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Kathy Reichs - „Fahr zur Hölle“

Fall 14 der Tempe Brennan

ISBN: 9-783-641-06977-3

 

Klappentext:

Bist du stärker als der Hass, schneller als das Böse und bereit für die Wahrheit? In Charlotte, Tempe Brennans Heimatstadt, ist die Hölle los. 200.000 NASCAR-Fans sind auf dem Weg zum Lowes Motor Speedway und dem großen Rennwochenende. Auf einer Müllhalde nahe der Anlage wird in einem Teerfass eine Leiche gefunden. Ist es die lange vermisste Cindy? Ihre Ermittlungen führen Tempe ins Fadenkreuz einer Verschwörung. Sie arbeitet fieberhaft daran, den Fall schnell aufzuklären. Doch sie weiß: Das Böse holt dich immer ein.

 

Inhalt:

Das Nascar-Rennen ist ein rießen Ding. Es spült Geld in die Kassen und lockt Besucher an. Die Leiche, die man dann auf einer Mülldeponie findet, passt so gar nicht in das fröhliche und sportlich faire Bild.

Dr. Temperance Brennan wird gerufen. Sie soll den Fall der seltsamen Leiche aufklären. Wie kommt die Leiche in das Fass? Warum ist es mit Asphalt gefüllt?

Die Ermittlungen haben kaum begonnen, als auch schon ein junger Mann bei Tempe auftraucht, dessen jüngere Schwester vor Jahren verschwunden ist. - Tempe forscht ein wenig in die Richtung und prompt wird auch der junge Mann getötet aufgefunden.

Auch auf Tempe hat man es inzwischen abgesehen. Obwohl die ursprüngliche Leiche versehentlich kremiert wurde, kommt Tempe der Lösung gefährlich nahe. - Sie soll aus dem Weg geräumt werden. Und ausgerechnet die neue Verlobte ihres Exmannes rettet ihr das Leben.

 

Leseprobe:

… »Sie hatte ihre Schlüssel nicht verloren. Ich sah sie in ihrem Rucksack. Warum sollte sie sich so eine Geschichte ausdenken?«

»Was glauben Sie, warum?«

»Ich glaube, sie hatte mit Lovette Schluss gemacht, und er war sauer. Und das machte sie so nervös. Sie hatte Angst, er würde auf sie losgehen, und erfand die Sache mit den Schlüsseln, um wenigstens im Haus sicher zu sein.«

Gamble lief weiter auf und ab wie ein Tier in einem kleinen Käfig.

»Setzen Sie sich«, sagte Slidell.

Gamble ignorierte ihn, er konnte einfach nicht stillstehen.

»Haben Sie das alles damals der Polizei gemeldet?« Slidell.

»Ich habe es irgendso ’nem großen Kerl erzählt.«

»Galimore?«

Gamble zuckte die Acheln. »Keine Ahnung. Ich war damals noch ein kleiner Junge. Später erfuhr ich, dass Galimore bei der Sondereinheit war. Ich kenne den Typen zwar nicht, aber ich habe gehört, dass er hier für die Sicherheit zuständig ist.«

»Ging die Polizei dem nach?«

»Wer weiß?«

»Was war mit dem FBI?«

»Ich sag’s Ihnen noch mal. Ich war ein kleiner Junge. Und meine Eltern hatten keine Beziehungen nach oben.«

Schritte klapperten auf Metallstufen, dann ging am anderen Ende des Transporters eine Tür auf. Ein Mann im Trainingsanzug beugte sich herein. Er schwitzte und atmete schwer. »Wir haben ein Problem am Ausgang von Kurve drei. Der Druck rechts hinten muss neu eingestellt werden.«

»Fünf Minuten«, blaffte Gamble.

»Stupak dreht durch.«

»Fünf!«

Der Mann ging wieder.

»Haben Sie mit Ihren Eltern über Cindis Nervosität gesprochen?«, fragte ich.

»Glauben Sie wirklich, es hätte die interessiert, was ein Zwölfjähriger über die Stimmungsumschwünge seiner pubertierenden Schwester zu sagen hat?«

Da hatte er allerdings recht.

»Ihre Eltern sind beide tot, nicht?«, fragte Slidell.

Gamble nickte. »2005 platzte bei meiner Mom ein Aneurysma. Zwei Jahre später starb mein Vater bei einem Unfall mit Fahrerflucht auf der Straße vor unserem Haus. Das war echte Scheiße. Zehn Jahre ist er diese Strecke jeden Tag gegangen.«

Slidells Handy klingelte. Ohne hinzusehen, griff er sich an den Gürtel und schaltete ab.

»Was wissen Sie über J. D. Danner?« Slidell wechselte das Thema.

»Nie von ihm gehört. Wer ist das?«

»Führte damals die Patriot Posse an.«

Gambles Unterarmmuskeln zuckten, als er die Fäuste ballte. »Ich werde die Mistkerle finden, die das getan haben.«

»Beruhigen Sie sich. Wissen Sie irgendwas über Danner und seine Kumpels?«

»Hören Sie. Ich sag’s Ihnen immer wieder. Ich war zwölf. Ich war vor allem daran interessiert, keine Pickel zu bekommen.«

»Sprachen Ihre Eltern je darüber?«

Falten zeigten sich auf Gambles Stirn. Die trotz Klimaanlage schweißfeucht war.

