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Michael Crichton – Die Stimmen des Bösen“

ISBN: 9-783-442-46153-0

 

Klappentext:

Mitten im Pazifik, tief am Meeresgrund verborgen, wird ein Raumschiff entdeckt. Ein US-Expertenteam soll die technologisch hoch entwickelte Konstruktion untersuchen, doch das riesige UFO gibt den Forschern zahlreiche Rätsel auf: Messungen ergeben, dass es schon seit 300 Jahren dort unten im Meer liegt und während dieser Zeit eine tödliche Fähigkeit entwickelt hat …

 

Inhalt:

Als Norman Johnson einen Aufruf bekommt, mit Leuten des Militärs in eine ihm bis dahin unbekannte Zukunft zu fahren, erscheint ihm das nicht sonderlich seltsam. Er bekommt nicht zum ersten Mal so von jetzt auf gleich einen militärischen Einsatz.

Auf der Insel angekommen, hat er Kontaktverbot nach außen, findet genau das Team vor, das er vor Jahren schon zusammen gestellt hat und wird dann noch selber auf einen Unterwassereinsatz vorbereitet.

Im Habitat angekommen, über 300 Meter unter dem Meeresspiegel, beginnen sie sofort mit einer Expedition in das Raumschiff, welches sie erkunden sollen. Doch finden die nicht etwa eine fremdartige Spezies vor, sondern ein leeres und absolut unbekannte Raumschiff. In diesem Raumschiff befindet sich eine Kugel, die die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Als sie dann die Kugel auf bekommen haben, häufen sich die seltsamen und gefährlichen Ereignisse. Es kommen Leute um, jeder gibt jedem die Schuld und alle glauben an einen Kontakt mit einem außerirdischen Wesen. - Die Situation spitzt sich mit zunehmender Zerstörung des Habitats zu und keiner traut dem anderen mehr.

So hat sich das die Navy sicher nicht vorgestellt.

 

Leseprobe:

… Die Marinetaucher haben sie aber nicht gejagt. Zweitens müßte der Boden hier noch mehr Tiere anlocken, weil das Aufwirbeln der Ablagerungen durch die Taucher Nährstoffe freigesetzt hat. Drittens fühlen sich zahlreiche Tierarten vom elektrischen Strom angezogen. Also hätten die Garnelen und andere Tierarten schon vorher kommen müssen, angelockt durch die Elektrizität, nicht aber jetzt, wo der Strom abgeschaltet ist.«

Sie untersuchte die Garnelen unter dem Raster-Elektronenmikroskop mit geringer Vergrößerung. »Was für einen Eindruck macht er auf dich?«

»Wer, Harry?«

»Ja.«

»Ich weiß nicht.«

»Ist er okay?«

»Ich weiß nicht recht. Eigentlich schon.«

Ohne das Auge vom Okular zu nehmen, fragte sie: »Hat er dir gesagt, was in der Kugel vorgefallen ist?«

»Noch nicht.«

Sie stellte das Mikroskop neu ein und schüttelte den Kopf. »Der Teufel soll mich holen.«

»Was ist los?« fragte Norman.

»Zusätzliche Dorsalschuppen.«

»Was bedeutet das?«

»Noch eine neue Art«, sagte sie.

»Garnelus bethus? Du machst hier unten ja eine Neuentdekkungnach der anderen, Beth«, sagte Norman.

»Mhm … Ich habe mir auch die Seefächer draußen angesehen, weil sie merkwürdige radiale Wachstumsmuster aufzuweisen schienen. Auch sie sind bisher nicht bekannt.«

»Ist doch großartig, Beth.«

Sie wandte sich um und sah ihn an. »Nein. Nicht großartig, sondern unheimlich.« Sie schaltete eine helle Lampe ein und schnitt eine der Garnelen mit einem Skalpell auf. »Dacht ich’s mir doch.«

»Was ist?«

»Norman«, sagte sie, »wir haben tagelang hier unten keinerlei Leben gesehen – und mit einemmal sollen wir in den letzten paar Stunden drei völlig neue Arten finden? Das ist nicht normal.«

»Woher wissen wir, was in einer Tiefe von dreihundert Metern normal ist?«

»Ich sage dir, es ist nicht normal.«

»Aber Beth, du hast doch selbst gesagt, daß wir vorher die Seefächer übersehen haben. Was die Kalmare und Garnelen betrifft – kann es nicht sein, daß die einfach wandern, durch dieses Gebiet ziehen oder so? Barnes hat gesagt, noch nie hätten sich Wissenschaftler so tief auf dem Meeresboden aufgehalten. Vielleicht sind diese Wanderungen normal, und wir wissen einfach nichts darüber.«

