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Dean R. Koontz - „Wenn die Dunkelheit kommt“

ISBN: 9-783-453-09775-9

 

Klappentext:

Baba Lavelle ist ein Fremder in New York. Seine Domäne ist die Nacht, sein ständiger Begleiter der Tod. Er gebietet über die dunklen Kräfte des Voodoo. Grauam und entschlossen macht er sich an seine Aufgabe...

 

Inhalt:

Penny hört Geräusche. Da ist etwas. Etwas hat es auf sie abgesehen. - Am nächsten Tag ist ihr komplettes Schulfach ruiniert. Von Anfang an glaubt sie nicht an die üblichen Schulfeindlichkeiten.

Der Vater von Penny wird in der Zwischenzeit zu einem sehr seltsamen Mordfall gerufen. Niemand weiß so wirklich, wie das Opfer zu Tode gekommen ist.

Ein Voodoo-Priester hat es auf die Kinder des Kommissars abgesehen. An den Kommissar selber kommt er nicht heran.

Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Sie erscheint fast aussichtslos und doch ist Zeit für die Liebe...

 

Leseprobe:

… Der Neuschnee ließ die Straße heller und freundlicher erscheinen. Die Gegend war immer noch schäbig, schmutzig, von Abfall übersät und völlig heruntergekommen, aber sie sah nicht halb so schlimm aus wie gestern, ohne Schnee.

Carver Hamptons Laden war gleich um die Ecke. Auf dem Schild über, der Tür stand nur ein einziges Wort: Rada. Gestern hatte Jack Hampton gefragt, was dieser Name bedeute, und er hatte erfahren, daß es drei große Liturgien oder geistliche Richtungen gab, die das Voodoo beherrschten. Zu zweien gehörten die bösen Gottheiten; sie hießen Congo und Petro. Das Pantheon der guten Götter hieß Rada. Da Hampton nur mit Substanzen, Gerätschaften und zeremoniellen Gewändern handelte, die zur Ausübung der weißen (guten) Magie benötigt wurden, brauchte er nicht mehr als dieses eine Wort über der Tür, um genau die Kundschaft anzulocken, nach der er suchte - jene Leute aus der Karibik und ihre Nachkommen, die, als sie nach New York City verschlagen worden waren, ihre Religion mitgebracht hatten.

Jack öffnete die Tür; eine Glocke verkündete sein Eintreten, und er ging hinein und ließ den eisigen Dezemberwind draußen.

Auf das Klingeln hin kam Carver Hampton durch einen grünen Perlenvorhang aus dem Hinterzimmer an der Rückseite des Ladens. Er schien überrascht. »Lieutenant Dawson! Wie nett, Sie wiederzusehen. Aber ich hatte nicht erwartet, daß Sie noch einmal hierherkommen würden, noch dazu bei diesem abscheulichen Wetter. Ich dachte, Sie würden nur anrufen und fragen, ob ich etwas für Sie herausgefunden habe.«

Jack ging durch den Laden, und sie schüttelten sich über die Verkaufstheke hinweg die Hände.

Carver Hampton war großgewachsen, mit breiten Schultern und einem riesigen Brustkorb, er hatte etwa vierzig Pfund Übergewicht, wirkte aber sehr beeindrukkend. Auch wenn er nicht besonders gut aussah, wirkte er doch sehr freundlich, wie ein sanfter Riese, das Urbild eines schwarzen Santa Claus.

Er sagte: »Es tut mir so leid, daß Sie den ganzen Weg umsonst gemacht haben.«

»Dann haben Sie also seit gestern nichts herausgefunden? « fragte Jack.

»Nicht viel. Ich habe so herumgehorcht. Ich frage immer noch hier und da und stochere herum. Bisher habe ich nur erfahren, daß es tatsächlich jemanden gibt, der sich Baba Lavelle nennt und behauptet, er sei ein Bocor.«

»Bocor? Das ist ein Priester, der Hexerei betreibt – richtig?«

»Richtig. Schwarze Magie. Das ist alles, was ich weiß: daß es ihn wirklich gibt, worüber Sie sich gestern nicht so sicher waren; ich nehme also an, daß das wenigstens einen gewissen Wert für Sie hat. Aber wenn Sie angerufen hätten...«

»Tja, eigentlich bin ich gekommen, um Ihnen etwas zu zeigen, das nützlich sein könnte. Ein Foto von Baba Lavelle persönlich.«

»Wahrhaftig?«

»Ja.«

»Dann wissen Sie also schon, daß es ihn wirklich gibt. Lassen Sie es mich aber doch sehen. Es könnte von Nutzen sein, wenn ich den Mann beschreiben kann, nach dem ich frage.«

Jack zog das Hochglanzfoto aus der Innentasche seines Mantels und reichte es hinüber.

