ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Thomas A. Barron - „Merlin und die Flügel der Freiheit“

ISBN: 9-783-423-70734-3

 

Klappentext:

Der fünfte und letzte Teil der Merlin-Saga! Nach den vielen Prüfungen, die Merlin bestanden hat, scheint sein Leben auf Fincayra in ruhigen Bahnen zu verlaufen. Er genießt das Zusammensein mit Hallia, der jungen Hirschfrau, und durchlebt seine erste scheue Liebe. Da schreckt ihn die düstere Prophezeiung des großen Geistes Dagda auf: Fincayra wird in der längsten Nacht des Jahres aufhören zu bestehen, wenn es nicht gelingt, alle Bewohner zu vereinen, um den Ansturm des Herrn der Unterwelt, Rhita Gawr, abzuwehren. Die Zeit ist knapp, wie soll Merlin alle rechtzeitig herbeirufen? Außerdem sieht er sich seinem schlimmsten Feind gegenüber, der ihm seltsam vertraut vorkommt. Es ist ein grausamer Krieger mit Schwertern statt Armen. Der fünfte und letzte Teil der Merlin-Saga stellt ihren Höhepunkt dar. Meisterhaft variiert T. A. Barron das klassische Thema des Wissens durch Mitleid.

 

Inhalt:

Merlin könnte sich an das ruhige Leben auf Fincayra gewöhnen. Er genießt die Zeit und die Liebe mit Hallia und ahnt nichts Böses, als Dagda mit ihm Kontakt aufnimmt. Es hätte so eine schöne Nacht werden können, doch Merlin bekommt den Auftrag Fincayra zu retten. Nicht nur er wird erneut durch Rhia Gawr bedroht, sondern mit ihm ganz Fincayra.

Merlin kann diesen Kampf nicht allein durchstehen. Er braucht die Hilfe so vieler Fincayrer, wie nur irgend möglich. Die ersten Verbündeten, seine Schwester und Hallia, schickt er direkt los, um um Hilfe zu bitten. 

Er selber macht sich auf den Weg zu Urnalda. Die Zwergenkönigin wäre mit ihrem Volk eine große Hilfe. - Doch die lässt ihn eiskalt abblitzen.

Statt dessen ist Merlin gezwungen, einen ganzen Haufen Kinder zu retten. Der Töten hat es auf sie abgesehen. Aber der Töter entpuppt sich am Ende als ein alter Bekannter.

Merlin Gerät einmal mehr in ein gewaltiges Abenteuer. Er lernt dazu, wächst über sich hinaus, verliert Freunde und hat am Ende doch ein großartiges Werk vollbracht.

 

Leseprobe:

… Bevor er widersprechen konnte, hob sie die Hand und schnalzte mit den Fingern. Ein scharlachroter Blitz fuhr durch die unterirdische Kammer und verdunkelte alles andere, sogar die Fackeln. Als sein Licht verblasste, zeigte sich die Veränderung des Zwergs: Sein wirrer schwarzer Bart war verschwunden. An seiner Stelle spross eine Masse rosa leuchtender Federn, zart gewellt wie das Gefieder eines exotischen Vogels.

Der ahnungslose Wächter stand reglos. Sein Gefährte jedoch fing an zu lachen – bis Urnalda ihn mit einem Blic zum Schweigen brachte. Ängstlich griff der verwandelte Zwerg hoch, um seinen Bart zu streichen. Als er Federn statt Haar spürte, stieß er ein grässliches Heulen aus. Er zupfte eine lange rosa Feder heraus, schaute sie an und schoss aus der Tür. Er lief den Gang entlang, seine klagenden Schreie hallten zwischen den Steinwänden.