»Nein«, sagte Beth. »Als ich mir draußen diese Garnelen geholt habe, ist mir aufgefallen, daß ihr Verhalten untypisch war. Zum einen waren sie viel zu dicht beisammen. Garnelen halten am Meeresboden gewöhnlich einen Abstand von gut einem Meter. Die aber saßen dicht an dicht. Außerdem haben sie sich bewegt, als ob sie fräßen, aber es gibt hier unten für sie gar nichts zu fressen.«

»Unseres Wissens nicht.«

»Nun, die hier können nicht gefressen haben.« Sie wies auf das zerschnittene Tier auf dem Labortisch. »Sie haben keinen Magen.«

»Machst du Scherze?«

»Sieh doch selbst.«

Norman sah hin, aber der Anblick der sezierten Garnele sagte ihm nicht viel. Es war einfach eine Masse rosafarbenen Fleisches, das diagonal mit einem gezackten, unsauberen Schnitt durchtrennt war. Sie ist müde, dachte er. Sie arbeitet nicht mehr besonders geschickt. Wir brauchen Schlaf. Wir müssen hier raus.

»Das Äußere ist genau wie bei anderen Garnelen auch, mit Ausnahme einer zusätzlichen Dorsalschuppe am Schwanz«, sagte sie. »Aber im Inneren stimmt nichts. Die Tiere können überhaupt nicht leben. Kein Magen, keine Fortpflanzungsorgane. Das hier ist die schlechte Nachahmung einer Garnele.«

»Dennoch leben sie«, sagte Norman.

»Ja«, sagte sie, »sie leben.« Das schien ihr nicht zu gefallen. »Und die Kalmare waren innen völlig normal …«

»Waren sie nicht. Dem Exemplar, das ich seziert habe, fehlten verschiedene wichtige Bestandteile – beispielsweise ein als Stellarganglion bezeichnetes Nervenzentrum.«

»Nun …«

»Und es hatte keine Kiemen, Norman. Kalmare besitzen lange Kiemen für den Gasaustausch, aber der hatte keine. Er konnte überhaupt nicht atmen, Norman.«

»Er muß aber doch eine Möglichkeit dazu gehabt haben.«

»Ich sage dir, er hatte keine. Wir sehen hier unten völlig unmögliche Tiere. Von einem Augenblick auf den anderen tauchen lauter unmögliche Lebewesen auf.«

Beth wandte sich von der Lampe ab, und er sah, daß sie den Tränen nahe war. Ihre Hände zitterten, und sie legte sie rasch in den Schoß. »Du machst dir ja richtig Sorgen«, sagte er.

»Du etwa nicht?« Sie sah ihm prüfend ins Gesicht. »Norman «, sagte sie, »all das ist passiert, seit Harry die Kugel verlassen hat, nicht wahr?«

»Vermutlich hast du recht.«

»Harry kommt aus der Kugel, und mit einemmal haben wir unmögliche Meerestiere … Es gefällt mir nicht. Ich wollte, wir könnten hier raus. Ehrlich.« Ihre Unterlippe zitterte.

Er drückte sie an sich und sagte sanft: »Das geht aber nicht.«

»Ich weiß«, sagte sie. Sie umschlang ihn, legte ihr Gesicht an seine Schulter und begann zu weinen. Er legte den Arm um sie. »Ich kann es selber nicht ausstehen, wenn ich so bin«, sagte sie. »Ich hasse dieses Gefühl.«

»Weiß ich doch …«

»Und ich hasse diesen Ort hier. Ich hasse alles daran. Ich hasse Barnes, ich hasse Teds Vorträge, und ich hasse Levys blöde Nachtische. Ich wünschte, ich wäre nicht hier.«

»Ich weiß …«

Sie schniefte noch einen Augenblick, dann stieß sie Norman mit ihren kräftigen Armen unvermittelt zurück. Sie wandte sich ab und wischte sich die Augen. »Jetzt geht es wieder«, sagte sie, »danke.«

»Schon gut«, sagte er.

Sie hielt ihm den Rücken zugewandt. »Wo sind die verdammten Papiertaschentücher?« Sie fand eins und schneuzte sich. »Du sagst doch … den anderen nichts?«

»Natürlich nicht.«

Das Läuten einer Glocke ließ sie zusammenzucken. »Gott im Himmel, was ist das?«

»Es heißt wohl, daß es Abendessen gibt«, sagte Norman. …