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Thomas A. Barron - „Merlin und der Zauberspiegel“

ISBN: 9-783-423-70673-5

 

Klappentext:

Merlin übt seine Zauberkünste. Ein misslungener Springzauber versetzt ihn und Hallia ins verhexte Moor, wo Merlins Schwert von einem Vogel entführt wird. Bei ihrer Suche treffen sie auf einen jungen Mann, Ector. Merlin droht der tödlichen Verletzung eines Killerkäfers zu erliegen. Heilung kann nur der magische Schlüssel bringen, eines der sieben weisen Werkzeuge Fincayras. Als sie ihn nach zahllosen Abenteuern gefunden haben, erscheint Merlins alte Gegenspielerin Nimue: Schlüssel gegen Schwert, lautet ihr Angebot. Merlin setzt den Schlüssel jedoch ein, um den Zauber zu brechen, den sie über die Moorghule verhängt hat. Das Schwert steckt fest in einem Stein, nur Ector kann es herauszuziehen. Er gesteht, dass er aus einer anderen Zeit stammt, und verspricht, Merlin durch den Zeitspiegel nach Gramarye zu seinem Meister zu bringen, der ihn wird heilen können. Die wallenden Zeitnebel bringen sie zu Ectors Meister, der zu Merlins Verblüffung denselben Namen trägt wie er: Merlin steht sich selbst gegenüber! Und Ectors richtiger Name ist Artus. Ein Festmahl zu dritt krönt das ungewöhnliche Zusammentreffen. Auf dem Weg zurück durch die Zeitnebel wird Merlin klar, dass sein wahres Bild in ihm selbst liegt. Er hat den 'Spiegel, der kein Licht braucht' entdeckt. Auch der vierte Teil der Merlin-Saga ist voller Leidenschaft und Tiefgründigkeit und bereichert die Legende um eine faszinierende neue Dimension.

 

Inhalt:

Merlin will gerade seinen Schatten unter Kontrolle bringen, als ein Ballymag verletzt am Ufer des Flusses auftaucht. Merlin kann ihn heilen. Der Ballymag kann aber kein Vertrauen in das Menschenmonster fassen. Und als Merlin ihn an einen sicheren Ort schicken will, landen er und Hallia in einem sterbenden Wald.

Merlin kann zwar einen einzelnen Baum retten, jedoch nicht den ganzen Wald. Dazu muss er heraus finden, was genau los ist. - Klar ist, dass sich der Sumpf, das Heim des Ballymags ausgebreitet hat. Und dass die Moorghule im Sumpf ihr Unwesen treiben und alles töten und fressen, was da greucht und fleucht.

Merlin wird einmal mehr angegriffen. Dieses Mal sind es seltsame Käfer, die ihn zwar nicht stechen, ihm aber eine seltsame Schlinge auf die Haut legen, die dann in ihn hinein gekrochen ist und sein Leben bedroht. Merlin muss nun neben dem Wald, auch sich selber retten.

Ein Junge kann ihm helfen. Ein Junge, dem er später in seinem Leben noch einmal wiedersehen wird.

Die Reise durch den Spiegel gibt dem noch jungen Zauberer einige Anregungen, was sein Denken und Handeln betrifft. Denn seine Zukunft scheint eine lange zu sein.

 

Leseprobe:

… »Geben auf, Mberlin«, stöhnte Shim, er flüsterte, damit mich die Gewalt seiner Stimme nicht von der Oberlippe warf. »Es sein alles zu festgegleben.«

»Noch nicht. Vielleicht komme ich mit etwas anderem durch.«

Ich schob den Stock unter den Gürtel und griff nach meinem Schwert. Als ich es aus der Scheide zog, tönte die Klinge in der Luft und wie eine ferne Glocke hallte der Laut wider. Immer wenn ich ihn hörte, erinnerte er mich an die vorhergesagte Bestimmung des Schwerts – und an die wenn auch geheimnisvolle Verbindung zu meiner eigenen. Ich drehte die Klinge in der Hand und ließ sie in der Sonne blitzen. Kurz fing ich das Spiegelbild meines Gesichts auf, das stolz und, ja, zuversichtlich zurückschaute.

Vorsichtig zielte ich mit dem Schwert auf eins von Shims verstopften Nasenlöchern. »Halt still«, befahl ich. »Ganz still.«

»Du sein voller Wahnsinn«, murmelte er. »Nur nicht mbich stechen mbit dieser stochrigen Glinge.«

Ich holte mit dem Schwert aus und stieß es hinein. Obwohl ich es heftig drehte, kam kein Schleim heraus. Ich  riss es los, hob die glänzende Klinge über den Kopf und stach wieder zu. Diesmal verrenkte ich mir bei dem Stoß den ganzen Arm.

In diesem Moment drehte sich einer der anderen Riesen – die rosthaarige Frau – herum. »Halt!«, brüllte sie und schwenkte die langen Arme. »Der Mannling versucht Shim zu töten!«

Alle Riesen bis auf die beiden Ringer erstarrten augenblicklich. Sie stießen ein gemeinsames Wutgeheul aus. Dann rannten mehrere von ihnen mit zornverzerrten Gesichtern den Hang herauf. Ungeheure Hände griffen nach mir, bereit mir jeden Knochen zu brechen.