Mit einem Seitenblick auf den anderen Wächter, der sich zitternd bemühte sein Lachen zu unterdrücken, drehte Urnalda ihre vierschrötige Gestalt mir zu. Ihre Wangen, normalerweise fahlgrau, waren immer noch zornrot. Während sie mich musterte, kniff sie die Augen zusammen. »Sein du begierig auf dein kostbares Schwert und den Stab?«

»Ich brauche sie, ja. Sofort! Denn wir haben viel Arbeit vor uns, du und ich.«

Wieder grinste sie schief. »Wir? Jetzt sein du es, der etwas will.«

»Das stimmt. Ganz Fincayra ist in Gefahr.«

»Fincayra?« Sie schniefte und rückte den juwelenbesetzten Reif auf ihrer Stirn gerade. »Und warum sein das von Bedeutung für die Zwerge, das Volk von Urnalda?«

Ich wollte antworten, da hob sie die dicke Hand. »Ich sein nicht interessiert an deinen Jammergeschichten, Merlin. Ich sein nur interessiert an meinem Volk.«

»Aber . . .«

»Still!«, befahl sie. »Und sein nicht so töricht eine deiner Zaubereien an mir auszuprobieren.« Sie senkte die Stimme ein wenig. »Du sein schlecht dran gegen deinen schwertarmigen Gegner. Und du sein noch viel schlechter dran gegen Urnalda. Außerdem«, fügte sie mit einem kehligen Kichern hinzu, »habe ich immer noch meinen Stock.«

»Du weißt Bescheid über den Töter?«

»Still!«

»Er könnte Teil des Plans gegen . . .«

»Still, junger Zauberer!« Sie beugte sich vor, ihre Ohrringe schaukelten, als sie zu mir aufschaute. »Hier sein meine Bedingungen. Beantworte meine Frage und ich gebe deine Besitztümer zurück. Versage, und . . . nun, das sein meine Entscheidung.«

»Du musst mir zuhören«, verlangte ich.

Sie stieß ihren Stock auf den Steinboden und wirbelte Staub und kleine Kiesel auf. »Nein! Du machst Fehler. Ich rede und du hörst zu.«

Mit Mühe hielt ich den Mund.

»Gut. Hier sein meine Frage.« Sie holte Luft, um zu sagen, was immer sie vorhatte, dann überlegte sie es sich plötzlich anders. Sie winkte dem Wächter. »Stell dich vor die Tür. Und horche nicht, sonst verwandle ich deine Barthaare in glitschige Würmer!«

Der Zwerg griff sich ängstlich an den Bart. Er hastete zur Tür hinaus und lief mindestens zwölf Schritte im Tunnel, bevor er stehen blieb. Offenbar zufrieden wandte sich die Zauberin mir zu. Sie räusperte sich und fing dann in rauem Flüstern an zu reden.

»Meine Frage sein diese: Seit einigen Wochen sein meine Visionen von der Zukunft merkwürdig bewölkt. Das sein nie zuvor geschehen, nicht bei Urnalda, so tapfer, so weise.« Sie schwieg und wählte sorgsam ihre Worte. »Ich sein unfähig etwas – überhaupt irgendetwas – zu sehen nach der Nacht, die wir Dundealgal’s Eve nennen, die längste Nacht des Jahres.«

Sie runzelte die blasse Stirn. »Außer . . . Schlangen. Geisterhafte Schlangen, die einander anzischen und bespucken. Sie sein oft in meinen Visionen.« Verächtlich spuckte sie sich in die Hände und rieb sie energisch aneinander. »Aber  Urnalda sein die Schlangen egal. Urnalda sein wütend, weil sie sonst nichts sieht!« Sie schnitt eine Grimasse und zitterte vor Zorn. »Das sein unerträglich. Eine Zauberin ohne Visionen!«

Ich nickte grimmig. »Und deine Frage ist, warum das geschieht?«

Sie stieß den Stock auf den Steinboden. »Das sein meine Frage.«

»Und wenn ich antworte, gibst du mir meinen Stock und mein Schwert zurück?«

»Das sein meine Bedingungen.«

»Die Antwort«, sagte ich entschieden, »hat nichts mit dir oder deinen Kräften zu tun. Du bist immer noch so mächtig wie eh und je. Stattdessen hat sie mit der Zukunft zu tun.«

Unverkennbar spiegelte sich Erleichterung auf ihrem Gesicht. Dann wurde ihr Ausdruck finsterer. Sie fragte, jetzt nicht mehr flüsternd: »Was sein diese Zukunft?«

»Ich weiß nur, was ich aus einer Vision vor einigen Nächten erfahren habe. Dagda ist zu mir gekommen und hat mit mir gesprochen.«

