen müsste, bliebe sie noch immer Ihre Freundin – genauso wie Ahren noch immer Ihr Bruder ist. Vielleicht müssten Sie sich mehr anstrengen, um in Kontakt zu bleiben, doch wenn Sie die beiden so sehr mögen, wie Sie sagen, dann lohnt es sich.«

»Da haben Sie zweifellos recht«, räumte ich ein, »aber das macht es trotzdem nicht einfacher. Es fällt mir schwer, Freunde zu finden, da ich nicht viel ausgehe. Deshalb bin ich auf die angewiesen, die ich habe.«

Hale schmunzelte, und ich bekam nicht mit, welche Figur er auf dem Schachbrett bewegte. »Also, nur fürs Protokoll: Selbst wenn Sie sich nicht für mich entscheiden, bleibe ich Ihnen lebenslang ein Freund. Und wann immer Sie mich brauchen, sitze ich in fünf Minuten im Flieger nach Angeles.«

Ich lächelte. »Eine Sache pro Tag.«

Er nickte. »Genau.«

»Das ist wirklich gut zu wissen. Danke.« Ich richtete mich auf und dachte über meinen nächsten Zug nach. »Was ist eigentlich mit Ihnen? Wer ist Ihr bester Freund?«

»Dazu hat man mich vor ein paar Wochen schon mal verhört, und zwar direkt nach Burkes Rauswurf. Mein bester Freund ist eine Freundin, und die Sicherheitsleute vom Palast argwöhnten, ich schriebe meiner ›Freundin daheim‹. Ich kann Ihnen sagen: Das war vielleicht beschämend, Carrie zu bitten, mit einem Wachmann zu telefonieren, um ihm zu versichern, es habe zwischen uns nie auch nur einen einzigen romantischen Moment gegeben.«

Ich biss mir auf die Lippen, froh, dass er die Sache mit Humor nehmen konnte. »Tut mir wirklich leid.«

»Ach, schon gut. Sie fand das sogar lustig.«

»Schön, dass sie es so leicht genommen hat.« Ich räusperte mich. »Aber jetzt muss ich Sie fragen: Waren Sie wirklich nie auch nur ein kleines bisschen in diese Carrie verliebt?«

»Nein!« Es schüttelte ihn fast. »Carrie ist wie eine Schwester für mich. Allein der Gedanke, sie zu küssen, fühlt sich falsch an.«

Ich hob beschwichtigend die Hände, erschrocken darüber, wie gekränkt er war. »Schon gut. Ich muss mir also wegen Carrie keine Sorgen machen. Kapiert.«

»Entschuldigung.« Die Empörung in seinem Gesicht wich einem scheuen Lächeln. »Ich bin das eben schon tausendmal gefragt worden. Von Freunden, von unseren Eltern … Es ist, als ob alle sich immer gewünscht hätten, dass wir zusammenkommen. Aber ich empfinde nun mal nichts dergleichen für Carrie.«

»Das verstehe ich. Manchmal habe ich auch den Eindruck, als ob letztendlich alle eine Verbindung mit Kile begrüßen würden – nur weil wir zusammen aufgewachsen sind. Als wäre das allein die Garantie dafür, dass man sich ineinander verliebt.«

»Na ja, der Unterschied zu mir ist aber doch, dass Sie tatsächlich Gefühle für Kile haben. Das kann man sehen.« Er spielte mit einem geschlagenen Bauern.

Ich senkte den Blick. »Ich hätte es nicht erwähnen sollen. Tut mir leid.«

»Nein, ist schon okay. Der einzige Weg, hier unbeschadet durchzukommen, ist, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass Sie hier bestimmen, dass Sie entscheiden, wo wir jeweils stehen. Und wir können nichts anderes tun, als wir selbst zu sein.«

»Und was glauben Sie, wo Sie stehen?«

Er lächelte verhalten. »Ich weiß es nicht. Irgendwo im Mittelfeld?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, weiter oben.«

»Ja?«

»Ja.«

Sein Lächeln wurde schwächer. »Das ist einerseits wundervoll, aber es macht mir auch Angst. Auf den Gewinner wartet viel Verantwortung.«

Ich nickte. »Jede Menge davon.«

»Ich glaube, ich habe mich damit noch gar nicht richtig auseinandergesetzt. Aber nun, da Sie zur Zeit sogar als Regentin agieren, ist das alles ziemlich… überwältigend.« …