»Kann sein, dass ich den Namen bei einem ihrer Streits mit Cindi gehört habe.«

»Worum ging es da?«

Gamble schüttelte den Kopf. »In diesem Sommer hatten sie jede Menge Streitereien. Ich hab versucht, sie mit Videospielen auszublenden. Ich weiß nur, dass es bei diesen Szenen immer um Lovette ging.«

»Was war mit einem Kerl namens Grady Winge?«

»Er arbeitet hier an der Rennstrecke. Nicht der Hellste, aber ganz okay. Warum? Hatte Winge auch damit zu tun?«

»Beruhigen Sie sich. Wir gehen nur Namen durch.« Slidell unterdrückte einen Schweinswurst-Rülpser. »Ethel Bradford?«

»Sie unterrichtete Chemie an der A. L. Brown. Haben Sie Mrs B. gefunden? Was hat sie gesagt?«

»Sie bezweifelt, dass Cindi aus eigenen Stücken durchgebrannt ist.«

»Hören Sie. Ich bin nicht verrückt. Jeder dachte damals dasselbe. Aber das war egal. Das FBI sagte der Polizei, was sie tun sollte. Und für das FBI war das Rennen schon gelaufen.«

Slidell stellte noch ein paar Fragen nach Tonya Hawke und Lynn Nolan.

An Hawke konnte Gamble sich nicht erinnern, an Nolan nur schwach. Seine Erinnerung war zwar nicht schmeichelhaft, aber ziemlich präzise. Der Körper aus dem  Playboy,  das Hirn von Mattel.

Anstatt die I-85 zu nehmen, fuhr Slidell auf dem Weg zum MCME auf der Sharon Amity Road quer durch die Stadt.

Eine kurze Bemerkung zu Charlotte. Unzählige Straßen in der Stadt sind nach einer Person oder einem Ort namens Sharon benannt. Sharon Road. Sharon Lane. Sharon Lakes. Sharon Oaks. Sharon Hills. Sharon View. Sharon Chase. Sharon Parkway. Ich kenne die Geschichte dieses Mädchens nicht, aber sie muss ein Knaller sein.

Für einige Meilen war das Knistern aus dem Funkgerät das einzige Geräusch im Auto. Slidell und ich waren beide introvertiert, dachten darüber nach, was Gamble gesagt hatte.

War Cindi ermordet worden? Laut Nolan hatte Cale sie schlecht behandelt. Weil er ihr verübelte, dass sie von ihren Eltern unterstützt wurde? Hatte sie letztendlich dagegen aufbegehrt? Hatte Cale sie umgebracht, weil sie die Beziehung beendet hatte? War Cale dann verschwunden, hatte vielleicht eine neue Identität angenommen? Hatte die Patriot Posse ihm geholfen, in den Untergrund zu gehen?

Waren Cindi und Cale beide ermordet worden? Wenn ja, von wem? Von der Patriot Posse? Warum?

Waren die Schlussfolgerungen der Sondereinheit korrekt gewesen? Waren Cindi und Cale aus freien Stücken verschwunden? Falls ja, warum? Wohin waren sie gegangen? Hatte die Patriot Posse damit zu tun?

War Gambles Verdacht gerechtfertigt? Hatte das FBI die Ermittlungen kontrolliert? Die Wahrheit über Cindi und Cale vertuscht? Falls ja, aus welchem Grund?

Ich dachte über die Fragezeichen in Rinaldis Notizbuch nach. Hatte Eddie gewusst, dass etwas nicht stimmte? Galimore?

Meine Gedanken sprangen von einer Assoziation zur anderen, von einer möglichen Verbindung zur nächsten.

Schließlich brach ich das Schweigen.

»Cindi war fast noch ein Kind. Cale war alles andere als weltgewandt. Falls sie aus freiem Entschluss weggingen, wie konnten sie ihre Spuren dann so effektiv verwischen? Ich meine, überlegen Sie mal. In all diesen Jahren keine einzige Unaufmerksamkeit, keine einzige Sichtung?«

»Bis auf Owen Poteat.«

»Der Typ vom Flughafen.«

Slidell nickte.

»Haben Sie was über ihn erfahren?«

»Werde ich.«

»Ich schätze, Gamble hat recht. Warum würde das FBI eine Vertuschung organisieren?«

»Darüber habe ich auch schon nachgedacht.«

Slidell bog rechts ab, bevor er fortfuhr.

»Sagen wir mal, das FBI hat Lovette umgedreht.«

»Ihn dazu gebracht, als Informant zu arbeiten?«

Slidell nickte. »Vielleicht hatte die Posse herausgefunden, dass er die Seiten gewechselt hatte, und deshalb ihn und seine Freundin umgebracht.«

Ich ließ mir das durch den Kopf gehen.

»Vielleicht war aber auch Cindi die Informantin«, sagte ich. »Vielleicht hatte sie genug von Lovettes Misshandlungen und war deshalb bereit, die Posse für das FBI auszuspionieren. Das würde ihre Nervosität erklären.«

»Na ja.«

»Oder wie wär’s damit? Cindi oder Lovette arbeiten verdeckt. Ihre Tarnung fliegt auf. Das FBI holt sie raus und bringt sie im Zeugenschutz unter.«

Slidell antwortete nicht.

»Wir sollten mit Cotton Galimore reden«, sagte ich.

Slidell machte dieses Geräusch in der Kehle, das er immer macht, wenn ihn etwas anwidert. Er mochte Galimore nicht. Wie Joe Hawkins. Warum nicht?

»Was war mit Galimore?«, fragte ich.

»Er hat die Marke entehrt.«

»Durchs Saufen? Viele Polizisten haben Schwierigkeiten mit der Flasche.«

»Das war noch nicht alles.« … ...