Urnalda richtete sich auf. »Der größte aller Geister hat zu dir gesprochen? Zu einem Zauberer, so jung, dass er sich noch einen Bart wachsen lassen muss?«

»Ja. Er sprach über die Zukunft.«

Sie schaute mich prüfend an, ich sah, dass es ihr darum ging, ob ich ehrlich war. Nach ein paar Sekunden nickte sie. »Sprich weiter.«

»Er sagte, dass in der längsten Nacht des Winters die Anderswelt der Geister und die Welt von Fincayra einander gefährlich nahe kommen werden. Eine Art Korridor wird sich zwischen ihnen am Steinring öffnen, beim Tanz der Riesen.« Ich holte mühsam Luft. »Und durch diesen Korridor  wird Rhita Gawr mit allen seinen Truppen hereinströmen, entschlossen jedes sterbliche Leben auf seinem Weg zu zerstören – es sei denn, du und ich und der Rest von Fincayra sind da und hindern ihn daran.«

Lange schaute sie auf eine der Fackeln, die an ihrem Halter in der Wand zischte und flackerte. »Hat er noch mehr gesagt?«

»Ja, einige Dinge, die ich nicht verstanden habe über verlorene Flügel und anderes. Aber das Entscheidende war eine Warnung, nicht nur an mich oder die Männer und Frauen, sondern an alle Bewohner dieses Landes.« Hoffnungsvoll streckte ich ihr die Hände entgegen. »Willst du nicht mitmachen, Urnalda? Und helfen die Welt zu retten, die wir gemeinsam haben?«

Sie schwang ihren Stock und schlug meine Hände weg. »Dir und den Menschen helfen? Neben denselben Kriegern kämpfen, die noch vor kurzem versuchten mein Volk zu vernichten?« Ihre Stimme wurde schrill. »Erinnerst du dich nicht, was euer Herrscher Stangmar, dessen Blut auch in deinen Adern sein, den Zwergen angetan hat?«

»Es ist unsere einzige Hoffnung«, beschwor ich sie.

»Eure  einzige Hoffnung! Das Volk von Urnalda wird sehr gut überleben.«

Ihr Gesicht entspannte sich, dann zeigte es tiefe Sehnsucht. »Eines Tages sein mein Volk wahrhaft frei von Verfolgung und muss keine Tunnel und Verteidungsanlagen mehr bauen. Dann legen wir ein großes Amphitheater aus Stein an, das offen sein für Luft und Himmel. Das Amphitheater von Urnaldas Volk! Ich will das seit mehr Jahren, als du lebst, Merlin! Ein Ort, wo ich alle meine Leute auf einmal sehen kann, ein Ort für meine wöchentlichen Ansprachen und für dramatische Stücke zu meinen Ehren.«

Plötzlich fuhr sie aus ihrer Träumerei. Wütend stampfte sie auf den Boden, so dass es durch die Steine des Raums dröhnte und den Fels zu erschüttern schien, der sekundenlang vibrierte. »Geh und rede mit den Riesen, diesen Dummköpfen mit den haarigen Füßen, über das Kämpfen mit dir! Sie sein gefährlich und fast so schrecklich zu den Zwergen wie Menschen. Aber sie sein dumm, sehr dumm, deshalb sein du vielleicht erfolgreicher.«

Finster schlug ich mit der flachen Hand an die Steinwand. »Du bist es, Urnalda, die dumm ist! Und stur – so unbeweglich wie diese Steine. Glaubst du wirklich, du kannst Rhita Gawr entkommen, nachdem er das Land oben in Besitz genommen hat? Dein unterirdisches Reich wird so leicht zerstört sein wie ein Schmetterlingsflügel in seiner Hand.«

Die Augen der Zauberin strahlten so hell wie die Fackeln. »Nie werde ich mich mit Menschen verbünden. Nie.«

Ich unterdrückte meinen Zorn und beschloss es ein letztes Mal zu versuchen. »Bitte. Ich weiß, wie sehr du dich um das Wohlergehen deines Volkes kümmerst. Ich habe viele Geschichten darüber gehört, wie viel du für sie in deiner Regierungszeit getan hast. Um ihretwillen musst du es dir noch einmal überlegen.« …