Ich fuhr herum und zog mein Schwert frei. Beinahe. Etwas in der verstopften Nase hielt die Klinge fest. Ich zerrte und drehte – ohne Erfolg. Ich hörte Hallia schreien. Im selben Moment wurde der Himmel über mir fast ganz dunkel. Der Geruch schweißiger Hände verdrängte den Sumpfgestank. Im nächsten Augenblick würden sich mächtige Finger um mich schließen und die Luft aus meinen Lungen, das Leben aus meinem Körper pressen.

Plötzlich warf mich ein Ausbruch, so heftig wie der eines Vulkans, hoch in die Luft. Meine Ohren platzten fast von dem gleichzeitigen Getöse. Ich schlug mit Armen und Beinen um mich und war mir, während ich hilflos fiel, nur meines Sturzes bewusst – und des schleimigen, graugrünen Schmutzes, der mir über Gesicht und Brust rann.

Denn Shim, das war mir klar, hatte geniest.

Ich schlug auf den Boden, rollte weiter, prallte auf und kam endlich zum Halten. Obwohl sich alles um mich  drehte, setzte ich mich auf und wischte mir übers Gesicht. Ich sah, wie sich weit oben am Hang die Riesen um Shim drängten, ihn schüttelten und tätschelten. Ich lächelte – und hoffte, dass er bald wieder stark genug war, um zu gehen. Und dass seine Nase endlich wieder frei war.

Ein wunderschönes Damtier sprang über das Gras auf mich zu. Es näherte sich einem Stein und sprang mit angezogenen muskulösen Beinen himmelwärts. Während es anmutig über das Hindernis segelte, verharrte es einen einzigen, magischen Herzschlag lang völlig reglos. Als es endlich landete, schien sich der Boden seinen Hufen entgegenzuheben. Und als es die letzten paar Längen zu mir lief, spürte ich im Gesicht den Luftzug, in den Beinen das Hämmern auf der Erde. Denn ich erinnerte mich schmerzhaft deutlich an die Freiheit beim Laufen wie ein Hirsch.

Ich dehnte die steifen Schultern und dachte an die Legende, die mir zuerst Cairpré erzählt hatte: dass vor langer Zeit alle Männer und Frauen in Fincayra fliegen konnten. Alle hatten Flügel, behauptete er, Flügel, die hoch geschätzt waren, bevor sie für immer verloren gingen. Viele Male hatte ich mir gewünscht, dass auch ich fliegen könnte. Doch als ich jetzt beobachtete, wie Hallia den Hang herunterlief und mir mit jedem Satz näher kam, wusste ich, dass ich lieber auf ganz andere Weise über den Boden fliegen wollte. Mit ihr an meiner Seite.

Ich sah, wie das Damtier langsamer wurde. Zugleich richtete es sich auf, hob den Kopf und verwandelte sich in eine junge Frau. Rasch schritt sie auf mich zu. Als sie sah, dass ich unverletzt (und mit Sumpfschlamm bedeckt) war, grinste sie.

»Mit Riesen gehst du wirklich ungewöhnlich um, junger Falke.«

»Nur wenn ihre Nasen verstopft sind.« Mühsam kam ich auf die Füße und schaffte es, trotz des Schmutzes, der an meinen Stiefeln klebte, aus dem Dreck herauszutreten. Aber abgesehen von ein paar Prellungen und einer aufgeschürften Hüfte spürte ich keine Verletzungen. Mein Stock hing immer noch an meinem Gürtel und war ebenfalls unversehrt. Genau wie der Ballymag – dessen gedämpftes Toben und Heulen in der Schlinge mir sagte, dass er wieder zu sich gekommen war. Und dass ihm offenbar nichts fehlte.

Hallias Grinsen schwand. »Bitte, lass uns ins Sommerland zurückkehren. Zu meinem Volk und auch zu meiner lieben Gwynnia. Sie wird inzwischen außer sich sein.«

Statt zu antworten schaute ich auf das dampfende Moor, das sich bis zum Horizont erstreckte.

Hallia las meine Gedanken. »Vielleicht findest du eine Möglichkeit zu helfen – aber später, wenn du mehr weißt. Die Ältesten meines Volkes können dir möglicherweise ein paar nützliche Dinge über das Moor erzählen. Und da ist auch noch Cairpré. Bestimmt kann er dir raten.«

Immer noch mit Blick auf den Sumpf nickte ich leicht. »Das könnte er, das stimmt.«

»Außerdem, junger Falke, kannst du einfach nicht dort hinein. Niemand geht dort hinein.«

Langsam drehte ich mich nach ihr um. »Warum zieht es mich dann so dorthin? Obwohl es mich abstößt – und ich die Gefahren fürchte, die es birgt?«

Sie seufzte. »Ich weiß es nicht. Aber solltest du nicht die Antwort darauf suchen, bevor du weitergehst?«

»Ich habe gesucht, glaub mir, aber alles ist verschwommen.« Ich kaute an meiner Lippe. »Ein richtiger Zauberer würde die Dinge sicher klarer sehen.«

Sie kam näher und fasste den schlammigen Ärmel meiner Tunika. »Ein richtiger Zauberer würde wissen, was er tun kann – und was nicht.« …