Hamptons Gesicht veränderte sich augenblicklich, als er Lavelle sah. Wenn ein Schwarzer überhaupt blaß werden kann, dann wurde er das. Nicht so sehr der Farbton seiner Haut veränderte sich, aber sie wurde stumpf und verlor alle Lebendigkeit.

Er sagte: »Dieser Mann!«

»Was?« fragte Jack.

Das Foto zitterte, als Hampton es schnell zurückgab. Er stieß es Jack hin, als wolle er es schnellstens loswerden, als könne er sich irgendwie mit einer schlimmen Krankheit infizieren, wenn er das fotografische Abbild von Lavelle auch nur berührte. Seine großen Hände bebten.

Jack fragte: »Was ist? Was ist denn los?«

»Ich kenne ihn«, sagte Hampton. »Ich... ich habe ihn schon gesehen. Ich wußte nur seinen Namen nicht.«

»Wo haben Sie ihn gesehen?«

»Hier im Laden?«

»Ja.«

»Wann?«

»Letzten September.«

»Seitdem nicht mehr?«

»Nein.«

»Was wollte er hier?«

»Er wollte Krauter und pulverisierte Blumen kaufen.«

»Aber ich dachte, Sie handeln nur mit guter Magie? Rada!«

»Viele Substanzen kann sowohl ein Bocor wie auch ein Houngon zu sehr verschiedenen Zwecken verwenden, für böse oder gute Magie. Es ging um Krauter und pulverisierte Blumen, die äußerst selten sind und die er nirgendwo sonst in New York hatte auftreiben können.«

»Gibt es noch mehr solche Läden wie den Ihren?«

»Einen, der so ähnlich ist, aber nicht so groß. Und dann gibt es zwei praktizierende Houngons - die beiden sind keine großen Magier, kaum mehr als Amateure, sie haben beide nicht genug Macht oder Wissen, um sehr erfolgreich zu sein - sie verkaufen die magischen Sachen in ihrer Wohnung. Aber die kennen alle drei keine Skrupel. Sie verkaufen an Bocors und an Houngons.«

»Lavelle kam also hierher, als er bei denen nicht alles bekommen konnte, was er brauchte.«

»Ja. Er erzählte mir, er hätte das meiste gefunden, aber er sagte, mein Laden sei der einzige, der ein vollständiges Sortiment auch der ganz selten benützten Ingredienzien für Zaubersprüche und Beschwörungen führt. Was natürlich stimmt. Ich bin stolz auf meine Auswahl und auf die Qualität meiner Ware. Aber im Gegensatz zu den anderen verkaufe ich nicht an einen Bocor - wenn ich weiß, daß er einer ist. Jedenfalls, dieser Mann, der auf dem Foto...«

»Lavelle«, sagte Jack.

»Damals kannte ich seinen Namen nicht. Als ich die paar Sachen einpackte, die er sich ausgesucht hatte, entdeckte ich, daß er ein Bocor war, und ich weigerte mich, das Geschäft abzuschließen. Er dachte, ich sei wie all die anderen Händler, ich würde einfach an jeden verkaufen, und er war wütend, als ich ihm nicht geben wollte, was er verlangte. Ich wies ihm die Tür und dachte, damit sei die Sache erledigt.«

»Das war sie aber nicht?« fragte Jack.

»Nein.«

»Er kam zurück?«

»Nein.«

»Was geschah dann?«

Hampton kam hinter der Verkaufstheke hervor. Er ging zu den Regalen, auf denen Hunderte und Aberhunderte von Flaschen standen; Jack folgte ihm.

Hamptons Stimme war gedämpft und hatte einen ängstlichen Unterton. »Zwei Tage, nachdem Lavelle hier war, war ich alleine im Laden, saß da hinten an der Theke und las - da fielen plötzlich alle Flaschen von den Regalen auf den Boden. Alle im gleichen Augenblick. Das war vielleicht ein Krach! Die Hälfte davon zerbrach, der Inhalt floß ineinander, alles war ruiniert. Ich rannte hin, um zu sehen, was geschehen war, wodurch das Ganze ausgelöst worden war, und als ich näherkam, begannen einige der verschütteten Krauter, Pulver und zerstoßenen Wurzeln ... nun, sich zu bewegen... eine Gestalt zu bilden... lebendig zu werden. Aus den Trümmern wand sich zusammengesetzt aus mehreren Substanzen... eine schwarze Schlange, ungefähr achtzehn Zoll lang, empor. Mit gelben Augen. Giftzähnen. Einer hin- und herschnellenden Zunge. So wirklich wie eine aus dem Ei geschlüpfte Schlange.«